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I Entomoloöische Zeitüny. |
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^* 70. Jahrgang.
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Auszug:
aus der Satzung- des eutouiologischeu Vereins
zu Stettin.
§ 5. Jedes ordentliche Mitglied hat einen Jahresbeitrag
von zehn (10) Mark zu zahlen. Der Beitrag ist bis zum
30. Juni an den Rechnungsführer des Vorstandes zu ent-
richten. Der Rechnungsführer ist befugt, die bis zum 30. Juni
nicht eingegangenen Beiträge durch Postnachnahme zu erheben.
Der Vorstand ist befugt, ein Mitglied, das seine Beiträge
bis zum Schluß des Jahres nicht liezahlt hat, in der Mitglieder-
liste zu streichen. Durch die Streichung erlischt die Mitglied-
schaft des betreffenden Mitgliedes.
§11. Der Verein giebt eine Vereinszeitschrift unter
dem Namen „Entomologische Zeitung- heraus, die jedem Mit-
gliede unentgeltlich zugesendet wird.
Ueber die Aufnahme der in der Zeitung abzudruckenden
Aufsätze entscheidet die Redaktion, in zweifelhaften Fällen der
für diesen Zweck bereits eingesetzte, aus drei Vereinsmitgliedern
bestehende Ausschuß, dessen Mitglieder der Vorstand ernennt.
§ 12. Die Benutzung der Vereinsbibliothek ist den
Vereinsmitgliedern nach näherer Anordnung des Vorstandes der-
art gestattet, daß dem Verein daraus keine Kosten erwachsen.
Mitteilungen und Anfi-agen an die Redaktion werden
ausschließlich erbeten unter der Adresse:
Entomologischer Verein
zu Stettin
Lindenstraße No. 22.
Entotnologisclie Zeitung.
Herausgegeben
von dem
entomologischen Vereine
zu Stettin.
Siebzigster Jahrgang.
Stettin 1909.
Druck von R. Grassmann.
stettiner
Entoniologische Zeitung.
?0. Jahrgang.
Heft I,
f
Stettin 1909.
Druck von R. Graßraaiiii.
Auszug
aus der Satzung des entomoloj»isclieu Vereins
zu Stettin.
§ 5. Jedes ordentliche Mitglied hat einen Jahresheitrag
von zehn (10) Mark zu zahlen. Der Beitrag ist bis zum
30. Juni an den Rechnungsführer des Vorstandes zu ent-
richten. Der Rechnungsführer ist befugt, die bis zum 30. Juni
nicht eingegangenen Beiträge durch Postnachnahme zu erheben.
Der Vorstand ist befugt, ein Mitglied, das seine Beiträge
bis zum Schluß des Jahres nicht bezaldt hat, in der Mitglieder-
liste zu streichen. Durch die Streichung erlischt die Mitglied-
schaft des betreffenden Mitgliedes.
§ 11. Der Verein giebt eine Vereinszeitschrift unter
dem Namen „Entomologische Zeitung-' heraus, die jedem Mit-
gliede unentgeltlich zugesendet wird.
Ueber die Aufnahme der in der Zeitung abzudruckenden
Aufsätze entscheidet die Redaktion, in zweifelhaften Fällen der
für diesen Zweck l)ereits eingesetzte, aus drei Vereinsmitgliedern
bestehende Ausschuß, dessen Mitglieder der Vorstand ernennt.
§ 12. Die Benutzung der Vereinsbibliothek ist den
Vereinsmitgliedern nach näherer Anordnung des Vorstandes der-
art gestattet, daß dem Verein daraus keine Kosten erwachsen.
Mitteilungen und Anfi'agen an die Redaktion werden
ausschließlich erbeten unter der Adresse':
Entomologischer Verein
zu Stettin
Lindenstraße No. 22.
intomoloMsche Ziituni
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entomologischen \ ereine
zu Stettin.
Re-Iacuöii: I>r. Hdiriefa Dohra, Toisitzender.
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ojssmIssHHi bei der BTcfeS^ähmg 3- Friedläader * Sor.n iE Berlic.
1909. 70. Jahrgang. Heft L
Bericht über eine entomologische
Studienreise in Südamerika.
liT. Fr. Ohau«
Die frühere Svsteinatik:, die nach einzelnen anffalfencif-
morphologischen oder biologischen Mer' üe Fo— . '
einteilte, verfol" — --- - ' - r den Zv. _: .^ ._.; Registr:..-!
für die nns n-, -..— -- - r^esen zn schaffen, in der
anch die neu bekannt werdenden F imen leicht einmccdnen
waren: sie genügte auch, so lange man jede Form für eine
besondere Schöpfnng hielt. In einem natüihchen System.
dem die Anschantmg zugrunde hegt, daß i "" — ^-
Formen dm-ch gemeinsame Abstanmiimg n,.. '^^--
wandt sind raia " ? üe differenzierteren ans einfacheren
sich entwickeil läßt sich ihr Verhältnis zueinander
erst durch eine ^ ^^e Kenntnis ihrer McffiAologie
.l.Tgie — r-f : ie im weitesten Smne - '
eüögüitig feststeilen. Nun sind wir vc r.
lagen e:~ - - " -^.rlichen Svstems. einer v . ._: :_: — ^ - - - ~
der M:r_ ..e und Biologie aller hierher gehörenden
Formen, in allen Abteilungen der Z.:«:L:gie noch ziemlidi
weit entfernt, am weitesten aber ohne Frage in der, die
sich mit den Insekten beschäftigt. Unto: den Gründen
hierfür steht in erster Linie der, daß wir es hier mit einer
außerordenthch großen Mannigfaltigkeit der Formen zu
tun haben, die noch ständig wachsend den Überbhck über
das ganze Gebiet nahezu unmöghch macht und selbst eine
eingehende Kenntnis der einzelnen Ordnungen ungemein
erschwert. Sodann gestattet die bisher allgemein übliche
trockne Aufbewahrung der Insekten nur das Studium
des Körperskelettes und seiner chitinösen Anhänge; zum
Studium der inneren Organe fehlt es fast überall noch an
Material. Ferner wird der Biologie wenigstens in einigen
Ordnungen der Entomologie noch viel zu wenig Beachtung
geschenkt, obschon sie für die Systematik ungemein wichtig
ist; abgesehen davon, daß sie uns erst das Verständnis
für die morphologischen Merkmale ermöglicht, gibt sie uns
in vielen Fällen einen direkten Maßstab für die systematische
Bewertung geringer morphologischer Unterschiede bei äußer-
lich ähnlichen Formen. Schließlich wurde auch auf die
geographische Verbreitung der Formen und auf genaue
Fundortsangaben der einzelnen Stücke zu wenig Wert
gelegt; ein recht großer Teil des in den Sammlungen auf-
bewahrten Materials begnügt sich mit Fundortsangabßn,
die es für tiergeographische Arbeiten wertlos machen. Wenn
wir wollen, daß auch die Entomologie ihr Teil zur Lösung
der allgemeinen Aufgaben der Zoologie beitrage, dann
müssen wir vor allem bessere Grundlagen für ein natür-
liches System der Insekten schaffen und das können wir
vorläufig nur dadurch, daß wir uns spezialisieren, daß
wir uns auf das Studium einer kleinen Insektengruppe
beschränken und in dieser jede einzelne Form möglichst
eingehend in ihrer Morphologie und Biologie erforschen.
Aus diesen Erwägungen heraus habe ich mir vor etwa
15 Jahren die Ruteliden {Coleoptera lamellicornia) zum
speziellen Studium auserwählt, die nötige Literatur und
Material gesammelt, die größeren Sammlungen besucht,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
um Material und vor allem die Typen kennen zu lernen
und im Jahre 1898/99 eine Reise nach Petropolis bei Rio
de Janeiro in Brasilien (siehe Reisebericht in der Stettiner
E. Z. 1899/1900) unternommen, um auch die Biologie
und vor allem die Larven dieser Käfer kennen zu lernen.
Die Aufgabe, die ich mir gestellt, konnte ich damals nur
zum Teil lösen; von den zwei großen Hauptgruppen der
Ruteliden, die bei Petropolis vorkommen, gelang es mir
nur von der ersten, den sogen, echten Rutehden, die Biologie
und Ontogenie zu erforschen; von der zweiten, den Genia-
tiden, fand ich meist nur vereinzelte Stücke, ohne über
ihre Lebensweise und ilire früheren Stände genaue Kenntnis
zu gewinnen. Darum entschloß ich mich 1904 zu einer
neuen Reise, die in erster Linie das Studium der Geniatiden
bezweckte; nebenbei gedachte ich auch den Schrillappa-
raten der Lamellicomier und der Biologie der Mistkäfer
besondere Aufmerksamkeit zu %ddmen. Mein Ziel war
wiederum Petropohs, weil ich die Verhältnisse dort kannte
und sicher war, das nötige Material zu meinen Studien
in genügender :\Ienge zu finden; in zweiter Linie sprach
für diesen Ort das gesunde Klima und die angenehmen
Lebensverhältnisse — Faktoren, die bei einem monate-
langen Aufenthalt in den Tropen, wie ihn biologische Studien
erfordern, nicht gleichgültig sind. 1899 konnte ich meine
weiteren Reisepläne wegen Erkrankung an Dysenterie
nicht zur Ausführung brmgen, darum ging ich dieses :\Ial
nach Petropolis ohne bestimmte Absicht zu ferneren Reisen.
Erst nachdem sich meine Gesundheit während des sieben-
monatigen Aufenthaltes in Petropohs mit kurzen Abstechern
nach Theresopohs, Ouropreto und Saö Paulo als kräftig
genug erwiesen, ging ich über Buenos-Aires zu Lande nach
Vidparaiso. Von da reiste ich, angeregt durch die Sammel-
ausbeute des Herrn Richard Haensch nach Ecuador, und
sammelte in diesem Lande vom Mai ab bei Guayaquü an
Stett. entomoL Zeit. 1909.
der Küste, bei Pucay am Westabhang der Cordillere und
bei Riobamba und Quito auf der Hochebene; drei Monate
nahezu verbrachte ich in Loja und in dem auf der Ostseite
der Cordillere bei Zamora gelegenen Sabanilla. Im De-
zember 1905 verließ ich Ecuador und nahm den Rückweg
zum Amazonas auf einer ganz neuen Route von Baiios
über Canelos ein Stück den Rio Bobonaza hinunter, dann
über die Berge in nordöstlicher Richtung zum Rio Villano,
dann diesen und den Rio Curaray hinab zum Rio Napo
bis Iquitos. Mein Entschluß zu dieser Reise war damals
schnell gefaßt, offen gestanden auf recht unbestimmte
Informationen hin und mit mangelhafter Kenntnis der
Schwierigkeiten, die mir unterwegs begegnen konnten.
Ein glückhcher Zufall hat es gefügt, daß ich die Reise ohne
Unfaü in verhältnismäßig kurzer Zeit vollenden konnte,
aber ich war doch herzlich froh, als ich in Iquitos wieder
den Anschluß an die Zivilisation erreichte. Meine Reisen
machte ich ganz allein, nur wo dies nötig war, von weißen
oder indianischen Trägern oder Ruderern begleitet; das
hatte zwar manche Vorteile, aber auch den Nachteil, den
ich besonders auf dem Heimweg schwer empfand, daß
ich an günstigen Stellen aus Mangel an helfenden Kräften
die Gelegenheit zum Sammeln von Material nur unvoll-
kommen ausnützen konnte. Trotzdem habe ich außer
sehr vielen Lamellicorniern und ihren Larven, denen überall
meine Aufmerksamkeit in erster Linie galt, gegen 40 000
Insekten aller Ordnungen, viele Spinnen, Skorpione, Tausend-
füße, Asseln, Schnecken und Würmer, wie auch Amphibien
und Reptilien mitgebracht, die sich jetzt in den Museen
von Dresden, Hamburg und Stettin befinden.
In Ecuador, diesem dünnbevölkerten Land, das nur
eine Eisenbahnlinie und wenige Gasthäuser besitzt, ist
man bei Reisen ganz von Empfehlungen abhängig. ]Mit
einer guten Empfehlung kann man leicht die nötigen Last-
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
und Reittiere sowie Träger oder Ruderer bekommen; ohne
sie sind manche Reisen direkt unmöghch. Auch mit meinen
Arrieros und Trägern, weißen wie braunen, habe ich Glück
gehabt; ganz vorzüghch waren meine indianischen Ruderer
von Canelos nach San Antonio de Curaray und von da
nach Abel Vaca; behandelt man die Leute höflich und
zahlt ihnen den ortsüblichen Lohn, gönnt ihnen auch hie
und da ein freundliches Wort oder eine Zigarette, dann
tun sie für ihren Patron, was in ihren Kräften steht und
geben auch zu Klagen über mangelnde Ehrlichkeit keinen
Anlaß.
Der Dampfer verließ Hamburg am i6. August und
kam nach dreitägigem Aufenthalt in Antwerpen, den ich
zu einem Besuch Brüssels benützte, nach Leixoes, der
Hafenstadt von Oporto. Das Gelände ist hier wie auch
bei Lissabon für den Sammler nicht günstig; eine intensive
Bodenkultur verbunden mit künstlicher Bewässerung be-
schränken die Existenzbedingungen der Insekten aufs
äußerste; dazu kommt die schon Ende Mai beginnende
Hitze, die das waldlose Land ganz austrocknet. Eine
Excursion von zirka 5 Stunden brachte außer einigen
Schnecken, Asseln, Schmetterlingen und Hymenopteren
nur 2 Mistkäferarten, den Copris lunans in sehr großen
Stücken und den Onthophagus taurus, von dem letzteren
auch Brutpillen und Larven. Den nächsten Nachmittag
verbrachte ich in der alten Maurenfeste Cintra bei Lissabon;
das entomologische Ergebnis des Ausfluges war gleich
Null. Nach einer guten Fahrt kamen wir am 9. IX. nach
Bahia, wo wir zwei Tage blieben.
Bahia, ,,die Negerstadt", bietet für den flüchtigen
Besucher, zumal wenn er zum ersten Mal brasilianischen
Boden betritt, so viel des Neuen und Interessanten, daß
er damit die kurze Zeit, die der Dampfer gewöhnlich hier
liegt, vollauf ausfüllt. Die Szenerie ist zwar nicht so groß-
Stett. entomol. Zeit. 190D.
artig wie bei Rio und auch die Pflanzenwelt leidet durch
häufige Dürren, doch bekommt man einen guten Überblick
über die Natur des Landes um Bahia auf einem Spaziergang
nach Rio Vermelho. Durch den ersten Maschinisten des
Dampfers lernte ich einen reichen Brasilianer kennen,
auf dessen Landgut ich einige Stunden sammeln konnte.
Hier fand ich in einem Stubben von Paineira (Bombax-spec.)
in großer Zahl die Larven von Pelidnota fulva, in einem
abgestorbenen großen Stamm derselben Baumart die Larven
von Phileurus valgus und Strategns Aloeiis; auch an copro-
phagen Lamellicorniern war die Ausbeute befriedigend
und des Abends kamen außer Nachtschmetterlingen und
Wasserwanzen einige hübsche Dynastiden ans elektrische
Licht. Der 12. IX. brachte uns nach Victoria, der Haupt-
stadt des Staates Espirito Santo; die Einfahrt gleicht der
von Rio de Janeiro, nur daß hier alle Verhältnisse kleiner
sind. Mit Herrn Gagzo, dem ersten Maschinisten des Dampfers
machte ich am 13. und 14. mehrere Excursionen im Schiffs-
boot nach kleinen Inseln im Hafen und flußaufwärts. Flora
und Fauna sind infolge des heißeren und trockeneren Klimas
ziemlich verschieden von denen von Rio und Petropolis
und — wenigstens für den flüchtigen Besucher — erheblich
ärmer; die meisten Stubben waren von Termiten und
Ameisen besetzt, neben denen sich wohl einige Tenebrioniden,
aber keine Lamellicornierlarven fanden. Auch Coprophagen
w^aren selten, weil der Viehdünger von xA-meisen und Ter-
miten okkupiert war ; nur unter Steinen fand ich die Larven
eines Podalgiis und am elektrischen Licht außer Schmetter-
lingen die kleine Form von Coelosis hicornis. Wie sehr der
Flug der Nachtinsekten durch die Witterung beeinflußt
wird, konnte ich hier deutlich beobachten; am 12., einem
ruhigen, warmen Abend, kamen trotz des Regens viele
Insekten ans Licht geflogen; am folgenden Abend war es
kühl und trocken und dabei kam kein Tier an die Lampe.
Stett. eiitomol. Zeit. 1909.
Die kleinen mit Bromelien und Agaven bewachsenen
Felseneilande im Hafen zeigen nur ein ganz spärliches
Tierleben.
Am i6. IX. erreichten wir Rio de Janeiro, das vor-
läufige Ziel meiner Reise; die Zollrevision und einige Ge-
schäfte in der Stadt waren bald erledigt, so daß ich schon
am Nachmittag nach Petropolis weiterfahren konnte. Hier
ging es zu dem deutschen Photographen H. G. Papf, der
mir ein kleines Gartenhaus hinter seinem Wohnhaus zur
Verfügung stellte; es enthielt außer Schlafzimmer und
einem hellen Arbeitszimmer einen großen Raum, eine alte
Küche mit Wasserleitung, in dem ich meine Zuchtkästen
aufstellen konnte. Hinter dem Hause lag der Garten, der
direkt in wenig berührten Urwald überging und sich bald
als ausgezeichneter Sammelplatz erwies. Weit über die
Hälfte aller Arten, die ich bei Petropolis erbeutete, fand
ich auch hier; besonders Schmetterlinge, Dipteren und
Hymenopteren tummelten sich mit Vorliebe nahe dem
Bach am Rand des Bergwaldes.
Nachdem ich mich wohnlich eingerichtet, besuchte
ich die alten Sammelplätze, fand aber hier vieles verändert.
Die Stadt hatte sich ziemlich ausgedehnt und damit war
mancher kleine nahegelegene Sammelplatz verschwunden.
Am schlimmsten sah es im Karolinenthal aus; der Besitzer
hatte den ganzen herrlichen Wald niederschlagen lassen
und als Brennholz verkauft; alle die herrlichen Baumriesen,
die uralten Cecropien und wilden Feigenbäume mit ihren
gewaltigen Baumwürgern waren verschwunden. Auch
oben auf der Höhe fand ich alles verändert; die Holzfäller
hatten ihren Weg nach dem Moselthal schließlich doch
noch bekommen und an der Stelle des kühlen Waldes mit
seinem Reichtum an Farren und Schlingpflanzen fand
ich trübsehge Maisfelder und einige verlotterte Mulatten-
hütten. Auch am rechten Ufer des Itamaraty war ziemlich
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
10
I
viel geholzt worden, dafür gab es aber reichen Ersatz auf
dem linken Ufer, dessen Wald durch eine neue Pikade
zugängig gemacht war; ebenso gab es jetzt zu den großen
Wasserwerken einen bequemeren Weg durch das Schweizer-
thal. Nahe dem Alto da Serra, einem Platz mit sehr vielen
Niederschlägen, bot der Wald bei dem Hause des Herrn
E. P. Frank ein sehr bequem gelegenes und ungemein er-
giebiges Sammelterrain, und schließlich entdeckte ich bei
Cascatinha in einem heißen und trocknen Talkessel, der
von den Bomfimbergen nach Osten, Süden und Westen
abgeschlossen und nur nach Norden offen ist fast alle die
Arten, die ich bisher, nur bei Rio gefunden und daneben
einige ausgesprochene Campostiere. An Sammelplätzen
fehlte es also nicht, und da auch die Witterung im großen
und ganzen günstig war — Petropolis ist nun einmal ge-
segnet mit Niederschlägen — , so füllten sich Sammelkisten
und Zuchtkästen bald in erfreulicher Weise.
Bei meinem ersten Aufenthalt in Petropolis hatte
ich nach Möglichkeit die Lebensweise der Lamehicornier
im Freien beobachtet und die gefundenen Larven im Zucht -
kästen bis zur Verpuppung resp. bis zum Ausschlüpfen
des Käfers gezüchtet, um genau zu wissen, zu welcher Art
die gefundene Larve gehörte. Diesmal verfuhr ich anders.
Ich sammelte die Käfer, brachte sie mit ihrem Futter in
große Zuchtkästen, in denen auch die Bedingungen für
die Larven gegeben waren und konnte so den fertigen Käfer
beim Fressen, Fliegen und bei der Paarung beobachten,
die Art der Eiablage studieren und erhielt Eier und Larven,
von denen ich genau wußte, zu welcher Art sie gehörten.
Da, wo ich nicht wußte, ob die Eier in der Erde oder in
mulmigem Holz abgelegt würden, füllte ich den Zucht-
kasten zur Hälfte mit morschem Holz und Mulm, zur
anderen Hälfte mit Erde und überließ es dem Käfer, seine
Eier da abzulegen, wo die jungen Larven ihr erstes Futter
Stett. entomol. Zeit. 1909.
11
finden sollten. Auf diese Weise erfuhr ich z. R., daß die
Arten aus der Gruppe der Pclidnota aeruginosa ihre Eier
in der Erde ablegen, nahe der Wurzel eines abgestorbenen
Baumes, und daß die Larven erst später ins Holz gehen.
Man erhält bei dieser Art der Käferzucht vor allem die
Larven im jüngsten Stadium, das für die Systematik der
Lamellicornier ungemein wichtig ist, weil in ihm die Larve
Merkmale zeigt, die nach der ersten Häutung verloren
gehen und weil sie hier zuweilen eine Lebensweise führt,
die sie später ändert. Aber es ist dringend notwendig, in
einem Zuchtkasten nur Individuen einer einzigen Spezies
unterzubringen, damit später Zweifel an der Zugehörigkeit
der Eier resp. Larven nicht aufkommen können; bei den
Coprophagen kommt dazu, daß sich Indi\-iduen zweier
verschiedener Arten fast nie miteinander vertragen und
es darum gewöhnlich überhaupt nicht zum Nisten kommt,
wenn man verschiedene Arten zusammensperrt.
Als Futter gab ich den Käfern — abgesehen hier von
den i\Iistkäfern — die Pflanzen, an denen ich sie gefunden
und außerdem einige andere, die mir als Lieblingsfutter
von Lamellicorniern bekannt waren; solches sind Blätter
und Blüten von Inga (Rosaceen), Boehmeria (Urticeen),
Quaresma (Melastomaceen), Bambus (Gramineen) und
hängte schließlich in jeden Zuchtkasten an einer gebogenen
Stecknadel ein Stück reife Banane. Es ist bekannt, daß
die Arten der Gattung Lagochilc (Ruteliden) und Gyuinctis
(Cetoniden) hauptsächlich oder ausschließlich von weichen
Früchten leben; aber auch fast alle anderen pleurosticten
Lamellicornier fressen Bananen sehr gern und lassen ihr
gewöhnliches Futter unberührt, wenn sie Bananen haben
können. Das ist eine Beobachtung, die ihre Zucht ungemein
erleichtert. Ist ein Käfer beim Fressen, dann kann man
ihn dabei leicht unter der Lupe beobachten. Man findet
dann bei den Blatt- oder Blütenfressern, daß die Schneide-
Stett. cutomol. Zeit. 1909.
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zahne der Oberkiefer dazu benutzt werden, ein Stück Blatt
abzuschneiden, worauf es mit den Zähnen des Unterkiefers
gefaßt und von dem Netzwerk des Blattes oder von einem
kleinen Stiel, der beim Schließen der Oberkieferschneidezähne
nicht mit durchschnitten wurde, losgerissen und durch
Rückwärtsbewegen der Unterkiefer in die Mundhöhle ge-
zogen wird. Bis dahin war die Oberlippe nach oben weit
zurückgebogen, wie ein Tapirrüssel etwa oder wie eine
hochgezogene Falltür; jetzt wird sie gesenkt und verhindert
durch ihre nach hinten gerichteten starren Borsten das
nach vorn rutschen der Speise, die am Grund der Mund-
höhle zwischen den basalen Mahlzähnen der Oberkiefer
zerkleinert wird. Spitzenzahn und Seitenzähne der Ober-
kiefer werden nicht beim Fressen gebraucht; sie dienen
dazu, dem fertigen Käfer den Weg aus der Puppen wiege
zu bahnen, oder das Weibchen gebraucht sie, um sich den
Weg damit zu bahnen nach der Stelle, wo es seine Eier
ablegt. Die Unterkiefer sind beim Fressen fortwährend
in Bewegung, bald gemeinsam, bald einzeln für sich, ein
Hervorquellen der Nahrung nach der Seite zu verhindern;
sie werden später dazu benutzt, dadurch daß sie im Bogen
über die Borsten der Lippen streichen, die zwischen diesen
sitzen gebliebenen Speisereste in die Mundhöhle zu schieben
und die Lippen zu reinigen. Daß zwischen den Lippen-
l)orsten die Speicheldrüsen ausmünden, habe ich schon
früher mitgeteilt.
Ganz anders ist die Art zu fressen bei den Geniatiden.
Hier sind Ober- und Unterlippe starre Gebilde, an ihrer
Ansatzstelle wenig oder gar nicht beweglich, die eine durch
einen mittleren Fortsatz der anderen überlagert, so daß
der ^lund durch diese mittleren Vorsprünge in der Mitte
stets fest verschlossen ist und neben ihnen eine rechte und
eine linke Mundöffnung entsteht. Die Seiten dieses mittleren
Vorsprungs von Ober- und Unterlippe sind meist scharf
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
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wie eine Messerschneide, selten gezähnt. Wenn der Käfer
fressen will, dann umklammert er das Blatt — die Arten,
die ich beobachtet habe, fressen Gramineen, Bambus oder
Capim (Panicum spec.) ■ — am Rande sitzend von beiden
Seiten, biegt Ober- und Unterkiefer der einen Seite weit
zurück, nähert den Kopf dem Blattrand so, daß die Kante
des Blattes in die Mundhöhle ragt und schließt die Kiefer
wieder. Dadurch wird ein nahezu halbkreisförmiges Stück-
chen Blatt wie mit einer Schere zwischen den scharfen
Rändern von Ober- und Unterlippe einerseits, Ober- und
Unterkiefer anderseits abgeschnitten. In der ^Mundhöhle
wird die Speise zwischen den großen ]\Iahlzähnen an der
Basis der Oberkiefer zermahlen und mit Speichel reichlich
durchtränkt, so reichlich, daß immer etwas Speisebrei
zwischen den Kiefern austritt und beim Fressen den Rand
der Fraßstelle braun färbt. Der Käfer frißt vom Rand
aus nach der Mittelrippe des Blattes hin bogige Stücke
heraus, gebraucht beim Fressen aber immer nur die ]\Iund-
werkzeuge der einen Seite, bald die linken, bald die rechten,
nie beide zugleich.
Auch die Art des Fliegens läßt sich im Zuchtkasten
beobachten, wenigstens bei den Arten, die einen langsamen
Flug haben. Über die Art des Fluges von Pclidnota aeru-
ginosa habe ich mich schon früher geäußert (Stettiner E. Z.
1900 p. 187). Ganz ähnlich ist der Flug bei den Geniatiden.
Fast senkrecht steht dabei der Körper des Käfers; man
kann deutlich beobachten, wie die Deckflügel beim Beginn
des Fliegens mitschwingen. Ungemein langsam und geradezu
geisterhaft lautlos ist der Flug von Bolax phaleratus, der
immer nur kurze Strecken fliegt, dann ein Blatt am Rand
erfaßt, die Deckflügel schließt, ohne die häutigen Flügel
einzuschlagen und unter die Deckflügel zurückzuziehen,
sich etwas ausruht und dann weiter fliegt. Hier ist der
Flug genau genommen ein Schweben, wobei die Deck-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
14
flügel mehr oder weniger als Fallschirme funktionieren.
Ganz anders ist der Flug bei Macraspis, Lagochilc und
Gymnctis. Hier werden die Deckflügel nicht zum Fliegen
benutzt; die viel kräftigeren häutigen Flügel werden so
rasch bewegt, daß ein surrender Ton entsteht und der Käfer
nimmt auch beim Fliegen eine andere Haltung ein, die
Längsachse seines Körpers liegt wagrecht, ja vielfach liegt
der Kopf etwas tiefer als das Hinterende. Der Umstand,
daß alle die Arten mit einem solchen pfeilschnellen sausenden
Flug, die ich beobachten konnte, einen vorspringenden
Mesosternalfortsatz haben, hat mir den Gedanken nahe-
gelegt, ein solcher vorspringender Mesosternalfortsatz (viel-
leicht auch die vergrößerten Epimeren der Mittelbrust)
möge dazu dienen, den Schwerpunkt des Körpers nacli
vorn zu verlegen und damit erst einen solchen Gleitflug
zu ermöglichen. Die Beobachtung im Zuchtkasten gibt
ferner Aufschluß über die Lebensweise der Käfer, und
da ist es überraschend zu sehen, wie ganz nahe verwandte
Arten derselben Gattung oft biologisch verschieden sind,
sowohl in der Art des Futters, als in ihren Lebensgewohn-
heiten; die eine ist ein ausgesprochenes Tagetier, während
die nächst verwandte Art ein Dämmerungs- oder Nachttier
ist; die eme ist auch bei kühlem, regnerischem Wetter
lebhaft, kriecht herum und frißt, bei der anderen genügt
ein Herabgehen der Temperatur um 2 — 3 Grad, um zu
bewirken, daß sie bewegungslos, wie erstarrt, stillesitzt
oder sich in die Erde verkriecht. Ganz auffallend war die
Empfindlichkeit gegen niedrige Temperatur bei Lcuco-
thyreus niveopilosus, den ich nur an heißen, geschützten
Stellen beim Itamaraty, und Areoda Lcachi, die ich in dem
heißen Talkessel der Bomfimberge sammelte. Der Himmel
brauchte sich nur zu bewölken, dann hörten die Käfer
auf zu fressen, unterbrachen die Copula, saßen mit an-
gezogenen Beinen an einem Blatt oder krochen in die Erde;
Stett. entomol. Zeit. 1909.
15
kam dann wieder die Sonne durch oder brachte ich den
Kasten in die Küche neben den Ofen, dann wurden sie
schnell wieder lebhaft. Manche Dämmerungs- oder Nacht-
Käfer haben die Gewohnheit, in den heißen Mittagsstunden
eine kurze Zeit herumzufliegen und dann wieder einige
Stunden zu ruhen, ehe sie mit Untergang der Sonne wieder
zum Vorschein kommen.
Als ich einige Stücke von Augoderia nitidida, einer
hübschen Dynastide, die ich von Bambus oder anderem
dichtem Gebüsch klopfte, in den Zuchtkasten brachte,
war das erste, daß die ^ sich eines $ bemächtigten und
sich von ihm in Copulastellung herumschleppen ließen.
Allein sah ich die (^ nur beim Fressen; auch sie ziehen Ba-
nanen jedem anderen Futter vor. Ebenso machten es ver-
schiedene Arten Cyclocephala, die ich im Zuchtkasten
beobachtete und Areoda Lcachi und Banksi. Ich glaube,
daß bei allen Arten, deren ^ verdickte Klauengheder und
verdickte größere Klauen an den Vorderfüßen haben, die
^ die Gewohnheit haben, ein $ so im wahren Sinne des
Wortes ,, besetzt' zu halten, um jederzeit die Copula aus-
führen zu können ; die $ dieser Arten sind daher auch immer
größer und breiter, als die (^. Beim Fressen schlägt das
(5^ die größere Klaue an den Vorderfüßen, die Geschlechts-
klaue, ein und hält sich mit den Vorderfüßen, soweit es
diese überhaupt zum Festhalten gebraucht, dadurch an
der Unterlage fest, daß es die kleinere, spitze Klaue in sie
einbohrt.
Bei den Geniatiden wird die Copula meist in hängender
Stellung vorgenommen; das ^ steht im rechten Winkel
zum $; nur die Vorderbeine haben hier eine typische Hal-
tung, die verbreiterten Tarsen mit den Haftborsten werden
auf die Deckflügel des $ neben der Naht parallel zueinander
so aufgelegt, daß die Klauen den Hinterrand des Schild-
chens erreichen; die Mittel- und Hinterbeine umfassen
Stett. entomol. Zeit. 1909.
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bald den Seitenrand der Deckflügel oder die Beine des
$, bald umklammern sie ein Blatt oder einen Halm in der
Nachbarschaft. Nie habe ich beobachtet, daß das (^ einer
Geniatide sich in Copulastelhmg vom 9 hätte herumschleppen
lassen; sobald es die Vorderbeine in typischer Stellung
aufgelegt, angelt es mit den kurzen hakenförmigen Para-
meren des Forceps nach der Vaginalöffnung des 9. hebelt
dessen Abdomen nach oben, indem es sich nach vorn zieht
und schiebt dann rasch das lange Mittelstück des Forceps
bis zur Furche zwischen Mittel- und Basalstück in die Va-
gina ein. Nachdem der chitinöse Forceps seinen Zweck,
das weiche Vas deferens in die Samentasche einzuführen,
erfüllt hat, wird er wieder zurückgezogen und bleibt während
der stundenlangen Copula außerhalb des weiblichen Körpers.
Um ein Herausgleiten des Samenstranges aus der Samen-
tasche zu verhüten, ist er an seinem unteren Ende mit
feinen Wiederhaken oder Vorsprüngen versehen und diese
sind bei den verschiedenen Arten verschieden angeordnet
und geformt, so daß sie zu Trägern der Speziesdifferenzen
werden bei den Arten, deren Forcepsparameren wenig
oder gar nicht verschieden sind.
In der Ruhe schlägt der ^ seine verbreiterten Vorder-
tarsen nach unten um und hält sich mit den Vorderbeinen
nur, indem er den gekrümmten Spitzenzahn der Schienen
in die Unterlage resp. das Parenchym des Blattes, an dem
er ruht, einbohrt. Zum Festhalten in der Ruhe oder beim
Fressen werden in erster Linie die Mittelbeine benützt ;
die Hinterbeine werden in der Ruhe häufig gekreuzt.
In der Stettiner E. Z. 1899 p. 234 habe ich die Art
der Eiablage bei Macraspis cincta ausführlich geschildert;
sie ist im wesentlichen die gleiche bei allen Lamellicorniern,
die ihre Eier in altem Holz ablegen; Cetoniden und Trichiiden,
wie auch gewisse Ruteliden legen ihre Eier mehr oder weniger
lose zerstreut im Mulm alter Fraßgänge ab. Die Arten,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
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die ihre Eier in der Erde ablegen, machen für jedes Ei eine
kleine Eikammer ziirecht, die etwas größer als das Ei ist
und deren glatte Wand ganz feine Rillen erkennen läßt —
vielleicht herrührend von der Arbeit mit dem Apikaizahn
der Vorderschienen. Bei den Geniatiden haben einige
Arten, wie Bolax salticola, Leucothyreus suturalis und
Kirhyanus für jedes Ei eine eigene Eizelle, andere, wie
Bolax phaleratus legen ihre Eier alle in einem Haufen zu-
sammen oder in kleineren Partien nahe den Stengeln von
Pflanzen in der Erde ab. Die frisch ausgeschlüpfte Larve
bleibt zuerst ruhig in der Eikammer liegen, bis ihre Mund-
teile genügend erhärtet sind; dann frißt sie ihre Eischale
und darnach eine Zeit lang Erde, wie ein Regenwurm.
Die organische Substanz aus ihrer Nahrung verdaut sie,
die anorganische geht mit den Fäces wieder ab und auf
der Bruchstelle der letzteren kann man oft Quarzkörner,
Glimmerplättchen und dergleichen beobachten. Ent-
sprechend der voluminösen Nahrung ist das vorletzte und
letzte Abdominalsegment stark erweitert, bei einigen Genia-
tiden ist deren Durchmesser 3 — 4 mal so groß als der des
Kopfes. Die Pelidnotenlarven geben das Erdefressen bald
auf und dringen in die Wurzeln abgestorbener Bäume ein;
sie werden aus Geophagen Xylophagen. Die Geniatiden
sind bis zur ersten Häutung reine Erdfresser; da die Erde
ganz nahe der Oberfläche am reichsten an zerfallender
organischer Substanz ist, so halten sie sich immer dicht
an der Oberfläche, wie auch ihre Eier ganz nahe der Ober-
fläche, selten tiefer als 14 Zentimeter, abgelegt werden.
Nach der ersten Häutung gehen sie etwas tiefer, machen
sich eine Höhle nahe dem Wurzelstock eines Krautes, speziell
Capim (Panicum spectabile), und weiden die in ihre Höhle
liineinwachsenden Wurzeln ab. Die Larve von Bolax salti-
cola verliert nach der letzten Häutung ganz die starke
Erweiterung 'der beiden letzten Segmente; diese sind kaum
Stett. entomol. Zeit. 1909. 2
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dicker als die vorhergehenden; die Larve ist in diesem
Stadium ungemein beweghch, läuft auf einer harten Unter-
lage so rasch wie eine Carabidenlarve, während sie vor der
ersten Häutung sich kaum von der Stelle bewegen konnte,
und ist auch sehr bissig. Ich konnte mehrfach beobachten,
wie sie kleinere Larven, auch derselben Art, totbiß und
auffraß.
Mit der Lebensweise der Geniatiden nicht vertraut,
hatte ich bei meinem ersten Aufenthalt in Brasilien relativ
wenig Geniatiden gefunden und von ihren früheren Ständen
wie auch von ihrer Biologie fast nichts erforschen können.
Diesmal hatte ich mehr Glück, und machte schon gleich
in den ersten Tagen meines Aufenthaltes in Petropolis
eine Beobachtung, die mich auf die richtige Spur brachte.
Ich hatte mich auf einer Excursion verspätet, es dämmerte
schon und ich mußte einen steilen schmalen Pfad im Wald
vorsichtig herabgehen. Da sah ich im niedrigen Kraut
am Wege einen Käfer mit lautlosem langsamem Flug, wie
unsere Serica hrunnca, herumfliegen und sich dann nach
einem feinblättrigen Bambusbusch wenden; bald folgte
ihm ein zweiter und dritter; ich untersuchte das Kraut
am Wege und beobachtete, wie die Käfer aus der Erde
kamen, an dem Kraut in die Höhe krochen, dann abflogen
und nachdem sie sich orientiert die Richtung nach dem
Bambus nahmen. Es war Bolax phaleratus, von dem ich
etwa ein Dutzend (^ und ein $ fing, das ich von dem Kraut
abnahm. Zu Hause machte ich ihnen einen Zuchtkasten
zurecht, den ich unten lo cm hoch mit Erde füllte, stellte
ihnen ein Glas mit frischen Bambuszweigen hinein und
konnte sie noch am selben Abend beim Fressen und bei
der Paarung beobachten. Am nächsten Morgen kam ich
nach dem Bambusbusch zurück, klopfte ihn sorgfältig
in den Schirm ab, erhielt aber kein Stück des Käfers; da-
gegen kamen sie des Abends mit Einbruch der Dämmerung
Stett. entomol. Zeit. 1909.
19
wieder. Um Mittag macht der Käfer einen kurzen Flug
und darnach versteckt er sich häufig nicht wieder in der
Erde, sondern in dichtem Gebüsch auf der Unterseite eines
Blattes. Ich habe ihn später von allen möglichen Büschen
geklopft, gefressen hat er aber bei mir in der Gefangen-
schaft nur feinblättrigen Bambus und Capim; einmal sah
ich einen Käfer im Zuchtkasten feine Graswurzeln fressen.
Noch häufiger als B. phaleratus ist B. salticola; ich
habe davon mehrere tausend Stücke gesammelt. Der Käfer
frißt den großblättrigen Bambus, der Taquara genannt
wird (Bambusa Tacoara Mart.) ; er kommt des Morgens
aus der Erde, fliegt nach dem Bambus und frißt den ganzen
Tag tüchtig daran, aber immer an versteckten Stellen,
an der Unterseite der Blätter oder im Schatten sitzend;
man kann beim Abklopfen des Bambus ein Dutzend Exem-
plare in den Schirm bekommen, ohne daß man vorher
ein Stück auf diesem Busch sitzen sah. Der Käfer erscheint
im Freien und frißt tüchtig 3 — 4 Wochen lang, ehe er ge-
schlechtsreif ist. Das Männchen hat stets einen hellgelben
Vorderkörper; das junge Weibchen ist ebenso gefärbt,
aber mit dem Eintritt der Geschlechtsreife färbt sich der
Vorderkörper dunkler bis er schließlich bei alten $ schwarz-
braun wird. Bei geschlechtsunreifen Tieren sind die Deck-
flügel glasig und werden später scherbengelb undurch-
sichtig. Geschlechtsunreife $ werden nicht begattet, auch
nicht von geschlechtsreif en (^, obschon deren Detrusions-
trieb sie oft zu den rücksichtslosesten Angriffen auf in
copula befindliche Pärchen, auch von anderen Bolaxarten,
treibt; bei der Paarung strömt der Käfer einen starken
Geruch aus. Der Käfer ist von Ende September bis Ende
Februar gemein, ich fand ihn aber fast nur an Bambus;
im Zuchtkasten fraß er nur Bambus. Ferner fand ich an
einem feinblättrigen Bambus am Itamaraty eine neue
Art Bolax, die morphologisch dem sulcicollis, biologisch
Stett. entomol. Zelt. 1909. 2"
20
dem salticola nahesteht; diese Art fand ich immer nur
in wenigen Stücken.
Auch Bolax mutahiUs findet sich an feinblättrigem
Bambus, aber seltener; meist sitzt er an kleinen niedrigen
Büschen, an Inga und frißt auch gern Paineira, ; er ist ein
Tagetier, das sich mit Einbruch der Dämmerung verkriecht.
Bolax flavolineatiis, ein typischer Bewohner des Kamp-
gebietes, findet sich bei Petropolis nur in dem heißen trocknen
Talkessel in den Bomf imbergen ; er frißt alle möglichen
Gräser und niedrigen Kampkräuter, besonders Cabixi,
Hiptus Salzmanni, eine Labiate (nach Peckolt), und fliegt
den ganzen Tag über, wie auch in der Dämmerung.
Leucothyreus suturalis ist bei Petropolis nicht häufig;
ich fand ihn überall, aber meist nur in wenigen Exem-
plaren, an feinblättrigem Bambus und an Taquara, an
einer Art Lorber mit harten Blättern und kleinen weißen
Blüten und an Mimosen; er frißt auch von allen diesen
Pflanzen. Er ist ein Dämmerungstier, das auch zuweilen
am Tage fliegt.
Leucothyreus Kirhyanus findet sich häufig mit dem
vorhergehenden zusammen, ist aber bei Petropolis häufiger,
besonders an feuchten Stellen; im Schweizertal klopfte
ich von einer großblättrigen Mimose einmal über loo
Stück. Den Tag über steckt er in der Erde oder in dichtem
Gebüsch auf der Unterseite der Blätter; nach Sonnen-
untergang kommt er hervor und frißt die ganze Nacht,
mit Vorliebe Taquara.
L. niveicollis findet sich vielfach bei Petropolis, in
Anzahl aber nur am Itamaraty. Er sitzt den Tag über auf
der Unterseite der Blätter niedriger Büsche oder in der
Erde, und fliegt in der Dämmerung und zu Beginn der
Nacht umher. Im Zuchtkasten fraß der Käfer feinblättrigen
Bambus und die feinen zarten Blätter eines myrthcn artigen
Strauches.
Stett. eutomol. Zeit. 1901).
21
Das sind von Bolax und Leucothyrcus die Arten, die
ich häufig fand, die ich im Zuclitkasten beobachtete und
von denen ich Eier und Larven erhielt. Was die Konser-
vierung der letzteren betrifft, so habe ich darüber viele
Versuche angestellt und schHeßlich als die praktischste
Methode herausgefunden, die lebende Larve mit kochender
2 % Formalinlösung zu übergießen, sie etwa i Stunde
in der Formalinlösung zu belassen, so daß sie darin ab-
kühlt und alle Gewebe durch das Formalin fixiert werden
und sie dann in 12 — 15 % Alkohol zu übertragen. Larven
vor der ersten Häutung werden schwarz, wenn man sie
in stärkeren Alkohol bringt; solche, die die erste Häutung
schon hinter sich haben, kann man in stärkeren Alkohol
— etwa 30 % — bringen; solche, die nahe der Verpuppung
stehen, in etwa 60 prozentigen. Bei dieser Art der Konser-
vierung lassen sich an der jungen Larve durch die glashelle
Haut die ungemein verzweigten Appendices epiploicae
des Dickdarms und dessen Inhalt, die feinen Körnchen
des roten Latent sehr gut beobachten. Eine ausführliche
Beschreibung und Abbildung der Larve gebe ich später.
Die anderen Lcncothyreus-Arten waren Gelegenheits-
funde, ebenso alle Arten der Gattung Geniales, die ich mit-
brachte. Sie scheinen noch ausschließlicher, als Bolax
und Leucothyrcus, den Tag über in der Erde zu stecken
und nur am Abend herumzufliegen; trotz aller Bemühungen
konnte ich nie beide Geschlechter einer Art zur gleichen
Zeit bekommen, um sie bei der Paarung zu beobachten
und Eier resp. Larven von ihnen zu erhalten. Auch zum
Fressen konnte ich sie in der Gefangenschaft nicht bringen;
srüne, weiche Fäces, die ich bei einigen Arten beobachtete,
sprechen für Blätternahrung. Ich habe in der Berliner
E. Z. 1903 p. 237 den Schrillapparat eines ecuadorianischen
Geniales beschrieben, den ich am todten Käfer entdeckt.
Nun konnte ich bei mehreren lebenden Arten diesen Apparat
Stett. entomol. Zeit. 1909.
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in Tätigkeit sehen. Die Hinterhüften sind ungemein be-
weglich und die langen Hinterbeine können so weit nach
oben gedreht werden, daß die Tarsen sich über den Deck-
flügeln kreuzen. Der Seitenrand der Deckflügel ist fein
gekerbt, die Partie zwischen den dicht nebeneinander stehen-
den Kerben bildet kleine Höckerchen. Die Oberschenkel
tragen auf der Dorsalseite beim Knie einen braunen Fleck,
der unter der Lupe sich in eine Anzahl feiner brauner Leisten
auflöst, die schwach gebogen nahezu senkrecht zur Längs-
achse des Oberschenkels verlaufen. Faßt man den Käfer
vorn beim Kopf, dann gibt er einen lauten zirpenden Ton
von sich, indem er mit dem Knie über die Höcker am Seiten-
rand der Deckflügel, zwischen denen kurze starre Borsten
stehen, hinstreicht. Dieser Schrillapparat findet sich bei
vielen Arten der Gattung; bald nur am Hinterschenkel,
bald an Hinter- und Mittelschenkel. Der tote Käfer ist
meist einfarbig gelb. Beim lebenden Käfer ist das Haut-
skelett meist weißlichgrau, glasig durchsichtig; der Ansatz
größerer Muskelpartien scheint rötlich oder bräunlich durch;
die prim. Punktreihen auf den Deckflügeln erscheinen
nahezu schwarz.
Durch das Fahnden nach Geniatiden kam ich dazu,
dem Bambus meine besondere Aufmerksamkeit zuzuwenden
und er erwies sich bald als eine reiche Fundgrube für sehr
viele Käfer. In dem dichten Bambusgebüsch, in dem auch
viele welke Blätter hängen bleiben, so daß sich in Ast winkeln
manchmal dicke Haufen von abgestorbenen Zweigen und
Blättern ansammeln, leben Agra und die ihnen ähnlichen
Statira, Lebien und andere Carabiden, manche Staphy-
linen, Cisteliden und Tenebrioniden. Rüßler sind häufig
auf den Blättern, auch einige Chrysomeliden. In den welken
Blättern verstecken sich mit Vorliebe gewisse Melolon-
thiden, Isony.chus, Philochlaenia und Gama; auch Phytalus
frißt gern Bambus. Ebenso halten sich Acanthocerus und
Stett. entomol. Zeit, 1909.
23
Cloeotus gern in diesem Dickicht auf. Von diesen kleinen
Mistkäfern, die sicli wie eine Rollassel zusammenrollen,
klopfte ich in kurzer Zeit mehrere Arten von Gebüsch,
hauptsächlich Bambus, und nahm sie lebend mit nach
Hause, um sie in ihren Lebensgewohnheiten zu studieren
und, wenn möglich, zur Paarung und Eiablage zu bringen.
Ich machte ihnen einen Zuchtkasten zurecht, wie anderen
kleinen Coprophagen, mit Rinder- und Maultiermist, gab
ihnen auch einige welke Bambusblätter, aber sie machten
von der freundlichen Einladung keinen Gebrauch; als
ich 'nach einiger Zeit den Kasten revidierte, waren die Käfer
alle tot. Dann setzte ich einige andere Exemplare mit
welken Bambusblättern in eine Glasdose, um die Käfer
beim Herumkriechen und Fressen zu beobachten. Aber
sie sind, ungemein scheu; bei jeder Erschütterung oder
plötzlichen Belichtung der Dose rollten sie sich zusammen;
Stücke, die ich auf weißes Papier legte und mit einer Glas-
dose überdeckte, nachdem ich ihre Lage mit Bleistift fixiert,
blieben stundenlang zusammengerollt, ohne sich zu rühren.
Meine Bemühungen, ihr Futter kennen zu lernen, blieben
erfolglos, bis mich ein glücklicher Fund ihre Biologie kennen
lehrte. Ich stieß eines Tages am Itamaraty im dichten
Wald auf einen etwa i Meter dicken Stubben aus rotem
Holz, der schon ziemlich stark vermulmt war. Unter der
etwa daumendicken Rinde war eine mehrere Zentimeter
starke Schicht von Mulm, wie Schnupftabak, und in diesem
Mulm fand ich außer Paxillo'ides brasiliensis in allen Stadien
auch mehrere Stücke einer mir vollständig neuen, auf-
fallend schlanken Lamellicornierlarve. In der Rinde waren
mehrere kleine Puppenwiegen mit glatten Wänden, der
Zugang vom Larvenfraßgang mit feinem Fraßmehl zu-
gekittet, in denen gelblich-weiße Puppen lagen, aus denen
nach einigen Tagen Cloeotus globosiis Say ausschlüpfte.
Eine ausführliche Beschreibung und Abbildung der Larve
Stett. entomol. Zeit. 1909.
24
und Puppe werde ich später bringen; hier will ich nur kurz
auf den Schrillapparat der Larve und des Käfers eingehen.
Bei der Larve sitzt der Schrillapparat an den Vorder- und
Mittelbeinen. An den Vorderbeinen ist die ganze nach
außen und nach den Mittelbeinen gerichtete Seite mit
feinen Punkten bedeckt, die sich bei starker Vergrößerung
(600) als polygonale Chitinhöcker mit abgerundeten Ecken
und fein gerunzelter Oberfläche erweisen. Diese Höcker
stehen am dichtesten auf der Hüfte und hier wieder sind
sie am größten und stehen am dichtesten in der Mitte,
während sie nach der Peripherie kleiner werden und
weitläufiger stehen. Trochanter, Femur und Tibia tragen
nur kleine, meist runde und zerstreute Höckerchen.
Die Mittelbeine tragen an der dem Vorderbein zuge-
kehrten Seite auf Tibia und Fcmur in Längsreihen stehende
fein quere Chitinleistchen, die bei starker Vergrößerung
betrachtet etwa die Form eines Geigensteges haben. Der
Ton kommt in der Weise zustande, daß diese Chitinleistchen
der Mittelbeine im Bogen über die rauhen Höckerchen
der ruhenden Vorderbeine streichen und dadurch in Schwin-
gungen versetzt werden.
Beim Käfer sitzt der Schrillapparat an den Hinter-
hüften und dem Abdomen. Die Hinterhüften tragen auf
ihrer Dorsalseite nahe dem Ansatz des Trochantcrs eine
leicht kissenartig gewölbte dunkel pigmentierte nahezu
viereckige Makel, die bei starker Vergrößerung mit feinen
Querrillen besetzt erscheint. Am Abdomen trägt die Ventral-
platte des zweiten Hinterleibsringes, die in der Ruhe von
den Hinterhüften bedeckt wird und daher dünn und wenig
pigmentiert ist, in der Mitte eine dreiseitige gewölbte Er-
hebung, deren nach vorn gerichtete und stark pigmentierte
Spitze quer abgestutzt ist. Die Seitenränder dieses drei-
seitigen Wulstes sind mit schwarz pigmentierten kurzen
Leisten versehen, die etwa im Winkel von 45 Grad zur
Stctt. entomol. Zeit. 1909.
25
Längsachse des Körpers verlaufen. Der Ton wird in der
Weise hervorgebracht, daß das Abdomen im ganzen ruck-
weise von hinten nach vorn gezogen wird. Dabei streichen
die Leisten des Abdominalliöckers über che Querrilk-n
der beiden Hüftplatten, geraten in Schwingungen und pro-
duzieren einen hohen, zirpenden Ton.
Einmal auf der richtigen Spur, fand ich nach und nach
von 5 Arten der Gattung Cloeotus und 7 Spezies Acanthocerus
die Larven und Käfer. Die Käfer leben für gewöhnlich
mit den Larven zusammen im Mulm und fressen diesen
auch; sie verlassen ihren natürlichen Aufenthalt, den Mulm
unter der Rinde — tiefer ins Holz gehen sie nicht — wohl
nur zur Paarungszeit und kehren zur Eiablage dahin zurück.
Wie alle coprophagen Lamellicornier lassen auch sie sich
mit ^Menschenmist ködern, aber sie fressen kernen anderen
Mist ; ihre gewöhnliche Nahrung und die ausschließliche
Nahrung der Larven ist vermulmtes Holz. Gewöhnlich
fressen die Larven nur den Mulm; nur wo das Holz schon
stark vermodert ist, nagen sie sich Gänge im Holz. Die
Pui^penwiege wird zuweilen im Mulm selber angelegt, wobei
die Larve sich aus Mulm einen Kokon mit glatten Innen-
wänden zusammenklebt; gewöhnlich wird die eine Hälfte
der Puppenwiege aus der Rinde ausgenagt, die andere
aus INIulm daran geklebt. Die Tiere leben häufig zusannnen
mit l^issaliden oder in Stämmen, die vorher schon \-on
Passaliden bearbeitet w^aren; sie sind häufiger in rotem
Holz (Ccdern?) als in w^eißem (Ficus, Urostigma, Bombax).
Ebenso wie Cloeotus und Acanthocerus leben auch
Anaides und Chaetodus; beide fand ich als Larven zu-
sanmien mit Larven der genannten Gattungen und erhielt
aus ihnen den fertigen Käfer. Auch mehrere Arten der
artenreichen Gattung Ataenius leben als Larven und Käfer
in altem Holz, doch finden sich nur die größeren Arten
in rotem, stark vermulmten Holz, während eine kleinere
Stett. entomol. Zeit. 1909.
26
Art in härteres Holz geht und hier zuweilen im Bast Gänge
schrotet wie ein Scolytide. Larven und Käfer dieser ge-
nannten drei Gattungen haben besondere Schrillapparate,
die ich später ausführlich beschreiben und abbilden werde.
Schon früher habe ich darauf aufmerksam gemacht
(Stettincr E. Z. 1900 p. 211), daß die großen Bromelien
der Gattung Vrysea, die auf den Ästen großer Urwald-
bäume sitzen, ein beliebter Aufenthalt für viele Insekten
seien. Zwischen den harten, lederartigen Blättern sammelt
sich am Grunde Staub an, der mit dem Regenwasser und
Tau zusammen einen feinen Schlamm bildet. In diesem
Schlamm lebt ein Mistkäfer, Aphcngiuni seminuduui Bates.
Gewöhnlich findet man mehrere Exemplare beisammen,
meist 4 — 5; faßt man den Käfer mit der Pinzette
tin, dann gibt er einen feinen zirpenden Ton von sich.
Der Schrillapparat ist ähnlich dem von Geniatcs. An
INIittel- und Hinterschenkel befinden sich nahe dem
Knie eine Anzahl feiner Längsrillen, während auf dem
verbreiterten umgeschlagenen Seitenrand der Deckflügel
vorn eine Kante mit feinen Höckerchen verläuft,
hinten der Seitenrand selber mit feinen Höckerchen und
zwischen ihnen stehenden Borsten besetzt ist. Die
Längsrillen am Hinterschenkel sind bei allen Individuen
stark ausgebildet; am Mittelschenkel sind sie beild ebenso
stark wie am Hinterschenkel, bald nur ganz schwach an
gedeutet. Die Larve dieses Käfers habe ich nicht gefunden,
doch möchte ich glauben, daß sie ebenfalls in abgestorbenem
Holz lebt.
Meine Versuche, Mistkäfer in Zuchtkästen zu züchten,
waren meist erfolglos, wie ich glaube deshalb, weil ich
mehrere verschiedene Arten in einen Zuchtkasten zusammen
sperrte. Die Tiere störten sicli fortwährend beim Brüten
und zerstörten einander die frischen Brutpillen. Besonders
Onthophagiis hirculiis und Chocridium carhunarmm sind
Stett. entomol. Zeit. 1909.
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sehr geneigt, die Brutpillen größerer Arten mit Eiern zu
belegen und dadurch deren Larven in ihrer Entwicklung
zu stören. Von 2 Arten, Onthophagus hirculus und Phanacus
saphirinus konnte ich das Brüten genau beobachten und
will es hier kurz schildern; eine ausführliche Schilderung
und Abbildung der Brutpillen werde ich bei der Bearbeitung
der von mir gesammelten coprophagen Lamellicornier geben.
Onthophagus hirculus verfährt bei der Anlage der Brut-
pille wie Gcotrupes stercorarius. Er gräbt direkt unter dem
Misthaufen, Maultier- oder Rinder-Mist, oder in dessen
Nähe einen Stollen, füllt ihn vom Grund auf mit Mist und
legt obenauf die Eikammer an, die er mit einem Ei besetzt.
Der Mistzylinder ist 2 bis 3 cm lang, knapp i cm dick, die
Eikammer relativ groß, nicht abgesetzt, wie z. B. bei Atcu-
chiis. Der Mistzylinder wird von dem Elternpaar außen
nicht bearbeitet, es wird nur Mist in den Stollen wie in
eine Form hineingepreßt; der Raum über der Eikammer
wird mit Erde, nicht mit Mist, fest aufgefüllt. Die aus-
kriechende Larve frißt von der Eikammer aus langsam
in der Umgebung weiter; sie formt sich aus ihren eigenen
Fäces eine sehr harte schwarze Hülle, die sie rings umgibt
und in der sie sich auch verpuppt. Diese pechschwarze
Hülle hebt sich von dem :\list in dem Stollen scharf ab,
löst sich auch bald von ihm los und gleicht dann ober-
flächlich einem Fliegentönnchen. Auffallender Weise ver-
zehrt die Larve nur einen relativ kleinen Teil, selten mehr
als ein Drittel des Mistes, den die Eltern für sie in den Stollen
eingetragen; der Rest wird von dem frisch entwickelten
Käfer aufgezehrt, der hier erhärtet, nachdem er seine Puppen-
wiege durchbrochen hat.
Onthophagus hirculus zeigt, wie die anderen Arten
der Gattung und der coprophagen LamclHcornier über-
haupt, große individuelle Unterschiede in der Körpergröße
und Ausbildung der secund. sexuellen Merkmale. Man
Stctt. eutomol. Zeit. 1909.
28
hat diese früher auf die Reichhaltigkeit resp. Knappheit
von Nahrung im Larvenstadium zurückgeführt und gesagt,
reichhch ernährte Larven ergäben große Individuen mit
stark entwickelten secund. sexuellen Merkmalen und um-
gekehrt. Die Zucht des 0. hirciilus hat mir gezeigt, daß
diese Erklärung nicht richtig sein kann. Meine Tiere im
Zuchtkasten hatten reichlich Futter, die Wärme- und
Feuchtigkeitsverhältnisse waren für alle die gleichen imd
trotzdem erhielt ich große und kleine Individuen, starke
und schwache Männchen. Dieselbe Beobachtung machte
ich bei den Lucaniden Pholidotus Humholdti und Sclero-
sioinus costaliis und später bei verschiedenen Coprophagen.
Ich glaube, die Ursache dieser individuellen Variabilität
liegt in der stärkeren oder schwächeren Anlage der Keim-
drüsen, so daß eine größere oder kräftigere Keimdrüsen-
anlage als stärkerer Reiz zum Größenwachstum wirkt.
Phanciciis saphirinits (und ebenso floriger und Dcjcani)
gräbt direkt unter einem Misthaufen — ich gab ihnen Maul-
tier- und Rindermist — oder in nächster Nähe davon einen
Stollen, in den er so wie ich das von Gcotrupcs vernalis aus-
führlich geschildert, ein größeres Quantum Mist einträgt.
Von diesem Depot geht ein gewundener Gang bis auf den
Boden des Zuchtkastens und auf diesem eine Strecke weiter
bis zu einer Hc'ihle von der Größe einer kleinen Faust. In
dieser Höhle formen die Käfer aus sorgfältig ausgesuchtem
Material die Brutpille in F(jrm einer Kugel, 2 — 3 cm dick,
an die seitlich die Eikammer angesetzt wird, so daß die
Brutpille Birnenform erhält, wie bei Äteuchus. Darnach
wird die ganze Brutpille ringsum mit einer etwa i cm dicken
Schicht feinen Lehmes überzogen, die dem Hals der Birne
entsprechend über der Eikammer ebenfalls sich verjüngt
und vor der Eikammer wird eine etwa % cm lange und
ebenso hohe Luftkammer angesetzt, die gegen die Eikammer
und auf der entgegengesetzten Seite durch eine knapp
Stett. entomol. Zeit. 1909.
29
I mm dicke Wand abgeschlossen wird. Diese dünne Ton-
lamelle vor der Eikammer ist ganz intakt, die entgegen-
gesetzte, die nach dem Vorsaal hin liegt, trägt in der Mitte
ein kleines rundes Loch. Nachdem die ganze Brutpille
mit der i cm dicken feinen Lehmschicht umkleidet und
die Luftkammer vor der Eikammer aufgesetzt ist, wird
der Zwischenraum zwischen der Brutpille und den Wänden
der Höhle mit Erde aufgefüllt bis auf einen etwa 5 cm langen
und 2 cm hohen Raum vor der Luftkammer, den ich Vor-
saal nenne; er geht direkt in den gewundenen Gang über,
der nach oben führt und ist wie dieser mit Mist lose ange-
füllt. Er soll offenbar dazu dienen, dem frisch entwickelten
Käfer bis zum Erhärten Aufenthalt und Nahrung zu ge-
währen. Die Phanaeus-L^rve gleicht der von Geotrupcs
im Habitus, hat aber das dritte Beinpaar nur wenig kürzer
als das mittlere und ohne Schrillapparat.
Mitte Januar, fast am gleichen Tage wie 1899, fand
ich auf dem Weg nach dem Pedrassu in einem großen Ast-
stück ein Pärchen von Syndcsus brasiliensis. Der Schrill-
apparat des Käfers ist ähnlich dem von Geniales. Auf dem
gewölbten Seitenrand der Deckflügel und auf der gewölbten
neben dem Seitenrand verlaufenden Rippe, die nahe dem
Hinterrand soweit nach außen und unten herabsteigt,
daß sie in gleicher Höhe wie der Seitenrand verläuft, be-
finden sich im hinteren Drittel eine große Anzahl von Quer-
eindrücken. Am Hinterschenkel ist die ganze Partie nahe
dem Knie mit langen gebogenen feinen Rillen bedeckt,
die in der Hauptsache parallel zur Längsachse des Schenkels
verlaufen. Der Ton — so laut und deutlich wie bei einem
Passaliden — wird durch rasches, vibrirendes Hin- und
Herbewegen der Schenkel über den Deckflügelrand hervor-
gebracht.
Während meines Aufenthaltes in Petropolis 1898/99
hatte ich bei den dort gefvmdenen Passaliden eine voll-
Stett. entoinol. Zeit. 1909.
30
ständige Brutpflege beobachtet. Die Eltern bleiben bei
den Eiern und füttern die Larven bis zu ihrer Verpuppung
mit dem vermulmten Holz, in dem sie leben und von dem
sie auch selber leben. Die Larven sind nicht imstande,
sich selber zu ernähren und gehen, wenn man sie von den
Eltern trennt, zugrunde. Die Eltern bleiben auch bei den
Puppen und den frisch ausgeschlüpften Käfern; erst wenn
diese erhärtet und geschlechtsreif geworden, verlassen sie
den abgestorbenen Stamm, in dem sie groß geworden,
falls er für sie und ihre Nachkommen nicht genügend Raum
oder passendes Futter mehr bietet (Eintreten von Schimmel)
und gründen in einem anderen abgestorbenen Stamm oder
Stubben eine neue Familie. Auch diesmal habe ich den
Passaliden wieder große Aufmerksamkeit gewidmet und
durch Beobachtung im Freien wie auch durch Zucht im Zucht-
kasten die früheren Beobachtungen nachgeprüft. Nur
selten findet man einzelne Käfer im Freien oder in altem
Holz; geht man den Fraßgängen sorgfältig nach, dann
findet man meistens zwei Käfer, die sich durch Untersuchung
des Abdomens — äußere resp. secundäre sexuelle Merk-
male scheinen ganz zu fehlen — als (^ und $ erweisen. Findet
man mehrere Käfer einer Art in demselben Stamm, dann
zeigt eine genaue Untersuchung der Vorderschienen, der
Behaarung und der Genitalien, daß wir neben den Eltern
mehr oder weniger erwachsene resp. geschlechtsreif e
Junge vor uns haben. Niemals fand ich Passalidenlarven
für sich allein, stets traf ich bei genauem Nachsehen
auch den einen oder beide Elternkäfer in demselben Stamm
wie die Larven. In manchen Stämmen mit weichem, rasch
zerfallendem Holz, in wilden Feigenbäumen und Bombax,
Paineira, wie auch in Baum Würgern mit sehr langen Holz-
fasern schroten die Käfer rasch lange Gänge, und eilen
dann zuweilen den Larven weit voraus oder flüchten, wenn
man einen solchen Stamm von oben aufbricht, rasch in
Stett. entomol. Zeit. 1909.
31
das Innere oder nach der Unterseite, wohin ihnen die Larven
nicht so schneh folgen können ; manchmal gehen sie auch
in stark vermulmten Stämmen in die mulmige Erde unter
dem Stamm, wie überhaupt manche Arten sich mehr in
recht feuchten Stämmen und daher auf der Unterseite
liegender Stämme resp. in den Wurzeln von Stubben, andere
mehr in trocknem Holz aufhalten. Niemals gelang es mir
Larven, die ich mit den Eltern zusammen im Freien ge-
funden, ohne diese im Zuchtkasten weiter zu züchten und
zur Verpuppung zu bringen. Erst wenn die Larve soweit
erwachsen ist, daß sie auch im Freien nicht mehr fressen
kann, weil sich infolge der beginnenden Umbildung zur
Puppe die die Kiefer bewegenden Muskeln gelöst haben,
dann erst kann man im Freien gefundene Larven ohne
die Eltern im Zuchtkasten zur Verpuppung bringen. Einige
Arten scheinen eine ziemlich regelmäßige, an best'mmte
Jahreszeiten gebundene Entwicklung zu haben; Ende
September und Anfang Oktober, zu Beginn der Regenzeit,
fand ich vielfach Paare von Käfern ohne Larven oder nur
mit Eiern. Andere Arten sind in ihrer Entwicklung unregel-
mäßig und man findet bei ihnen zu jeder Zeit Eier, Larven
in verschiedenen Stadien und Puppen, resp. frisch ent-
wickelte Käfer zusammen. Dies ist offenbar der Übergang
zur Koloniebildung, von der ich ein hübsches Beispiel bei
einer Art beobachtete, die mir Herr Gilbert J. Arrow vom
British Museum als Passakts dijficiUs Kuw. bestimmte.
Als ich am 31. Januar am Itamaraty sammelte, stürzte
plötzlich in meiner Nähe ein etwa 75 cm dicker, etwa 20
Meter hoher Urwaldbaum über den Weg. Beim Nieder-
stürzen brach der Stamm weit auf, die Rinde sphtterte
ab und flog davon und es fielen Hunderte von Käfern,
Eiern, Larven in allen Stadien und Puppen heraus, die den
Stamm von einer Stelle nahe der Wurzel aus vollständig
mit Gängen durchsetzt hatten. Nur die Partie oben bei
Stett. entomol. Zeit. 1909.
32
den Ästen war noch hart. Ich sammelte über loo Käfer
von den verschiedenen Teilen des Stammes; sie gehörten
alle zu derselben Art. Außer ihnen fand sich in dem Stamm
kein anderer Passalide, dagegen viele Blattiden, die ja
immer in Gesellschaft der Passaliden leben, Larven, Puppen
und Käfer von Parandra und Mallodon und vor allem
Cloeotus; in den abgestorbenen Zweigen hausten Scoly-
tiden und kleine Cerambyciden.
Einige Exemplare von Gymnetis hehraica, die ich An-
fang Januar mit Bananen köderte, veranlaßten mich, den
Käfer im Zuchtkasten zu beobachten und zu züchten.
Bananen zieht er allem anderen vor; die verschiedenen
Blüten (Rosen, Inga, Boehmeria) berührte er nicht, so lange
Bananen im Zuchtkasten hingen; er frißt unermüdlich,
das $ auch bei der Copula, die lange dauert und bei der
das (^ nur mit den Klauen der Vorderbeine eine typische
Stellung einnimmt — es umfaßt damit den Seitenrand
der Deckflügel ziemlich weit hinten über den Hinterhüften
— während die Haltung der Mittel- und Hinterklauen
unregelmäßig ist und während der Copula öfter gewechselt
wird. In den Zuchtkasten brachte ich ein Wurzelstück
einer abgestorbenen Figueira, umgab dies ringsum mit
Mulm und Fraßmehl aus den Zuchtkästen von Macraspis-
larven und füllte den Kasten rings um den Mulm mit Erde
(rotem Laterit) auf. Das $ ging bis auf den Grund des
Zuchtkastens (lo cm) und legte seine Eier alle in der Erde
ab, die ersten unten, die weiteren nach oben aufsteigend.
Jedes Ei hatte eine kleine Eikammer im Lehm mit glatter,
leicht gerillter Wand, das gelblichweiße Ei mit einer dunkleren
Kittsubstanz am Boden der Eikammer festgeklebt. Die
frisch ausgekrochenen Larven fressen Lehm und bekommen
dadurch bald das charakteristische kolbig verdickte Hinter-
leibsende. Aber schon nach kurzer Zeit, noch vor der ersten
Häutung, gehen sie in den Mulm und fressen diesen. Sie
Stett. eutoiuol. Zeit. 1909.
33
bekommen jetzt die auffallend langen, dunkleren Haare,
das Abdomen bleibt stark verdickt, was ihnen ein ganz
auffallendes Aussehen gibt und zugleich mit der Gewohn-
heit, rasch und mit leicht wellenförmiger Bewegung des
Körpers auf dem Rücken zu kriechen, sie von anderen
Lamellicornierlarven leicht unterscheidet. Nach der ersten
Häutung werden die Haare kürzer und heller, der Hinter-
leib wird nur wenig dicker als der Vorderleib, die Larve
geht ins Holz und schrotet sich darin ihre Gänge wie eine
holzfressende Rutelidenlarve. Leider konnte ich die weitere
Entwicklung nicht beobachten; der Zuchtkasten mit den
großen Larven wurde mir auf der Reise von der gelben
kleinen Schiffsameise überfallen, die Larven getötet und
aufgefressen. Ich möchte aber glauben, daß die Larve
später wieder in die Erde geht und sich darin verpuppt.
Eine eigentümliche Beobachtung machte ich am 20. XH.
über einen Gyriniden. Ein kleiner Nebenfluß des Itamaraty
bildet einen kleinen aber tiefen See, den Nymphenteich,
der rings von hohem Wald umgeben ist. Beim Baden darin
sah ich e'nes Tages an einer Luftwurzel, die von einem
Ast bis ins Wasser herunterhing über dem Wasser einen
dunklen länglichen Klumpen; als ich näher heranschwamm,
zeigte es sich, daß dieser Klumpen aus weit über 100 Käfern
bestand, die sich aneinander festhaltend wie ein Bienen-
schwarm außerhalb ihres gewohnten Elementes ein Luftbad
nahmen. Ich holte mein Netz, brachte es vorsichtig unter
die Luftwurzel und fing so die ganze Gesellschaft. Am
31. I. beobachtete ich an derselben Stelle dieselbe Er-
scheinung; beide Male war es drückend heiß, kurz vor Aus-
bruch eines Gewitters.
Meine früher berichtete Beobachtung über Omoplata
pallidipennis konnte ich bei dieser Art mehrfach bestätigen
und auch andere Cassiden, speziell die gemeine Pseudo-
mcsomphalia thalassina, die an einem niedrigen Busch
Stctt. entomol. Zeit. 1909. 3
34
(Solanee?) lebt, beobachten, wie sie ihre jungen Larven
mit ihrem vorspringenden Schild bedeckte. Dagegen muß
ich meine Beobachtung über Coclomyra cayennensis be-
richtigen; ich hatte damals mehrere Chrysomeliden zu-
sammen in einem Zuchtkasten und dadurch kam es zur
Verwechselung ihrer Larven. Die C. cayenncnsis ist von
Anfang Oktober bis Ende November häufig; selbst bis
zum Platzen schwangere $ werden noch von o begattet.
Von Ende Oktober ab findet man ihre Eierhaufen, etwa
kirschkerngroße fest zusammengekittete Klumpen, auf den
frisch entfalteten Blättern des Ame:senbaumes, Embauba,
Cecropia adenopus. Anfang Januar fand ich die ersten
Larven, die zuerst braungelb, später glänzend schwarz
werden und eine ganz eigentümliche Gestalt haben. Sie
fressen nur die Blätter der Embauba, diese aber so gründlich,
daß von den befallenen Blättern nur das Netzwerk übrig
bleibt.
Im Garten hinter dem Hause stand eine schöne, 20 — 25
Meter hohe Paineira (Bombax), die mehrfach von dem
Sägekäfer serrador, Oncoderes Dejeani, angegangen wurde.
Am 3. L sägten die Käfer einen 12 cm dicken Ast ab. Auf-
fallend ist, daß sie immer den Ast absägen, auf dem sie
sitzen; an dem herabgestürzten Paineiraast saßen 2 $ i (^.
Am 8. L beobachtete ich eine kleinere Art, braun mit gelben
Makeln, Oncoderes impluviatus Germ., w e sie einen 5 cm
dicken Melastoma-Stamm etwa eine Spanne hoch über
der Erde absägte. 3* und $ saßen nebeneinander und nagten
an der Kerbe bis zu einer gewissen ■ Tiefe ; dann rückten
sie seitlich weiter und nagten wieder, bis sie die bestimmte
Tiefe erreicht hatten. Als ich die Käfer fand, hatten sie
schon eine oberflächliche Kerbe, die ringsum Rinde und
Bast durchschnitt, angelegt. Sie legen ihre Eier in die
Markhöhle des abgesägten Endes, nicht in das stellen-
bleibende.
Stett. eutomol. Zeit. 19U'.).
35
In meinem früheren Reisebericht (Stettiner E. Z. 1900
p. 239) habe ich einen kleinen Laubfrosch erwähnt, der
in den Ritzen oder an verdeckten Stellen vom Wasser über-
rieselter Felswände sitzt und wie ein kleiner Papagei schreit.
Ich fand ihn hauptsächhch an düsteren feuchten Stellen
im Wald, am Itamaraty und beim Alto da Serra und bin
manchmal erschrocken, wenn mir, während ich in einem
alten Baumstamm einen Lar^-enfraßgang aufmerksam ver-
folgte, plötzhch sein eigentümlicher Schrei aus nächster
Nähe in die Ohren drang. Es gelang mir diesmal, seine
Lebensweise und Ent\ncklung festzustellen. Unter vor-
springenden Steinkanten oder Lebermoosen an Felswänden,
die vom Wasser immerzu überrieselt werden, wird der
Laich in großen schwammigen Klumpen angeheftet. Die
Larven gleichen unseren Kaulquappen im Umriß, haben
auch einen langen, kräftigen Schwanz, aber sie sind flach
und ihre ganze Unterseite ist in eine einzige große Haft-
scheibe umgewandelt, mit der sie sich an den senkrechten
oder mindestens stark geneigten Felswänden festhalten.
Ihre Grundfarbe ist rotbraun wie der Granit des Küsten-
gebirges mit dunkleren Flecken und Strichen, so daß sie
von der Unterlage kaum zu unterscheiden sind. Unter
kräftigen Bewegungen des Schwanzes steigen sie gegen
die Strömung an den Felsen hinauf, saugen sich fest, so-
bald sie ermüden oder Nahrung gefunden und schießen
bei jeder Störung mit der Strömung herab, verstecken
sich unten und steigen dann allmählich wieder stromauf.
Herr WandoUek hat das Tierchen, das sich als neu erwies,
in den Abhandlungen des Kgl. Zoolog, und Anthrop.-Ethno-
graph. Museums zu Dresden tom. XL 1907 beschrieben
und Hylodes petropolitamis genannt.
Am 19. Januar machte ich einen Ausflug nach Thereso-
pohs, das landeinwärts von dem die Bai von Rio de. Janeiro
im Norden begrenzenden Teil des Küstengebirges liegt,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
36
der wegen seiner eigentümlichen schroffen Zacken den
Namen Orgelgebirge, Serra dos Orgaes, trägt. Ich fuhr
am Morgen in halbstündiger Fahrt mit der Leopoldina
Railway von Petropolis nach der Station Itaipava, wohin
ich mir von Theresopolis briefl'ch Reittier und Führer
bestellt hatte. Von da führt der Weg in einem weiten
schönen Tal, in welchem die gut gehaltene große Fazenda
des Dr. Fialho liegt, langsam bergauf, bis man nach etwa
zweistündigem Ritt an e'ner Vende Halt macht, um zu
rasten und zu frühstücken. Von hier ab wird der Weg rasch
enger und steiler, bald ist er nur noch eine schmale Pikade,
ein Ziegenpfad, auf dem die Tiere mühsam aufwärts klettern.
Unten ist das Tal fast in ganzer Ausdehnung mit Vieh-
weiden bedeckt, unterbrochen von niedrigem zerstreuten
Buschwerk, oben auf dem Kamm des Gebirges, der in der
Regenzeit, Oktober bis März, fast immer in Wolken gehüllt
ist, herrscht dagegen üppiger Wald, durchzogen und über-
wuchert von verschiedenen Arten Bambus, besonders von
einer Art mit sehr langen Halmen und fein gefiederten
Blättern, hier bengala (Spazierstock) genannt. War es
schon schwer gewesen, auf die Höhe h'nauf zu kommen,
so war es noch schwerer dort weiter und gar auf der anderen
Seite wieder herunter zu kommen Der Weg war nach
brasilianischer Sitte vor langen Jahren einmal gut in Stand
gesetzt und seitdem nie in Stand gehalten worden. Nun
war er so ziemlich an der Grenze der Passierbarkeit ange-
kommen und selbst meine alte Mula, die doch schon so
manchen bösen Weg gewandelt, schüttelte an einigen Stellen
wo auf den schiefen Granitwänden der ganze Weg in die
Tiefe gerutscht war, bedenklich ihre langen Ohren, als
wüßte sie nicht, wie sie da hinunterkommen sollte. Ich
wußte es auch nicht recht und glaubte recht vorsichtig
zu handeln, als ich an einer besonders kritischen Stelle
abstieg und in der Gangart der Freifrau von Droste-Vische-
Stctt. entomol. Zeit. lOO'.i.
37
ring, d. li. auf allen Vieren meinen Weg begann. Aber eine
etwas hastige Ttilfahrt, bei der ich außer einigen Ouadrat-
zentimetern Epidermis ein Beinkleid und den Regenschirm
einbüßte, überzeugten mich bald, daß ich besser daran
tat, mich auf der Mula Beinwerk als auf das eigene zu ver-
lassen. Nachdem wir den Kamm der Serra, die Region
der ständigen Nässe, hinter uns hatten, wurde der Weg
auch besser, wir konnten flott zureiten und kamen nach
siebenstündigem Ritt nach Theresopolis, wo icli im Hotel
Le Margouroux abstieg.
Theresopolis besteht, wie alle Dürfer und kleineren
Städte in Brasilien, aus einer einzigen Straße, an der zu
beiden Seiten in mehr oder minder großem Abstand Häuser
liegen. Die Serra, che ich von Petropolis kommend über-
schritten hatte, ein Ausläufer der Serra d'Estrella resp.
des Pedrassu, liegt im Westen, während die Serra dos Orgaes,
das Orgelgebirge, direkt im Süden liegt. Der Ort liegt über
2 Stunden von dem Kamm des Orgelgebirges, dem Alto
da Serra entfernt und hat daher auch weniger Nieder-
schläge; da er auch etwas höher als Petropolis liegt, ist
das Klima kühler und regelmäßiger. Die Abende, Nächte
und Morgen waren prachtvoll kühl, die Tage heiß, aber
nicht drückend; da der Ort lange nicht so bewohnt ist,
als Petropolis, war das Sammeln viel bequemer als dort.
Doch merkte ich bald, daß die Tierwelt schon weiter vor-
geschritten war als dorten. Bambus gab es in Fülle, überall
waren auch die charakteristischen Fraßspuren der Genia-
tiden, die Käfer selber aber waren bereits verschwunden.
Im großen und ganzen ist die Tierwelt natürlich dieselbe
wie bei Petropolis, aber man bemerkt doch bald Unter-
schiede. Einige Arten, wie Pholidotus HnmbohUi, Lagochilc,
Trioplus cylindricus sind viel häufiger als bei Petropolis;
von Arten, die ich bei Petropolis nie gefunden habe, er-
wähne ich besonders Chlorota aiilica und chalconota. Beide
Stctt. entoiuol. Zeit. 1909.
38
fand ich in ihren Piippenwiegen in niedrigen Stubben und
beide fraßen gern Bananen. Recht lästig ist beim Sammeln
die Menge der Mosquitos (Culiciden), die in dem sonst recht
ergiebigen Wald an den Ufern des Rio Paquequer das Sam-
meln zur Qual machen. Sie verschwinden, wenn man sich
von Theresopolis nach Norden resp. Nordosten wendet;
eine schöne breite Landstraße führt hier nach Neu-Freiburg,
bald durch große Viehweiden, die von echten Ananashecken
eingehegt sind, bald durch Maisfelder, bald durch ein kleines
Wäldchen von Capoeira. Aber die Tierwelt ist hier so arm,
daß man gern in den Bergwald zurückkehrt, trotz aller
Mosquiten und sonstigen Plagen.
Am 26. Januar verließ ich Theresopolis und nahm
den Rückweg über Rio de Janeiro. Man reitet auf schöner
Landstraße durch den Ort an den beiden großen Hotels
Higino und Bessa vorbei, die ganz isoliert nahe dem Orgel-
gebirge liegen, bis zur Paßhöhe, der Boa Vista. Hier hat
man eine großartige Aussicht. Zur Rechten, dicht am
Wege die östlichste und bizarrste Zacke des Orgelgebirges,
der Deito de Dens, Finger Gottes, hier ganz trivial garafao,
großer Buddel genannt, links dicht am Wege ein mehrere
hundert Meter tiefer jäher Abgrund, dessen Boden mit
dichtem Wald bekleidet ist. Vorn im Süden liegt das Vor-
land des Orgelgebirges und die Bai mit ihren Schiffen,
umsäumt von der weitausgedehnten Stadt, hinter der
sich die ganze Reihe der bekannten Berge, vom Zuckerhut
im Osten bis zur Tijuca im Westen erhebt. Über den Zucker-
hut hinaus bis an die Grenzen des Horizontes dehnt sich
der Atlantische Ozean; dem Zuckerhut gegenüber auf der
anderen Seite der schmalen Einfahrt beginnt mit dem
Fort Santa Cruz der Teil des Küstengebirges, der nach
Osten m t dem Cap Frio endigt, im Norden sich in eine
große Zahl von Ketten teilt, zwischen denen Neu-Freiburg
und Cantagallo liegen. Die Luft war prachtvoll, frisch
Stett. cutoiuol. Zeit. 1909.
39
und klar, jede Einzelheit in dem großen Rundbild zum
Greifen deutlich, aber lange durfte ich nicht verweilen.
Wir mußten bergab, auf der alten Serrastraße, die in ihrem
oberen Teil gepflastert, aber in derartig schlechtem Zu-
stand ist, daß das Reiten zur Qual wird. Man denkt auch
gar nicht an ein Ausbessern des Weges, seit man einer Ge-
sellschaft die Konzession zum Bau einer Eisenbahn gegeben.
Die Bahnstrecke von der Bai durch das flache, ziemlich
gut bebaute und bewohnte Land bis an den Fuß des Ge-
birges ist zwar fertig, der Aufstieg nach Theresopolis aber
bleibt liegen, solange der Verkehr dorthin so gering ist.
Nach dreistündigem Ritt kamen wir zur Station Barreira,
von wo die Bahn über Mage nach Piedade fülirt. Hier
vertauschte ich das heiße staubige Coupe mit einem hübschen
kleinen Dampfer, der mich n etwa einstündiger Fahrt
über die Bai an der schonen Insel Paquetä vorbei nach
Rio brachte.
Ein Ausflug ins Kampgebiet von Minas geraes hatte
nnch im Dezember 1898 auf einige Tage nach Ouropreto
gebracht. Ich sah dort in der Sammlung der Herren Drs.
^I. Gomes einige Käfer, die mich ungemein interessierten,
anderseits fiel mir auf meinen Excursionen auf, daß Arten,
die bei Petropolis schon als fertige Käfer im Freien er-
schienen, hier eben erst die letzte Larvenhäutung hinter
sich hatten. Um etwas mehr von der Fauna Ouropretos
nd ihrer Pliänologie kennen zu lernen, unternahm ich
u
'b
Anfang Februar enen x^usflug dorthin. Am 8. II. fuhr
ich mit der englischen Leopoldina Railway von Petropolis
nach Entre Rios. Die Bahn folgt erst dem Lauf des Rio
Piabanha, bis sie hinter Itaipava in das Tal des Rio Pa-
quequer eintritt. Hier ist die Szenerie zumal bei der Station
Arreal ungemein malerisch. Hohe Berge, hie und da mit
dichtem Wakl bekleidet, dazwischen mit kahlen, bizarr
geformten Granitkuppen, umschließen das Tal. in dem
Stctt. eutomol. Zeit. 1909.
40
der vielfach gewundene Fluß dahinfließt, bald eine einzige
Sehaummasse in dem von Klippen erfüllten Bett, bald
wie ein stiller Waldsee, umsäumt von hohem Bambus,
scheinbar bewegungslos daliegend. Das Tal ist gut an-
gebaut und zahlreiche kleine Kolonistenhäuschen oder
Negerhütten, umgeben von chmklen Orangenbäumen und
hellen Bananenbüschen beleben die Szenerie. Entre Rios
liegt am Ufer des Rio Parahyba in einem weiten, von nie-
drigen Höhen eingefaßten Tal, in dem ausgedehnte Zucker-
rohr- und Kaffee-Plantagen die ursprüngliche Vegetation
nahezu vollständig verdrängt haben. Es ist berüchtigt
wegen seiner Hitze und wegen des hier ständig herrschenden
gelben Fiebers; auch mir wurde die Hitze beim Sanmieln
so lästig, daß ich dreimal im Fluß baden mußte. Am Ufer
stand ein niedriger Busch mit dichter gelber Blütentraube,
auf dem in Anzahl Macraspis morio saß; als ich mich dem
Busch vorsichtig näherte, fing einer der Käfer, als mein
Schatten über ihn fiel, laut an zu zirpen und im Augen-
blick ließen sich die Käfer fallen oder flogen mit laut surren-
dem Flug davon. Auf einem niedrigen Ingabusch, der eben-
falls am Ufer häufig war, fand ich Rutcia lineola var. cphip-
pi'um, die einige Büsche fast kahl gefressen hatte. Sonst
war die Ausbeute mäßig, wahrscheinlich deswegen, weil
das Gras auf den Weiden, die man auf dem vom Zucker-
rohrbau erschöpften Boden anlegt, in der Trockenzeit
abgebrannt wird. Gegen Mitternacht kam der Zug von
Rio, mit dem ich nach Minas weiterfuhr; ich nahm einen
Platz in der zweiten Klasse, die unserer vierten entspricht
und konnte in dem von Kolonisten, Soldaten mit ihren
Frauen und Hausierern (Armeniern und Syrern) über-
füllten Wagen Betrachtungen darüber anstellen, in welchen
Stellungen der Mensch zu schlafen vermag. Als wir gegen
Morgen auf das Hochland kamen und es anfing, empfindlich
frisch zu werden, schienen die meisten nur am Kopf zu
Stett. entomol. Zeit. 1909.
41
frieren, den sie in wahrhaft grotesker Weise einwiekellen.
In Onropreto stieg ich wieder im Hotel MartinelH al); der
deutsche Konsul und Professor an der pharmazeutischen
Schule, Herr Schwacke, war leider im Dezember gestorben,
die Herren Magalhaes Gomes verzogen und der Nachfolger
Schwackes, Herr Professor Leonidas Damazio interessierte
sich wenig für Zcwlogie, so daß ich auf mich allein angewiesen
war. Ich machte verschiedene Exkursionen, zuerst nach
dem der vStadt gegenüberliegenden Morro do Cruzeiro,
und hatte auch eine ziemlich gute Ausbeute, aber ich konnte
doch merken, daß ich für viele Sachen, speziell für die
Coleoptera lamcllicornia, zu früh gekommen war. Wie mir
Professor Damazio sagte, der sich viel mit Botanik be-
schäftigt, ist die Hauptblütezeit für viele Pflanzen, zumal
für die vom Norden (Amazonas) stammenden, der April
und Mai und in dieser Zeit erscheinen auch einige Lamel-
licornier aus der Amazonasfauna. Die Fauna von üuro-
preto ist eine Mischfanna, die sich zusammensetzt aus
Teilen der Küstengebirgsfauna, der Kampfauna und ein-
zelnen Zuwanderern vom Amazonas; außerdem hat der
vom Küstengebirge und dem Kampgebiet geologisch ganz
verschiedene Itacolumi eine Anzahl ihm eigener Formen,
die so die Fauna Ouropretos noch mannigfaltiger machen.
Unter meinen Funden möchte ich erwähnen die Larve
eines Dynastiden, Ligynis n. sp. ?, die unter Steinen lebt
und Erde frißt; ich fand sie in Anzahl und hielt sie eine
Zeit lang im Zuchtkasten; einige Stücke fand ich in alten,
durch den Regen ausgewaschenen Kuhfladen, in denen
sie sich richtige Höhlen gefressen hatten. Die Larve hat
die letzten Bauchringe wenig verdickt und läuft gerade-
gestreckt ziemlich rasch auf dem Bauch, wie eine Bolax-
larve; nach jeder Häutung ist der Kopf braun und wird erst
später schwarz. Zusammen mit diesen Larven lebt eine
Blattide, die auch die Nahrung mit ihnen teilt und sich
Stett. entomol. Zeit. 190'J.
42
unter alten Misthaufen Stollen gräbt, wie ein Geotrupes,
in denen sie ihre Nahrung verzehrt. Unter einem Stein
fand ich auch eine Cicadenlarve, die sich wie eine Maul-
wurfsgrille rasch in den Boden eingrub.
Am Itacolumi war in den mittleren und höheren Lagen
die Vegetation in voller Blüte ; große Melastomabüsche
mit Blüten wie Oleander, kleinere wie Heidekraut blühend
und besonders auffallend ein kleines Blümchen mit roten
und gelben Blättern, marilinha genannt; einige Hänge
glichen in ihrer Blumenpracht tiroler Alpen wiesen. Die
Falten im Berge nahe der Spitze sind dicht bewaldet und
hier fand ich in abgestorbenen Stämmen Passaliden, Larven
und Puppen von Macraspis clavata, Acaiithoccriis und
Parandva. Nahe der Spitze wird die Vegetation spärlicher
und zwischen dem harten Gras erheben sich außer den
charakteristischen Vellosien und Barbacenien viele niedrige
Erdorchideen und Bromelien, unter denen eine mit stahl-
harten, langen, scharfgezähnten Blättern in Blüte stand.
Der Blütenstand, i — 1% Meter hoch, trug viele kleine
wohlriechende Blüten, auf denen ich in Anzahl einen hüb-
schen Macrodactylus fing; auch einige .große behaarte
Buprestiden besuchten diese Blüte.
Ein guter Sammelplatz, den ich mehrmals besuchte,
ist auch der Morro S. Sebastiao; er ist zwar nicht so hoch
wie der Itacolumi, aber da er dieselbe geologische Struktur
hat, trägt er auch dieselbe Pflanzen- und Tierwelt. Leider
wurden meine Exkursionen durch den Regen derartig
beeinträchtigt, daß ich Ouropreto bald wieder verlassen
mußte. Am 15. H. kam ich um 4 Uhr früh nach der Station
Barra do Pirahy, wo ich den Zug verließ, um nach Sao
Paulo weiter zu fahren. Die großen elektrischen Bogen-
lampen auf dem Bahnhof waren umschwärmt von Insekten,
außer Nachtschmetterlingen und Wasserwanzen von einigen
Dynastiden, Cociosis, Ligyrus, Cycloccphala und — was
Stett. entomol. Zeit. l'JO'J.
mich überraschte — Anomala unditlata. Als es anfing zu
grauen, kamen kleine Vögel, ähnlich unseren Meisen, suchten
sorgfältig die Umgebung der Bogenlampen ab und pickten
alle Insekten weg, die mir entgangen waren.
In S. Paulo hielt ich mich mehrere Tage auf, die ich
mit Ausnahme einer Exkursion nach der Station Rio grande
der S. Paulo-Santos-Bahn, im Naturhistorischen Museum
und in der Familie des Direktors v. Ihering verbrachte.
Das Museum hat seit meinem letzten Besuch ganz beträch-
liche Fortschritte gemacht; die Insektensammlungen, die
mich speziell interessierten und die ich deshalb genauer
ansah, sind in einer großen x\nzahl ganz moderner gut-
schließender Insektenschränke (aus der Fabrik von Ihle) unter-
gebracht, geordnet und nach Möglichkeit von Spezialisten
bestimmt; auch werden fortwährend die alten, schlecht
erhaltenen Exemplare durch frische Stücke mit genauen
Fundorten und Angaben über die Fangzeit ersetzt. In diesen
neuen Kästen halten sich die gespießten Insekten vorzüglich
und leiden weder vom Schimmel noch von Raubinsekten.
Neben der systematischen Sammlung war eine biologische
Sammlung in Angriff genommen worden, in der besonders
die Bauten von Hymenopteren, mit denen sich Herr Rudolf
V. Ihering, der Sohn des Direktors und sein fleißiger Assistent,
speziell beschäftigt, reich vertreten waren. Sehr gut aus-
gestattet ist auch die Bibliothek; sie entliält außer der
faunistischen Literatur über Südamerika, die soweit möglicli
vollständig ist, alle wichtigen zoologischen Zeitschriften.
Besonders genußreich waren die Stunden, die ich in
der Familie des Direktors verbrachte, die Unterhaltungen
über ciie mich ganz besonders interessierenden Fragen
nach den Grenzen von Kampregion luid Küstengebirgs-
region und damit in engem Zusammenhang nach der Ge-
staltung Südamerikas in früheren Perioden der Erdgeschichte.
Die Belehrungen, die ich hier wie auch in einer Unter-
Stolt. cntoinol. Zeit. lÖÜi).
44
haltimg mit dem bekamilcii Geologen Mr. Orville Derby,
den ich in einer Sitzung der Geographischen Gesellschaft
kennen lernte, empfing, waren mir bei meinen späteren
Reisen in Südamerika von großem Wert.
Am 22 II. kam ich wieder nach Petropolis zurück.
Leider war die Witterung auch hier wie in Minas und S.
Paulo, wo es viellach zu Überschwemmungen und \'erkehrs-
störungen gekommen war, andauernd regnerisch und külil.
Ich machte noch einige Exkursionen ; da diese aber nur
wenig Ausbeute lieferten und ich mich mit der Zucht
von Eiern und jungen Larven unbestimmter Herkunft,
die ich jetzt überall häufig fand, nicht mehr befassen
wollte, so entschloß ich mich zur Abreise. Recht schwer
wurde mir der Abschied von der Familie Papt in der
ich 7 !\Ionate wie ein Glied der Familie gelebt und von
meinem gemütlichen Gartenhaus, in dem ich so manche
frohe Stunde beim Beobachten und Studieren meiner Lieb-
linge genossen. Am 20. II I. fuhr ich nach Rio, schickte
meine Sammlungen nach Hamburg und Dresden und fulu'
am folgenden Tag mit dem Dampfer Krefeld des Bremer
Lloyd nach S. Franzisco im Staate Santa Catharina.
S. Franzisco auf der Insel gleichen Namens gegen-
über der Mündung des Flusses, an dem weiter aufwärts
Joinville liegt, hat einen der besten Häfen an der Ostküste
Südamerikas. Der Dampfer konnte, als wir am 23. III.
früh ankamen, direkt an der Landungsbrücke anlegen;
das Städtchen selber ist klein und schmutzig. Nach kurzem
Aufenthalt fuhr ich mit dem kleinen Flußdampfer Babitonga
nach Joinville weiter; die Fahrt auf dem ziemlich gewundenen
schmalen Fluß ist für den Naturforscher recht interessant;
überall sitzen auf den Ästen im Fluß gestrandeter Bäume
weiße Reiher und schwarzbraune Taucher, hinter der
jMangrove am Ufer erhebt sich dichter Sumpfwald und
bunte Vögel und Schmetterhnge kreuzen häufig den Fluß.
Stctt. eutomol. Zeit. 1909.
45
Joinville macht den Eindruck eines mitteldeutschen Land-
städtchens; sauber gehaltene Straßen, hübsche, buntge-
strichene Häuser mit Gardinen und Blumen an den Fenstern,
Blumengärten vor dem Hause, Pferde statt der Maultiere
vor den Wagen, die Kinder meist blauäugig und hellblond,
die mit Schulranzen und Schiefertafel zur Schule gehen,
am Abend spazieren Burschen und Mädchen singend auf
der Landstraße, die Männer pilgern zum Biere — • kurz
man glaubt sich mit einem Schlage in die Heimat versetzt.
Ich nahm Wohnung in dem in ganz Südbrasilien aufs beste
bekannten Hotel Beckmann, wo sich des Abends die Hono-
ratioren von Joinville versammeln. Am nächsten Tag
besuchte mich Herr Paul Schmalz, den Coleopterologen
wohl bekannt als fleißiger und uneigennütziger Sammler
der Käferfauna von Joinville, und lud mich ein, für einige
Tage sein Gast zu sein. Er ist Leiter der dem Prinzen von
Joinville gehörenden Zuckerfabrik Pirabeiraba, etwa 2
Stunden von Joinville entfernt, und hat mit seinen Söhnen
und Schwiegersöhnen, die sich alle für die Tierwelt ihrer
Heimat interessieren, im Lauf der Jahre eine nahezu voll-
ständige und gut gehaltene Sammlung der Fauna von
Joinville zusammengebracht. Wie er mir erzählte, hat
die Anzahl der Insekten um Joinville in den letzten Jahren
ganz bedeutend abgenommen. Das flache Land dient
vielfach zur Viehzucht der Wald ist verschwunden und
die insektenfressenden Vögel, die in den die Felder be-
grenzenden Hecken gute Nistgelegenheit haben, werden
von den Kolonisten in jeder Weise geschont. In ganzen
Scharen sieht man hier die schwarzen und braungrauen
Anu, Crotophaga ani L., von den Kolonisten allgemein
, Lauseonkel" genannt, die dem weidenden Vieh die Zecken
ablesen und auch sonst beständig auf der Insektenjagd sind.
Zur Zuckerfabrik gehört eine Schnapsbrennerei; das
nötige Heizmaterial liefert ein benachbarter Wald, in dem
Stett. entomol. Zeit. 1Ö09.
46
gerade Holz geschlagen wurde. Dieser Wald, 20 — 25 Meter
über dem Meer gelegen, ist ungemein reich an Palmen und
alten Urwaldbäumen; nirgends bei Rio oder Petropolis
hatte ich je eine solche Fülle von Luftwurzeln und Schma-
rotzerpflanzen gesehen. Die im Wald herumliegenden ab-
gestorbenen Bäume saßen voller Larven; Passaliden, Paran-
dra, Ataenius, Cloeotus, flache schwarze Histeriden und
Staphyliniden waren häufig unter der Rinde; Macraspis-
und Pelidnota-Larven im Holz und in stark vermulmten
Stämmen, zumal solchen von rotem Holz fanden sich häufig
die Larven von Strategus und Phileurus. Recht häufig,
entschieden häufiger als bei Petropolis, waren die Tenebrio-
niden, zumal die großen Nyctobates und Tauroceras, die
Scolytiden und im Holz lebende Rüßler.
Dank der unermüdlichen Hilfe des Herrn Schmaltz
und seiner Söhne, die mich auf meinen Exkursionen be-
gleiteten und mir überall die besten Sammelstellen zeigten,
konnte ich in kurzer Zeit eine gute Ausbeute zusammenbringen.
Gern wäre ich hier länger geblieben, aber es galt Abschied
nehmen, wenn ich noch vor Beginn des südlichen Winters
über die Kordillere wollte. Am 4. April kam der Dampfer
Desterro des Lloyd Brazileiro, mit dem ich bis Montevideo
weiterfahren konnte. Ich teilte die Kammer mit einem
brasilianischen Offizier, der 3 Jahre lang Kommandant
des Fort Teffe oder Ega am oberen Amazonas, bekannt
durch die Reisen von H. W. Bates, gewesen und nun zur
Kräftigung seiner Gesundheit — er litt schwer an Malaria —
nach Rio grande do Sul versetzt war. Am folgenden Tag
liefen wir Itajahy, den Hafen von Blumenau, an, gingen
aber schon nach wenig Stunden weiter; die Einfahrt ist
sehr schmal und für größere Dampfer nicht ungefährlich.
Nachmittags um 2 Uhr kamen wir nach Desterro, verließen
aber aucli hier nach 1% Stunden wieder den Hafen. Ver-
lockend winkten weiterhin die dichtbewaldeten steilen
Stett. entomol. Zeit. 1909.
47
Berge von Theresopolis herüber, denen ich gern einen Be-
such abgestattet hätte, beherbergen sie doch eine Fülle
interessanter endemischer Formen. Am 6. IV. waren wir
den ganzen Tag in See, ohne die Küste außer Sicht zu lassen ;
am 7. IV. passierten wir morgens bei schlechtem Wetter
glücklich die Barre von Rio Grande und gingen bald bei
der Stadt vor Anker. Den Nachmittag benutzte ich zu
einem Ausflug in die Umgebung der Stadt; die Umgebung
der Lagoa dos Patos ist eine richtige Dünenlandschaft,
wie an der Nordsee, die Vegetation aber noch ärmer, der
Sand feiner und loser, die Dünen niedriger. Die Ausbeute
war leider recht gering; trotz mehrstündigen Sammeins
fand ich nur einige Halticinen, eine hübsche Cicindele,
unter Kuhmist einige Histeriden, aber keine Lamellicornier ;
unglückhcher Weise wurde mir an Bord von Schiffsameisen
die ganze Ausbeute, die ich zum Trocknen über Nacht
liegen ließ, aufgefressen. Am 8. IV. früh 6 Uhr verließen
wir Rio grande wieder und kamen um Mittag nach Monte-
video; da der Hafenarzt gerade beim Frühstück war, mußten
wir 11/2 Stunde warten, bis wir an Land gehen durften.
Die Verbindung mit Buenos-Aires besorgen Rad-
dampfer, die mit dem größten Luxus ausgestattet sind;
sie gehören einem Dalmatiner, Mihanovich, der als Boot-
führer seine Laufbahn begann und nun etwa 20 dieser
Dampfer besitzt; für die Passage, in die ein sehr reich-
liches Diner mit Tischwein und Schlafkabine einbegriffen
sind, zahlt man 15 Pesos (Mark 20). Gegen 6 Uhr früh
kam der Dampfer nach Buenos-Aires, legte direkt am Quai
an und das Gepäck wurde sofort nach der gegenüberliegenden
Zollstation gebracht. Die Revision war sehr einfach; ich
überreichte dem Beamten meine Karte und stellte mich
als Naturalista viajante vor, worauf ich mein großes Gepäck
gar nicht zu öffnen brauchte. Einen großartigen Aufschwung
hat die Stadt seit der letzten Revolution 1889 genommen;
Stett. entomol. Zeit. 1909.
48
der ganze Stadtteil um den Hafen herum ist dem La Plata
abgewonnen, bis nach Palermo hinauf hat man das Ufer
um etwa einen Kilometer hinausgeschoben, an Stelle der
seichten Rheede ist ein großer moderner Hafen mit Quai-
anlagen getreten. Die alte Plaza Victoria, deren einziger
Schmuck eine Doppelreihe von Königspalmen gewesen,
war nicht wiederzuerkennen in ihrer Einfassung von mo-
dernen Prachtbauten; noch auffälliger präsentieren sich
diese in der neugeschaffenen Avenida 25 de Mayo, wo zumal
der Palast der Prensa, der meistgelesenen Zeitung Argen-
tiniens, Staunen und Bewunderung erregt. Äußerlich
spurlos waren die Jahre am naturhistorischen Museum
vorübergegangen; es war noch derselbe im spanischen
Jesuitenstil gehaltene, feuchte und lichtarme Steinkasten.
Aber innen war es anders geworden. Als ich 1888 Professor
Hermann Burmeister besuchte, schnauzte er mich zuerst
an, wie einen lästigen Geschäftsreisenden; nachdem ich
aber das Gespräch auf die Lamellicornier gebracht und
ihm meine frische brasilianische Ausbeute gezeigt, da ver-
breitete er sich mit wahrer Begeisterung über seine Lieb-
linge, gab eine Menge von tiergeographischen und biolo-
gischen, leider nie publizierten Beobachtungen zum Besten
und wußte bei besonders interessanten Stücken der Samm-
lung hübsche Anekdoten über ihren Fund oder Erwerb
zu erzählen. Von Professor Ameghino wurde ich sehr höflich
empfangen, aber nachdem ich mich als Entomologen vor-
gestellt, schleunigst an seinen entomologischen Assistenten,
Herrn Brethes (Judulien), weitergegeben, der sich haupt-
sächlich mit Hymenopteren befaßt. Von der Sammlung
sah ich mir nur die Lamellicornier an, unter denen mich
einige neue Geniatiden außerordentlich interessierten. Herr
Brethes hat eine Arbeit über die Biologie der argentinischen
Mistkäfer geschrieben ; meine Hoffnung, hier die Belegstücke
dazu", die Larven und Brutpillen, zu sehen, ging leider nicht
Stett. entomol. Zeit. 1909.
49
in Erfüllung. Er hatte sie aus Mangel an Raum nicht auf-
bewahrt.
Einige genußreiche Tage verlebte ich mit meinem
Freunde Carlos Bruch, dem Zoologen des La Plata-Museums,
mit dem ich schon seit Jahren in Korrespondenz stand,
den ich aber jetzt erst persönlich kennen lernte. A'on der
Coleopterensammlung des Museums ist nicht viel zu sagen ;
sie soll sich programmmäßig auf eine Schausammlung
beschränken, um die wissenschaftliche Sammlung in Buenos-
Aires nicht zu beeinträchtigen und um alle Mittel auf die
paläontologischen und ethnographischen Sammlungen kon-
zentrieren zu können. Um so großartiger ist dagegen die
Privatsammlung Herrn Bruchs, der als langjähriges Mit-
glied der Kommission zur Feststellung der Grenze zwischen
Chile und Argentinien und der Kommission zur Erforschung
der alten Indianerreste im Norden Argentiniens Gelegenheit
zum Sammeln in wenig betretenen Gegenden hatte. Die
Sammlung ist geradezu vorbildlich, alle Stücke sauber
präpariert mit genauesten Angaben über Fundort und
Sammelzeit, daneben ein Zettelkatalog mit biologischen
Notizen über jede Art, ein ausführlicher Literaturkatalog
und eine nach Möglichkeit vollständige Bibliothek über
die Käferfauna Argentiniens. Recht angenehm war das
Leben im Museum; der Direktor Moreno und sein Sekretär
Catani, ein Italiener, sprechen geläufig Deutsch, Professor
Hauthal (Mineraloge) und Dr. Lehmann-Nitzsche (Anthro-
pologe) sind Deutsche; am Nachmittag nahmen die Herren,
die sich am Tage wenig sehen, gemeinsam den Thee im Kon-
versationszimmer, bei welcher Gelegenheit allgemeine Fragen
besprochen wurden. Am Abend sammelte ich mit C. Bruch
auf dem freien Platz vor dem Polizeipräsidium; unter den
elektrischen Bogenlampen lagen in großen Mengen Ligyrus
humilis und Dyscinetus rugifrons, vereinzelt kamen Ga-
lerita, Calosoma und Helophorus.
Stott. eutomol. Zeit. 1909. 4
50
Am 13. IV. machten wir eine interessante Exkursion
nach dem Rio Santiago. Wir fuhren nach dem Hafen,
setzten im Boot über den Fluß und gingen an seinem Ufer
entlang bis zur Mündung in den La Plata. In einer Figueira
brava, hier Ceibo genannt, Erythrina crista galli (Euphor-
biacee) fanden wir die Larven von Macraspis dichroa var.
crihrata und von Mallodon spiniharhe; auffallender Weise
fanden wir später dieselben Larven auch in abgestorbenen
Stämmen der europäischen Weide. Die Stämme, von einer
hohen Flut entwurzelt und dann abgestorben, lagen in
großer Zahl am Ufer herum, beherbergten aber nur wenig
Käferlarven. Unter Kuhmist fanden wir ein Pärchen des
Phanaeus splendidulus bei der Anlage des Nestes; die Tiere
hatten sich in dem feinen Sand wohl 70 cm tief eingegraben.
Auch Onthophagus hirculus war häufig da und mehrere
Canthon. Besonders interessant war mir der Fang der
großen Brachynus und Galerita. Etwas höher am Ufer
standen die Bäume dichter und unter ihnen ein dicker
Stamm mit loser Rinde ; hierunter saßen die Käfer in Menge
zusammen mit Spinnen, Tausendfüßen und Asseln. Wenn
man die Rinde nur anfaßte, ging das Bombardieren schon
los; man sah deutlich von jedem Käfer ein blaues Wölkchen
aufsteigen und die Finger wurden stark gebräunt von dem
beizenden, salpetrige Säure enthaltenden Sekret.
Auch die Käfersammlung des Herrn Richter sah ich
mir an; sie ist zwar nicht so groß als die des Herrn Bruch,
enthält aber aus dem Norden des Landes viele interessante
und zum Teil noch unbeschriebene Formen. In dem zoolo-
gischen Garten, der sich unseren deutschen ebenbürtig
an die Seite stellen kann, interessierten mich besonders
die große Flughalle für die Condore und die brütenden
argentinischen Strauße. Am 17. IV. verließ ich Buenos-
Aires um 7 Uhr früh und traf am folgenden Abend um
II Uhr in Valparaiso ein; die Fahrt durch die Pampa ist
stell, entomol. Zeit. 1909.
51
recht einförmig; bald sieht man Weiden mit gewaltigen
Rinderherden bald ausgedehnte Maisfelder, wenig Ge-
bäude, aber viele gebleichte Skelette gefallener Rinder.
Der Wagen war selir bequem, das Essen, zu dem es Land-
wein aus Mendoza gab, vorzüglich; bei Tisch lernte ich
den Direktor der Weinbauschule in San Juan kennen,
der einige Jahre in der Schweiz und Italien den Weinbau
studiert und sich speziell für Coleopterologie interessierte.
Die Nacht verlief im Schlafwagen recht angenehm. Um
5 Uhr früh kamen wir nach Mendoza, wo wir in eine schmal-
spurige Bahn umstiegen und der Zug ins Gebirge eintrat.
Geradezu überwältigend war der Anblick, als die Sonne
aufging, die Spitzen der Berge, zumal die Schneekuppen
im leuchtendsten Rot erglühten und dann die Helle all-
mählig das düstere Blau der tieferen Lagen verdrängte.
Immer großartiger wird die Szenerie, je weiter wir in die
Cordillere eindringen, immer gewaltiger die Berge, zwischen
denen hie und da die schneebedeckte Spitze eines fernen
Bergriesen hervorgrüßt. Die Flüsse führen zurzeit wenig
Wasser; aber die ausgedehnten Geröllfelder und Felsblöcke
lassen ahnen, wie es zur Zeit der Schneeschmelze hier toben
mag. Die Vegetation beschränkt sich hier auf einige kümmer-
liche, niedrige Büsche und vereinzelte Kaktus. Trotzdem
fehlt es nicht an Farbe, denn die Eigenfärbung der Ge-
steine ist ungemein wechselnd, bald intensiv rot, bald gelb,
bald spangrün, violett oder blau leuchten die Felswände.
In Cueva de vacas bei 4000 Meter Meereshöhe ist Endpunkt
der argentinischen Eisenbahn; später soll ein großer Tunnel
die \^erbindung mit der chilenischen Bahn herstellen. \^or-
läufig hieß es in viersitzigen offnen Wagen, bespannt mit
5 Maultieren, Platz nehmen und mit lautem. Geschrei, bald
mit kosenden Schmeicheleien, bald mit den grimmigsten
Flüchen und nie ermüdender Peitsche die Mulas anspornend,
brachte uns der chilenische Kutscher in einstündiger Fahrt
Stett. eutomol. Zeit. 1909. 4"
52
auf die Ciimbre, die Paßhöhe, hinauf. An der Grenze, die
liier oben verläuft, hat man nach Beendigung des Grenz-
streites die von einem Friedensfreund gestiftete Kolossal-
figur eines segnenden Christus aufgestellt. Oben und auf
der chilenischen Seite lag schon Schnee; mit wildem Geschrei
ging es bergab, über Wasserläufe und Löcher im Wege, und
wir mußten uns mit aller Kraft festhalten, um an den kurzen
Wendungen nicht aus dem Wagen zu fliegen. Abgesehen
hiervon heß auch die eisig scharfe Luft und der von den
voranfahrenden Wagen aufgewirbelte Staub ein ruhiges
Genießen der Landschaft nicht zu. In Guarda vieja machten
wir kurze Rast und wechselten die Tiere, die in einen von
Steinen umhegten Corral getrieben wurden; als ein neues
Antiseptikum lernte ich hier trocknen Mist kennen, mit
dem der Arriero ihre Rückenwunden überstreute. Dann
ging es in etwas ebenerem Gelände bis zur Station Los
Andes, wo das Gepäck revidiert und die Eisenbahn bestiegen
wurde. Da es bald dunkelte, war von der Landschaft unter-
wegs nicht viel zu sehen; in Erinnerung ist mir nur die
Fahrt über den Salto del Soldado, eine enge Klamm mit
einem tobenden Fluß tief unten. Nach kurzem Aufenthalt
in Llai-Llai, wo wir umstiegen und speisten, kamen wir
pünktlich um ii Uhr am Ziel unserer Reise an.
Valparaiso hat mich sehr enttäuscht, sowohl die Stadt
wie auch die Umgegend. Dem Seefahrer, der von den
vegetationslosen ()den Gestaden im Norden zur Frühlings-
oder Sommerszeit hierher kommt, mag es wohl als Paradies
erscheinen, aber den Reisenden, der aus der üppigen Vege-
tation Brasiliens und der modernen Großstadt Buenos-
Aires kommt, muß es unbedingt enttäuschen. Ich machte
einige Exkursionen nach Playa Ancha und den Hügeln
hinter der Stadt, aber außer einer ganz jvmgen Lamellicornier-
larve, wahrscheinlich einer Brachysternide, einem Cloeotus
und Ataenius waren einige Coccinellen und mehrere Tene-
StcU. cntomol. Zeit. 1009.
53
brioiiidcu die ganze Ausbeute. Die Fahrt über die Ccndilk^rc
hatte mir eine starke Grippe eingetragen, die mich aber
nicht hinderte, am 24. IV. nach Santiago zu fahren. Hier
wurde ich von dem Direktor des Museums, Herrn Professor
Dr. Friedrich PhiKppi recht freundhch aufgenommen;
er zeigte mir die Sammlungen des Museums und führte
mich dann zu Herrn Phihbert Germain, dem Kustos der
entomokjgischen Abteilung ; im Gespräch über die chilenischen
Käfer, mit denen sich Professor Philippi auch frülier be-
schäftigt und über die Eigentümlichkeiten der cliilenischen
Fauna im allgemeinen vergingen nur zu rasch die vStunden.
Am nächsten Morgen um 8 Uhr war ich wieder im Museum,
wo Herr Germain mich bereits erwartete und dann die
Brachysterniden sorgfältig mit mir durchging; auch die
übrigen Lamellcornier sahen wir uns an und warfen dann
noch einen Blick auf die reichgefüllten Kästen der Ceroglossus
und Tenebrioniden, diese Kreuze der Systematiker. Später
kam Herr Direktor Philippi, und da die Herren am Nach-
mittag und folgenden Tag durch Vorlesungen in Anspruch
genomme]! waren, mußte ich Abschied nehmen. Am Nach-
mittag sah ich mir die Stadt an, die neuen Stadtteile nahe
dem Palast des Präsidenten und der Post, den öffentlichen
Garten Santa Lucia und die große Avenida wie auch die
alte Stadt beim Bahnhof. Dem Fremden fällt auf, daß
jeder Laden seinen eigenen Namen hat; ich konstatierte
eine Schuhilickerei ,,Zur neuen Welt", eine Kramerei
,,Sursum corda" ein Weißwarengeschäft zur ,, Isabella
la Catolica" usw. Die Frauenemanzipation scheint hier
große Fortschritte gemacht zu haben; man sieht in den
meisten Läden Frauen als Angestellte, auf der Post sah
ich nur Frauen, auf der Straßenbahn sah ich weibliche
Schaffner. LTnter den Männern sieht man viele stattliche
Gest.dten, besonders unter dem Militär, das wie das deutsche
uniformiert und auch von ihm ausgebildet ist. Angenehm
Stett. ontomol. Zeit. 190D.
54
überrascht ist der Fremde von der Höflichkeit und Dienst-
wilUgkeit der Sclmtzleute; hier hat offenbar der Schüler
den Lehrmeister übertroffen. Am Abend fuhr ich wieder
nach Valparaiso zurück. Die Fahrt mit dem Schnellzug
dauert 5 Stunden und bietet wenig Interessantes; das Ge-
birge, durch das die Bahn führt, ist recht öde und man
sieht nur selten menschliche Ansiedlungen.
Die deutsche Kosmoslinie lehnte es wegen der Ouaran-
tänescherereien ab Passagiere nach Guayaquil zu befördern,
darum nahm ich Passage auf dem Dampfer Peru der engl.
Pacific Steam Navigation Co., der am 27. IV. Valparaiso
verließ. Diese Dampfer haben sehr gute Einrichtungen
für die Passagiere, große luftige Kammern, schöne Speise-
säle und Promenadendeck über das ganze Schiff; da auch
das Wetter andauernd schön war und die See ihrem Namen
alle Ehre machte, war die Fahrt recht angenehm. Es waren
eine ganze Anzahl Deutsche an Bord, meist Kaufleute,
auch ein Missionar, der die Indianer durch die Macht der
Musik, eine gewaltige Trompete, Maultrommel und Zieh-
harmonika, bekehren wollte. Interessanter als seine Unter-
haltung war mir die mit einem Bolivianer, der gut Deutsch
sprach und einen großen Teil seines Vaterlandes bereist
hatte und mit dem Inspektor der nordamerikanischen
Missionen an der Westküste, der gern von seinen Reisen
und seinem Leben unter den Indianern erzählte. Am 28.
liefen wir Coqu'mbo an, am 29. Caldera, am 30. Antofagasta.
Hier lagen wir den ganzen Tag und hatte ich reichlich Muße,
das mir neue Treiben der großen Seehunde, das Fischen
der Pelikane und Taucher zu studieren; am nächsten Tag
ging ich an Land und besah mir die Stadt ; die entomologische
Ausbeute beschränkte sich auf eine Heuschrecke und einige
Fliegen. Am 2. V. kamen wir nach Tocopilla, am 3. nach
Iquique, das wir aber bald wieder verließen, weil wir wegen
eines Streiks der Hafenarbeiter nicht löschen konnten.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
55
Wir kamen noch am selben Abend nach Pisagua, am
nächsten Mittag nach Arica. Da in ahen diesen Häfen
Bubonenpest herrschte, hielten wir uns nur kurze Zeit auf
und konnte ich daher auch nicht an Land gehen. Am 5. V.
liefen wir Ilo, den ersten peruanischen Hafen, an. Von
Coquimbo bis Arica ist die Küste recht einförmig. Wie
eine Mauer von fast gleicher Höhe fällt die Westcordillere
nach dem ^kleerc hin ab, Vorberge fehlen, nur selten ist
dem Gebirge ein schmaler Strand vorgelagert, auf dem
die Ansiedlungen angelegt sind; ebenso selten erblickt
man hinter der Cordillere eine überragende Bergspitze.
Regen ist hier sehr selten, alles Frisch wasser muß mit der
Bahn von der Hochebene nach den Ansiedlungen herunter-
gebracht werden und bis auf geringe Reste in einigen Schluch-
ten fehlt alle Vegetation. Von Ilo ab ändert sich das Bild,
der Strand wird breiter, hinter den niedrigeren Vorbergen
erhebt sich die mehr gegliederte Westcordillere, über die
hie und da eine einzelne höhere Spitze aus blauer Ferne
lierübergrüßt. Bei Ilo und Chala, das wir am 6. anliefen,
ist die Vegetation noch recht kümmerlich; anders bei Bisco,
wo der vielfach gegliederten Cordillere eine breite, in saf-
tigem Grün erglänzende Ebene vorgelagert ist ; auch bemerkt
man bei der Stadt viele hohe Bäume. Hier bekamen wir
die Musikkapelle eines Infanterieregimentes an Bord, meist
Indianer oder Cholos, Mischlinge von Indianern und Weißen,
die uns des x\bends durch ihre wilden kriegerischen Weisen
erfreuten. Desselben Abends kamen wir nach Tambo de
Mora, wo wir über Nacht liegen blieben; die Stadt gleicht
Bisco. Am 8. \'. Nachmittags liefen wir Cerro Azul an, einen
kleinen Ort mit bedeutenden Zuckerfabriken. Die Rohr-
felder werden künstlich bewässert durch Ableiten von
Wasserläufen aus der H(jchebene. Das Klima ist an allen
diesen heißen trockenen Punkten mit künstlicher Be-
wässerung an der Westküste wie auf der Hochebene äußerst
Stctt. entomol. Zeit. 1909.
56
ungesund. Wie man mir erzählte, sterben hier Indianer,
zumal die von der Hochebene, in kurzer Zeit an Malaria;
Weiße erkranken auch sehr rasch, halten aber doch etwas
länger aus. Als Arbeiter benutzt man daher fast nur Neger,
die von Panama oder den westindischen Inseln eingeführt
werden und die gegen Malaria nahezu immun sind. Am
9. kamen wir nach Callao und ich benutzte unseren Aufent-
halt zu einer mehrstündigen Exkursion, aber meine Er-
wartungen wurden sehr enttäuscht. Nur da, wo künstlich
bewässert wird, gedeiht die Vegetation, aber die Insekten-
welt ist hier ungemein spärlich. An einer Wasserpflanze
fand ich eine Chrysomelide, unter Maultierknochen 2 Kos-
mopoliten, Necrohia rujicoUis und Dcniicstcs vulpimis, unter
Kuhmist einen Hister, aber keine Scarabaeiden. Am Ufer
lagen eine Anzahl toter Seehunde, die aber weder von den
hier häufigen Aasgeiern, Gallinazos, noch von Aasinsekten
gewürdigt wurden. Besser ging es einer nahebei liegenden
toten Mula, die von tausenden von Dermestes, Käfern und
Larven, besucht war, darunter auch ein einziger Trox.
Auf blühender Mangrove am Ufer fand ich kein einziges
Insekt. Schmetterlinge waren häufig, einige Arten in großer
Anzahl. Leider kam mir die Schachtel mit den auf der
Reise gesammelten Insekten bei der Zollrevision in Guayaquil
abhanden. Am 10. V. berührten wir Chimboto; der eigent-
lichen Westcordillere ist hier ein weites hügeliges Gelände
mit stark zerklüfteten Spitzen vorgelagert; große Schutt-
halden in den Bergfalten zeigen, daß hier wenig Regen fällt.
Die an der Küste steil abfallenden Felsen sind als Brut-
plätze der Seevögel durch die weithin leuchtenden weißen
Guanoablagerungen gekennzeichnet. Am nächsten Morgen
liefen wir Salaverry an, die Hafenstadt von Trujillo. Das
Landen ist hier wegen der schweren Brandung selbst bei
ruhigem Wetter gefährlich; die Passagiere wurden in einer
Tonne vom Schiff in das hochbordige große Brandungsboot
Stett. entomol. Zeit. 1909.
57
befördert und w;u'en sicher tüchtig seekidiik, iiocli ehe
sie die weit in die See hinaiisgebaute Landungsbräcke
erreichten. Am 12. V. früh kamen wir nach Payta, der
Hafenstadt von Piura, wo wir bis gegen x'\bend hegen bheben.
Wir gingen ahe an Land, um uns bei dem ivonsul von Ecu-
cidor wegen der Quarantäne zu erkundigen. Um über das
Auftreten der Bubonenpest zuverlässige Informationen zu
erhalten, hat hier Ecuador einen Konsul mit einem Monats-
gehalt von Mark 1000 eingesetzt; nach seiner Ansicht war
der einzige Todesfall, der hier in der letzten Zeit vorge-
k<mimen und der eine Frau von 85 Jahren betroffen, durch
Bubonenpest verursacht, und es wurde daher für alle nach
Guayaquil bestimmten Passagiere die gewöhnliche Quarantäne
von 5 Tagen auf 10 Tage erhöht, wofür pro Kopf ]\Iark loo
pränumerando zu zahlen waren, und für das Schiff eine
Ausschwefelung angeordnet. Das Ufer bei Payta besteht
aus einer 20 — 30 Meter hohen Lehmwand mit eingelagerten
Felsen, der ein Vorstrand meist fehlt. Die Stadt, aus Holz-
und Lehmhütten bestehend, ist ungemein staubig und
schmutzig; alles Wasser muß mit der Eisenbahn von Piura
heruntergebracht werden. Vegetation fehlt mit Ausnalune
einiger künstlich angepflanzter Musa enchete und Sträucher
auf der Plaza. Am 13. V. früh kamen wir nach Tumbez;
die Küste ist hier ganz flach, nur in weiter Ferne sah man
die in Dunst gehüllte Cordillere. Das LTfer ist von Mangrove
eingefaßt, dahinter liegen Zuckerrohrfelder. Um Mittag
kamen wir in den Kanal zwischen Festland und der hisel
Puna, fuhren dicht an ihrem südlichen Ufer dahin und
sahen seit langer Zeit zum ersten Male wieder üppige Tropen-
vegetation. Um 5 Uhr Nachmittags gingen wir vor dem
kleinen Ort Puna an der Ostseite der Insel V(jr Anker und
warteten hier auf die Visite des Quarantänearztes; erst
um ^litternacht konnten wir flußauf gelien und blieben
dann etwas unterhalb der Stadt vor Anker liegen. Trotz
Stett. cutoiuol. Zeit. 190i).
58
aller Bitt(Mi des Kapitäns um rasche Abfertigung, damit
er rechtzeitig in Panama den Anschkiß an che Dampfer
nacli lun-opa und New - York erreiche, wurde der ganze
Tag untätig vertrödelt ; erst gegen Abend kam der Clayton-
Damivfer, der etwa eine halbe Stunde lang vergeblich ver-
suchte, seinen Räucherapparat in Gang zu setzen und
dann wieder abzog. Am 15. kam er wieder und diejenigen
I'assagiere, die von dem Ausschwefeln eine Beschädigung
ihres Gepäckes befürchteten, ließen es vorher aus dem
Schiffsraum an Deck resp. in ihre Kammern bringen. Um
Mittag wurde es dann an Land in d:is Zollamt gebracht ;
um I\Iitternaclit wurden die für Ciuayacjuil bestimmten
Passagiere geweckt und mit einem kleinen Dampfer nacli
der Ouarantänestation flußabwärts gegenüber der Insel
Puna gebracht.
Die Ouarantänestation für die Kajütspassagiere war
recht {primitiv, ein viereckiges Hulk, wie man sie an der
ganzen Westküste zum Viehtransport benutzt, darauf ein
Bretterhaus mit vorspringendem Dach. Vorn eine kleine
\"eranda, auf der zwei Hängematten und einige Stühle
Platz hatten, daran anstoßend 2 kleine Kanniiern für Fa-
nnlien, darauf der Speisesaal, an dessen Wänden 10 ein-
lache eiserne Betten standen, hinten links die Klosets,
die zugleich als Baderäume benutzt wurden und daran
anschließend die Küche, rechts zwei Familienkammern
und die Speisekammer, dahinter eine Veranda, die denen
als Schlafraum diente, die sich nicht im ersten Ansturm
ein Bett erobert hatten. Die ganze Station war für etwa
15 Personen berechnet, wir wurden aber mit 32 Personen
darin untergebracht. Die Waschgelegenheit war sehr knapp,
für alle Herren nur eine Waschschüssel; sie war eigentlich
überflüssig, weil alle vorzogen, Brausebäder zu nehmen.
Sehr gut und reichlich war das Essen; der Koch, ein Nord-
amerikaner, war auch zugleich Vorsteher der Station;
?tett. entoniol. Zeit. 1909.
59
wenn sicli cUt (Juaraiitäncarzt, der bei unserem Abschied
zum ersten Mal die Station betrat, bei seinen gelegentlichen
Besuchen im Boot der Station näherte, rief ihm der Koch
sein ,,A11 right" zu, worauf er zufrieden nickte und wieder
heimfuhr. Uns Passagieren war streng verboten, im Flui.!
zu baden oder im Boot die benachbarte Küste zu besuchen,
die Angestellten der Station aber schliefen aus Mangel
an Platz jede Nacht an Land. Trotz des Verbotes waren
wir mehrere Male in der Mangrove am Ufer, meine Aus-
beute beschränkte sich aber auf einige hübsch gefärbte
Taschenkrebse und Muscheln. Gefischt wurde sehr viel,
es bissen jedoch nur einige Welsarten mit großen, feststell-
baren Rückenstacheln.
Abgesehen von dem Mangel an Bewegung war das
Leben in der Station ganz angenehm; die Gesellschaft
war so bunt zusanmienge würfelt, daß es an (iesprächsstoff
nicht fehlte und am Abend gab eine spanische Theater-
gesellschaft, die nach Guayaquil wollte, Deklamationen,
Gesänge und Nationaltänze zum Besten. An das Klima
gewöhnte ich mich bald, (iewöhnlich wurde es schon um
8 Uhr heiß, die Wärme steigerte sich bis zu 35 (irad R.
im Schatten etwa um 2 Uhr; dann kam die Seebrise, die
angenehm abkühlte und die Abende, Nächte und frülien
Morgen waren erquickend frisch, trotzdem das Thermometer
nicht unter 28 Grad herunterging.
Am 22. V. Nachts um 3 Uhr wurden wir geweckt und
fulnen um 4 Uhr nach Guayaquil, Die Fahrt ging dicht
am Ufer entlang, das mit ALmgrovegebüsch und Mangrovc-
bäumen dahinter bestanden ist; die letzteren, auf weit-
verzweigten Stelzwurzeln stehend, ähneln in ihrer knorrigen
Verästelung unseren Eichen; die höheren Uferpartien sind
mit einem eigentümlichen Farrenkraut dicht bestanden.
Das ganze Land bis über Guayac}uil hinauf ist niedriges
angeschwemmtes Land, von Kanälen durchzogen, bei jeder
Stctt. cntüiuol. Zeit. 1909
60
liolieii Mut überscliwemiiit. Näher dc>r Stadt wird auf dem
rechten FhiLUifcr die Landschaft parkartig, ausgedehnte
Wiesen mit vereinzelten Baumgrui^pen von großen Rinder-
herden belebt. Wir landeten bei der Zollstation, wo unser
ganzes Gepäck revidiert und wir endlich freigelassen wurden.
Guayaquil, nach Quito die größte Stadt Ecuadors,
und sein wiclitigster Hafen liegt am rechten Ufer des Rio
(iuayas in einer flachen Ebene, die nur im Norden und
Westen von einigen niedrigen Hügeln überragt wird. Der
Fluß ist sehr breit, wie ein Meeresarm, mit reißendem Ge-
zeitenstrom, sein Wasser lehmgelb und bei Ebbe zuweilen
ganze Inseln von Wasserpflanzen und große Bäume mit
sich führend. Im Westen hinter der Stadt verläuft ein
Salzwasserkanal, Estero salado, in dem viel gebadet wird;
an ihm zieht sich eine mit niedrigem Buschwald bestandene
Hügelkette entlang. Die Stadt m icht vom Fluß aus einen
recht freundlichen Eindruck; die Straßen, die sich alle
rechtwinklig kreuzen, sind breit und sauber gehalten. Die
Häuser sind wegen der häufigen Erdbeben alle aus Holz
gebaut, ein Balkengerüst aus behauenen Mangrovebalken,
die mit gestanztem Blech umkleidet werden ; die Wände
stellt man aus gespaltenem Bambus her, der mit einer
feinen Zementschicht überzogen und hübsch bemalt ist ;
das Parterre ist gewöhnlich eingerückt, so daß man in den
Kolonnaden im Schatten wandeln kann. In der Hafen-
gegend, wo sich die Kontore der Kaufleute und fast alle
Kaufläden, wie auch die beiden großen Hotels befinden,
herrsclit den ganzen Tag über reges Leben; um 6 LThr werden
die Geschäfte und Läden geschlossen und um lo Uhr auch
die Hotels und die wenigen Restaurants. Der Handel ist
sehr lebhaft, eingeführt werden alle Bedürfnisse des Landes,
ausgeführt hauptsächlich Kakao, etwas Kaffee und Stein-
nüsse. Es gibt in (kiayaquil viele Deutsche, die im Handel
die führende Rolle spielen; auch existiert ein deutscher
Stett. eutomol. Zeit. l'Jüi).
61
Klub mit eigenem Heim, in dem eine ganze Anzahl deutscher
Zeitungen aufliegen. Hier lernte ich auch Herrn Otto von
Buchwald kennen, einen früheren mecklenburgischen Offizier,
der zuerst als Staatsingenieur in Peru, später als Ver-
messungsingenieur in Ecuador einen guten Teil des Landes
aus eigener Anschauung kennen gelernt und sich viel mit
der Sprache der Indianer und ihren Wanderungen be-
schäftigte. \'on ihm erhielt ich, auch nach meiner Rück-
kehr, eine Anzahl Sendungen mit Insekten, die er auf seinen
Reisen im Kakaogebiet gesammelt und die mir vor allem
durch die genauen Angaben über Sammelzeit und Fundort,
dessen genaue Lage und geologische Formation ungemein
wertvoll sind. Seinen Sohn Fritz, der in Deutschland er-
zogen, sich besonders für Zoologie interessierte und seit
Jahren die Fauna seiner zweiten Heimat sammelte, lernte
ich leider nicht persönlich kennen, da er während meines
Aufenthaltes in Ecuador bei Quevedo beschäftigt war,
doch schickte er mir auf meine Bitte eine Anzahl Käfer,
die er bei Quevedo gesammelt. Beiden Herren sage ich
auch an dieser Stelle meinen herzlichen Dank für die Unter-
stützung meiner Studien.
Man unterscheidet in Ecuador nur zwei Jahreszeiten,
den Sommer und den Winter, da die Übergangsjahres-
zeiten, Frühling und Herbst, nicht scharf ausgeprägt sind.
Der erstere, die Zeit vom Mai bis November, ist an der
Küste und auf der Hochebene auch Trockenzeit, während
der Winter mehr oder weniger Regenzeit ist; die Hoch-
ebene hat im September eine kurze Regenperiode und die
große Regenzeit ist stellenweise, wie im Tal von Riobamba,
etwas verkürzt. Am Westabhang der Cordillere, mit etwa
150 Meter Meereshöhe beginnend und in wechselnder Aus-
dehnung nach oben, erstreckt sich bis zum Beginn der
peruanischen Wüste (bei Tumbez etwa) ein Gebiet, in
welchem das ganze Jahr liindurch Regen fällt. Ebenso
Stett. entomol. Zeit. 19üt).
62
regnet es am Ostabhang der Cordillere von etwa 1800 Meter
abwärts fast das ganze Jahr hindurch; nur von Mitte No-
vember bis Mitte Dezember kann es hier 3 — 4 Tage hinter-
einander trocken bleiben. Das Erscheinen der Insekten
im Freien ist im großen und ganzen vom Regen abhängig.
Als ich Ende Mai und Anfang Juni bei Guayaquil sammelte,
war meine Ausbeute immerhin noch befriedigend, im Juli
aber waren außer einigen Libellen und Schmetterlingen,
wie auch Moskiten keine Insekten zu finden und erst im
November wagten sich die ersten Frühlingsboten, kleine
Blütenkäfer usw., heraus. Eine mir neue Plage waren Ende
Mai in Guayaquil eine Art Grillen von der Größe und
Färbung unserer Heimchen, die nach Sonnenuntergang
in großen Scharen hervorkommen und recht lästig werden ;
überall ertönte ihr Zirpen die ganze Nacht hindurch, bis
sie nach etwa 14 Tagen wieder verschwanden. Recht häufig
sind auch die Skorpione; in den Häusern laufen sie des
Nachts an den Wänden herum, wie ich glaube, auf der
Jagd nach Blattiden, und am Estero salado fand ich unter
Baumstämmen besonders große Stücke. Entsprechend
dem Reichtum an Kanälen und Sümpfen sind Wasser-
käfer, Wasserwanzen, Libellen und leider auch Mosquiten
recht häufig; ebenso Schmetterlinge und kleinere Käfer,
die ihre Existenzbedingungen an Buschwerk und Kräutern
finden. Wie überall in Gegenden mit längerer Trocken-
periode haben auch hier die Bäume und hohen Büsche
ein selir hartes, meist rötliches Holz, das mit Vorliebe
von Cerambyciden und Scolytiden, später von Tenc-
brioniden und Termiten angegangen wird. Die rasch
aufschießenden, weißen, weichen und bald zerfallenden
Hölzer fehlen und damit auch die an sie gebundenen
Insekten. Die Käferfauna von Guayaquil, über die ich
mich später noch ausführlicher äußern werde, stimmt
im wesontliclien mit der der Westcordillere iiberein, hat
Stett. ciitomul. Zeit. 1909.
63
aber eine nicht unerhebliche Beimischung endemischer
Formen.
Die Eisenbahn Gnayaqnil- Quito beginnt bei Duran,
einem kleinen Ort gegenüber Guayaquil, zu dem man auf
einem Fährboot gelangt; nördlich von Duran liegen einige
isolierte Hügel, meist bestanden mit einer weißblühenden
Mimose, Espina, auf deren Blüten sich u. a. Rutela vcrsicolor
Latr. und viele hübsche Buprestiden einfinden. Von Duran
geht die Bahn durch eine weite, sumpfige Ebene, bestanden
mit Papyrus und Bijao, einer Heliconie oder, wie ich glaube,
Maranthacee, deren Blätter zum Verpacken von Warenkollis
benutzt werden, um sie gegen Nässe zu schützen. Bei
Yaguachi überschreitet die Bahn einen Fluß und tritt in
ein Gebiet, in dem sich große Zuckerrohrfelder, Bananen-
haine und Kakaoplantagen befinden; bei den Häusern
stehen vielfach Kokospalmen und gewaltige Mangobäume.
Streckenweise geht es durch Wald, in dem Riesenbäume
mit weit vorspringenden Bretterwurzeln stehen, während
am Bahndamm Cecropien und vor allem mächtige Bambus-
büsche nach Licht und Luft drängen; die Vegetation ist
auf dieser Strecke so üppig, daß eine eigene Arbeitertruppe
jahraus jahrein nur damit beschäftigt ist, das Geleise davon
frei zu halten. Bei Naranjito etwa kommen wir in das
Gebiet das ganze Jahr hindurch fallender Regen, das sich
bei etwa 150 Meter Meereshöhe beginnend in wechselnder
Ausdehnung nach oben längs der Westcordillcre hinzieht.
Im Tal des Rio Chanchan, in welchem die Eisenbahn zur
Hochebene strebt, reicht es nur bis etwa 700 Meter, während
es weiter nördlich und im Süden bis zur Paßhöhe, 1000— 1500
Meter geht. Früher war geplant, die Eisenbahn im Tal
des Rio Chimbo auf die Hochebene zu führen und End-
station der Küstenbahn der Ort Chimbo, etwa 320 Meter
hoch, wo die regulären täglichen großen Züge hielten, um
in kleine zu 4 Wagen geteilt den steilen Aufstieg in die
Stett. entomol. Zeit. 1909.
64
Cordillere zu beginnen. Seit man die Pläne geändert und
die Bahn im Tal des Rio Chanchan hinaufgeführt, ist Chimbo
verlassen. Seine Rolle hat der Ort Pucay übernommen,
der etwa eine Stunde flußab von Chimbo am Rio Chimbo
in 300 Meter Höhe liegt; zwischen Pucay und Chimbo liegt
Agua Clara, das Stauwerk für die Wasserleitung von Guaya-
quil. Pucay ist ein kleiner Ort mit reichlich einem Dutzend
Hütten, bewohnt von Negern, die im Dienst der Eisenbahn-
gesellschaft stehen, einigen Indianern und chinesischen
Kaufleuten, die fast den ganzen Kleinhandel im Küsten-
gebiet beherrschen. Gegenüber dem Stationsgebäude lag
eine etwas größere, mit Wellblech gedeckte Bambushütte,
deren Besitzerin, eine Negerin aus Panama, eine Art Speise-
wirtschaft für die Eisenbahningenieure unterhielt; liier
fand ich Unterkunft für die Zeit meines Aufenthaltes in
Pucay. Das Sammeln war hier recht bequem. Wenige
Schritte hinter dem Hause begann der Wald, in den man
durch eine Schlucht, angefüllt mit gestürzten Bäumen,
ziemlich tief eindringen konnte. Eine sehr gute Lokalität
zum Sammeln war die frühere Eisenbahn nach Chimbo,
auf deren Schwellen man bei schlechtem Wetter ziemlich
gut marschieren konnte. Gegenüber dem Hause des
Aufsehers über das Wasserwerk führte ein Weg auf die
Höhe zu einer Zuckerrohrpflanzung, die von einem hoch-
stämmigen Wald eingefaßt war, in dem ich stets reiche
Beute fand. Die Vegetation bei Pucay ist von einer un-
glaubhchen Üppigkeit. Ich hatte im Juli auf dem Weg
nach Agua Clara ein Stückchen Land um einige gestürzte
Bäume vollständig mit dem Buschmesser gelichtet, um
hier mit Bananen zu k()dern und Mistkäfer zu fangen. Als
ich Ende Oktober wiederkam, konnte ich diese Stelle kaum
wiederfinden, so war sie überwachsen. Maranthen, die
ich dicht über dem Boden abgeschnitten, hatten i Meter
hohe Stengel und Blätter getrieben und abgehauene Camacho
Stett. cutomol. Zeit. 1909.
65
waren gar etwa 2 Meter hoch geworden. Die Ursache dieser
Üppigkeit ist neben der gleichmäßig hohen Temperatur,
die selten unter 30 Grad C. sinkt, der Reichtum an Nieder-
schlägen. Nur selten sieht man die Cordillere; meist ist
sie in Wolken gehüllt, aus denen sich zu jeder Tageszeit
Regengüsse entladen. Von den Tagen, die ich in Pucay
verlebte, war keiner ganz frei von Regen und ich ging
schließlich ohne Rücksicht auf das Wetter zum Sammeln,
fahndete bei Regen mit Axt und Spaten in alten Baum-
stämmen nach Holzkäfern und Larven, und wenn die Sonne
schien, sammelte ich mit dem Netz. Wenn es regnet, erscheint
die Natur wie ausgestorben; sowie aber die Sonne durch-
kommt, belebt sich wie mit einem Zauberschlage aiies;
eine Fülle farbenprächtiger Schmetterlinge eilt gewandt
durch das Buschwerk, Hymenopteren, Hemipteren und
Dipteren fliegen herum oder kriechen auf den Blättern
umher, Käfer umsummen die Blüten, lebhaft gefärbte
Eidechsen huschen auf Wegen und Büschen herum und
grell gefärbte Vögel jagen sich in den Zweigen, unter ihnen
viele Colibris, die in den Blüten der wilden Bananen, Heli-
conien und Maranthen, reiche Nahrung finden. Schwieriger
als das Sammeln von Insekten ist ihre Konservierung,
die durch die große Luftfeuchtigkeit wie durch Unmengen
von Ameisen und Blattiden sehr schwierig wird. Mir blieb
nichts anderes übrig, als von Zeit zu Zeit nach Guayaquil
zu fahren, um hier die Ausbeute zu trocknen und zu ver-
packen. Pucay wäre ein Eldorado für den Naturforscher,
wenn seine Gesundheitsverhältnisse besser wären; es gibt
hier ständig schwere Malaria und angeblich auch Gelb-
fieber. Ich sah mehrere Indianer, die meine Hilfe als Arzt
in Anspruch nahmen, an Malaria sterben und viele waren
derartig durch Malaria herunter, daß sie zu keiner Arbeit
mehr tauglich waren. Ich selber blieb glücklicher Weise
ganz fieberfrei, trotzdem ich kein Chinin nahm und auch
Stett. entomol. Zeit. 1909. 5
66
ohne Moskitonetz schlief. Die Moskitenplage war in Pucay
nicht schhmm ; mehr Furcht hat man vor den blutsaugenden
Fledermäusen, vor den Skorpionen und Giftschlangen.
Von den letzteren erlegte ich selber nur eine, hörte aber
mehrfach von Schlangenbissen und sah auch einen dadurch
verursachten Todesfall bei einem ii jährigen Mädchen.
Eine Folge der stets gleichmäßigen Wärme und Feuchtig-
keit ist es, daß hier die Ruhepause im Auftreten der In-
sekten im Freien, wie sie an anderen Orten durch niedrige
Temperatur oder Mangel an Feuchtigkeit bewirkt wird,
geradezu aufgehoben erscheint. Von meinem ersten Sammel-
tag am 3. Juni bis zum letzten am 6. November fand ich
hier immer reiche Ausbeute an Insekten aller Art, aber
sie war bei genauerer Betrachtung doch nicht gleichartig.
Anfang Juni waren darunter eine Anzahl Formen, die offen-
bar im Verschwinden waren, ältere Stücke mit kleinen De-
fekten oder Weibchen, die ihre Eier ablegten oder schon
abgelegt hatten. Sie fehlten späterhin vollständig und
einige von ihnen kamen im November wieder oder ich sah
an ihren Puppen resp. frisch entwickelten Stücken, die
ich in ihren Puppenwiegen fand, daß sie bald wieder im
Freien erscheinen würden. Eine andere Kategorie bildeten
die Formen, die im Juni und Juli erst im Freien auftraten,
durch mangelhafte Ausfärbung des Chitinskelettes und
mangelhafte Ausbildung der Geschlechtsorgane als frisch
(Mitwickelte Tiere gekennzeichnet; sie nahmen deutlich
bis zum November an Zahl ab. Von den gesammelten
Lamellicorniern habe ich bis jetzt nur die Ruteliden und einen
Teil der Dynastiden durchgearbeitet. Unter ihnen erscheinen
im Freien während des südamerikanischen Sommers, d. h.
in der Zeit vom November bis Mai alle die Gattungen,
die man als endemische südamerikanische betrachten muß,
unter den Ruteliden alle sogenannten echten Ruteliden,
die Spodochlamys und Geniatiden wie auch fast alle Dy-
Steft. witomol. Zeit. 1909.
fi7
nastiden. Was ich dagegen in der Zeit vom Juni bis No-
vember hier fand, von den RuteUden alle Anomah und
Stri'odcnna. von den Dynastiden die Cycloccphala. weist
deutlich auf eine Einwanderung aus Nord- und Zentral-
amerika hin und hat wohl auch deshalb seine Erschemungszeit
im nordamerikanischen Sommer.
Eine weitere Folge dieser stetigen Wärme und Feuchtig-
keit ist es. daß die Ruhepause in der Entwicklung der In-
sekten, die an anderen Orten infolge von Kälte oder Trocken-
heit eintritt, hier wegfällt und die Entwicklung der Insekten
daher viel rascher vor sich geht. Macraspis melanana,
Rutela iimorpha und PUnomcla graliosa resp. Blanchard.
machen hier ihre Entwicklung in einem einrigen Jahr durch;
die Larve der ersteren häutet sich nur zweimal, wobei ihr
Kopfdurchmesser nach der ersten Häutung 2'/. mal so groß
ist als vorher. Ebenso ist die Erscheinungszeit des aus-
gebildeten Käfers im Freien, wenigstens bei einer Reihe
von Arten, verlängert, es ist dies aber darauf zurückzu-
führen, daß der Käfer die Zeit vom Abstreifen der Puppen-
haut und Erhärten bis zum Eintritt der Geschlechtsreife,
die er anderswo in seiner Puppenwiege verbringt, hier im
Freien verlebt. Diese jugendlichen Individuen mit noch
nicht voll entwickelten Fortpflanzungsorganen sind auch
äußerlich an ihrer mangelhaften Ausfärbung kenntlich ;
die später pechschwarzen Coprophagen z. B. sind in diesem
Stadium braun, bei LagocUlc und Rutcia ist alles spatere
Gelb milchweiß oder glasig durchsichtig.
Entsprechend dem ewig feuchten Klima Pucays sind
rasch wachsende Bäume mit weißem, leicht vermodernden,
Holz wie Baumwollbäume, hier Ceibos genannt (Bomhas
Ceiba) Kautschukbäume (Castilloa elastica) und Balsas
häufig' und die gestürzten oder umgehauenen abg-torbenen
Ställe wie auch die stehengebliebenen Stubben bald
;oU Larven. Die starke Feuchtigkeit und die Dämmerung,
5'"
Stett. cntoniol. Zeit. 1900.
68
die im dichten Wald immer herrschen, teils wegen der
häufigen Bewölkung des Himmels, teils auch weil die dicht
verwachsenen Baumkronen von oben kaum einen Sonnen-
strahl durchlassen, begünstigen sehr die Entwicklung von
Pilzen, die abgestorbene Bäume bald in großen Mengen
überziehen. Dementsprechend sind Pilzkäfer ungemein
häufig, aber für den oberflächlichen Beobachter nicht leicht
zu finden, weil sie trotz ihrer bunten Färbung sich von der
Unterlage kaum abheben. Auffällig war mir, daß manche
recht buntgefärbte Arten nur im Innern abgestorbener
Bäume vorkommen; von manchen Erotyliden sind auch
die Larven bunt gefärbt und sitzen familienweise auf der
Unterseite von Pilzen. Bambus ist bei Pucay selten und
die wenigen Büsche ergaben auch beim Abklopfen geringe
Ausbeute; dagegen fand ich hier eine Crucifere mit stark
riechenden Blüten wieder, die ich bei Petropolis beobachtet
und die von Käfern, Strigoderma und Isonychus, wie auch
von Schmetterlingen viel besucht wurde. Datura arborea
ist häufig und wird von 3 verschiedenen Cyclocephala-
Arten besucht, die auch Nachttiere sind und des Abends
ans Licht fliegen. Eine ganz eigentümliche und für die
Westseite der Cordillere sehr charakteristische Pflanze
ist eine Aroidee, Hanthosoma spec, Camacho genannt.
Der Stamm wird 2 — 3 Meter hoch und reichlich armsdick,
ist aber markig weich wie eine Rübe lind läßt sich leicht
durchschneiden. Von ihm gehen oben 4 — 5 mächtig große
schirmartige Blätter ab, die auf % Meter langen Stielen
sitzen. Die Blüte, die am Grunde der Blätter sitzt, ist
15 — 20 cm lang, etwa 5 cm im Durchmesser breit, lang
oval, oben zugespitzt und an der Grenze von mittlerem
und unterem Drittel stark eingeschnürt ; der Griffel ist
gelbrot, das Kelchblatt schneeweiß, die geöffnete Blüte
stark duftend. Sobald sich die Blüte erschlossen hat, wird
sie von 3 Arten der (Gattung Cyclocepliala besucht, von
Stett entomol. Zeit. lUOO.
69
denen 2 ständige Besucher und ungemein häufig sind —
sie sind beide noch nicht beschrieben — , während die dritte,
Cydocephala tutüina Burm., nur vereinzelt von mir in dieser
Blüte gefunden wurde. Die Käfer drängen sich mit Vorliebe
in den unteren, durch die Einschnürung abgetrennten Teil
der Blüte und fressen hier den Pollen, mit dem sie sich
vollständig beschmieren; er ist so klebrig, daß er sich nicht
durch Spiritus oder Chloroform, sondern nur durch starkes
Abpinseln mit Seife, heißem Wasser und einem Borsten-
pinsel entfernen läßt. Die Käfer drängen sich in solcher
Menge in der Blüte zusammen, daß sie sich kaum rühren
können; selten fand ich unter sieben, gewöhnlich ein Dutzend,
einmal 2^^ der unserem Rhizotrogus sohtitialis an Größe
etwa gleichen Käfer in einer einzigen Blüte. So häufig
sie in den Blüten waren — ich fand an einem ^Morgen über
100 Exemplare — fing ich doch nie ein Stück im Freien
auf anderen Blüten oder des Abends am Licht. Eine An-
zahl Käfer nahm ich lebend mit nach Hause und setzte
sie in einen Zuchtkasten mit Carnachoblüten. Während
ich sie in der Blüte nie in Copula gefunden, unternahmen
sie diese im Zuchtkasten sofort, meist in hängender Stellung.
Das Männchen umklammert mit seinen verdickten Vorder-
klauen den Seitenrand der Deckflügel des $ hinter
der Randschwiele; diese Stellung ist typiscli mid wird
während der Copula nicht geändert, wälirend die St(^lhmg
der Mittel- und Hinter-Klauen atypisch ist. Auch läßt
sich das .^ in Copulastellung, ohne die Copula vorzunehmen,
von dem 2 stundenlang herumschleppen. Die Eier werden
in der Erde abgelegt, jedes Ei einzeln in einer kleinen Ei-
kammer, mit einer gelblichbraunen Kittsubstanz an deren
Wand festgeklebt, in einer Tiefe von 14 ^"^ lu)chstens i cm
unter der Oberfläche. Die frisch ausgeschlüpfte Larve
gleicht sehr einer Geniatidenlarve und frißt wie diese Erde.
In Gesellschaft der Käfer in der Blüte finden sich stets
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
70
einige flüchtige Wanzen, eine stark abgeflachte Forficiilide,
ein Staphylinide und einige kleine braune Clavicornier.
Wenn die Käfer den Pollen in der Blüte ganz aufgefressen
und diese verlassen haben, dann schwellen Kelchblatt
und Griffel dick auf, das erstere krempelt sich nach außen
um und dann kommen Hymenopteren mid Dipteren, die
diese schwammige, leicht süßlich schmeckende Masse gierig
verzehren; einmal fand ich auch Lagochüc chiriquina daran.
Im November fand ich bei Pucay keine Camachoblüten
und auch keine Camacho-Cyclocephalen mehr. Die Larven
von Cyclocephala und anderen Dynastiden, von Anomala
und Leucothyreus, von Isonychus und IMacrodactylus
finden sich überall im Boden in ganz geringer Tiefe, selten
unter i cm, größere Tiere unter Steinen oder gestürzten
Bäumen; sie tragen jedenfalls dazu bei, daß es zur Bildung
einer Humusschicht nicht kommt, weil sie die zerfallende
organische Substanz im Boden sofort verzehren.
Die in großer Menge im Wald herumliegenden, ab-
gestorbenen Baumstämme und Äste sind fast immer besetzt
mit Passaliden, für deren Biologie dasselbe gilt, was ich
von der Biologie der Passaliden von Petropolis gesagt habe.
Niemals fand ich eine Passalidenlarve ohne ausgebildete
Käfer dabei; nie gelang es mir, unerwachsene Passaliden-
larven nach Beseitigung der Elterntiere weiter zu züchten.
Auch hier finden sich in einem von Passaliden reich be-
setzten Baumstamm in den Fraßgängen Blattiden, außer-
dem auch gewisse Juliden und Pseudoskorpione. Die letzteren
sitzen manchmal an den Käfern ähnlich wie Käfermilben;
einmal beobachtete ich, daß ein Käler in dem Raum zwischen
Abdomen und häutigen Flügeln 5 Exemplare eines Pseudo-
skorpions mit sich herumschleppte, die auf diese Weise
wohl passiv wandern können. In einem Bombaxstamm
hatte eine ziemlich große Passalidenart, die ich noch nicht
bestimmen konnte, eine kleine Kolonie angelegt; es waren
Stett. entomol. Zeit. 1909.
71
etwa 40 Käfer, Eier, Larven in allen Stadien nnd Puppen,
dabei aneli die gewohnten Tischgenossen. In der etwa 2 cm
dicken Rinde hausten Cloeotus globosus wie anch Ataenius
capitatus Har., beide mit Larven in allen Stadien und Puppen.
Lines Tages, als ich in einem alten, abgestorbenen Baum-
stamm nach Larven suchte, legte ich eine Puppenwiege
bloß, in der sich ein prachtvolles q von Acgidiuni colmii-
bianuin nebst Larven- und Puppenhaut befand, wonach
auch diese Art ilire Entwicklung im Holz durchmacht,
^listkäfer sind bei Pucay häufig und gaben mir im
Freien wie im Zuchtkasten Gelegenheit zur Beobachtung
ihrer Lebensweise. Ich habe, abgesehen von den im Holz
lebenden Arten, keinen Mistkäfer unter ^laultier- oder
Rindermist gefunden, der nicht auch an Menschenkot
gegangen wäre und mit diesem Köder ließ sich die zur Be-
obachtung im Zuchtkasten nötige Anzahl von Individuen
leicht beschaffen. Auf einer Lichtung im Walde reinigte
ich einen kleinen Platz von aller Vegetation, ebnete den
Platz, jedoch ohne den Boden umzugraben, deponierte
den Köder und legte im Umkreis von einem halben Meter
etwa einige größere Steine oder Holzstücke nieder. Am
nächsten Morgen fand ich dann reiche Beute, teils im Köder
selbst oder unmittelbar darunter, teils in größerer Tiefe
am Grunde eines gegrabenen Stollens, teils unter den Steinen
oder Holzstücken. Man kann nach dem Ort, wo sie ihre
Nahrung verzehren, die Mistkäfer in drei Gruppen ein-
teilen. Die erste verzehrt ihre Nahrung an Ort und Stelle,
sie fressen im Misthaufen selber oder direkt an seiner Lhiter-
seite; hierzu gehören die Aphodien, Onthophagen und
Choeridien. In der zweiten Gruppe graben die Käfer direkt
unter dem Misthaufen oder an seiner Peripherie einen
Stollen in die Erde, schleppen dorthin eine gewisse Menge
Futterstoff und verzehren ihn am (hunde ihres Stollens
ungestört von dem großen Haufen; hierher gehören die-
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
72
Pinotus, Onthcrus und Phanaeus, bei uns die Geotrupes
und Copris. Die Mitglieder der dritten Gruppe nehmen
von dem Misthaufen ein bestimmtes Quantum, trans-
portieren dieses über der Erde nacli einem benachbarten
Versteck, einer vorspringenden Baumwurzel, einem Stein
oder Stück Holz, und verzehren es da. Hierher gehören
die Pillendreher, Deltochilum und Canthon, die den Nahrungs-
stoff zu einer Kugel formen und diese mit den Hinterbeinen
fortwälzen und Eurysternus. Der letztere lad mit seinen
großen, gekrümmten Mittelbeinen den Mist auf seinen
Rücken wie auf einen Wagen und hält ihn nötigenfalls
mit den Mittelbeinen fest, während er auf Vorder- und Hinter-
beinen dahinschreitet ; da die Oberseite, Thorax und zumal
Deckflügel vollständig flach sind, im Gegensatz zur stark
gewölbten Unterseite, vermag er darauf eine ziemliche
Menge Futter wegzuschleppen. Die kleinen Canthon-Arten
findet man im Wald häufig auf Büschen, mit weit gespreizter
Fühlerkcule die Luft nach Futter durchschnüffelnd; sie
kommen auch, wenn man den Köder ausgelegt, sehr rasch
angeflogen.
Melolonthiden sind bei Pucay nicht reich an Arten
und fast ausschließlich Nachttiere ; ebenso waren auffallender
Weise alle Anomala- Arten, die ich hier fing, ohne Ausnahme
Naclittiere; sie stecken offenbar den Tag über in der Erde,
wo auch ihre Larven leben. Lagochile chiriquina köderte
ich mit Bananen, die u. a. auch von großen Elateriden,
spec. Chalcolcpidius, regelmäßig besucht wurden. Rutela
dimoypha überraschte ich eines Tages bei der Eiablage
und habe auch später mehrfach ihre Larven und Puppen ge-
funden. Die Larve hat einen hellgelben, glänzenden Kopf
mit scharf abgesetzten schwarzen Mandibeln und lebt in
niedrigen Stubben von Ficus, ähnlich unserem (lummi-
baum, mit sehr hartem, rotem Holz. Bei dem frisch ent-
wickelten Käfer sind die gelben Zeichnungen prachtvoll
Stett. entomol. Zeit. 1909,
73
milchweiß und nehmen erst nach dem Tod die gellx;
Färbung an.
Am 6. VI. fand ich beim Herumklettern im Walde
ein Termitennest, das aus Holz gebaut etwa 40 x 50 cm
groß war und nach der Ansatzstelle von einem Ast herab-
gefallen oder mit einem stürzenden Baum heruntergekommen
war. Als ich es mit dem Spaten aufschlug, fand ich darin
eine ziemlich große Anzahl Larven, die später — ich deckte
das Nest wieder zu und versteckte es unter einem Baum,
da es zum Mitnehmen zu schwer war — Cyclidius clongatus
ergaben. In der x\ußenwand des Nestes und auch in den
Zwischenräumen fanden sich in großer Anzahl Acaiithoccviis
setulosus und Rcdicnhachcri, von beiden Käfer, Larven
in allen Statien und Puppen zusammen.
Ahnlich wie bei den Passaliden gelang es mir liier
einen weiteren Fall von vollständiger Brutpflege bei einem
Tenebrioniden, Phrciiapates BeiicUü Kirby, festzustellen.
Die ersten Käfer fand ich einzeln in großen abgestorbenen
Bombax-Stämmen Anfang Juni; am 21. VI. fand ich
das erste Pärchen — • ich tötete die Käfer in Spiritus und
untersuchte später das Abdomen — das sich ebenfalls
in einem Bombax einen Gang geschrotet hatte. Am 13. VII.
fand ich auf der Unterseite des Bombaxstammes, in dem
ich die ersten vereinzelten Käfer gefunden, zwei Pärchen
mit Larven. Die Käfer hatten zuerst einen etwa % Meter
langen engen Gang geschrotet; von diesem gingen seitlich
in bestimmten Abständen geräumige Nischen ab, in denen
bald eine, bald zwei Larven saßen zwischen feinen läng-
lichen Holzspähnen, die die ganze Nische ausfüllten. Zwei
der Nischen, die nur wenige Holzspäne enthielten, zeigten
an der Peripherie kleine Eikammern, die eine zwei, die
andere drei; in jeder Eikammer saß ein Ei. Die ganze Arbeit
ist viel sauberer als bei den Passaliden, die Wände der
Gänge, Nischen und Eikammern sind glatt, die Gänge
•Stett. eutomol. Zeit. 1909.
74
frei von Fraßmehl, die Holzspäline in den Nischen sehr
fein und gleichmäßig. Die Larven älniehi in der Körper-
form unseren Mehlwürmern, sind aber milchweiß. Die
luer waren offenbar in größeren Pausen abgelegt, dc^ni
die Larven waren in der (jröße alle verschieden. Als ich
am 31. X. nacli Lucay zurückkehrte, suchte ich sofort
wieder nach Phrenapates und fand in den nächsten Tagen
etwa ein Dutzend Familien mit Larven in verschiedenen
Stadien und frisch entwickelten, gleichmäßig blaßgelben
Käfern, aber keine Puppen. Ich schlug mit dem Spaten
einige große Stücke Holz mit Gängen und Nischen los,
reinigte die Nischen sorgfältig, setzte die Larven hinein
und brachte sie im Zuchtkasten ohne die Iväfer unter;
aber sie gingen mir alle zugrunde, da sie offenbar nicht
imstande waren, das zur Nahrung n(')tige Holz von den
Wänden der Nischen selber loszureißen. Die Stämme,
in denen ich die Phrenapates-Familien fand, erwiesen sich
nach der Rinde, nach Färbung, Schichtung und Geruch
des Holzes als Bombaxstämme; außerhalb der Nischen
resp. (länge habe ich niemals eine Larve in ihnen gefunden,
auch niemals Larven in den Nischen, ohne daß die Käfer
in der Nähe gewesen wären. Vom lebenden Iväfer habe
ich nie zirpende oder schrillende Töne gehört, auch am toten
keinerlei Schrillapparat entdecken können, dagegen bemerkt,
daß er einen starken Duft ausströmt, ähnlich unseren Blaps-
Arten.
Bei Pucay überschreitet die Bahn den Rio Chimbo
und steigt im Tal des Rio Chanchan hinauf; die nächste
Station, die sie nach einstündiger Fahrt erreicht, ist Huigra,
in 1000 Meter Meereshöhe gelegen. Etwa zwei Drittel des
Weges geht es durch Wald; dann beginnt die Buschregion,
in der ein eigentümliches Rohr, Gynerium sacharoides,
mit scharf gesägten Blättern überwiegt. Bei Huigra werden
auch die Büsche niedriger und spärlicher; zwischen ihnen
Stett. entomol. Zeit. 1909.
75
trctcji vcuL-inzelte große Caudelabcrkakttis und Agaven
.vuf, die weiterhin fast die einzigen größeren Tllanzen neben
spärliehem Gras sind. Regen fällt bei Huigra nur in der
Regenzeit und aueh dann nieht reichlich; demgemäß finden
sich auch nur dann Insekten in größerer Anzahl. Ich sammelte
einige Tage im Juli und November hier, meine Ausbeute
war aber recht spärlich. Auf einem blühenden Busch,
ähnlich unserer Spiraea, fand ich in großer i\Ienge eine
Cistelide, unter einem toten Hund eine Silpha, unter ^laul-
tiermist einen auf der Westseite häufigen Onthophagus
und den durch ganz Südamerika verbreiteten Aphodius
brasiiieusis. Außerdem fand icli beim Graben unter altem
Kuhdünger die Brutpille von Phanaciis luiuiris Taschenbg.
mit einem voll entwickelten Käfer darin; sie glich der weiter
oben beschriebenen Brutpille von Ph. saphirüius, jedoch
war die umhüllende Erdschicht erheblich dicker.
Huigra hat eine sehr gesunde Lage und wird dariun
als Luftkurort in der Regenzeit von den Einwohnern von
Guayaquil aufgesucht; es ist auch Sitz der Verwaltung
der Eisenbahngesellschaft. Ich lernte hier den Eisenbahn-
arzt Dr. Davis kennen, der sich für Zoologie lebhaft inter-
essiert und seit 6 Jahren Sammlungen der hiesigen Tierwelt
an die Smithsonian Institution schickte; von der letzten
Sammelcampagne hatte er noch die Coleopteren im Hause,
von denen er mir in liebenswürdigster Weise alle mich
interessierenden Stücke überließ; auch gab er mir ein $ des
Dcniocraics Burmcisteri, der bei Guamote im Oktober häufig
ist. Nach seiner Angabe ist Golofa Aegcon hier häufig und
steckt den Tag über in der Erde, wo auch die Larve lebt;
beim Graben gelang es mir auch, eine Larve zu findcMi,
die nach ihrem Fäces zu urteilen, auch im erwachsenen
Stadium von Erde lebt.
Den 19 engl. Meilen weiten Weg nach Pucay zurück
machte ich zu Fuß, um mir das Buschwerk im Übergangs-
Stett. eutomol. Zeit. 1U09.
76
gebiet etwas näher anzusehen. In der Nälie von Huigra
sah ich außer der oben erwähnten Cistehde nur eine Halticine,
die aber so fUichtig war, daß mir alle Stücke entwischten;
im Übergangsgebiet, lange vor Beginn des Waldes, fand
ich nur die Arten, die ich auch bei Pucay gefunden. Im
ganzen war ich von der Tour recht enttäuscht. Ich hatte
geglaubt, auf den Büschen an den Seiten des Bahnkörpers
reiche Ausbeute zu finden, weil Insekten ja gern Lichtungen
und Waldwege aufsuchen, aber trotz stundenlangen Klopfens
war die Ausbeute recht gering. Vielleicht sind die vielen
Vögel und Eidechsen, die Libellen und Asiliden, die den
Bahnweg fleißig abpatrouillieren, schuld an dieser Insekten-
arnnit.
Mühsam klettert der Zug hinter Huigra im Tal des
Rio Chanchan (Schweinefluß) hinauf; enger wird das Tal
und höher die Berge; nur am Vier des wild rauschenden,
weißgrauen Flusses stehen noch einige Büsche, die Berg-
hänge sind bis auf spärhclie Agaven und (irasbiischel kahl.
In steilem Zickzack — vorwärts erst, dann rückwärts,
dann wieder vorwärts gewinnt die Bahn am schroffen West-
abhang der Teufelsnase, Nariz del Diavolo, die Hochebene
und eilt dann rascher zur nächsten Station Alausi, die
bereits auf 2390 Meter Meereshöhe liegt. Die Landschaft
trägt hier schon ganz den Charakter der interandinen Hocli-
ebene: im Tal saftig grüne Matten, soweit die künstliche
Bewässerung reicht, die W\-ge und Felder nnl ludwällen
und Agaven eingefaßt, stellenweise Alleen \on Eucalyptus-
bäumen, ähnhcli unseren Pappelalleen; wo die künstliche
Bewässerung niclit hinreicht, fehlt auch die Vegetation
bis auf vereinzelte Erdbromelien, Agaven und Grasbüschel.
Bald Innter Alausi passiert die Bahn ein enges Tal und tritt
ins CK4Met der Paramos, weite, öde Strecken ohne alle \>ge-
tation. Bei Palmyra erreicht die Bahn ihren höchsten
Punkt, etwas über 4000 Meter und berührt dann Guamote,
Stett. entomol. Zeit. 190 9.
das noch, 'm FaraniQ Kegt; dem Jdeinen Wasserdien, das
neben der Bahn dahinransciit. dürfen wir Grüße an den
Amazonas mitgeben, denn wir haben die Wasserscheide
überschritten und sind in das Flußgebiet dieses gewaltigen
Stromes eingetreten. Es war Nacht, als wir in Colta. damals
Endpnnkt der Eisenbahn ankamen, aber prachtvoll sternklar
mid das bewog mich, eine Gelegenheit zmr Weiterfahrt
nach Riobamba zn benntzen. Ein leichter, mit z Manl-
tieren bespannter offener Wagen brachte mis in zwei Stunden
ans Ziel; kösthch war die Fahrt durch die stille Nacht,
über uns der wolkenlose, taefdrmkTe Himmel mit seiner
Fülle von Sternen, die in der Maren Lnft leuchteten und
glitzerten, wie bei uns in WintemäclLten ; deutfich. wenn
aucfi schwach, leuchtete die mit Schnee bedeckte Euppe
des Chimborazo horuber.
Riobamba. die drittgrößte Stadt des Landes, liegt
auf 2800 Meter Meereshöhe in einem weiten TaL das durch
den Rio Chambo nach dem Pastassa, einem Nebenfluß
des Amazonas, entwässert wird. Den Boden bildet die
Cangagua, ein Conglomerat, das sich auf dem Bodoi des
das Tal früher bedeckenden Sees aus Geröll, feinem Sediment
und vulkanischem Sand gebildet hat. Darüber lagert vul-
kanischer Sand. Auswurf aus den Vulkanen, die den Höhen
ringsum aufsitzen, dem Ch mborazo und Carihuairazo un
X.-W., dem Tungurahua im N.-O. und dem Altar im Osten.
Dieser Sand ist ungemein fein, beweglich und di er alles
Wasser durchläßt, so ist die Vegetation- naturgemäß recht
arm. Nur da. wo sich künsthche Bewässerung eir—''^" "
läßt, ist Ackerbau möghch, der zudem nocli durch .._::,
Nachtfröste erschwert wird.
Ich lernte hier zwei deutsche Naturforscher kennen,
die Herren Drs. August (Botaniker) und Kart {Ge<3loge)
Rimbach. die seit Jahren im Lande ansässig sind und es
nach allen Richtungen hin bereist haben. In liebens-
Stett. äitxiniiii. Zeir. IM^.
78
würdigster Weise stellten sie sich zu meiner Verfügung,
begleiteten mich auf meinen Exkursionen, halfen mir beim
Sammeln und haben mich auch nach meiner Rückkehr
noch durch Zusendung von Käfern, die sie bei ihren Reisen
fanden, unterstützt. Ich sammelte in Riobamba vom
28. VI.— 8. VII. und vom 14.— 22. XI.
Die Insektenfauna der Umgegend von Riobamba ist
arm an Arten, doch treten viele davon in großen Mengen
auf. Von Tagschmetterlingen fliegen nur einige Weißlinge
und Bläulinge; Nachtschmetterlinge sind häufiger, gehören
aber fast alle zu Arten, die durch ganz Amerika verbreitet
sind. Von Fliegen sind einige Asiliden häufig, von Hyme-
nopteren eine auffallend rotgelb gefärbte große Sphegide.
Von Käfern sind unter Steinen ein Harpalus ähnlicher
Carabide, eine Tenebrionide und Rüßler zuweilen in un-
heimlichen Mengen vorhanden, unter Aas die kosmo-
politischen Dermestes vulpinus und Necrohia ruficoUis und
der in ganz Südamerika häufige Trox suherosus. Von AiwiHnla
aequatorialis fand ich im Juli vereinzelte tote Stücke; im
November kam der Käfer häufig des Nachts ans elektrische
Licht geflogen. Recht charakteristisch für das Tal von
Riobamba und auffallend durch ihre Lebensweise sind
Baroiheus andinus, Democrates Burmeisteri und Praogoloja
unicolor; sie alle sind Nachttiere und stecken den Tag über
in der Erde oder unter Steinen, wo sie von verwesenden
Pflanzenstoffen leben. Ihre Larven leben in der Erde und
fressen Erde. Von B. andinus erhielt ich schon Ende Mai
lebende Stücke aus Colta; ich fand den Käfer selber unter
Steinen und in der Erde zusammen mit P^iern und Larven,
einmal in trockenem Hopfen, ein andermal unter altem,
vom Regen ausgelaugtem Kuhmist melirere Käfer, darunter
ein Paar in Copula, Eier und junge Larven. Von Democrates
Burmeisteri fand ich im Juli nur tote Stücke; im November
traf ich den Käfer nach Regen häufiger, aucli ein $ in der
■ Stett. eutomol. Zeit. 1909.
79
Erde unter einem abgehauenen Agavestrunk zusammen
mit Eiern und jungen Larven. Praogolofa uiiicolor hatte
ich im Juli nicht zu Gesicht bekommen, im November
dagegen lagen tote Stücke zu Hunderten auf den öden
Feldern am Wege nach Guaranda. Auf diesen Feldern
wächst vereinzelt ein schilfartiges Gras, Arundo nitida,
von den Indianern sigsig genannt und zum Decken der
Häuser benutzt ; ältere Büsche sterben in der Mitte ab
und wachsen peripherisch weiter, so daß sie allmählich
große Ringe bilden. In der Mitte dieser Ringe legt der Käfer
seine Eier ab und die Larven, die die Erde mit den ab-
gestorbenen Wurzeln fressen, wühlen auf der Suche nacli
Nahrung den losen Sand derartig auf, daß ihre harten,
wie flache Bohnen geformten Fäces an die Oberfläche
kommen und so die Anwesenheit der Larve verraten. In
manchen Ringen fand ich Tausende von Fäces, die der
Wind wegen des Graswalles ringsum nicht verwehen konnte.
Die Käfer stecken den Tag über in der Erde und fressen
auch Graswurzeln ; sie kommen besonders nach einem
Regen hervor, wie ich am 21. XL beobachten konnte, fliegen
dicht über dem Boden mit lautlosem Flug herum und
schreiten dann wohl auch zur Paarung.
Die auf den kahlen Feldern herumliegenden toten
Exemplare der genannten drei Dynastiden und der Anomala
acqiiatorialis werden, wenn sie mit den Beinen an einem
Hindernis festgeraten, so daß sie der Wind nicht weiter
herumtreiben und vernichten kann, durch den feinen,
über sie hinstreichenden Sand zuerst der glänzenden Ober-
liaut beraubt, matt, und dann durch die Sonne allmählich
auf der nach oben liegenden Seite vollständig gebleicht.
Ich habe solche Stücke mitgebracht, die auf der Oberseite
schneeweiß geworden sind, während auf der Unterseite
die natürliche Färbung vollständig erhalten blieb.
Im Tal von Riobamba finden wir, wie schon kurz
Stett. entomol. Zeit. 1909.
80
bemerkt, eine üppigere Vegetation nur an Stellen, die künst-
lich bewässert sind, für den Sammler aber sind solche Plätze
weniger ergiebig als das ödeste Feld. Die hochgelegenen
Ebenen und die Abhänge der Berge sind spärlich bewachsen
oder in weiter Ausdehnung ganz kahl. Erst in Höhen von
3200 — 3500 Meter ab finden wir wieder üppige Wiesen
und in den Falten dichten, wenn auch niedrigen Wald.
Das belebende Naß spenden dieser Vegetation die Wolken,
die diese Höhen fast immer umlagern. Auf einem Ausflug
nach den Ausläufern des Cubillin lernte ich dieses Gebiet
zuerst kennen. Schon gleich hinter dem Dorf Chambo
wurde die Vegetation üppiger; am Wege stand vielfach
eine Art Kamille, auf der in großer Zahl eine hübsche erz-
grüne Mylabride mit roten Flecken saß. Die von kristall-
klaren, aber eisigkalten Bächen durchflossenen, üppigen
Wiesen waren bevölkert von großen Herden von Rindern
und Maultieren, unter deren Exkrementen ich vereinzelt
den hübschen Pinohts Cotopaxi fand; alte, vom Regen
ausgelaugte Exkremente waren besiedelt von Käfern und
Larven in allen Stadien des Barothcus andinus. Unter
Steinen waren Carabiden nicht selten, auch einige Rüßler,
und am Rand der Bäche fand ich einen großen Regen-
wurm, der wie ein Wattenwurm die Erde in faustgroßen
Haufen ausgeworfen hatte. Den Wald in dieser H(')he,
3500 Meter, konnten wir leider nicht genauer untersuchen,
da Regen kam und nirgends ein Unterkommen zum Über-
nachten war; er setzt sich zusammen aus 2 — 4 Meter hohen,
stark verzweigten Bäumen, deren Äste mit Epipliyten
aller Art überladen sind; in dem Wasser zwischen den
Blättern einer großen Bromelie fand ich eine Fliegenlarve
mit etwa 12 cm langer Atemröhre, aber keine Käfer.
Am 8. VII. fuhr ich von Riobamba nach Colta zurück;
die Felder am Wege sind bald mit Agave americana, bald
mit Foucroya gigantea eingehegt, deren lange Blütenscliäfte
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
81
statt Latten bei Einfriedigungen gebraucht werden. Bei
Colta, dessen Meereshöhe 3288 Meter beträgt, liegt eine
große Lagune, die zurzeit teihveise eingetrocknet war;
auf dem schlammigen Boden saßen unzählige Mengen
einer Fliege von der Größe unserer Stubenfliege; in dem
Rohr am Ufer hauste ein kibitzartiger Vogel, Schnabel
und Füße rot, Kopf und Rücken taubengrau mit Bronze-
schimmer, die Schultern dunkel, ein schiefer Strich über
den Flügeln und der Bauch weiß, von denen ein Jäger
in kurzer Zeit gegen 20 Stück schoß. An den Rinnsalen,
die dem See zuflössen, waren Libellen häufig, sonst aber
war die Insektenwelt recht arm; ich sammelte hier zwei
Tage lang, fand aber nur wenig Käfer, die zu denselben
Arten gehörten, die ich schon bei Riobamba gefunden;
auch Pinotus Cotopaxi war hier, aber nur auf den grünen
Höhen zwischen 3500 — 4000 Meter.
Zu den Plätzen in Ecuador, die ich besuchen wollte,
gehörte auch Loja, eine kleine Stadt im Süden nahe der
peruanischen Grenze, den Entomologen wohlbekannt als
Fundort vieler seltener Formen. Ich hatte erfahren, daß
dort ein Landsmann wohnte und schrieb an ihn, ob er mir
ein Unterkommen besorgen wolle. Ende Juli lernte ich
in Guayacjuil den Lojaner Kaufmann Manoel Jose Espinosa
kennen, der nach der Küste gekommen war, um Waren
einzukaufen; auf eine Anfrage erlaubte er mir gern, in
seiner Begleitung die Reise nach Loja zu machen, besorgte
mir in liebenswürdigster Weise Reittier und Lasttier für
mein Gepäck in Santa Rosa und half mir, da ich mit der
Art des Reisens im Lande noch wenig vertraut war, unter-
wegs in jeder Weise. Da es Gast- oder Unterkunftshäuser
im ganzen Süden nicht gibt, ist es natürlich sehr wichtig,
einen Begleiter mit guter Wege- und Personenkenntnis
bei sich zu haben. Wir verließen Guayaquil am 27. VII.
mit dem kleinen Dampfer Olmedo, der uns flußab nach
Stett. entomol. Zeit. 1908. G
82
Pirna und längs der Küste nach Puerto Bolivar, dem Hafen
von Machala brachte; von da ging die Fahrt in einem See-
wasserkanal zwischen Mangroven weiter nach Santa Rosa.
Hier verließen wir den Dampfer und ritten am 29. durch
die Ebene bis an den Fuß des Gebirges. Der Weg führt
zuerst durch flaches mit Gebüsch und vereinzelten Bombax-
bäumen bestandenes Land; dann geht es über einen nie-
drigen Höhenzug an den Rio Santa Rosa und in dessen
Tal aufwärts. Achtundvierzig Mal ritten wir durch den
Fluß, zuletzt längere Strecken im Fluß selber, da hohe
Felsen und die ungemein üppige Vegetation ein Vorwärts-
kommen neben dem Fluß unmöglich machten. Diese üppige
Vegetation, viel versprechende, gestürzte Baumriesen und
herumfliegende Insekten erweckten in mir den lebhaftesten
Wunsch, abzusteigen und zu sammeln; aber Sr. Manoel
trieb unbarmherzig zum Weiterreiten an, um noch vor
Dunkelwerden unser heutiges Reiseziel zu erreichen. Um
5 Uhr kamen wir nach Chonta, einer einfachen Bambus-
hütte auf Pfählen, wo wir abstiegen und übernachteten.
Zum Abendessen gab es Ragout vom schwarzen Brüll-
affen, der uns später ganz in der Nähe ein durchdringendes
Abendkonzert lieferte, assistiert von Fröschen und Cicaden.
Die Szenerie war recht malerisch ; dicht ums Haus der
düstere Urwald mit seinen vielen Tierstimmen und den
Mengen von Leuchtkäfern, über uns der klare Sternen-
himmel, die ganze Plattform der Hütte belebt von Reisenden
in den abenteuerlichsten Kostümen, Arrieros, Montaneros
und Lidios; das lebhafte Gespräch, das sich hauptsächlich
um den morgigen Weg drehte und nicht zuletzt das unge-
wohnte harte Lager auf dem Fußboden aus gespaltenem
Bambus ließen mich lange nicht einschlafen. Am nächsten
Morgen um 5 Uhr standen wir auf, tranken rasch eine Ta.sse
Kaffee und ritten weiter. Chonta liegt bereits in der Zone
der Dauerregen, die hier aufwärts bis zur Paßhöhe reicht;
Stctt. cntomol. Zeit. 190».
83
der Wald ist ungemein üppig und dürfte einem Sammler,
der sich hier einige Zeit seßhaft macht, reichste Ausbeute
liefern. Der Weg führte zuerst eine kurze Strecke sanft
bergauf durch üppigen Wald, aus dem uns in nächster
Nähe die Brüllaffen guten Morgen wünschten, dann beginnt
das Hinaufklettern an der hier steil abfallenden Westcor-
dillere. Es ist ein Klettern im wahren Sinne des Wortes,
zumal in den sogenannten Escaleras, engen gewundenen
Schluchten, in denen die Tiere wie auf Wendeltreppen
die zuweilen meterhohen Felsenstufen hinaufspringen müssen.
Am Eingang in diese Escaleras sind Nischen in die Felsen
gehauen, in denen der fromme Reisende seinem Schutz-
patron eine Kerze für gute Reise opfert; in die Felsen ein-
gegrabene Kreuze bezeichnen die Stellen, wo Reiter gestürzt
sind und den Tod gefunden haben. In den Senkungen
zwischen den Escaleras geht es streckenweise durch tiefen
Morast, da das Wasser hier keinen Abfluß findet, oder
über höchst bedenkliche Knüppeldämme. Das Wetter
war trüb, blieb aber glücklicher Weise trocken; manchmal
zerriß der Wolkenschleier, der das Gebirge umhüllte, und
gab den Blick über dichten Wald und in tiefe Schluchten
an den Seiten des Weges frei. Schmetterlinge, besonders
Caligo, Heliconier und Ithomien waren ungemein häufig,
weiter oben auch eine oben blaugrüne Catagramme. in
solchen Mengen, daß die Tiere sie zuweilen tottraten. Aber
an Sammeln war nicht zu denken, ich hatte alle Not mit
meinem Reittier, das sich die erdenklichste Mühe gab,
mich wieder nach Santa Rosa zu bringen. Um Mittag er-
reichten wir die Paßhöhe — kurz vorher besteht der Wald
fast nur aus Palmen — warfen noch einen Blick auf die
in Wolken gehüllte Cordillere und ritten dann in das von
wolkenlosem Himmel überspannte Tal von Zaruma hinab.
Am ersten Haus rasteten wir, trockneten und reinigten
uns notdürftig vom angespritzten Morast und frühstückten;
Stett. eutomol. Zeit. 1909. G*
84
dann ging es weiter auf guten trockenen Wegen, bis wir
des Abends Zaruma erreichten. Die Vegetation unterwegs
ist ähnlich der von Huigra, viel Buschwerk, künstliche
Bewässerung für Felder von Zuckerrohr, Bananen und
stellenweise Kaffee. Wir übernachteten bei Sr. Danielo,
einem Gastfreund des Sr. Manoel, die Gastfreundschaft
bestand — wie auf der ganzen Hochebene üblich — darin,
daß wir eine einfache Suppe aus Yucca (Mandioka), Platanos
(Bananen) und etwas Fleisch bekamen und uns auf dem
Fußboden der Stube aus mitgebrachten Decken ein Lager
zurechtmachen durften, wo uns die Flöhe, die Wappentiere
der Montaneros, wenig Ruhe ließen. Am nächsten Morgen
standen wir wieder um 5 Uhr auf, tranken eine Tasse Kaffee
und ritten weiter. Zuerst ging es so steil bergab, daß wir
absteigen mußten, unten über den Fluß und dann auf
wechselnden Wegen, über Höhen und durch Flüsse; einmal
ritten wir an einer Bergwand dahin, rechts steile Felsen,
links schroffer Abhang, unten der Fluß, der Pfad oft so
schmal, daß der linke Fuß über dem Abgrund hing. Nun
begriff ich, warum man hier statt der Steigbügel metallene
Schuhe oder hölzerne, mit Leder überzogene Kästen, in
denen der ganze Fuß Platz hat, gebraucht : es ist um ihn
gegen das Anstoßen an die Felsen beim Passieren solcher
engen Pfade zu schützen. Einmal durchritten wir eine
brennende Loma, mit Gras und Gebüsch bestandene flache
Hügel, die in der Trockenzeit abgebrannt werden. Um
Mittag überschritten wir einen Höhenzug, von dem aus
wir noch einmal einen schönen Überblick über das Tal
von Zaruma hatten, und kamen in einen kleinen Wald,
wo wir frühstückten. Was icli liier an Insekten fand, stinnnle
überein mit dem, was ich bei Pucay gefunden. Dann ging
es auf gutem Weg an der Seite eines langgestreckten, viel-
fach gewundenen Rückens dahin, bis wir am Abend wieder
auf die Höhe hinaufkamen und bei einem einsamen Gehöft,
Stett. entoniol. Zeit. 1909.
85
Sambi genannt, hielten. Hier aßen wir zu Nacht und ver-
suchten auf einer Holzbank zu schlafen; Kälte, Flöhe
und das harte Lager ließen mich auch hier nicht einschlafen
und ich war froh, als Sr. Manoel um 2 Uhr schon weckte.
Wir tranken rasch einige Tassen heißen Kaffee und dann
ging es hinein in die finstere Regennacht. Zuerst ging es
immer bergauf oder eben dahin, bis wir um 5 Uhr, als es
zu grauen anfing, den Abstieg begannen. Die Vegetation
ist hier recht spärlich: Agaven, Säulenkaktus und flache
Mimosenbäume dicht mit Tillandsia behangen. Wir passierten
das Dorf San Pedro und kamen dann über einen ganz kahlen
Rücken, wo uns die Sonne erbarmungslos auf den Kopf
brannte, ins Tal des Rio Catamayo, den wir durchritten,
um auf der anderen Seite bei einem einsamen Haus zu halten.
Hier rasteten wir einige Stunden, frühstückten und dann
ging es wieder flott bergan über den Paß am Villonaco
(3000 Bieter) in das Tal von Loja. Gegen 8 Uhr Abends
kamen wir endlich in der Stadt an, wo ich im Hause meines
Landsmannes von seiner Familie — er selber war auf Reisen
— herzlich aufgenommen wurde.
2. August. Nachdem ich seit 5 Nächten zum ersten
]Mal wieder in einem Bett geschlafen, zum ersten Mal wieder
mich gewaschen und umgekleidet, sah ich mir zunächst
die Stadt an. Sie liegt 2200 Meter hoch in einem lang-
gestreckten Tal, das im Osten von der Ostcordillere, im
Süden \-on der Cajanuma, im Westen von der Chonta Cruz
und dem MUonaco, im Norden vom Masaca eingeschlossen
und vom Rio Zamora durchflössen wird, mit dem sich der
von der Cajanuma kommende Rio Malacatus unterhalb der
Stadt vereinigt. Die beiden Hauptstraßen, die Galle Bolivar
und Calle Sucre durchziehen sie der ganzen Länge nach,
gekreuzt von vielen kurzen Querstraßen; an der ersteren,
in der sich auch die Kaufläden, Apotheken und die Kaserne
befinden, liegen mehrere Kirchen und die Katliadrale mit
Stctt. eutomol. Zeit. 1908.
86
der großen viereckigen Plaza davor. Loja hat etwa 5000
Einwohner, ist Sitz des Gouverneurs der gleichnamigen
Provinz und der Regierungsbehörden, eines Bischofs und
mehrerer Klöster; die Bevölkerung lebt vom Ackerbau
und etwas Handel mit der Küste. Herr Witt hatte mir
m Hause der Sennora Dorothea Carrion auf der Plaza
eine Wohnung besorgt, von der aus ich einen hübschen
Blick auf die Kathedrale mit der dahinter sich auftürmenden
Ostcordillere hatte; meist war diese in Wolken gehüllt,
die sich nur kurz vor Sonnenuntergang zuweilen auf Augen-
blicke verzogen und dann gab es wundervolle Beleuch-
tungen, glutrote Kuppen und sattblaue Täler. Das Klima
von Loja ist außerordentlich gesund, die Temperatur recht
gleichmäßig und Niederschläge nur in der Regenzeit häufig;
in der Zeit vom i. August bis 16. Oktober hatten wir außer
einigen wenigen kurzen Regenschauern mit heftigem Wind,
hier Paramada genannt, nur Anfang Oktober einige Ge-
witterregen. Der Gesundheitszustand ist jedoch trotzdem
schleclit; es fehlt an Wasserleitung und Sielanlagen, ja
es gibt nicht einmal Klosets in den Häusern und Typhus,
Dysenterie, Eingeweidewürmer, spec. Ancylostoma sind
daher endemisch. Meine Kost bekam ich im Hause, aber
ihre schlechte Zubereitung und die mangelnde Reinlichkeit
beeinträchtigten sehr die Freude an der herrlichen Natur.
Den Grund des Tales von Loja bilden tertiäre Schichten,
denen Gerolle von den Berghängen und Sedimente neueren
und neuesten Datums aufgelagert sind. Der Talgrund,
soweit die Feuchtigkeit der Flüsse und künstliche Bewässe-
rung reichen, ist gut bewachsen; die Hänge sind mit Gras-
wuchs und zerstreutem Buschwerk bekleidet, auf denen
zahlre'che Viehherden weiden; vom Wald sind an der Caja-
numa, Chonta Cruz, am Villonaco und am Masaca nur noch
geringe Reste in den Schluchten erhalten, das meiste
ist bereits der Kultur zum Opfer gefallen. Nur an der
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
87
Ostcordillere ist der Wald noch reichlich, aber bis dahin
ist der Weg noch weiter, als zu den genannten Orten, die
alle einen 2 — 3stündigen strammen Marsch von Loja ent-
fernt sind. Bei dem günstigen Wetter machte ich fast täglich
Exkursionen und brachte nach und nach eine schöne Aus-
beute an Insekten zusammen. Ich hoffe, später ein Ver-
zeichnis der hier gefangenen Käfer geben zu können; jetzt
mr)chte ich nur einige Lamellicornier besprechen, die
mein Interesse vor allem in Anspruch nahmen.
Die Hügel nahe der Stadt, der Pucara im Süden, am
linken Ufer des Zamora und der Calvario an dessen rechtem
l^fer \^or der Ostcordillere, dienen hauptsächlich als Weiden
für Rinder, Pferde und Maultiere. Sie tragen dichten Gras-
wuchs mit zerstreutem Buschwerk, das stellenweise zu
kleinen Ciehölzen zusammentritt. Hier bot sich reiche
Gelegenheit zum Sammeln und Beobachten der Mistkäfer.
Am häufigsten war Onthophagus inccnsiis Say; in allen
Größen und Farbenvarietäten fand er sich überall in großer
Menge; zu Hunderten sammelte ich seine Brutpillen mit
Eiern, Larven, Puppen und frisch entwickelten Käfern.
Noch deuthcher als bei 0. hirciilus konnte ich hier beobachten,
daß die Brutpillen nicht von außen bearbeitet, sondern
uur in den gegrabenen Stollen hineingepreßt wurden, je
nach der Lage dieses bald vertical, lang und dünn, bald
kurz und dick, bald nahezu horizontal, bald bohnenfVhmig
gekrümmt, wenn eine Pflanzenwurzel im Wege war. Auch
hier wurde nur etwa ein Drittel der Brutpille von der Larve
aufgebraucht, ehe sie sich verpuppte. So lange ich in Loja
war, fand ich immer alle Stadien des Käfers. Etwas weniger
häufig als 0. iiiceiisus fand ich Aphodius brasilicnsis, meist
in Pferde- oder Maultiermist; die Larve lebt im Mist selber
und geht erst zur Yerpuppung in die Erde direkt unter dem
:\Iisthaufen, wo sie sich aus Mist und Erde einen Kokon
zusammenklebt .
Stett. eutomol. Zeit. 11)09.
88
Ungemein häufig ist ein kleines bcliaartes Choeridiiun
resp. Tnchilluiii n. sp.; der Käfer findet sich in frischem
Rinder- und Maultiermist, die Eier aber werden nur in
älteren, außen ganz trockenen Kuhfladen abgelegt, wo
sich die Larve nahe an der Peripherie Gänge nagt und sich
auch verpuppt, ähnlich unserem Aphodius haemorrhoidalis.
Um die Kuppe des Pucara stand das Gebüsch dichter,
dazwischen vereinzelte Erdbromelien und Kräuter, die
in dem offenen Wiesengelände unten fehlten. Hier wie
an einer ähnlichen Stelle am Calvario fand ich eine neue
Art Uroxys in Rinder- und Pferdemist. Der Käfer stellt
sich tot, wenn man ihn berührt, gerade wie 0. incensus,
bleibt aber länger in dieser Stellung und ist in seinen ganzen
Bewegungen langsamer. Die Brutpihen sind ähnlich denen
von Onthophagus, die Larve aber etwas länger und schlanker.
In diesem selben Gebiet fand ich auch Pinotus Cotopaxi.
Auf den saftigen Wiesen unten, wo Futter für ihn in Menge
herumlag, fand ich trotz allem Suchen nie ein Stück, in
der Buschregion oben jedoch konnte ich bei jeder Exkursion
auf einige Exemplare rechnen. Sie graben wie Geotrupes
.ihre Gänge unter Kuhmist ebensogut wie unter Mulamist;
einmal fand ich auch am Grunde eines schief nach unten
gehenden Stollens ein etwa Hühnerei großes, von außen
nicht bearbeitetes Depot aus frischem Mist. Leider miß-
glückten meine Versuche, den Käfer zum Brüten zu bringen,
sei es, weil die Erde ihm zu trocken und lose war, sei es,
daß ihm das Futter — Kuhmist von einer Weide am Flusse
— • nicht zusagte.
Noch beschränkter in seinem Auftreten als die oben
genannte n. sp. Uroxys war eine zweite n. sp. derselben
Gattung. Sie fand ich östlich der Stadt nur in einer tief
eingerissenen Schlucht auf der Ostseite des Pucara, in
der viele Melastomaceen und andere blühende Büsche
standen. Hier fand ich den Käfer vereinzelt unter Kuhmist;
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
89
am Villoiiaco fand ich ihn häufiger und einni;il, ;iin 5. IX.
auch che Brutpillen mit Larven. Die ersteren sind grciüer
als die von Onthophagus, und die Eikammer rehitiv kleiner;
von 6 Brutpillen, die ich ausgrub, enthielten 3 abgestorbene,
vertrocknete Larven.
Nachdem endlich mein Gepäck angekommen, machte
ich am 23. VIIL die erste Exkursion nach dem \'illonaco.
Man gebraucht von der Stadt gut 1I4 Stunde bis an den
Fuß des Berges über stark hügeliges Terrain, dann steigt
man noch eine gute halbe Stunde, bis man an den Wald
kommt. Kurz vorher steht am Wege der langhalmige,
feinblättrige Bambus, den man hier Chincha nennt; beim
Abklopfen fielen hübsche Käfer, außer Chrysomeliden
auch einige Scolytiden, in den Schirm. Der Wald bestand
aus 4 — 5 Meter hohen, stark verzweigten Bäumen aus
hartem rotem Holz, die Äste stark mit Bromelien bewachsen,
Unterholz war spärlich, Bombaceen fehlten. In niedrigen
Stubben fand ich mehrere Familien von Passaliden, oben
nahe der Spitze in einem ähnlichen Stubben in der Wurzel
unter der Erde die Larve von Prionocalus Atys. Auf einer
Lichtung lagen eine Anzahl älterer, sehr harter Stämme.
Als ich einen davon umdrehte, fand ich darunter mehrere
große weißgelbe Rutelidenlarven mit hellbraunem glänzendem
Kopf und glänzend schwarzen Beinen. Unter anderen
Stämmen fand ich 8 junge Larven, die ebenso gefärbt, vor
allem auch die schwarzen Beine hatten und dabei Reste
der Platycoelia Gaujoni. Bei einer späteren Exkursion
fand ich in der Erde einen Kokon mit einer PL Gaujoni,
die nacli dem Abstreifen der Puppenhaut abgestorben
war und dabei die Larvenhaut, so daß die Zusammenge-
hörigkeit der PI. Gaujoni und der Rutelidenlarve nul
schwarzen Beinen sicher erwiesen war. Der Fund war
mir ungemein interessant, denn er brachte mir nicht nur
die erste, wegen ihrer Systematik so wichtige Platycoelien-
Stctt. cntomol. Zeit. 1909.
90
larve, er lehrte mich auch die erste Lamelhcornierlarve
kennen, bei der die Beine anders gefärbt sind als der Körper.
Ich hielt die Larve längere Zeit lebend im Zuchtkasten
und konstatierte, daß sie auch im erwachsenen Zustand
Erde frißt, die organische Substanz daraus verdauend
und die anorganische in Form kleiner, schwarzer, flacher
Körper wieder von sich gebend. Zur Verpuppung brachte
ich sie leider nicht, da sie mir auf dem Transport nach der
Küste einging.
Unter denselben Stämmen fand ich auch die Larven
von Barothcus andiniis und einige hübsche Tenebrioniden.
Die Lichtung, auf der die Stämme herumlagen, verengerte
sich bergab zu stark und war durch ein paar gestürzte
Bäume wie durch einen Verhau abgeschlossen. Vor diesen
Bäumen hatte sich zusammengewehte Erde, welke Blätter,
Zweige und dergleichen hoch aufgetürmt und in diesem
Genist fand ich in Anzahl Clocotus posticus ? und eine andere,
neue Art derselben Gattung, Choeridium n. sp., LTroxys
n. sp. und mehrere kleine Carabiden. Ferner fand icli darin
sehr zahlreich die Reste einer Astaena-Art und in der Nähe
in der Erde eine Melolonthidenlarve. Als ich diese aus
Mangel an leeren Schachteln zu den Barotheuslarven setzte,
wurde sie von ihnen alsbald angegriffen und aufgefressen.
Im Wald unterhalb der Lichtung fand ich am 31. VIII.
in einem vermoderten Stamm zwei Larven einer x\nticliiride,
vielleicht Dorystcthus Jordani und ein einzelnes 5* von
Syndesiis occidcntalis. Ich hörte den Käfer deutlich zirpen,
als ich ihn anfaßte und fand den Schrillapparat ebenso
gebaut, wie bei seinem brasilianischen Verwandten, dem
5. brasiliensis. In einem Stubben fand ich eine Passaliden-
familie und dabei Clocotus posticus R. mit einer Larve.
Bei einer anderen Exkursion fand ich Platycoelia- und Melo-
lonthidenlarven auch unter altem, vom Regen ganz aus-
gelaugtem Kuhmist ; nahe der Spitze fand ich in den Wurzeln
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
91
eines Stubbens die Fraßgänge von Prionocaliis Atys und
in der Erde zwischen den Wurzeln in einem Kokon die
Larve im Begriff, sich zu verpuppen; der Käfer erschcnnt
im ersten Frühjahr und verschwindet bald wieder. Bei
der letzten Exkursion am ii. X., bei der ich auch die Spitze
des Villonaco bestieg, fand ich in Rindermist Uroxys latc-
sulcatus Bates. Die Franziskaner hatten auf dieser Spitze,
die eine großartige Aussicht bietet, ein gewaltiges Kreuz
errichtet, das aber der Wind noch vor der feierlichen Ein-
weihung herunterwarf. Der Steinsockel mit einer Wid-
mungstafel stand noch, die Balken lagen unten wirr herum
und boten einigen hübschen Carabiciden und Erotyliden
Unterschlupf.
Unter den Agaven, mit denen die Felder im Tal von
Loja vielfach eingehegt sind, fand ich häufig Hderogomphus
dilaticollis ; seine Larve lebt in der Erde unter den Agaven
von abgestorbenen Wurzeln; auch Mcgaccras Morpheus
findet sich hier häufig, zumal die größere Rasse, während
eine kleinere Rasse auf den Weiden des Pucara und Calvario
häufig ist. Bei meinen Streifereien dort war mir eine Spinne
aufgefallen, grau mit dunkler Rückenzeichnung, die sich
an geneigten Stellen 5 — 10 cm lange und i — 2 cm lichte
Gänge in die Erde gräbt, deren W'ände mit Spinnweben
überzogen sind; die herausgescharrte Erde bildet einen
kleinen Hügel neben dem Eingang und verrät den Gang.
Eines Tags sah ich aus dem Gang ein M. Morpheus-'^ heraus-
kommen Kopf und Thorax mit Spinnweben überzogen.
Ich steckte einen Grashalm in den Spinnengang als Leit-
sonde, grub nach, konnte aber nichts besonderes finden.
Bald darauf fand ich in der Erde neben dem Eingang eines
anderen Spinnenganges die charakteristischen großen Fäces
einer Dynastidenlarve; als ich hier nachgrub, fand ich
diese auch nahe dem Ende des Spinnenganges in einer
kleinen, mit loser Erde und Fäces angefüllten Höhle, von
Stett. eutomol. Zeit. l'JO'J.
92
der mehrere kurze Seitengänge abzweigten. Da der Käfer
häufig war — abgestorbene und mehr oder weniger von
der Sonne gebleichte Stücke lagen zu Dutzenden im Gras
herum — , konnte ich bald seine Beziehungen zu den Spinnen-
gängen ergründen. Der Käfer ist ein Nachttier, das nach
Sonnenuntergang aus der Erde kommt, herumfliegt und
sich dann wohl auch paart. Das befruchtete $ dringt durch
einen Spinnengang, dessen Rückwand es durchbricht, in
die Erde ein, legt da ein oder zwei Eier ab und kehrt auf
demselben Weg wieder nach außen zurück; es benutzt
diesen Gang, wie ich glaube, um sich das schwierige Durch-
wühlen der fest verfilzten Graswurzeln zu ersparen. Die
Spinne repariert wohl zunächst den Schaden, flickt die
zerrissenen Tapeten aus Spinnweben wieder aus und wenn
sie später, entsprechend ihrem Wachstum ihre Höhle ver-
größert, dann bringt sie mit der Erde auch die Fäces der
Larve heraus, die sich zuerst wenigstens in der Nähe des
Spinnenganges hält. Ob der junge Käfer diesen auch zu
seinem Eintritt ins Freie benutzt, kann ich nicht sagen,
weil ich keine jungen Käfer fand; ich möchte es aber glauben,
weil ich mehrfach die Höhle der Larve, von der sie diver-
gierende (iänge in die Erde gräbt, nahe dem Ende des
Spinnenganges fand. Die Larve frißt in allen Stadien
nur Erde.
hlin anderer Erdfresser ist die Larve von Golofa Acgcoit,
hier einfach sungaro von den Indianern oder sungaro con
cacho von den Lojanern genannt. Sie wird von ihnen ge-
röstet und gegessen, auch zerquetscht und der Saft bei
Augenleiden und Rheumatismus gebraucht, während der
Vorderkörper des q* als Zierrat Kindern um den Hals
gehängt wird. Der Käfer ist in der Regenzeit bis
August hin häufig, auch ziemlich variabel in der Färbung
und Ausbildung der sekund. sexuellen Merkmale. Die
erste Larve fand ich zufällig, als ich einen ganz trockenen,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
93
alten Kuhfladen umdrehte, der auf der Unterseite fast
ganz ausgefressen war; in die Erde darunter führte ein
gewundener Gang, an dessen Grund die Larve steckte.
Ich nehme an, daß die erdfressenden Larven durch die mit
dem Regenwasser eindringenden gelösten Stoffe der Ex-
kremente, Ammoniak und Salze, auf diese aufmerk-
sam gemacht und zu ihnen hingeleitet werden; nachdem
der Regen alle vom Tier stammenden Stoffe ausgelaugt,
sind die Reste für die Larve nur noch zerfallende Pflanzen-
faser wie abgestorbene Wurzeln oder vermulmtes Holz
in der Erde. Groß ist der Unterschied gegenüber der Nahrung
der Mistkäferlarven nicht, denn auch diese bekommen
den Mist meistens erst dann, wenn er durch Regen, Erd-
feuchtigkeit und Gährung die vom Tier stammenden Stoffe
wieder verloren hat.
Am Nordende der Stadt stand ein großer Busch von
Datura arborea, huantuc oder floribundio genannt; in den
Blüten fand ich regelmäßig einige Stücke einer Cycloccphala
aus der melanocephala- Gruppe, die ich auch bei Chonta
und Pucay gefunden. In den kleinen Wasserläufen am
Pucara unten waren einige Wasserkäfer, hier escribanos,
Schreiber genannt, häufig; in Unmassen fand sich ein
Gyrinide, Macrogyrus Scdilloti Reg., in den stillen Buchten
des Rio Zamora; auch dieser Käfer hatte die Gewohnheit,
an Luftwurzeln, die ins Wasser reichten, hinaufzuklettern;
gestört geht er rasch unter Wasser und verbirgt sich da
unter Steinen oder Wurzeln am Ufer. An einer Biegung
des Zamora im Valle, die zum Baden vielfach aufgesucht
wurde, fand ich ihn zu Hunderten. Dort standen auch
einige Aliso-Bäume, Betula acuminata, in deren Stämmen
ich Parandra mit Larven und Puppen, wie auch einige
Passalusfamilien fand. Unter Cadavern fand ich regel-
mäßig Silpha, Dcrmcstcs, Necrobia und Trox suberosus.
Anfang Oktober fand ich in der Erde die Larven und
Stett. entomol. Zeit. 1909.
94
Puppen eines hübschen gelben Macrodactyhis ; die Puppe
hat die Larvenhaut zwischen den Cerci festsitzen. Der
Käfer ist später im September und Oktober im Tal von
Loja überall häufig; er frißt in der Hauptsache Gras und
Blätter, geht aber auch auf Blüten; er schwärmt um die
Mittagszeit und ruht die Nacht über in der Erde oder auf
der Unterseite von Blättern.
Eine Exkursion nach dem Masaca ergab außer einigen
Passalidenfamilien und den gewöhnlichen Coprophagen nur
die Larven von Euphoria Lesucuri ? Interessanter war
ein Ausflug in südlicher Richtung, den ich am 25. VIIL
unternahm. Ich ritt mit einem Sohn des Herrn Witt neben
dem Rio Malacatus aufwärts bis zur Cajanuma; auf der
Höhe sind noch einige Reste vom Wald, die uns mehrere
Passaliden und Cloeotus posticus lieferten. Dann ging es
auf der anderen Seite hinab ins Tal, wo Herr Witt am
linken Ufer eines Wasserlaufs ein Landgut besaß, Monje
genannt. Ich sammelte hier mehrere Tage und fand eine
ganze Anzahl Käfer, die für die höheren Lagen der Ost-
cordillere charakteristisch sind, u. a. mehrere Spezies Passa-
liden, Dynastidenlarven, Carabiden, Tenebrioniden, Chryso-
meliden und Coccinellen. Zwischen altem Rindermist
fand ich drei Kugeln von etwa Kirschengröße, die Brut-
pillen des Eurysternus plebejus. Der Käfer hat, wie der
nah verwandte E. foedus, dessen Biologie ich bei Petropolis
beobachtete, die Gewohnheit, aus Mist Kugeln zu formen,
die er zwischen dem anderen Mist über der Erde liegen
läßt — ob regelmäßig, weiß ich nicht, da ich ihn nicht im
Zuchtkasten beobachtet habe. In der Mitte dieser Kugeln
ist die Eikammer mit einem ziemlich großen länglichen,
weißgelben Ei, das mit einer dunkleren Kittsubstanz an
die Wand festgeheftet ist. Die Larve ähnelt einer Ontho-
phaguslarve, der frisch ausgeschlüpfte Käfer ist weiß.
In Loja erfuhr ich, daß die von Abbe Gaujon oder
Ötott. entoniol. Zeit. lüÜO,
95
Padre Theophilo nach Europa geschickten Insekten zum
guten Teil von einem Lojaner, namens Angelo Ordonnez,
gesammelt waren, der nahe Zamora am Zusammenfluß
des Rio Zamora und Sabanilla wohnte. Bei ihm hatte
auch Oscar Baron, der Sammler W. Rothschilds, und die
Brüder Lehmann gewohnt und der Vater seiner Frau hatte
den bekannten Botaniker Wallis auf seinen Streifzügen
am Ostabhang der Cordillere, zuletzt auf seiner Reise von
Zamora über Gualaquiza nach Cuenca, wo Wallis starb,
begleitet. Mein Wunsch, bei Zamora zu sammeln, ging bald
in Erfüllung; Angelo kam zur Feria am 8. September nach
Loja und war auf Fürsprache von Herrn Witt gern bereit,
mich einige Wochen in seinem Hause zu beherbergen. Es
war mir sehr viel wert, daß ich den Weg mit Angelo selber
machen konnte, denn außer ihm und Herrn Witt kannte
ihn kein Lojaner, die ihn ,, einen Weg für den Teufel, aber
nicht für Menschen" nannten.
Am 13. IX. früh 4 Uhr ritten wir von Loja weg, zuerst
ein Stück im Rio Zamora aufwärts, dann bogen wir links
ab und kamen über Viehweiden und einen dicht bewachsenen
Wald auf steilen Zickzackpfaden nach einem Hügel, Hornillos
genannt, wo wir rasteten. Während das Essen, Erbsen
mit Meerschweinchen, zurechtgemacht wurde, sammelte
ich etwas und fand außer Kleinzeug den hübschen schwarzen
Macrodactylus Gaujoni, der mit seinen langen roten Beinen
wie ein Carabide auf dem Weg herumlief. Von Hornillos
führt der Weg steil aufwärts nach dem S. Franzisco, der
höchsten von Loja aus sichtbaren Spitze der Ostcordillere,
etwa 3000 Meter hoch. Von ihm geht in fast genau west-
östhcher Richtung ein Gebirgsrücken ab, der bis zur Mündung
des Rio Sabanilla in den Zamora reicht; zumeist, besonders
im westlichen Teil, ist dieser Rücken sehr schmal und seine
Wände fallen steil ab; stellenweise ist er verbreitert und
hier sitzen ihm einzelne Spitzen auf, die dem S. Franzisco
Stett. entomol. Zeit. 190».
96
an Höhe kaum nachstehen. Die Täler sind mit dichtem
Wald bekleidet, der sich je weiter nach Osten um so mehr
an den Abhcängen in die Höhe zieht und schließlich auch
die Bergspitzen bedeckt; die Bäume darin sind wie am
Villonaco nur einige Meter hoch, stark verzweigt und mit
Epiphyten überladen; hinter dem Pucara werden die Bäume
höher und auch in dem dichten Unterholz treten dann
Unmassen von Erdbromelien, Erdorchideen, Farrenkräuter,
Selaginellen und Moose auf. Hier in dieser Höhe zwischen
2500 und 3000 Meter ist der Wald ganz außerordentlich
reich an eigentümlichen Tieren aller Art, hübsch gefärbten
Vögeln besonders Kolibris, Laubfröschen und vor allem
Insekten. Die steilen Abhänge und der Kamm des Ge-
birgsrückens sind mit Gras bewachsen, in dem große Erd-
bromelien stehen, Pouretia pyramidata, Achupallas genannt.
Der Weg hält sich fast ständig oben auf dem Kamm des
Bergrückens; stellenweise ist er so schmal und seine Seiten
fallen so schroff ab, daß er nur bei gutem Wetter passiert
werden kann, weil bei den hier häufigen stürmischen Winden
mit Regenböen, die man Paramada nennt, die Reisenden
und Tiere in die Tiefe geweht werden. Gleich hinter dem
S. Franzisco führt der Weg mehrere Stunden lang auf einem
solchen schmalen Kamm entlang; dann geht es steil den
Sacramento liinauf imd auf der anderen Seite auf breitem
bequemem Abstieg in eine Mulde mit mehreren Hügeln,
Panecillos, zwischen denen eine kleine Lagune liegt; hier
rettete ich einige hübsche Melolonthiden, einen Clavipalpns
und eine Astaena, die in den See geweht waren, vom Tode
des Ertrinkens. Weiterhin wird der Weg wieder bedenklich
schmal, stellenweise ist die Kante oben ausgebrochen und
Mann und Tier klettern mit aller Vorsicht um diese Löcher
herum. I^ann geht es in kurzen Serpentinen wieder auf
eine Höhe hinauf, die Santa Barbara heißt. Der Abstieg
auf der anderen Seite erinnert an die Escaleras an der West-
stet t. eutomol. Zeit. 1909.
97
cordillere bei Chonta; in einer engen Schlucht geht es auf
Stufen hinab, deren Gestein, ein röthcher, verwitterter
GHmmerschiefer durch darüber rieselndes Wasser recht
schlüpfrig ist. Kaum ist man unten, geht es wieder auf
eine neue Spitze, die Guagra; nachdem auch diese glücklich
passiert, wird der Weg etwas bequemer und wir machten
um 5 Uhr am Fuß des Condor, eines mächtigen Kegels,
Halt für die Nacht.
Durch mein Sammeln war ich bald an das Ende der
kleinen Karawane gekommen; außer dem erwähnten Macro-
dactylus fand ich in Anzahl eine sehr hübsche, schwarz
und rot gefärbte Mylabride, deren dunkelblaue, stark be-
haarte Larve ich unter Steinen antraf und einen Frosch,
ähnlich unserer Unke, oben schön moosgrün, unten rot
gefärbt. Bei Santa Barbara sah ich das erste Stück von
Platycoclia Gaujoni auf dem Wege kriechen.- In dem leb-
haften Wunsch, etwas über die Lebensweise dieses Käfers
zu erfahren oder wenigstens seine Futterpflanze kennen
zu lernen, untersuchte ich sorgfältig alles Buschwerk am
Wege, klopfte auch die Bäume in den Schirm ab, aber
vergeblich. Als es anfing zu dämmern, fing ich noch einige
Stücke mit dem Netz, die in langsamem, lautlosem Flug
ganz nahe über der Erde herumflogen.
Bald nach uns war noch eine Familie aus Zamora
angekommen, eine Mutter mit Tochter und Sohn, die auch
zur Feria in Loja gewesen und die neben uns ihr Lager
aufschlugen; ihr Gepäck transportierten sie auf 3 Last-
ochsen, die obschon nicht kastriert, so zahm und ruhig
wie Maultiere gingen; der Sohn interessierte sich für mein
Sammeln und brachte mir später von Zamora eine hübsche
Kollektion Käfer. Um Mitternacht kam ein heftiger Wind
mit Regen, gegen den mich das Zeltdach nur wenig schützte,
da ich an der offenen Ecke lag. Doch blieben wir ruhig
liegen, bis um 9 Uhr der Regen nachließ und wir weiter--
Stett. cnlomol. Zeit. 1900. 7
98
reiten konnten. Zuerst ging es zur Spitze des Condor hinauf
und auf der anderen Seite durch niedrigen Wald hinab;
dann kamen wir bis zum Pucara durch Grasland mit vielen
Achupallas, die trotz ihrer zähen mit hakenförmigen, spitzen
Seitenstacheln besetzten Blätter von den Maultieren gern
gefressen werden. Zufällig beobachtete ich, als mein Reittier
von einer solchen Achupalla ein paar Blätter abriß, daß
dabei ein grüner Käfer herausgeschleudert wurde; ich
war schnell aus dem Sattel, um ihn aufzuheben und hatte
eine ganz frische Platycoelia Gaujoni in der Hand. Nun
untersuchte ich die Achupallas genauer und fand noch
etwa ein Dutzend Stücke, alle (^; wie ich auf der Heim-
reise beobachtete, stecken in den Achupallas immer nur
(J; die einzigen $, die ich fand, krochen auf der Erde zwischen
Gras herum. Auch fand ich an den Achupallasblättern
Fraßspuren, ganz ähnlich denen von Bolax, die ich zuerst
den Platycoelien zuschrieb, bis ich mich überzeugen konnte,
daß sie von Heuschrecken herrührten. Die Käfer zwängen
sich, den Kopf voran, zwischen die Blätter so tief hinein,
daß nur das Pygidium sichtbar bleibt. Der Blütenstand
dieser Achupallas, die zwischen ihren Blättern kein Wasser
ansammeln, ist i — 2 Meter hoch, mit 4 — 5 knolligen Blüten,
die geschlossen ebenso wie der Schaft braungrau befilzt
sind; die offene Blüte hat prachtvoll malachitgrüne Blätter
mit dottergelben Staubgefäßen und wird von einem kleinen
schwarzbraunen Clavicornier bewohnt.
Der Pucara ist oben mit niedrigem, dichten Wald
bestanden; alle Zweige der Bäume, auch die Epiphyten,
sind mit Flechten behängt, alle Felsen und der Weg dick
mit Moos bewachsen, alles trieft von Nässe. Beim weiteren
Abstieg wird der Wald höher, es treten dickere Stämme
darin auf, auch die Chincha und dickerer Bambus, Guadua,
zeigt sich. Nachdem die letzte Spitze, der Matala, passiert,
geht es stark bergab; der Weg ist eigentlich nur ein schmales
Stett. entomol. Zeit. 1909.
99
Rinnsal, in dem die Tiere von Absatz zu Absatz herunter-
springen. Auf den moosigen Felsen hatte ich zuerst einige
Exemplare der Odontocheila marginüabris und Encallia
BonssignauUi, weiterhin in dem Rinnsal Pseudoxycheila
hipiistulata gefangen; hier kroch auch das rein schwarze
$ einer wahrscheinlich neuen Sphenognathus-Art. Der
Weg wurde allmählich immer schlechter; bei Arroyuelos
kamen wir in eine Senkung, in die sich von allen Seiten
kleine Wasserläufe ergossen; der ganze Boden war ein
Morast, in dem losgerissene Felsen und gestürzte Bäume
wirr durcheinander lagen. Zum Glück ging es bald wieder
bergauf nach dem Dictamo genannten Plateau mit trockenem
schönem Hochwald; nachdem wir auf der Höhe eine kleine
Lichtung passiert, kamen wir durch den üppigsten Urwald
um 4 Uhr nach Sabanilla.
Vom Matala, der wohl noch 3000 Meter Höhe haben
mag, senkt sich der Bergrücken in zwei Absätzen, die beide
ein kleines Plateau tragen, zum Fluß herab. Der erste
dieser Absätze ist der Dictamo; auf dem anderen liegt
Sabanilla; von da führt ein enger Fußpfad in kurzem Zick-
zack nach dem Rio Sabanilla herunter, den man zu Fuß
oder auf schmalen Stangen passiert, um nach dem vier
W^egstunden entfernten Zamora zu kommen. Auch nach
einer kleinen Lichtung am Rio Zamora geht ein Pfad her-
unter, das LTfer jedoch ist 10 — 15 Meter hoch und so steil,
daß man nur an wenigen Stellen auf vorspringenden Steinen
und Baumwurzeln zum Wasser hinabklettern kann. Ich
schätze die Höhe von Sabanilla auf etwa 1900 Meter, der
Zusammenfluß des Rio Sabanilla und Zamora mag etwa
300 Meter tiefer liegen, Zamora noch weitere 100 Meter
niedriger. Die Ansiedlung Angelos besteht nur aus einem
einzigen Haus, aus Holz und Bambus aufgeführt, unten
Küche und ein Raum, in dem Salvador, der Peon, oben
ein Raum mit Veranda vorn und hinten, in dem Angelo,
Stett. entomol. Zeit. 190!). V'
ioo
seine Frau, ein Indianerjunge und ich schliefen. Nahebei
standen noch zwei kleine Schuppen. Den Wald ums Haus
herum, soweit das Land eben war, hatte Angelo weg-
geschlagen und in Viehweide umgewandelt; am Abhang
nach Norden lagen Zuckerrohrfelder und Yuccapflanzungen ;
die Abhänge zu Osten und Süden waren Loma, d. h., sie
waren früher schon einmal gelichtet gewesen, hatten sich
aber schon wieder mit Buschwerk bedeckt und sollten
bald wieder gelichtet und gebrannt werden. Auf dem
halben Weg zum Fluß war eine kleine Lichtung, in der ein
früherer Peon Angelos, Carlos mit seiner Frau hauste;
unten am Fluß lag eine größere Lichtung mit Yucca- und
Bananenbeständen.
Am nächsten Morgen kamen vier Jivaroindianer, um
mit Angelo Tauschgeschäfte zu machen. Nach den Nach-
richten, die Angelo von ihnen bekam, riet er mir ab, nach
Zamora zu gehen. Es waren zwischen den Jivaros von
Zamora und Gualaquiza Streitigkelten entstanden, auf
beiden Seiten hatte es Tote gegeben und die zwei weißen
Familien in Zamora gingen mit dem Plan um, nach Loja
zurückzukehren. So verzichtete ich denn auf einen Besuch
Zamoras und blieb um so lieber in Sabanilla, als die Fauna
von der Zamoras doch wohl nur wenig verschieden und
das Sammeln hier so außerordentlich ergiebig war. Jeder
Tag brachte neue Entdeckungen, neue Arten für die Samm-
lung und interessante biologische Beobachtungen. Der
Insektenreichtum des Ostabhanges der Cordilleren ist be-
kannt, sie sind wohl das an Arten reichste Gebiet auf der
Erde, gewiß reicher als das tiefere Amazonastal, und wenn
ich nach dem urteilen darf, was ich in wenigen Wochen
erbeutete, dann wird ein planmäßiges Sammeln uns von
hier noch eine Fülle neuer Formen bescheren. Das Leben
m Sabanilla war für mich recht angenehm, die Wohnungs-
verhältnisse zwar primitiv, aber gemütlich, das Essen sehr
Stett. eiitoiuol. Zeit. lüOll.
101
gut, Stechmücken fehlten und die Nächte waren immer
erfrischend kühL Lästig war nur die Nässe; die Stunden,
in denen es nicht regnete, waren zu zählen, und nur ganz
wenige Male hatte ich einen Blick auf die benachbarten
Berge. Die Szenerie war dann ungemein großartig. Hinter
dem Haus im Westen der Matala mit mächtigen Ausläufern
nach Norden, die der Rio Zamora im Bogen umfloi3; im
Süden ein gewaltiger Gebirgsstock mit schroffen Zacken,
die Türme genannt, zwischen dem und dem Matala sich
der Rio Sabanilla hindurchwand. Vor dem Haus im Osten
breit hingelagert eine Bergkette, die nach Südosten umbog
und den Blick auf das Tal des Zamora freigab, in das sich
von Süden her eine Kette hinter der anderen vorschob
und den Lauf des Flusses weiter nach Osten drängte. So
weit das Auge reichte sah es nichts als Wald; kein kahler
Felsen, keine Lichtung war zu sehen, selbst der Fluß, dessen
Brausen nur schwach zur Höhe heraufdrang, war vom
Uferwald ganz überdeckt; überall das dunkle Grün des
Waldes, das im Südosten in das duftige Blau der fernen
Berge überging. Nirgends ist mir so wie hier die Über-
macht der Vegetation zum Bewußtsein gekommen, auch
später nicht, als ich den Amazonas hinabfuhr. Kein Vogel
kreiste in den Lüften, nur selten unterbrach ein Tierschrei
aus dem Walde oder das Stürzen eines Baumes die Stille.
Erst nach Sonnenuntergang kommen vereinzelte Papageien-
pärchen von ihren Futterplätzen weiter flußab in ihre stillen
Nachtquartiere hier heraufgeflogen und die Nachtsänger,
die Laubfrösche und Heuschrecken beginnen ihr Konzert.
Aber nur selten war das Bild so friedlich. Fast jeden
Nachmittag zogen schwere Gewitter aus dem Zamoratal
herauf, die sich vor dem Matala entluden und bis weit in
den Vormittag hinein stürzte oft der Regen in Strömen
herab, ehe die Wolken in den Flußtälern . höher zogen.
Eines Tages erlebte ich auch einen der gefürchteten Wirbel-
Stett. entomol. Zeit. 1909-
102
stürme, die zu Beginn der Regenzeit aufzutreten pflegen.
Es war trübes, aber auffallend ruhiges Wetter, icli kroch
an den Abhängen des Matala herum, da hörte ich aus dem
Zamoratal ein dumpfes Brausen heraufkommen, wie ferne
Meeresbrandung. Plötzlich Stille für ein paar ^Minuten
und dann kam es wie eine mächtige Woge mit so gewaltigem
Heulen und Tosen, daß ich ganz erschreckt unter einen
großen Baum flüchtete. Im nächsten Augenblick prasselten
dicke Aste und Zweige herunter. Bäume stürzten und es
war ein solcher Aufruhr im Wald, daß ich trotz des wolken-
bruchartigen Regens so rasch als möglich nach Hause
rannte. Wie ich einige Tage später wieder an diese St'^lle
kam, sah ich, daß der Wirbelsturm in der Schlucht nahe
meinem Standpunkt alle Bäume ausgerissen und wie Streich-
hölzer wirr durcheinander geworfen hatte.
Die vielen Stubben nahe dem Hause und die herum-
liegenden Stämme im Walde lieferten eine Fülle von Holz-
käfern, Passaliden, Ruteliden, Dynastiden, Tenebrioniden,
Scolytiden, Rhynchophoren und Cerambyciden ; die härteren
Stämme waren bald mit Pilzen überzogen, an denen viele
Erotyliden mit ihren Larven saßen, die jüngeren in Herden
zusammen obenauf, die älteren vereinzelt am Stiel. Viele
Lamellicornier fand ich als Puppen oder frisch ausgeschlüpft
in ihren Puppenwiegen, den blanken Vorderkörper mit
feinen Wassertröpfchen bedeckt. Auch der Mistkäferfang
war recht ergiebig; mit Ausnahme des Aphodius hrasiliensis
waren alle Arten verschieden von denen, die ich bei
Loja gefunden. Recht häufig fand ich beim Herumstreifen
im Wald einzelne Mistkäfer, Canthon und selbst das große
Deltochüum tesselatum, die auf vorspringenden Zweigen
oder freistehenden Büschen mit weitgespreizter^ Fühler-
keule nach Nahrung, den Exkrementen der hier noch^häufigen
Tapire und Wasserschweine, witterten. Auffallender Weise
war dagegen der Fang am Licht recht unergiebig; ein paar
Stett. entomol. Zeit. 1909.
103
]M(3tten, ein Tabaiuis und ein Cucuyo war alles, was ich
in 3 Wochen erbeutete.
Eines Tages war ich unten am Fluß in der Lichtung,
in der viele Stubben und liegende Stämme, wie auch 2 — 3
Meter hohe Büsche der Bixa Orellana reiche Ausbeute
gaben. Es war um [Mittag, die Sonne brannte mächtig
herab, alles dampfte von Feuchtigkeit, von Zamora kam
langsam ein Gewitter heraufgezogen und es war eine Un-
ruhe in der Tierwelt, wie man sie nur kurz vor Ausbruch
eines Gewitters, wenn die Luft mit Elektrizität überladen
ist, beobachtet. Die sonst so phlegmatischen Ithomien
waren kaum zu haschen, selbst die Rüßler und Coccinellen
waren neivös und die Sandfliegen und schweißsaugenden
Hymenopteren quälten mich in einer Weise, daß auch
die längsten Flüche keine Erleichterung mehr brachten.
Da hörte ich plötzlich neben mir ein tiefes Brummen und
sah gerade noch, wie ein Käfer von Maikäfergröße in
eleganten Schraubenlinien langsam höher stieg und dann,
nur noch als kleines Pünktchen sichtbar, nach einem großen
Baum mit hellgelben Blüten flog. Bald darauf kam ein
zweiter und dritter; ich lief herum wie ein spürender Jagd-
hund, und da sah ich auch einen Käfer aus der Erde kommen,
mit langen Klimmzügen an einem niedrigen Busch in die
Höhe klettern und als er eben fertig zum Abfliegen war,
nahm ich ihn mit dem Netz. Es war Ancistrosoma Klugi,
von dem ich an diesem und dem folgenden Mittag noch
eine Anzahl erbeutete. Leider aber waren alle meine Be-
mühungen, den Käfer zur Copula zu bringen, um etwas
über den Zweck des eigentümlichen Abdominalgriffels
des ^ zu erfahren, vergeblich; einen großen Zuchtkasten
hatte ich nicht und in den kleinen Schachteln und auf
einem Blumenstrauß im Zimmer blieben sie gleichgültig
gegeneinander. In dieser Lichtung unten am Fluß fand
ich auch einige Camacho mit Blüten, doch waren diese
Stett. entomol. Zeit. 1909.
104
rosa gefärbt und kleiner als die von Piicay. Als ich sie
öffnete, waren darin nur Fliegen, ähnlich unseren Schmeiß-
fliegen, aber nicht ein einziger Käfer.
Bei der frisch ausgeschlüpften Rutela histrio und La-
gocMle cachedica sind die Stellen, die beim geschlechts-
reif en und beim toten Käfer gelb erscheinen, rein milch-
weiß und die zackige Deckflügelmakel des ersteren glasig
durchsichtig. Diese weiße Farbe ist eine Interferenzfarbe;
man kann deutlich erkennen, daß in den Chitinpanzer
bläschenförmige Hohlräume eingelagert sind — in den
Deckflügeln sind es Alveolen ■ — angefüllt mit wasserklarer
Körperflüssigkeit in dünner Schicht, die alles Licht reflek-
tieren und die betreffende Stelle weiß erscheinen lassen,
weil das Chitin über dem Hohlraum wasserklar ist. Später
erhärtet diese dünne Schicht und erscheint durch Eigen-
färbung gelb.
Auf der Wiese hinter dem Hause, die von einem klaren
Bach durchflössen wurde, fand ich eines Tags einen braun-
grauen Frosch, der 7 geschwänzte Kaulquappen auf dem
Rücken trug; solange der Frosch im Trocknen saß, krochen
die Kaulquappen lustig auf seinem Rücken durcheinander,
als ich ihn ins Wasser setzte, schwammen sie rasch davon.
3. X. Angelo wollte einen kleinen Transport Kakao,
Achote und Kautschuk nach Loja schicken und ich benutzte
diese Gelegenheit zur Heimkehr. Unsere Tropa bestand
außer meinem Reittier aus vier Lasttieren, auch Salvador,
Carlos und der Junge aus Zamora trugen Lasten auf dem
Rücken. Angelo war vorausgegangen, um den Weg etwas
in Stand zu setzen; infolge davon konnte ich bis Arroyuelos
reiten, dann aber wurde der Weg so schlecht, daß ich ab-
steigen mußte; ich kam auch bis Loja nicht mehr in den
Sattel, weil wir am nächsten Tag ein Tier einbüßten und
dessen Last meinem Reittier aufpackten. Am Nachmittag
klarte es etwas auf, aber kaum hatten wir das Zelt auf-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
105
geschlagen, als es auch wieder anfing zu stürmen und zu
regnen. Wir verbrachten eine recht ungemi.itliche Nacht,
blieben aber bis 9 Uhr liegen in der Hofhiung, daß es auf-
klaren möchte. Dann mußten wir aufbrechen, weil wir
nur Proviant für einen Tag hatten. Da die anderen mit
den Tieren, die alle Augenblicke stürzten oder ausbraclien,
vollauf beschäftigt waren, kam ich ihnen bald weit voraus
und marschierte bis Hornillos allein. Unterwegs machte
ich reiche Beute in den Achupallas, die richtige Zufluchts-
stätten für Insekten bei schlechtem Wetter zu sein scheinen.
Außer Platycoelia Gaujoni fand ich darin Dorystcthns Jordani,
einen hübschen großen Elateriden, Semiotus n. sp. b. fov-
inosus, einen schwarzen Rüßler, Mctamasius n. sp., eine
Wespe und eine große Fliege. Von der letzteren lebt eine
Spinne, die regelmäßig sich zwischen den Blättern ihr Ge-
spinnst anfertigt, und die Blätter frißt eine flügellose Heu-
schrecke, die ich mehrfach in Paarung fand. Es war schon
dunkel, als die anderen endlich kamen und der Abstieg
von Hornillos wurde recht ungemütlich. Auf den Rat
Salvadors faßte ich eine alte Mula, die den Weg schon öfter
gemacht, am Kreuzriemen und ließ mich von ihr leiten,
den Nachfolgenden von Zeit zu Zeit Nachricht über den
Weg gebend. Bewundern mußte ich die Sicherheit, mit
der das Tier den Weg in der Finsternis fand; mehrfach
kreuzte es den vom Regen angeschwollenen Bach, verfolgte
ihn auch eine längere Strecke und kam doch richtig wieder
auf den Weg heraus. Tüchtig durchnäßt und müde, aber
ohne Unfall kamen wir schließlich in der Nacht nach Loja.
Hier war es mein erstes, die Ausbeute von Sabanilla
zu trocknen und neu zu verpacken. Dann machte ich noch
einige Exkursionen, besonders nach dem Villonaco, die
recht gute Ausbeute ergaben. Nach mehreren Gewittern
hatten sich die Hänge mit frischem Grün überzogen, die
Büsche schlugen frisch aus und blühten zum Teil schon
Stett. entomol. Zeit. 1909.
106
und damit kamen auch die ersten Frülilingskäfer, u. a.
Anomahi undulata und einige Cyclocephalen. Leider kam
damit auch für mich die Zeit zur Abreise; so gern ich in
Loja geblieben wäre, um seine interessante Käferfauna
auch in ihrer besten Zeit kennen zu lernen — wenn ich
nicht bis zum nächsten Mai mindestens bleiben wollte,
mußte ich jetzt reis3n, denn nach den Aussagen der Arrieros
hatte die Regenzeit an der Westcordillere dieses Jahr schon
früh begonnen und später wurden die Wege dort ganz un-
passierbar. So nahm ich denn Abschied von Herrn Witt,
bei dem ich gewöhnlich meine Abende verbracht, der mir
während meines Hierseins in jeder Weise behülflich ge-
wesen und mich auch nach meiner Heimkehr durch reiche
Sendungen von Käfern, die er auf seinen Reisen im Süden
des Landes gesammelt, in meinen Studien über die Fauna
des Landes fortwährend unterstützt. Gern benutze ich
die Gelegenheit, ihm auch an dieser Stelle dafür meinen
Dank abzustatten. Am i6. X. verließ ich Loja mit einem
Arriero aus Zaruma, der Kaufmannsgüter von der Küste
nach Loja gebracht und leer zurückging; wir kamen erst
um 10 Uhr aus der Stadt, weil er am Morgen eine Mula
gekauft und der Kauf, ganz wie bei uns, durch viele Schnäpse
besiegelt werden mußte. Ich ritt daher den mir bekannten
Weg bis zum Catamayotal allein voraus. Am Villonaco
stieg ich ab, ließ mein Reittier, ein sehr ruhiges Tier, allein
vorausgehen und sammelte. Wieder fiel mir die eigentüm-
liche Verteilung der Mistkäfer in vertikaler Richtung auf.
Unten am Fuß des Berges war überall Onthophagus incensus,
Onthoph. n. sp., das behaarte kleine Canthidium, häufig;
höher hinauf, mit Beginn des feinblättrigen Bambus etwa,
verschwand Onthoph. n. sp. und an seine Stelle trat Uroxys
n. sp. I. Sowie ich die Paßhöhe erreicht, erschien auch
Pinotus Cotopaxi und Uroxys n. sp. 2 und ein kleiner Ab-
stecher nach dem fast kahlen, freihegenden Gipfel brachte
Stett. entomol. Zeit. 1909.
107
mir aiicTi Uroxys latcsulcatus \\'ieder. Auf dem ganzen Weg
ins Catamayotal liinab, der zwar o\\ne alle Vegetation,
aber reichlich mit Mist von Maultieren und Rindern be-
streut ist, da auf ihm ein lebhafter Verkehr statthat, fand
ich nur 0. inccnsus. Und sobald ich ins Catamayotal hinab-
kam, traf ich auch den von Guayaquil her bekannten Canthon
haltcaiiis wieder. Auch später, als ich am Huairapongo
herabstieg, traf ich von einer bestimmten Höhe an auf eine
kurze Strecke nur den Phjnaeus Imiiris, der auch bei Loja
in gleicher Höhe in der Regenzeit vorkommt und bei Huigra
in ähnhchem Terrain. Was ist nun der Grund, daß nur
wenige Mistkäferarten über große Gebiete sich verbreiten,
während die meisten an ganz bestimmte Regionen ge-
bunden sind? Ich glaube, ihn in folgendem gefunden
zu haben.
Wir müssen bei dem Mist, der Nahrung der meisten
Mistkäfer, unterscheiden zwischen den Pflanzen, die das
Tier gefressen und mehr oder weniger unverdaut wieder
von sich gibt, und dem, was es den ersteren beigibt, den
Darmepithclien, Schleim und Verdauungssäften. Diese
Beigabe ist abhängig von der Tierart; sie kommt für den
Mistkäfer als Nahrung wenig in Betracht, weil sie wenig
voluminös ist und durch den Einfluß der Atmosphärilien
sich rasch zersetzt; für die Mistkäferlarve kommt sie noch
weniger in Frage, weil bis zu ihrer Freßfähigkeit die Darm-
sekrete und die Epithelien schon ganz verschwunden sind.
Anders ist es mit den gefressenen Pflanzen; die sind ab-
hängig von dem Standort des Tieres und im Grunde frißt
der Mistkäfer im Mist nur die Pflanzen, die der Mistpro-
duzent vorher gefressen; seine Verbreitung ist daher ab-
hängig von der Verbreitung seiner — wenn auch indirekten
— Futterpflanzen. In dieser Hinsicht unterliegt er den-
selben Gesetzen wie sein nächster Verwandter, der Mai-
käfer, der die Pflanzen direkt resp. in frischem Zustand
Stett. entomol. Zeit. 1909.
108
frißt. Ob sein Futter den AVrdauungskanal eines Ein-
hufers passiert und dabei nur grob zerkleinert wurde, oder
ob es den eines Wiederlväuers passierte und zu einem feinen
Brei verarbeitet wurde, hat für den Mistkäfer nicht die
Wichtigkeit, als man für gewöhnhch glaubt; die Haupt-
s.iche für ihn ist, daß es bestimmte Pflanzen enthält. Für
die Larve ist die Form des Futters, ob grob oder fein zer-
kleinert, schon wichtiger, aber bisher gelang es mir immer,
Arten, die an grobes Futter gewöhnt sind, mit feinem
Futter derselben Pflanzen weiter zu züchten. Im Verhältnis
zur Gesamtartenzahl haben sich nur wenig Arten von der
Qualität des Futters freigemacht und sind Allesfresser
und damit mehr oder weniger Kosmopoliten geworden.
Die menschlichen Exkremente kommen nach meinen bis-
herigen Beobachtungen als N a h r u n g s mittel für den
]\Iistkäfer nicht in Betracht; es hat mir bis jetzt nicht ge-
lingen wollen, Mistkäfer bei ausschließlicher Fütterung
damit längere Zeit am Leben zu erhalten. Sie sind, wenn
ich so sagen darf, nur ein G e n u ß mittel und eine so hohe
Anziehungskraft sie, wie auf viele Insekten aller Ordnungen,
so auch im besonderen auf die Mistkäfer ausüben, ich kenne
nicht eine einzige Art, die sie als Futter für ihre Larven
verwendet.
Es war spät am Nachmittag, als die Kameraden endlich
kamen. Wir rasteten einen Augenblick im Catamayotal,
um etwas zu genießen, ritten dann am linken Flußufer
ein Stück hinauf, kreuzten den Fluß und hielten auf der
anderen Seite bei einer Hütte, die Guyaba heißt. Die Tiere
bekamen ihr Zuckerrohr und wir legten uns zum Schlafen
hin, ich auf der Bank vor dem Hause. Zum Schlafen kam
ich jedoch nur wenig; eine Unmenge großer schwarzer
Kakerlaken, die mir zwischen die Kleider kamen und ein
Rudel schwarzer Schweine, die mich mit ihren nassen
Schnauzen alle Augenblicke anstießen, schließlich noch
Stett. entomol. Zeit. 1909.
109
ein heftiger Kampf zwischen Ziegen und Schweinen, an
dem sich die Hunde und das ganze Hausgesinde beteihgten,
heßen mich nicht zur Ruhe kommen. Den Kameraden
ging es nicht besser und um das gestern Versäumte nach-
zuholen, brachen wir schon um Mitternacht auf und ritten
weiter, zuerst am rechten Fhißufer hinauf, durch dichtes
Mimosengebüsch; dann bogen wir Hnks vom Fkiß ab und
kamen über Weiden mit zerstreutem Buschwerk an den
Huairapongo, den wir auf kurzen Zickzackpfaden erstiegen.
Wir waren noch keine halbe Stunde auf dem Weg, als der
Regen einsetzte und ]e höher wir kamen, um so kühler
wurde es. Auf der Höhe ging es eine Strecke unter breit-
ästigen Mimosen, dann durch niedrigen Busch wald und
offenen Kamp dahin; es war hier empfindlich kalt und der
Regen so durchdringend, daß wir froh waren, als endlich
der Abstieg kam. Der war wie gewöhnlich sehr steil, in einer
mit Felstrümmern angefüllten engen Schlucht, mehr dem
Bett eines Gebirgsbaches, wo wir auf dem glitschigen Glim-
merschiefer alle Augenblicke ausglitten. Um 8 Uhr hörte
endlich der Regen auf und die Sonne trocknete uns wieder;
wir kamen über saftige Weiden und durch feuchten, nie-
drigen Wald, ähnlich dem am Villonaco; hier fand ich
Phanaeus lunaris unter Rinder- und Maultiermist und
0. incensus, meist grüne Stücke. Auf einer offenen Wiese,
Pueblio genannt, mußten wir halten, weil die in Loja ge-
kaufte und an trockenes Klima gewöhnte Mula in dem
kalten Regen den Krampf in die Hinterbeine bekommen
hatte. Die Kameraden banden das Tier mit dem Kopf
an einen Baum, mit den Hinterbeinen an einen anderen,
zwei faßten es am Schwanz und zogen aus allen Kräften,
während ein Dritter mit der Peitsche auf das Tier losschlug;
das barbarische Mittel schien zu helfen, denn nachdem
es mehrere Male wiederholt worden, konnte die Mula wieder
laufen. Leider kam bald wieder Regen; der weitere Abstieg
tftett. eiitumol. Zeit. 1909.
110
auf den schlüpfrigen schmalen Pfaden war ungemein be-
schweriich und um 4 Uhr machten wir bei einem einzelnen
Haus, Gomalotilla genannt, Halt. Viel Schutz fanden
wir hier auch nicht ; der Besitzer hatte das Haus erst kürzlich
gekauft, das alte schadhafte Dach abgenommen und ehe
er ein neues auflegen konnte, war der Regen gekommen.
Man hatte daher nur über der Schlaf- und Feuerstelle einige
Bündel Rohr ausgebreitet und hier kauerte alles zusammen.
Als die Leute erfuhren, daß ich Arzt sei, nahmen die Frau
des Hauses und die beiden Töchter, die an Malaria litten,
meine Hilfe in Anspruch; zum Dank für das gespendete
Chinin durfte ich mit ihnen essen und bekam eine trockene
Stelle zum Nachtlager, doch ließen mich Kcälte und Flöhe,
die gewöhnliche Plage der Hochebene, nicht zum Schlafen
kommen. Gegen Morgen ließ der Regen nach und sofort
brachen wir auch auf, doch mußten wir von den 8 Tieren,
mit denen wir aus Loja ausgezogen, 3 als total f marode
zurücklassen. Vom Hause ging es steil hinab über eine
Brücke und am anderen Ufer hinauf über eine Höhe in
ein langgestrecktes malerisches Tal, das von gewaltigen
Bergrücken umschlossen war; in der Tiefe lag ein kleiner
Wald, wo wir etwas rasteten; die Käfer, die ich hier fand,
stimmten überein mit denen, die ich bei Fucay gefunden.
Um Mittag passierten wir den kleinen Ort Capilla und
kamen dann in das Tal von Zaruma. Den Rio Amarillo
passierten wir auf einer Holzbrücke, wandten uns dann
rechts und ritten mehrere Stunden flußaufwärts, bis wir
an den Wohnort des Arriero kamen; unterwegs blieb noch
eines der Tiere marode liegen. Da auch meine Tiere zu
sehr mitgencmmien waren, um die Reise nach^ der Küste
fortsetzen zu können, mußte der Arriero sich sofort auf
die Suche nach frischen Tieren machen, was ihm glück-
licherweise auch gelang. Nachdem diese Sorge beseitigt,
aßen wir zu Nacht und gingen früh zu Bett; in der Nacht
Stett. entomol. Zeit. 190Ü.
111
kam ein heftiges Gewitter und es regnete bis lo Uhr. Dann
brachen wir auf und überschritten auf halsbrecherischen
Pfaden die Höhe, auf der das Goldbergwerk Pacay-urcu
liegt; beim Abstieg passierten wir das reizend gelegene
Dorf Malvas und stiegen zum Rio Calera hinab, den wir
durchreiten mußten, weil die Brücke weggerissen war.
Am Nachmittag kam wieder Regen ; mehrmals stürzte
mein Tier auf dem glatten Weg und wir hielten deshalb
schon um 4 Uhr in Ayabamba.
20. XI. Um 3 Uhr standen wir auf, sattelten and
ritten ab; es war trocken und sternenklar, der Weg aber
glatt, so daß mein Tier wieder stürzte und ich bis zur Höhe
zu Fuß gehen mußte. Um %5 Uhr waren wir auf der Höhe
oben, es wurde ganz sternklar und wir hatten einen hübschen
Blick auf das von milchigem Nebel überdeckte flache Land
zu unseren Füßen, von dem sich die schwarzen Waldberge
scharf abhoben. Wunderbar üppig und reich an Palmen
und Baumfarren ist der Wald oben bei der Höhe; überall
hingen die Nester der großen Webervögel an den riesigen
Bombaceen und Balsas, ungemein drollig ist das Gebahren
der Vögel, ihr Locken und Komplimentieren. Interessant
war es, das Erwachen der Natur zu beobachten; kaum
fing es an zu dämmern, da summten schon einige Hummeln
am Wege; dann erhoben die Brüllaffen ihre Stimme und
dann wurden die Webervögel und Tucane, die Schmetter-
linge, Fliegen und Hymenopteren munter. Wir ritten bis
zur Loma grande, wo wir frühstückten; dann begann der
Abstieg in den Escaleras, wo die Tiere oft bis an den Bauch
in dem dicken Brei von Schlamm und Felsbrocken ein-
sanken; nur mit der größten Anstrengung konnten wir sie
hier weiterbringen. Dabei passierte mir ein eigentümlicher
Unfah. Es ist Sitte, laut zu rufen und zu schreien, ehe
man in diese engen Schluchten einreitet, um ein Zusammen-
treffen darin, wo man sich doch nicht ausweichen kann,
Stett. entomol. Zeit., 1909.
112
zu vermeiden. Das hatten wir auch getan und waren gerade
an einer besonders schlechten Stelle, ich voran, hinter mir
das Lasttier und dahinter der Arriero mit einem dicken
Knüppel, um das Umkehren der Tiere zu verhindern. Da
stürmte mir plötzlich eine mit Stacheldraht beladene Mula
entgegen, angefeuert durch Peitschenhiebe und das Ge-
schrei ihres — wie sich bald herausstellte — total betrunkenen
Führers. Ich wollte schnell abspringen, damit mir das
linke Bein nicht von dem Stacheldraht zerrissen wurde,
kam an der glatten Wand zu Fall und brach eine Rippe;
im nächsten Moment waren die beiden Tiere in der engen
Schlucht festgekeilt, mein Reittier, dem der Stacheldraht
die Seite zerriß, schlug wie toll um sich und ich bekam
noch einige derbe Tritte ab, ehe mich der Arriero heraus-
ziehen konnte. Glücklicherweise war die Lunge nicht ver-
letzt; ich konnte, wenn auch mit Schmerzen, wieder im
Sattel sitzen und die Reise fortsetzen. Bei der Chonta
frühstückten wir und ritten dann ^^■eiter, da mir viel daran
lag, möglichst heute noch nach Santa Rosa zu kommen.
Der Dampfer geht nämlich nur einmal in der Woche, am
Sonnabend, nach Guayaquil und ich wollte ungern in dem
gerade zu Beginn der Regenzeit von Gelbfieber und Malaria
heimgesuchten kleinen Nest eine ganze Woche verlieren,
zumal ich wegen meines Unfalls doch nicht hätte sammeln
können. Wir ritten daher bis 6 Uhr Abends, hielten vor
dem Hause des Sr. Miguel, wo wir auf der Hinreise gefrüh-
stückt und blieben hier über Nacht. Lim 4 Uhr am nächsten
Morgen zogen wir weiter, aber zu Fuß, da mein Reittier
einen Krampf in den Hinterbeinen hatte und nur langsam
von der Stelle kam. Um 8^0 Uhr erreichten wir endlich
den Hafen; eine Viertelstunde später fuhr der Dampfer
ab und brachte mich am nächsten Tag, den 22. X., wieder
nach Guayaquil.
Hier erholte ich mich bei der vorzüglichen Verpflegung
Stett. entomol. Zeit. 11)09.
113
im Hotel de Paris und täglichen Seebädern im Estero Salado
derartig, daß ich meine Absicht, über Panama-Westindien
heimzukehren, aufgab und den Plan faßte, den alten Weg
von Quito über den Rio Napo nach Iquitos zu nehmen
und den Amazonas bis Para hinunter zu fahren, um so das
Eldorado aller Naturforscher, wenn auch flüchtig, so doch
aus eigener Anschauung kennen zu lernen. Meine Samm-
lungen und alles überflüssige Gepäck schickte ich von
Guayaquil mit einem Kosmosdampfer nach Hamburg und
fuhr am 14. XI. über Pucay-Huigra nach Riobamba, wo
ich einige angenehme Tage bei Dr. K. Rimbach verbrachte.
Am 22. fuhr ich mit Herrn Max Richanek aus Guayaquil
über Ambato nach Quito, wo wir am nächsten Abend ein-
trafen; als wir im Tal von Machachi wegen eines kleinen
Unfalles mit dem Wagen kurze Zeit hielten, fing ich in
Anzahl einen hübschen schwarzbraunen Clavipalpus, der
wie eine Serica dicht über dem Boden dahinflog.
In Quito traf ich Herrn Dr. x\ugust Rimbach aus Rio-
bamba, der mich mit dem bekannten Botaniker Padre
Sodiro und Konsul Ludwig Söderström bekannt machte,
von dem ich einige interessante Käfer aus der Nähe von
Quito erhielt; in dem Garten der deutschen Brauerei fing
ich Barotheus andinus und Lasiocala jiilvohirta am Licht.
Meine Hoffnung, hier Gesellschaft für die Reise nach dem
Napo zu finden, ging leider nicht in Erfüllung; mehrere
Besuche, die ich deshalb machte, waren vergeblich und
da man mir in Ambato von einem neuen Weg nach dem
Oriente gesprochen hatte, der besser und kürzer sein sollte
als der über den Napo, so fuhr ich am 4. XII. nach Ambato
zurück, wo ich auch bald Näheres über diesen Weg erfuhr.
Die Regierung plante eine Eisenbahn von Ambato über
Bannos nach dem ersten schiffbaren Hafen am Rio Curaray,
einem Nebenfluß des Rio Napo; es war bekannt, daß an
diesem Fluß Ansiedlungen von Caucheros bestanden, die
Stett. entomol. Zeit. 1909. 8
114
in der Regenzeit von Dampfböten aus Iquitos besucht
wurden. Sie hatte den nordamerikanischen Eisenbahn-
ingenieur Mr. Fox mit etwa 40 Leuten ausgeschickt,
um die Trace für die neue Bahn festzulegen und der Zufall
fügte es, daß dieser zugleich mit mir in Ambato eintraf.
Ich suchte ihn sofort auf, konnte aber nur über den ersten,
bereits gut bekannten Weg bis Canelos Auskunft bekommen ;
er hatte etwa auf dem halben Wege zwischen Bannos und
Canelos das Pastassatal verlassen und war nach Norden
gezogen, um den Rio Curaray, der nach seinen Karten
vom Cerro Hermoso entsprang, zu treffen und dann neben
ihm stromab zu ziehen bis zum ersten Punkt, wo der Fluß
schiffbar wird. Leider waren aber die Karten falsch; der
Curaray entspringt nicht am Cerro Hermoso, sondern viel
weiter östlich bei Canelos. Mr. Fox zog immer weiter nach
Norden und als er den ersten größeren Wasserlauf und dabei
Menschen traf, erfuhr er, daß er nicht am Curaray, sondern
am Napo war. Er kehrte um und zog auf dem alten Weg
nach Canelos, in dessen Nähe er einige Wasserfälle ent-
deckte, die die nötige Kraft für die geplante Bahn liefern
sollten. Über den Weg von Canelos flußab konnte er mir
keine Auskunft geben; die würde ich sicher in Canelos
bekommen. Mehr war auch anderswo nicht zu erfahren
und ich entschloß mich, auf gut Glück nach Canelos zu
gehen und zu versuchen, ob ich von da weiterkommen
würde; gelang dies nicht, dann wollte ich einige Zeit in
Canelos bleiben, das ja durch den engl. Reisenden Buckley
als vorzüglicher Sammelplatz bekannt ist.
In Ambato war ich durch Herrn Richanek mit dem
Kaufmann Sr. Jose Cobo bekannt geworden, derzeit Schatz-
meister des Staates, der mir vom Gouverneur Empfehlungen
an alle Zivil- und Militärbehörden auf meinem geplanten
Weg verschaffte und mir auch beim Einkauf von Proviant
und Tauschwaren behülflich war. Als Zahlung für die Träger
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
115
von Canelos nach dem Curaray nahm ich auf alle Fälle
ein großes Stück Leinwand mit, die von den Indianern
der Hochebene angefertigt wird und im ganzen Oriente
von Ecuador als Zahlungsmittel gilt. Ihm verdankte ich
auch den Empfehlungsbrief eines Arztes in Ambato an den
Pfarrer von Bannos, der sich in der Folge als recht wert-
voll erwies.
Am 9. XII. ritt ich in Begleitung von Sr. Ortega, dem
Pächter des Branntweinmonopols, von Ambato nach Bannos.
Der Weg führt bis Pelileo über ödes steiniges Land, losen
vulkanischen Sand und Cangagua, auf der nur Agaven
oder stellenweise blaue Lupinen gedeihen, die den Indianern
hier zur Nahrung dienen; überall lagen tote Stücke von
Änomala aequatorialis, Barotheus andinus, Democrates Bur-
meisteri und Praogolofa unicolor umher. Hinter Pelileo
zieht sich der Weg an der Nordseite des großen Vulkans
Tungurahua dahin, der hier alle Zonen von den üppigsten
Zuckerrohrfeldern an seinem Fuß bis zum ewigen Schnee,
mit dem sein Krater bedeckt ist, vereinigt.
In Bannos angekommen machten wir uns sofort auf
die Suche nach Trägern für den W>g nach Canelos; ich
gab bei dem Jefe politico, einem Kaufmann am Markt,
mein Empfehlungsschreiben ab, aber trotz aller Bemühungen
konnten wir keine Träger finden. Der nächste Tag war ein
Sonntag, das Wetter schön trocken; es kamen daher eine
Menge Leute zur Kirche und nachher entwickelte sich ein
lebhafter Markt auf dem Platz vor der Kirche, der mit
seinem Röhrenbrunnen und dem großen lindenartigen
Baum, umgeben von Fachwerkhäusern, hinter denen die
Berge aufragten, an den Markt eines thüringischen Land-
städtchens erinnerte. Wieder versuchten wir Träger zu
gewinnen, aber ohne Erfolg; die Leute von der Expedition
des Mr. Fox, die gerade in diesen Tagen zurückkehrten,
wußten so viel von den ausgestandenen Strapazen zu er-
sten, entomol. Zeit. 11)09. ö''
116
zählen, daß keiner Lust hatte, den Weg zu machen. Beim
Jefe pohtico lernte ich den neuernannten Gouverneur
des Curaraygebietes, Coronel Bravo, kennen, der mit seinem
Sekretär und 3 Angestellten schon 14 Tage in Bannos war,
um nach seinem Bestimmungsort San Antonio de Curaray
abzugehen; auch er hatte keine weißen Träger für sein
Gepäck bekommen können und sich schließlich mit Salasaca-
Indianern, anerkannt unzuverlässigen Leuten, behelfen
müssen; er wollte am nächsten Morgen abmarschieren
und bot mir an, die Reise mit ihm zusammen zu machen,
wenn ich noch Träger bekommen könnte. Schon war ich
entschlossen, trotz des Abratens von verschiedenen Seiten
Indianer zu engagieren, als mir ein Zufall zu Hülfe kam.
Kurz vor mir war ein Lhiteroffizier der französischen Grad-
messungskommission in Bannos eingetroffen, der, da das
einzige Hotel in Bannos mit Leuten von der Eisenbahn-
expedition überfüllt war. in einem Hause an der Plaza
abstieg, wo auch ich Unterkunft fand. Er wurde krank
und bat mich um ärztlichen Rat; an seinem Krankenbett
lernte ich Padre Thomas Alflandts kennen, den Pfarrer
von Bannos, und erinnerte mich des Schreibens, das mir
der Kollege in Ambato für ihn mitgegeben und dem ich
im Vergleich mit den Regierungsempfehlungen wenig
Wichtigkeit beigemessen. Bald darauf meldete sich ein
Einwohner von Bannos bei mir, der bereit war, mit mir
nach Canelos zu gehen und noch am selben Abend zwei
weitere Träger brachte, die ich ebenfalls engagierte. Ich
war herzlich froh, als ich die Trägerfrage, die wichtigste
auf der ganzen Reise, so rasch und — wie sich bald heraus-
stellte — so gut gelöst sah, benutzte den nächsten Vor-
mittag zum Einkaufen und Ordnen des Gepäcks und machte
am Nachmittag eine Exkursion in die Umgebung des Städt-
chens, Die Insektenfauna von Bannos ist durch Mons.
de Mathan, Mr. Buckley und zuletzt durch Herrn R. Haensch,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
117
die hier längere Zeit gesammelt haben, ziemlich vollständig
bekannt geworden; ich konnte nicht erwarten, in den wenigen
Stunden viel Neues zu finden, immerhin erbeutete ich
doch eine Anzahl Lamellicornier. Am nächsten Tag machte
ich einige photographische Aufnahmen und besuchte mit
Padre Thomas die heiße Quelle, der Bannos seinen Namen
verdankt; sie liegt am Fuß eines hohen Felsens, von dem
ein dünner, aber sehr hoher Wasserfall herab kommt mit
eiskaltem Wasser von der Schneekuppe des Tungurahua,
so daß das Wasser in den Badewannen, primitiv aus dem
Boden ausgehobenen Löchern, nach Belieben gemischt
werden kann. Am 13. XIL marschierten wir ab; das Wetter,
das die letzten Tage über schön trocken war, schlug in der
Nacht um und war hatten Regen mit kurzen Pausen bis
Canelos. ^Meinen Plan, unterwegs Station zu machen,
um in den verschiedenen Höhen einige Tage zu sammeln,
hatte ich leider aufgeben müssen, weil ich nicht Träger
genug bekommen konnte, um die nötigen Lebensmittel
zu tragen, denn nach den Angaben von Mr. Fox konnte
ich nicht darauf rechnen, unterwegs auch nur eine Banane
zu bekommen. Meine Träger waren mit meinem Hand-
gepäck, der Rolle Leinwand und den Konserven für die
Weiterreise von Canelos nach San x\ntonio de Curaray
schon derart belastet — jeder trug etwa 70 Pfund — , daß
sie nur die allernotwendigsten Lebensmittel für den Weg
mitnehmen konnten. Den pliotographischen Apparat und
einige Sammelutensilien nahm ich selber auf den Rücken
und sie haben mir, trotzdem sie nur etwa 15 Pfund wogen,
auf den schauderhaften Wegen manchen Schweißtropfen
ausgepreßt. Da nun auch bei dem ständigen Regen wenig
Insekten zu sehen waren und der schlechte Weg die Auf-
merksamkeit vollauf in Anspruch nahm, suchte ich vorerst
möglichst rasch Canelos zu erreichen. Am ersten Tage
kamen wir bis Mirador; der Weg dahin ist gut bis kurz
Stett. entomol. Zeit. 1909.
118
vor M., wo man eine längere Sumpfstrecke auf gefällten
Bäumen passieren muß. Am nächsten Morgen berührten
wir den Punkt Santa Jnez, wo Herr Haensch längere Zeit
gesammelt und stießen hier auf das Lager des Herrn von
Plessen, der von einer mehrtägigen Exkursion nach
Barrancas zurückkehrend hier Station gemacht hatte.
Wir übernachteten an diesem Tage bei dem Punkt TeremotiUo
in einem Rancho, einer Hütte aus einigen Stangen und Palm-
wedeln, wie sie die Leute unterwegs zum Nachtlager in
kurzer Zeit herstellen. Der nächste Tag brachte den Über-
gang über die Sierra Abitagua, den beschwerlichsten Teil
des Weges; darnach durchwateten wir noch den Rio Kilo
und schliefen wieder in einem Rancho oben auf der Höhe.
Am i6. früh kamen wir nach Barrancas, einer frisch an-
gelegten Pflanzung, wo wir Coronel Bravo trafen, der
seinen Leuten hier einen Rasttag gab. Auch wir marschierten
heute nicht weiter, badeten und trockneten unsere Kleider.
Am nächsten Tag kamen wir bis zur Jivaria, einem Dorf
der Jivaro-Indianer, wo wir in einem großen, von den
Missionaren erbauten Rasthaus übernachteten. Das Land
unterwegs war ebener, aber von einer Menge kleiner Wasser-
läufe durchzogen, die in dem weichen Glimmerschiefer
tief eingeschnitten sind, Bäche von 2 — 3 Meter Breite oft
10 — 15 Meter tief; nur selten kann man diese Quebradas
auf gefällten Bäumen passieren, meist muß man an den
steilen Wänden an vorspringenden Steinen und Wurzeln
hinunter- und auf der anderen Seite ebenso hinaufklettern.
Kurz vor der Jivaria muß man einen längeren Sumpf
passieren; das Waten in dem zähen Brei, wenn man auch
nur bis zur halben Wade einsinkt, ist ungemein ermüdend.
Am 18. XXL überschritten wir die Siete Cerros; es ging
den ganzen Tag bergauf, bergab über Hügel, bedeckt mit
einem lichten Hochwald, in dem vereinzelt gewaltige Baum-
riesen mit weit reichenden Bretterwurzeln stehen; ungemein
Stett. entomol. Zeit, 1909.
119
häufig ist hier auch eine Palme, die auf i — 1 14 Meter hohen
Stelzen steht; in den Quebradas ist das Unterholz dicht,
oben kann man fast ohne Waldmesser durchkommen.
Wir übernachteten wieder in einem vorgefundenen Ranch o
bei dem Punkt Huaiusa und kamen am nächsten Tag zu
einem Punkt, der Ovillas genannt wird; hier mußten wir
uns selber einen Rancho machen. Das Insektenleben in
dem düsteren Hochwald war auffallend arm; ich sah nur
selten einen Schmetterling, häufiger eine kleine gelbe und
eine etwas größere schwarze Biene, einige Tabaniden und
von Käfern nur eine Chrysomelide. 20. XII. Um 5 Uhr
auf und nüchtern abmarschiert. Nachdem wir die letzten
Nächte in nassem Zeug geschlafen — es war kaum möglich,
Feuer zu halten, so triefte alles Holz von Nässe und die
Leute waren auch zu müde, um des Abends lange wach
zu bleiben und Kleider zu trocknen — hatten wir des
Morgens nur den Wunsch, weiterzukommen und uns wieder
warm zu laufen. Unser erstes Frühstück, eine Schale Pinol,
Gerstenmehl mit Zucker und Wasser, nahmen wir dann
bei der ersten Ruhepause. Wir marschierten den ganzen
Vormittag auf einem Höhenrücken mit steil abfallenden
Wänden dahin; die linke Seite, die nahezu senkrecht abfiel,
bildete offenbar früher das Ufer des Rio Bobonaza, den
wir über die von dichtem Wald bedeckte Ebene in der
Tiefe von Zeit zu Zeit sehen konnten. Rechts war die Wand
weniger steil und hier passierten wir eine Reihe von Tal-
kesseln, die mit Palmen und Farrenbäumen dicht bestanden
waren; hier waren Schmetterlinge und Libellen häufiger.
Gegen Mittag stiegen wir zum Rio Tinguiza hinab und
verfolgten diesen Fluß in seinem Bett bis zur Mündung
in den Bobonaza, durchwateten diesen und waren bald
darauf in Canelos. Hier gab ich meine Briefe ab und wurde
von Padre van Schoote, dem Prior der Missionsstation
freundhch aufgenommen, erhielt ein gerade leerstehendes
Stett. entomol. Zeit. 1909.
120
Zimmer oben im IMissionshaiis ^ziir Wohnung und nahm
meine ^Mahlzeiten mit den Mönchen zusammen. Auch
die Frage wegen der Weiterreise wurde bald erledigt; Padre
van Schoote versprach mir ein Boot und zuverlässige Leute
bis San Antonio de Curaray; dort mußte ich selber sehen
wie ich weiter kam. Doch war meines Bleibens nicht lange
in Canelos, da beide Geistliche gleich nach den Feiertagen
Missionsreisen unternahmen und auch die hier angesiedelten
Jivaro-Indianer sofort nach dem Fest sich nach allen Rich-
tungen zerstreuten. Die wenigen Tage, die mir zum Sammeln
hier verblieben, benutzte ich fleißig; fast jede freie Stunde
war ich draußen und brachte auch eine ganz stattliche
Anzahl von Insekten zusammen. Die Stubben und herum-
liegenden Stämme in den Liclitungen nahe dem Hause
lieferten viele Holzkäfer und Larven, Passahden, darunter
auch wieder die Art, deren Larve behaart ist, Dynastiden
u. a., einen hübschen neuen Philcurus und vor allem Rute-
liden. Ich fand Larven und Puppen von Macraspis andi-
cola, melanaria und pantochloris, ferner Eier, Larven in
allen Stadien, Puppen und Käfer von Macraspis maculata;
sie leben in niedrigen Stubben mit hartem, trockenem,
weißem Holz. Lagochüe trigona kam des Abends ans Licht
geflogen, sonst war der Lichtfang wie in Sabanilla äußerst
unergiebig.
Am 26. XII. verheß ich Canelos. Wir hatten eine
schöne große Canoa, in der ein älterer Indianer mit seiner
Frau am Steuer saß, während 3 jüngere Indianer das Boot
mit Stangen von Gynerium sacharo'ides vorwärts schoben.
Der Fluß ist zuerst sehr flach; eine Barre, gebildet aus
etwa kopfgroßen runden Steinen folgt der anderen; manch-
mal rieselt das Wasser auf längerer Strecke nur über solche
Steine. Dann stiegen alle aus und schoben oder zogen das
Boot. Der Fluß ist ungemein gewunden; mehrmals stieg
der eine oder andere aus und ging über Land, um die
Stett. entomol. Zeit. 1909.
121
Biegung abzuschneiden. Am Nachmittag wurde der Fhiß
breiter, das Ufer höher, auf der Seite der größeren Krümmung,
Baranco genannt, Steihifer mit Erdstürzen, oben Hoch-
wald, auf der anderen Seite, der Vega, angeschwemmtes
Land mit frischem Buschwerk, darunter viele Cecropien,
dahinter allenthalben Ansiedlungen. Wenn wir unter
Büschen hindurchfuhren, schlug ich gegen diese an und
erbeutete mehrere Exemplare von Chiloxia binotata, die
auf den Büschen jagen. Die Käfer sind ungemein fhnk;
sobald sie fallen, breiten sie die Flügel aus und f hegen
davon. Andere Insekten, die von den Büschen herabfielen,
berülirten kaum das Wasser, als sie auch schon von Fischen
verschlungen wurden. Das Wetter war sonnig, Schmetter-
linge, darunter große blaue Morplio, kreuzten häufig den
Fluß und die Bootfahrt war recht angenehm. Wir hielten
um 6 Uhr gegenüber Sasapi- Yacu und übernachteten
in einem leeren Tambo, einem hohen mit Palmblättern
gedeckten Haus der Indianer. Am nächsten Morgen kamen
wir nach einstündiger Bootfahrt nach dem Punkt Cham-
bira; hier versteckten die Indianer das Boot im Gebüsch,
nahmen die Lasten auf den Rücken und dann ging es zuerst
in einem kleinen Wasserlauf, Curi-yacu (Goldbach) genannt,
aufwärts auf einen Höhenrücken, den wir bis zum Nach-
mittag verfolgten. In der Quebrada des Curi-yacu war
dichtes Unterholz; auf den sonnenbeschienenen Büschen
war reges Insektenleben, u.a. lief hier Odontochila cayennensis
herum, aber ich durfte mich mit Sammeln nicht aufhalten;
die Indianer hielten trotz der schweren Lasten ein so flottes
Tempo ein, daß ich kaum zu folgen vermochte. Gegen
Abend kamen wir nach dem Tambo am Rio Rotuno, wo
wir übernachteten. Das Wetter war den ganzen Tag über
schön gebheben; erst als wir den Tambo erreicht, kam
ein heftiges Gewitter, darnach sternklarer Himmel. 28. XI I.
Um 5 Uhr auf, um 6 Uhr Abmarsch. Wieder ging es auf
Stett. entomol. Zeit. 1909.
122
einem schmalen Grat entlang; Antonio, ein Junge von
etwa 17 Jahren, der einzige, der einige Worte spanisch
sprach, mit meinem Koffer auf dem Rücken lief voraus,
ich in Eilschritten hinterher. Um 9 Uhr ging es steil hinab
nach dem Ufer des Rio Villano; hier setzte Antonio seine
Last ab und war im nächsten Augenblick verschwunden.
Bald darauf kamen auch die beiden anderen Jungen, legten
ihre Lasten ab und verschwanden, ohne ein Wort zu sagen,
wieder im Wald. Nach einer recht ungemütlichen Stunde
des Wartens tauchte Antonio wieder auf; er war den Fluß
am Ufer hinuntergegangen bis Huito und brachte eine
Canoa, in die wir das Gepäck luden und flußab fuhren.
In Huito traf ich Coronel Bravo wieder, der nach kurzem
Aufenthalt in Canelos weitergefahren und nun hier wartete,
bis ihm aus San Antonio de Curaray Boote zur Weiter-
fahrt entgegengeschickt wurden. Auch den älteren Indianer
und seine Frau, mit denen ich von Canelos abgefahren,
sah ich hier; sie waren über Land rascher hierhergekommen
und wollten hier bleiben. Am Nachmittag konnte ich mit
Antonio als Ruderer und einem alten Saparo-Indianer,
dessen Sprache ich nicht verstand, die Reise fortsetzen.
Wir ruderten bis 5 Uhr, dann schlugen wir auf einer Sand-
bank einen Rancho auf und übernachteten hier.
Die weitere Fahrt den Fluß hinab war recht inter-
essant. Die Nächte schliefen wir gewöhnlich auf einer Sand-
bank, standen um 5 Uhr auf, aßen etwas und fuhren um
6 Uhr ab, zuweilen auch sofort. Dann jagte Antonio, der
ein leidenschaftlicher Jäger und Fischer war, am Ufer
Paujil und Pavo, wilde Truthühner, von denen er mehrere
erlegte. In den Buchten an den Steinbarren, an denen
auch der Vülano reich ist, fing er mit dem Wurfnetz große
Fische, Kaiwi genannt, in den Pallisaden, wahren Ver-
hauen von in den Fluß gestürzten Bäumen, fingen wir
zuweilen Schildkröten, Charape, und auf den Sandbänken
Stett. entomol. Zeit. 1909.
123
fanden wir Nestor mit Scliildkiöteneiern. Das Wetter war
recht angenehm, die Hitze erträghch, die Nächte kühl
und Regen ganz selten. Den Tag über flogen viele Schmetter-
linge auf dem Fluß und begleiteten das Boot oft längere
Strecken, so daß ich sie bequem fangen konnte. Ein hüb-
scher blauer Morpho war häufig am Ufer, auf dem Wasser
begleiteten Mcgistanus Bacotus und Deucalioii und vor
allem Urania Leilus oft längere Strecken das Boot. Einmal
umflatterte uns ein ganzer Schwärm der letzteren; als
ein Gewitterschauer kam, waren sie plötzlich verscliwund"n,
wie wir aber am hohen Ufer unter dem überhängenden
Gebüsch Schutz suchten, sah ich sie mit angedrückten
Flügeln, den Kopf nach unten, an der Felswand sitzen.
Zancndos (Culiciden) gibt es am Rio Villano nicht, weder
bei Tag noch des Nachts, auch Sandfliegen, hier INIosquitos
genannt, Simulium spec, sind nicht allzulästig, doch wissen
sie tückischer Weise gerade in den Stromschnellen und
in den Pallisaden, wenn die ganze Aufmerksamkeit auf
das zu passierende Hindernis gerichtet ist, ihre Stiche an-
zubringen. Dagegen waren kleine gelbe und etwas größere
schwarze Bicnchen, die letzteren von der Größe unserer
Stubenfliege, die sich auf alle freien Körperstellen setzten,
um den Schweiß zu saugen, ungemein lästig. Früh am
Morgen und gegen Abend flogen einzelne Paare des rot
und blauen, wie auch des gelb und blauen Arara über den
Fluß, Schwärme der grüngelben Amazone (Chrysotis) und
Perriquiten suchten die Uferbäume auf, Wasserschweine
erschienen auf den Sandbänken; am Tage sahen wir mehr-
fach Affen, die von Palmen am Ufer sich die Früchte holten,
in den Pallisadas waren außer Leguanen und Krokodilen
hübsche Fischottern mit ihren Jungen häufig, die Antonio
durch Nachahmen ihres Schreies oft längere Strecken hinter
dem Boot herlockte. Am Vormittag des i. Januar 1906
fuhren wir in den Rio Curaray ein; über der Mündung
Stett. entomol. Zeit. 1909.
124
schwebten einige schwarze Aasgeier, die ersten, die ich
nach Überschreiten der Cordillere sah. An der ersten Sand-
bank trafen wir die Boote ans S. Antonio de Cnraray, die
nnterwegs waren, nm Coronel Bravo von Huito abzuholen.
Die Nacht schhefen wir auf einer großen Sandbank; als
wir landeten, scheuchten wir eine ganze Wolke von weißen
vnid gelben Catopsilien auf, die sich auf und um einen ge-
strandeten toten Fisch niedergelassen hatten. Kaum hatte
ich mich zum Schlafen niedergelegt, da kamen Dutzende
von kleinen Nachtschmetterlingen, um mir den Schweiß
von Gesicht und Armen zu saugen; auch der Sack mit
Salz, den wir zum Trocknen neben das Feuer gelegt, war
bald von ihnen bedeckt. Am nächsten Nachmittag er-
reichten wir San Antonio de Curaray, wo wir mit Flinten-
schüssen begrüßt wurden.
Sr. Antonio Garces, der Besitzer der Ansiedlung, war
auf einer Reise unterwegs; seine Frau nahm mich freundlich
auf, konnte mir aber wegen der Weiterfahrt keine Aus-
kunft geben. Die kleinen Dampfer, die von Iquitos bis
hier heraufkommen, treffen gewöhnlich erst im Mai, zur
Zeit des höchsten Wasserstandes, ein; ob vorher eine Canoa
nach Iquitos, das von hier fast vier Wochen Bootfahrt
entfernt ist, gehen würde, war unbestimmt. Ich mußte
mich also in Geduld fassen und benutzte meine Muße zu
fleißigem Sammeln.
Die Ansiedlung San Antonio de Curaray besteht aus
zwei langgestreckten Holzhäusern, die auf etwa 3 Meter
hohen Pfählen stehen und durch eine Brücke miteinander
verbunden sind. Das Balkenwerk lieferten außerordentlich
harte Palmen, die Wände und den Fußboden gespaltener
Bambus, das hohe Dach war mit Palmblättern gedeckt.
Das eine Haus enthielt die Wohnräume des Sr. Garces
und die Lagerräume für Kaufmannsgüter, das andere,
in dem auch ich ein Zimmer erhielt, die Wohnungen von
Stett. entomol. Zeit. 1909.
125
Angestellten, hinter der Brücke lag der Küchenraum. Der
Raum zwischen den Häusern und dem Fluß war sorgfältig
gelichtet; hinter dem Haus w^aren ausgedehnte Pflanzungen
von Yucca, Bananen und Zuckerrohr, darin zerstreut
lagen die Tambos der Saparo-Indianer, von denen etwa
40 Famihen hier angesiedelt waren. Gerade während meiner
Anwesenheit wurde ein großes Stück Urwald umgehauen,
um Raum für neue Pflanzungen zu schaffen. Die An-
siedlung war ein Sammelplatz, wie man ihn sich idealer
gar nicht denken konnte. Unten am Hafen, d. h. am Fluß-
ufer wimmelte es von bunten Schmetterlingen, Hymenop-
teren und Dipteren; in den Rissen des austrocknenden
Schlammes steckte Tetracha julgida, oben auf dem Platz
vor dem Hause flog in Menge Cicindela argcntata, fleißig
junge Heuschrecken jagend und um den Unrat, die Frucht-
schalen usw. sammelten sich oft Dutzende von Urania
Leilus, Aganisthos Odins und mehrere Arten Catagrammen.
In den Yucca- und Bananenpflanzungen standen überall
die Stubben gefällter Bäume und lagen abgestorbene Bäume
herum, einige von etwa 2 Meter Durchmesser, die von Holz-
käfern und ihren Larven geradezu wimmelten. Und erst
der Desmonte, der frisch umgelegte Urwald; es war eine
Lust, zwischen den gefällten Stämmen herumzuklettern
und aus dem Vollen zu schöpfen. Etwa eine Stunde flußab
von der Ansiedlung lag das Quartel mit einer kleinen Be-
satzung von Soldaten; der Weg dahin führte durch Wald
mit dichtem Unterholz, in dem es von Blattkäfern, Schmetter-
lingen, spec. Ithomien und Heliconiern, Hymenopteren
und Dipteren wimmelte; er war auch die einzige Stelle,
wo ich von Stechfliegen belästigt wurde, die in der An-
siedlung und im Desmonte fehlten.
Ungemein häufig waren bei dem Reichtum an ab-
gestorbenen Bäumen die Passahden und darunter eine
große gewölbte Art, die ich in 1—2 Meter dicken Stämmen
Stett. entoniol. Zeit. 1909,
126
von rotem Holz fand, immer zusammen mit Termiten, mit
denen sie sich gut zu vertragen scheinen. Am lo. I. fand
ich einen solchen gestürzten Baumriesen, in dem sie eine
richtige Kolonie bildeten. In der daumendicken Borke
und, teils im Mulm, teils in den Seitenwänden der Passa-
liden-Fraßgänge fand ich als Tischgenossen Cloeotus globosus
und Ataenius capitatus, die ich auch früher mit Passaliden
zusammen gefunden. Als neuen Tischgenossen traf ich
in diesem Stamm Cnemida retusa; etwa ein Dutzend Larven
in allen Größen von der frisch ausgeschlüpften bis zur voll
erwachsenen nebst 2 Puppen, aber keine Käfer, saßen
teils im Mulm der Rinde, teils in den oberflächlichen Fraß-
gängen. Am 18. L fand ich an anderer Stelle einen kleineren
Stamm mit demselben roten Holz, stark angegangen von
Termiten und darin denselben großen Passaliden und wieder
Cnemida retusa, Larven in allen Stadien, einige Puppen,
aber keine Käfer. Die Larve frißt meist nur den feinen
Mulm; nur wenige Stücke waren in das weiche Holz an den
Seiten der Fraßgänge eingedrungen; in den tieferen, härteren
Schichten des Stammes, in denen hauptsächlich die Ter-
miten tätig waren und die Passaliden neue Gänge anlegten,
fand ich sie nicht mehr. Sie weicht in einigen wesentlichen
Punkten von den Larven der echten Ruteliden, speziell
der Gattung Riitcta ab. Während bei diesen letzteren der
Kopf hellgelb, lebhaft glänzend ist mit scharf abgesetzten
schwarzen Mandibeln, hat die Ciiemida-L^xwe einen rötlich-
gelben, wenig glänzenden, mit mikroskopisch feinen Höcker-
chen besetzten Kopf, an dem auch die Mandibeln nur an
den Kanten und an der Spitze schwarz, sonst rötlichgelb
sind. Die Mandibeln haben links nur zwei Spitzenzähne,
nicht drei wie alle übrigen bekannten Larven der echten
Ruteliden. Abweichend ist auch der Schrillapparat gebaut.
Die Schrillplatte am Oberkiefer ist relativ lang und schmal,
0,6 X 0,15 mm., fein gewölbt mit hellerer, leicht vertiefter
Stett. eutomol. Zeit. 19Ü9.
127
Umrandung; sie liegt parallel der unteren Außenkante
und nahe an diese herangerückt ; diese Kante selbst ist
gewulstet und dicht mit feinen Höckerchen besetzt. Die
Schrillplatte trägt zwölf Querstücke, die mittleren wie
gewöhnlich breiter als die endständ^'gen, die in der Weise
schwach schief gestellt sind, daß ihre hintere, scharfrandige
und schwarz pigmentierte Kante, von unten gesehen, höher
steht als die hellere vordere Partie; parallel zur Hinterkante
verlaufen einige feine Querleistchen, die nur bei starker
Vergrößerung sichtbar werden. Die Schrillborsten am
Unterkiefer, 9 an der Zahl, stehen nicht wie sonst auf der
Außenkante, sondern nach innen davon an geschützter
Stelle auf der Dorsalseite des Organs in der Verlängerung
der Trennungsfurche zwischen äußerer und innerer Maxillar-
lade; die Außenkante selber trägt eine schwarz pigmentierte
Leiste mit scharfer Vorderkante. Ob diese Leiste ebenfalls
zur Tonerzeugung dient, etwa mit ihrer scharfen Vorder-
kante über die Höckerchen am Außenrand der Mandibeln
streichend, oder ob sie nur zur Führung in der schwach
vertieften Furche zwischen Außenrand und Schrillplatte
verläuft, vermag ich nicht zu sagen. Der Ton, den die
lebende Larve von sich gibt, ist so schwach, daß man ihn
mehr fühlt, als hört; die Mundteile sind, der weichen Nahrung
entsprechend, relativ schwach, der basale Mahlzahn am
Oberkiefer zwar groß, aber fast ohne alle Querleisten, der
Kopf im ganzen klein.
In liegenden Baumstämmen mit einem eigentümlich
gelben, langfasrigen und zähen Holz, wie auch in den Bretter-
wurzeln der Stubben solcher Bäume fand ich mehrfach
Larven und Puppen von Psciidomacraspis ajfinis. In ab-
gestorbenen Stämmen von Bombaceen, von denen eine
Art, hier Somona genannt, eine ganz gewaltige Größe
erreicht, waren Larven und Puppen von Macraspis mclanaria
und M. pantochloris häufig. An dem reichen Material von
Stett. entoninl. Zeit. 190Ü.
128
Puppen konnte ich die folgenden Beobachtungen über die
Färbung machen. Die grüne Farbe der Ps. affinis, der
M. pantochloris und einer Ptenomela aus Pucay, von der
icli einige Puppen mitgenommen, die hier ausschlüpften,
ist das Sekret von Drüsen, die im Chitinskelett allent-
halben eingelagert sind und deren Öffnungen man mit der
Lupe beobachten kann. Dieses Sekret erscheint in dünner
Schicht blau, in dickerer blaugrün und endlich rein gras-
grün. Die Deckflügel des frisch entwickelten Käfers sind
zuerst rein weiß; die 6 Tracheenstämme mit ihren Seiten-
ästen, an deren Ende Luftbläschen, Alveolen, sitzen, sind
deutlich erkennbar. Bei den grünen Arten bekommt dann
der ganze Deckflügel einen leicht blauen oder violetten
Schimmer, bei M. pantochloris zeigt sich die erste Färbung
auf Schultern und Spitzenbuckel, darnach — aber schwächer
— auf einem Verbindungsstreifen zwischen beiden. Später
werden ' die Deckflügel der grünen Arten im ganzen grün,
Schultern und Spitzenbuckel bleiben aber längere Zeit
dunkler und Streifen über den Tracheenstämmen heller
als das übrige. Bei der M. nielanaria wird das Pigment
im Deckflügel abgelagert, auch zuerst auf Schultern und
Spitzenbuckel, dann als unbestimmte Längswische zwischen
den Tracheenstämmen; in diesem Stadium gleicht der Käfer
vollkommen der M. testaceipennis. Darnach verstärkt
sich die dunkle Färbung auf den Deckflügeln und es bleiben
nur die Streifen über den Tracheenstämmen rotgelb, bis
auch diese sich schließlich färben und die Deckflügel im
ganzen schwarz erscheinen.
Häufig waren die Larven von Lagochile amazona
Thunbg., wie alle Lagochilc-Larven gelb, als seien sie mit
Gummi gutti gefärbt. Diese Gelbfärbung scheint von der
Nahrung herzurühren, denn Stücke, die ich mit Bombax-
holz weiterfütterte, verloren bald ihre Gelbfärbung. Ich
fand die Larven und Puppen meist in kleinen Aststücken
Stett. ontomol. Zeit. 1900.
129
am Boden, oder in kurzen, dünnen Stubben und glaube,
daß sie vielfach von Anfang an ihre Entwicklung in diesen
durchmachen.
In meinem früheren Reisebericht, Stettiner E. Z. 1900
p. 215, habe ich die Vermutung ausgesprochen, daß bei
Philcnnts Brutpflege stattfindet bis zur ersten Häutung,
während nach dieser die Larve sich selbständig ihre Gänge
im Holz anlegt, wie etwa eine Rutelidenlarve. Für diese
Vermutung habe ich von den vier Arten, die ich hier an-
traf, bei zweien die Bestätigung gefunden. Besonders in-
struktiv war eine Beobachtung, die ich am 9. I. machte.
Auf dem Wege nach dem Quartel stieß ich auf einen etwa
2 Meter hohen, schenkeldicken, stark vermulmten Stamm,
den ich durch einen kräftigen Schlag mit dem Stahlspaten
bis herunter in zwei Hälften spaltete. Unten, da wo die
Wurzeln abgingen, war eine etwa faustgroße Höhle, fast
ganz mit quatschnassem, zerschrotetem Holz und Mulm
angefüllt, in dem das $ eines großen Phileurus mit 10 jungen
Larven saß. \'on dieser Höhle ging ein kurzer Fraßgang
nach oben ab, den ich beim Spalten des Stammes bloß-
gelegt hatte, und darin saß eine Larve derselben Art, die
nach der Größe des Kopfes die erste Häutung hinter sich
hatte. Auffähig ist mir, daß hier alle Phileurus-Käier,
die ich mit jungen Larven zusammen fand, einzelne $
waren; (^ konnte ich bei ihnen trotz eifrigen Suchens nicht
finden.
Der Köder, den ich zum Fang von Mistkäfern aus-
gelegt, wurde mir zuerst immer von Ameisen, Bienen und
Fhegen aufgefressen ; erst nachdem ich ihn mit einer Schicht
Blätter überdeckt, machte ich daran gute Ausbeute an
Phanaeus-, Canthon-, Pinotus- und Co/)m-Arten. Ich fand
jedoch immer nur vereinzelte Stücke, nie solche Mengen wie
bei Sabanilla und Canelos, wahrscheinlich, weil hier keine
Rinder gehalten werden (wegen der blutsaugenden Fleder-
St<?tt. entomol. Zeit. 190!». 9
130
mause) und die Käfer daher ganz auf ihre ursprüngHche
Nahrung, die Exkremente von Tapir und Wasserschwein,
angewiesen sind.
In den Mandiokapflanzungen war die Raupe von
Düophonota Ello L. recht schädHch; auf einem kleinen
Stück fanden die Indianerinnen beim Ausgraben der Wurzel-
knollen am i6. I. über loo Puppen.
Am 17. I. kam Herr A. Garces von der Reise zurück
und teilte mir mit, daß er mir kein Boot für die Reise nach
Iquitos geben könne, doch finde sich vielleicht Gelegenheit
zur Weiterreise bei einem der weiter flußabwärts wohnenden
Caucheros. Er gab mir Empfehlungsbriefe mit an den
4 Tagereisen weiter flußab wohnenden Sr. Abel Vaca und
an den noch weiter unten wohnenden Sr. Samuel Roggeroni.
Am 21. I. verließ ich San Antonio in einer Canoa des Sr.
Vaca; die zwei Ruderer vorn waren Saparo-Indianer, der
eine davon ein vorzüglicher Jäger, der Steuermann hinten
ein Mischling, der auch etwas spanisch sprach; die Canoa
war geräumig und leicht, in der Mitte mit einer Tolda
(Palmdach). Die Fahrt war außerordentlich angenehm,
der Fluß ohne Stromschnellen und Pallisaden, das Ufer
mit der üppigsten Vegetation und reichem Tierleben,
besonders vielen Affen, von denen mehrere erlegt wurden;
unterwegs konnten wir uns mit frischen Bananen und Yucca
versehen, Fische und Schildkröteneier waren reichlich —
kurz, wir führten ein recht behagliches Leben; die Nächte
schliefen wir auf Sandbänken. Dabei beobachtete ich am
22. I. zum ersten Mal Megacephala Klugi. Der Käfer ist
ein Nachttier, das den Tag über in Gängen auf den Sand-
bänken versteckt sitzt, um erst nach Sonnenuntergang
herauszukommen und seine Beute, hier hauptsächlich eine
Maulwurfsgrille, zu jagen. Im Gegensatz zu ihm fand ich
Tetracha julgida immer nur auf den Schlammbänken am
Stett. cntomol. Zeit. 1009.
131
Steilufer in den Rissen, die durch das Austrocknen des
Schlammes entstehen.
Unterwegs trafen wir mehrfach Boote, darunter eines
mit Indianern, die uns erzählten, daß ihr Patron, Sr. Rivade-
neira, im Begriff sei, nach Iquitos zu fahren. Am 24. I.
Abends kam ich zu Sr. Vaca, der mir sofort erklärte, daß
er vor Mai nicht nach Iquitos fahre und mir auch kein Boot
mit Leuten abgeben könne; doch sei es wohl möglich, daß
ich mit Rivadeneira fahren könne, der am Vormittag auf
der Fahrt nach Iquitos bei ihm vorgesprochen habe und
die Nacht bei Sr. Roggeroni, eine halbe Tagereise flußab,
verbringen wollte. Auf meine Bitte um ein Boot zur Weiter-
fahrt bemannte er eine leichte Canoa mit 3 Ruderern und
zwei Steuerleuten und begleitete mich selber zu Roggeroni.
Nach einer flotten Fahrt erreichten wir die Ansiedlung
von R. um 11 Uhr und trafen glücklicherweise auch Sr.
Rivadeneira noch an, der mir bereitwillig einen Platz in
seiner Canoa bis Iquitos anbot.
Sr. Juan Rivadeneira aus Quito war früher am Rio
Napo nahe dem Aguarico ansässig; nachdem er den oberen
Napo mit seinen nördlichen Nebenflüssen und einen Teil
des Putumayo auf Kautschuck exploriert, war er vor Jahres-
frist mit 20 Indianern über Land nach dem Curaray ge-
kommen und jetzt im Begriff, seine Ausbeute an Kaut-
schuck in zwei großen schwer beladenen Canoas nach
Iquitos zu bringen, um mit Tauschwaren nach dem Rio
Napo zurückzufahren. Da weder er noch einer seiner Leute
den Rio Curaray früher befahren und sie alle Sehnsucht
hatten, zu ihren Familien zurückzukehren, so wurde die
Reise möglichst beschleunigt. Wir standen des Morgens
um 5 Uhr auf, die Indianer gewöhnlich etwas früher, aßen
eine tüchtige Portion Reis mit Sardinen, tranken eine Tasse
Kaffee und dann fuhren wir, abgesehen von einem kurzen
Aufenthalt um Mittag zum Wechseln der Plätze, bis 6 Uhr
Stctt. eiitomol. Zeit. 1909. ü*
132
am Abend. Dann gab es wieder Reis mit Sardinen und
Kaffee, worauf wir unter einem Rancho, den die Indianer
inzwischen aufgeschlagen, uns schlafen legten. Die Reise
verlief infolgedessen recht einförmig, um so mehr, als auch
das Tierleben auf und an dem Fluß arm und die Vegetation
am Flußufer wenig reizvoll war. Vom Rio Cononacu ab,
gleich unterhalb des Wohnsitzes von Roggeroni, beginnt
das Überschwemmungsgebiet und die Pflanzenweit bekam
damit etwas Ödes; wie eine gleichmäßig hohe Mauer be-
grenzt sie den Fluß, nur hin und wieder sieht man eine
Somona, die alle anderen Bäume mit ihrer gewaltigen
Krone überragt; auf dem niedergebrochenen Ufer standen
oft dichte Bestände ausschließlich von Cecropien. Auf
der ganzen Fahrt bis zum Rio Napo trafen wir keine einzige
Ansiedlung; erst kurz vor dem Napo begegneten wir zum
ersten Mal Menschen, Fischern, die in den Lagunen an den
Seiten des Flusses gefischt hatten und von denen wir einige
Stücke Fische kaufen konnten. Diese Lagunen, Cochas
genannt, sind Mulden in dem flachen Überschwemmungs-
gebiet, die in der Regenzeit mit dem Fluß in Verbindung
stehen und in der Trockenzeit isoliert sind; sie wimmeln
gewöhnlich von Fischen aller Art, dem Peixe boi (Arapaima
gigas), dessen Fleisch ganz vorzüglich schmeckt, Schild-
kröten, Krokodilen und Zitteralen; auch die Seekuh,
Manati, Manatus americanus, wird hier gefangen. Am
2. Februar Nachmittags kamen wir in den Rio Napo; sofort
bei der Einfahrt überfielen uns Schwärme von Zancudos,
Culiciden, die auf dem Curaray fehlen. Der Napo ist hier
etwa so breit wie die Elbe bei Blankenese, aber zur Zeit
war der Wasserstand sehr niedrig. Ansiedlungen sind hier
häufig. Leider war es mit der ruhigen Bootfahrt nun alle;
es herrschte hier ein starker Gegenwind und Wellenschlag,
so daß wir angestrengt mit Tellern und Kaffeebechern
das eindringende Wasser ausschöpfen mußten, um die in
Stctt. eiiloiiKil. Zeit. 100'.).
133
der Mitte nur 3 Finger breit ans dem Wasser ragende Canoa
vor dem Versinken zu bewahren. Als wir daher am nächsten
Tag an die Ansiedkmg Copalurcu kamen, sagte ich Sr.
Rivadeneira Lebewohl, der froh war, seine Canoas etwas
leichtern zu können; Sr. Llori in Copalurcu lieh mir eine
kleine Canoa und ich engagierte zwei Leute, mit denen
ich am 5. IL nach Mazan, nahe der Mündung des Rio Napo,
weiterfahren konnte. Den 4. IL benutzte ich zu einer
Exkursion; die Ansiedlung Copalurcu ( = Hügel, auf dem
Copal gefunden wird) liegt auf einem isolierten Hügel,
der über das flache, angeschwemmte Land weithin sichtbar
ist; die ursprüngliche Vegetation hat Häusern und Pflan-
zungen von Yucca, Bananen und Zuckerrohr Platz ge-
macht, das flache Land an seinem Fuße war dagegen mit
dichtem Wald bedeckt, in den ich kaum eindringen konnte.
Die Stämme und Stubben, die ich hier fand, hatten alle
rotes, hartes Holz, das wohl Ameisen, Termiten und einige
Tenebrioniden, aber außer einigen wenigen Passaliden
keine Lamellicornier barg. Die Insektenwelt war arm an
Arten und Individuen; nur wenig Schmetterlinge und
Hymenopteren, einige Käfer, die beim Klopfen in den
Schirm fielen, darunter einige Cncmida rctusa, dagegen
Stechmücken und Bremsen in großer Menge. Am 7. II.
gegen Abend kamen wir nach Mazan. Die Fahrt den Napo
herunter bot für den Naturfreund viel des Interessanten.
Wegen des Windes und Wellenschlages hielten wir uns
mit unserer kleinen Canoa nahe bei dem Ufer, passierten
viele Ansiedlungen und besuchten auch mehrere, um frische
Lebensmittel und Früchte einzukaufen. Einmal trafen
wir auf einer Sandbank einen Fischer, der auf einem langen
Bambusgestell seine Fische briet, eine wahre Muster-
sammlung der hier vorkommenden Arten. In Mazan blieb
ich über Nacht und ging am nächsten Morgen mit zwei
Indianern, die mein Gepäck trugen, über Land nach dem
Stett. entomol. Zeit. 1909.
134
Solimoes; der Weg dauert nur ^/4 Stunden und führt auf
einem sehr bequemen Pfad durch einen hochstämmigen
Urwald von großartiger Üppigkeit; hätte ich in Mazan
etwas über die Fahrgelegenheiten von Iquitos flußab nach
Manaos erfahren können, ich wäre hier sicher einige Tage
zum Sammeln geblieben. Am Solimoes resp, an einem
Seitenkanal liegt die Ansiedlung des Sr. Juan Hernandez,
wo man jederzeit Boote nach Iquitos bekommen kann.
Ich fuhr mit einem Indianer und seiner Frau um 9 14 Uhr
vom Baradero, so heißt die Ansiedlung, weg und war gegen
7 Uhr in Iquitos; unterwegs hielten wir wegen eines heftigen
Gewitters etwa eine Stunde bei einer Ansiedlung.
In Iquitos wandte ich mich zuerst nach dem deutschen
Konsulat, wo ich von Herrn Herrmann Nicolai und seiner
liebenswürdigen Frau Gemahlin aufs Freundlichste auf-
genommen wurde; als am nächsten Tage trotz allen Suchens
kein Logis zu finden war — Iquitos besitzt zwar ein
Restaurant, aber kein Hotel, und Besucher sind auf die
Gastfreundschaft von Bekannten angewiesen — wurde
mir bereitwilligst angeboten, auch weiterhin bis zum Ab-
gang des Dampfers im Hause zu wohnen. Es waren an-
genehme Tage, die ich hier verbrachte; den Vormittag
über sammelte ich im Wald, der nicht weit von der Stadt
entfernt und bequem zu erreichen war, den Abend verlebte
ich meist im Hause, wo alle die jungen Leute vom Ge-
schäft wohnten und fleißig musiziert wurde. Einige Ex-
kursionen machte ich in das Terrain hinter der Ziegelei;
der Boden ist hier sandig, Alluvium neuester Bildung,
wohl der Grund eines Seitenarmes oder einer Cocha; hinter
dem Haus Viehweide mit vereinzelten Baumgruppen und
Büschen, weiterhin 6 — 10 Meter hoher Buschwald. Der
Platz ist ein wahres Eldorado für Schmetterlinge, Fliegen,
Hymenopteren, Wanzen und vor allem Heuschrecken.
Die Bäume hier hatten meist rotes, hartes Holz, das fast
Stett. entomol. Zeit. 1909.
135
immer v^on Termiten angegangen war; dabei saßen gew()hn-
lieh einige kleine und mittelgroße Passaliden, aber ohne
die gewohnten Tischgenossen; nur ein einzelnes Stück
eines kupfrigen CloeoUis mit erhabenen Rippen fand ich
in einem solchen Stamm. In einem Stubben mit gelb-
lichem Holz fand ich Macnispis pciiitochloris-Fuppen und
ziemlich erwachsene Larven von Philatnis; in anderen
Stubben von auffallend hellem und hartem Holz, auf dem
offenen Kamp von der Sonne prall beschienen, Larven
in allen Stadien, Puppen und frische Käfer v(3n Macraspis
chrysis. Unter Rindermist auf der Weide war Gromphas
acniginosa recht häufig. Der Käfer lebt wie Gcotrupcs,
gräbt Stollen unter den JM isthau fen, in die er sich mit seiner
Tagesration zurückzieht und füllt wohl auch für seine
Larven solche Stollen mit Mist auf, denn ich fand deren
mehrere, aber ohne Eier resp. Larven. Eine Exkursion
nach dem Wald hinter der Eisfabrik brachte dieselben
Arten; das Sammeln ist trotz der starken Hitze nicht be-
schwerlich, weil es hier im Wald keine Zancudos gibt. Nur
direkt am Flußufer werden sie lästig und kommen auch
nur des Abends hier in die Zimmer, w^enn diese hell er-
leuchtet und die Fenster offen sind; weiterhin in der Stadt
fehlen sie.
' Am i8. IL verließ ich Iquitos mit dem Dampfer Bolivar
der engl. Booth-Linie, die jeden Monat einen Dampfer von
Liverpool über Hamburg, Havre, Madeira nach dem
Amazonas schickt; der hübsch ausgestattete Dampfer hatte
neben sich einen großen Leichter, dessen mit einem Sonnen-
segel überspanntes Deck als Speisesaal und Schlafraum
diente. Der Dampfer läuft hier mit der starken Strömung
nach Angabe des Kapitäns 14 Meilen; der Fluß ist fast
nie in seiner ganzen Breite zu sehen, da er immerzu durch
Inseln geteilt ist. Der Wald bildet am Ufer eine gleich-
mäßig hohe dichte Mauer, aus der nur ganz selten einzelne
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
136
Riesenbäume, Somonas, hervorragen. Am nächsten Tage
um Mittag passierten wir Letitia, die peruanische Grenz-
station, bald darauf Tabatinga, die brasihanische Grenzfeste.
Beides sind kümmerhche kleine Ansiedlungen, bestehend aus
einem langgestreckten Lehmhaus, das Quartel für die Sol-
daten und Wohnräume für die Offiziere enthaltend, dahinter
eine Anzahl Hütten. Am 21. II. Morgens 9 Uhr passierten
wir die Mündung des Rio Jurua mit der östlich davon
liegenden hübschen Ansiedlung Acä; das Ufer ist hier
streckenweise höher, rote Lehmwände, auf denen sich sofort
eine andere Vegetation, höherer und üppigerer Wald, aus-'
breitet. 22. IL Nachmittags 4Y2 Uhr fuhren wir an der
Mündung des Rio Purus vorbei, eines mächtigen Stromes
mit dunklem Wasser.
23. IL Um 5 Uhr früh kamen wir vor Manaos an,
mußten aber mit der Abfertigung warten, bis der große
Dampfer La Plata der H.-A.-L., der von Europa über
Para kommend zugleich mit uns in den Hafen einlief,
von der Sanitäts- und Zollvisite freigegeben war. Der Fluß
macht seinem Namen alle Ehre, das Wasser ist auffallend
dunkel, aber klar; es war zur Zeit etwa höchster Wasser-
stand hier (am Napo tiefster), das Wasser hatte aber wenig
Lauf, die Schiffe lagen nach dem Wind, wie auf einem
Binnensee. Ich verließ hier den Bolivar und nahm Passage
für Hamburg auf der La Plata; bis zur Abfahrt des Dampfers
wohnte ich im Hotel Cassina und benutzte meine Muße
zu Exkursionen. Es existierte hier ein naturhistorisches
Museum, verbunden mit zoologischem Garten, in dem ich
recht angenehme Stunden verbrachte. In liebenswürdigster
Weise überließ mir Direktor Dr. Bach die mich interessieren-
den Lamellicornier von einer Expedition nach dem oberen
Rio Branco; mit einem Angestellten des Museums, Herrn
Schmidt, machte ich lange Exkursionen in den Wald hinter
dem Museum und in dem offenen Buschland nahe dem
Stett. entomol. Zeit. 1909.
137
Igarape. Hier waren besonders Mistkäfer häufig. Mit
vielem Vergnügen beobachtete ich Cantlioji lituratus Germ.,
der an Maultier- und Rinderdünger seine kaum erbsen-
großen Kügelchen formte und sie dann in fieberhafter
Eile, sich oft überschlagend, nach einem benachbarten
Versteck rollte. Unter Mulamist war häufig Ataenius
hispidus und am ausgelegten Köder fingen wir Phanaeiis
lancifer.
In den Blüten von Datura arborea traf ich einige Stücke
einer hübschen großen Dicvania, von denen ich leider nur
eines erwischte, während die anderen durch ein Loch in
der Blüte davonflogen. Als ich den Käfer in der Hand
hatt§, zirpte er so laut und vernehmlich, wie eine Macraspis.
Der Schrillapparat befindet sich an Oberschenkel und
Hüftplatte. An dem ersteren ist die Dorsalseite mit langen
feinen Leistchen dicht besetzt, an der letzteren die Hinter-
kante scharf randig und nach imten umgebogen.
Nur einmal fand ich einen Stamm mit weißem Holz
und darin einige ganz junge Rutelidenlarven ; die meisten
Stämme hatten rotes, hartes Holz, das von Termiten besetzt
war. Auf den offenen Plätzen flogen in Anzahl Cicindcla
argentata und mono, in einem Holzschwamm beobachtete
ich einen Anthribiden mit Larven und Puppen. Im all-
gemeinen war die Insektenfauna, abgesehen von Libellen,
recht arm; auch Herr Schmidt, der schon längere Zeit
hier sammelte, bestätigte mir dies und erzählte, wie reich
dagegen der obere Rio Negro und Rio Branco in seinem
Quellgebiet sei. Am elektrischen Licht fing ich mehrfach
die große Cyclocephala castanea und Dyscinetus alliaceus,
auch einige Sphingiden. Meine Abende verbrachte ich
gewöhnhch im Hause des deutschen Photographen, Herrn
Hübner aus Dresden, der Jahre lang den oberen Orinoko
und oberen Amazonas bereist und viel Interessantes über
Land und Leute zu erzählen wußte.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
138
Am 3. TIT. früh 9 Ulir verließ die T.a Plata Manaos;
nm 10 Uhr Hefen wir in den Amazonas ein, dessen lehm-
gelbes, trübes Wasser sich von dem klaren, dunklen des
Rio Negro scharf abhob. Am nächsten Morgen passierten
wir um 8 Uhr Obydos, das auf einem niedrigen Hügel hübsch
gelegen ist, um 10 Uhr die Mündung des Tapajoz mit dem
Städtchen Santarem; vor der ]\Iündimg flußaufwärts liegt
eine langgestreckte Lagune, vom Flußufer durch offenen
Ivamp mit Viehherden getrennt; auch weiterhin sieht man
mehrfach solche offene Llanos. Auf dem linken (nördhchen)
Ufer beobachteten wir den ganzen Tag über vereinzelte
bald höhere, bald niedrigere Hügel, die alle trapezförmig
abgeflacht sind ; sie stimmen in ihrem geologischen Bau
und in ihrer Tier- und Pflanzenwelt mit dem Gebirge von
Guayana überein. 5. III. Heute fuhren wir vielfach durch
enge Kanäle, wo wir dem Ufer zuweilen recht nahe kamen;
überall sahen wir am Ufer Ansiedhmgen, bald einfache
Randlos, bald größere Häuser auf Pfählen; das Land ist
hier überall Überschwemmungsgebiet, die Vegetation un-
gemein dicht. Am Nachmittag kamen wir wieder in den
freien, weiten Fluß und gingen des Abends vor einer Leucht-
feuerstation vor Anker. 6. TIT. Um 5 Uhr nahmen wir
Anker auf und lagen um 7 Uhr vor Para. Mein erster Besuch
galt dem naturhistorischen Museum, mit dessen Direktor
Prof. Dr. E. Göldi, ich schon seit Jahren korrespondierte.
Das Museum ist ein kleines Landhaus mit wenigen Räumen,
in denen nur ein Teil der Sammlungen aufgestellt war;
ein Teil, darunter auch die Tväfer, waren nach Bern ge-
schickt worden. Recht hübsch ist der Garten ums Haus
herum und der daran anschließende zoologische Garten;
auch Aquarien sind hier aufgestellt, in denen mich besonders
die Lepidosiren interessierten. Auch den nächsten Vor-
mittag verbrachte ich im Museum, wo mir Herr Ducke,
der Entomologe des Museums, seine reichhaltige und schön
Stett. entomol. Zeit. 1909.
139
geordnete Sammlung der iMasilianischon Hymenopteren
zeigte nnd mich im zoologischen Garten hernmführte.
Um 5 Uhr Nachmittags verließ der Dampfer Para und gegen
^litternacht kam die Ki_iste von Südamerika außer Sicht.
Während der ganzen Reise war ich gesund geblieben;
mein altes Leiden, die Dysenterie, hatte mich diesmal voll-
ständig verschont und ebenso war mir Malaria fremd ge-
blieben, trotzdem ich selbst an schlimmen Fieberplätzen,
wie Pucay und San Antonio de Curaray, nie prophylaktisch
Chinin nahm. Ganz ungeschoren sollte ich aber doch nicht
durchkommen; in Manaos erkrankte ich nach dem Genuß
von Fischen an einer Art Fischvergiftung, die sich durch das
Auftreten schmerzhafter Furunkel und großer schlaffer,
mit Eiter gefüllter Blasen über den ganzen Körper äußerte.
Bis April 1907 dauerte diese Krankheit, die mich ungemein
schwächte und auch die Ursache an der Verzögerung der
Veröffentlichung dieses Reiseberichtes ist. Außerdem
hatte ich den Verlust aller meiner lebenden Käferlarven
auf der Heimreise zu beklagen. Kurz vor Madeira überfiel
uns in der Nacht ein eisiger Nordsturm, und ehe noch die
Dampfheizung angesetzt werden konnte, waren alle die
Käferlarven und Puppen, die ich zum Teil selber über die
Cordillere getragen, die ich auf der Bootfahrt und in San
Antonio de Curaray mit unendlicher Mühe vor den Ameisen
bewahrt, in ihren Zuchtkästen erfroren. Nach kurzem
Aufenthalt in Madeira, Lissabon und Havre kam der
Dampfer am 29. IIL nach Hamburg, wo meine Reise ihr
Ende erreichte.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
140
Beitrag zur Kenntnis der Orthopteren=
Fauna Bessarabiens.
^'lUl .1. M, SicIiiBSiii'Ov« . Kniikasus, Kiitais.
Im Jahre 1904 — 1905 unternahm ich mit Mittehi der
Neurussischen-Naturhistorischen Gesellschaft kleine zoolo-
gische Exkursionen nach Bessarabien (Süd-Rußland) und
bedeutende Sammlungen {Auiphihia, Reptilia'^), Mammalicv'),
Odonata, Lepidoptera^), Fovmicodea*), Apterygogenea^) usw.)
zusammen brachte, darunter auch Orthoptera.
Da ich aber fortwährend hoffte, Bessarabien nochmals
zu besuchen und dabei meine orthopterologische Unter-
suchungen zu vervollständigen, so verschob ich daher den
Druck dieser Arbeit; jetzt entschließe ich mich dennoch
dazu, weil ich einerseits keine Aussicht habe, in absehbarer
Zeit Bessarabien zu besuchen, andererseits die Bearbeitung
des zu meiner Verfügung stehenden Materials soviele für
diesen Landstrich neue Resultate ergab, daß ein weiteres
Zurückhalten der Publikation über diese meine Unter-
suchungen keinen Sinn mehr hätte.
Ich erlaube mir an dieser Stelle Herrn A. A. Branner
in Odessa und Herrn A. W. Jatzentkowskij in Nowaja-
Alexandrija meinen innigsten Dank zu bringen für Über-
lassung der von Ihnen in Bessarabien gesammelten Orthop-
teren.
Schließlich erlaube ich mir Herrn Dr. N. v. Adelung
in St. -Petersburg meinen verbindlichsten Dank auszu-
1) Vergl. Brauner, Schrift, d. Neuruss. Naturhist, Ges. XXIX, IDOü^
2) Brauner, ibid. 1907 vol. XXX.
3) Krulikowskij. Rev. Russe d'Entomol. VI, 1906, p. 186—188.
*) Ruzskij, Schrift, d. Kasanisch. Naturhist. Ges. 1905.
5) Schugurow, Rev. Russe d'Entomol. VI, 1906, p. 29—31.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
141
sprechen für die liebenswürdige Weise, in der er micli bei
dieser Arbeit unterstützt hat.
Forficulodea.
1. Labidura riparia PalL
Ufer des Schabolat-Sees, Kreis Akkerman, 24. XU. 1904,
Ssacharna, im Orgeew'schen Kreise, unter Steinen, VII. 1905.
2. Labia minor Linn.
Bei Gontscheschty, Kreis Kischinew, 4. \'II. 1903,
und bei Schaba, Kreis Akkerman, VII. 1904, gesammelt.
3. Forficula auricularia Linn.
Fundort: Zagornja, Kreis Ssoroki, 17. Y. 1907, und
Rezina, Kreis Orgeew, VII. 1905.
4. Forficula tomis Kol.
Fundort: Zagornja, Kreis Ssoroki, 17. V. 1907.
Blattodea.
5. Ectobia lapponica Linn.
Fundort: Posten Tschetschulskij, Kreis Beiltz}-,
VI. 1903, und Ssacharna im Walde, Kreis Orgeew, 29. VI. 1905.
6. Blatta transfuga Brunn und
7. Stylopyga orientalis Linn
überall liäufig.
Mantodea.
8. Mantis religiosa Lnm.
Fundort : An der Dniester-Mündung, in der Nähe
des Leuchtturmes Bugaz, Kreis Akkerman, 10. \'III. 1905;
^, ?.
Phasgonurodea.
9. Ephippigerida ephippiger Fieb.
Fundort: Korneschty, Kreis Bieltzy, 22. \l. 1907,
Larve, und Rezina. Kreis Orgeew, VI. 1905.
Stott. entomol. Zeit. 1909.
142
10. Callimenus montandoni Burr.
Fundort: Purkary, Kreis Akkerman, VII. 1905. *)
11. Pholidoptera frivaldskii Herrn.
Fundort: Korneschty, Kreis Bieltzy, 22. VI. 1907,
(^, und Zagarnja, Kreis Ssoroki, 17. V. 1907, $.
12. Pholidoptera sp. (Larve: (^).
Fundort: Umgebung von Zagarnja, Kreis Ssoroki,
17. V. 1907.
Dieses Exempkir ist allem Anscheine nach die Larve
des (^ Pholidoptera pustulipes Fisch, v. Waldh. ( = pontica,
Ret.).
13. Pholidoptera griseoaptera Deg.
Fundort: Korzhewo, Kreis Bendery, 22. VI. 1904.
14. Chelidoptera intermedia Serv.
Fundort: Korneschty, Kreis Bieltzy, 22. VI. 1907.
15. Tettigonia verrucivora Linn.
Fundort: Nowyja-Limbeny, Kreis Bieltzy, 13. VI. 1903;
Korneschty, auch da, 22. VI. 1907, Larve; Zagornja, Kreis
Ssoroki, 17. V. 1907, Larve; Rezina, Kreis Orgeew, VII. 1905,
und Schaba, Kreis Akkerman, VII. 1904.
16. Phasgonura viridissima Linn.
Fundort: Nowyja-Limbeny, Kreis Bieltzy, 13. VI. 1903,
und Zagornja, Kreis Ssoroki, 17. V. 1907, Larve.
17. Phasgonura caudata Chrp.
Fundort: Nowyja-Limbeny, Kreis Bieltzy, 13. VI. 1903.
18. Onconotus servillei Fisch. -Waldh.
Fundort: Korzhewo, Kreis Berdery, 22. VI. 1904.
19. Anisoptera fusca Fabr.
Fundort; Korneschty, Kreis Bieltzy, 22. VI. 1907,
und Rezina, Kreis Orgeew, VII. 1905.
20. Poecilemon elegans Herrn.
Fundort: Korzhewo, Kreis Berdery, 22. VI. 1904.
') A. M. Shugurow, The Entomologist, 1907. p. 273.
Stett. cntomol. Zeit. 1901).
143
Nomen Poccilemon elegans, Br.-Watt. 1878. (Mono-
graphie der Phaneropteridcn, Wien, p. 45), praeoccupatum
in eodem genere a Herman. Poccilemon elegans, Herrn. 1871.
(Verh. des Siebenburg. Vereins f. Natiirw., XXI. 1871, p. 38)
= P. f'ussi, Br.-Watt. (op. j. cit., p. 47), anno 1906, nominan-
dum proposui (Hör. Soc. Entom. Ross. XXXVHI, p. 120,
nota), P. halcanicus, Schug.
21. Isophia modestior Brunn.-Watt.
Fundort: Zagornja, Kreis Ssoroki, 17. V. 1907, (^, 9.
Sonstige Verbreitung: Serbien, Rumänien.
Neu für die russische Orthopterenfauna.
22. Phaneroptera falcata Pod.
Fundort: An der Dniester-Mündung, in der Nälie
des Leuchtturmes Bugaz.
Achetodea.
23. Curtiila gryllotalpa Linn.
Fundort: Schaba, Kreis Akkermann, VH. 1904; Re-
zina, Kreis Orgeew, MI. 1905, und Stochnaja, auch da,
VII. 1905.
24. Acheta campestris Linn.
überah häufig.
25. Gryllus domesticus Linn.
überall häufig.
26. Oecanthus pellucens Scop.
Fundort: Im Walde zwischen Rezina und Ssacharna
im Juni 1905.
Locustodea.
27. BuUa^) subulata Linn.
Fundort: Schaba, Kreis Akkerman, VII. 1904.
28. Acrida turrita Stal.
Fundort: Kischinew, (Kreisstadt); Budaki, Kreis Akkcr-
') Nomen praeoecup. in Ärullusea?
tstctt. cntomol. Zeit. 1001).
144
man, lo. VIII. 1903; Akkerman, 20. VII. 1904; Schaba,
24. VII. 1904; Magaly, 21. VII. 1904; Akembeg, 26. VII. 1904,
und Bugaz, 10. VIII. 1903.
29. Chrysochraon brachypterus Ocsk.
Fundort: Rezina, Kreis Orgeew, VII. 1905.
30. Stenobothrus lineatus Panz.
Fundort: Posten Tschetschulskij, Kreis Bieltzy, 19. VI.
1903.
31. Stenobothrus fischeri Eversm.
Fundort: Gontsclieschty, Kreis Kischinew, 4. VII. 1903.
32. Stenobothrus vagans Eversm.
Fundort: In der Nähe des Leuchtturmes Bugaz, an
der Dniester-Mündung, Kreis Akkerman, 10. VIII. 1906.
(N. V. Adekmg determ.)
33. Stenobothrus bicolor Chrp.
Fundort: Bugaz. Kreis Akkermann, 10. VIII. 1906,
34. Gomphocerus rufus Linn. und
35. Gomphocerus antennatus Fieb.
Fundort : An der Dniester-Mündung, in der Nähe
des Leuchtturmes Bugaz, 10. VIII. 1906.
36. Areyptera fusea PalL
Fundort: Bei Korneschty, Kreis Bieltzy, 23. VI. 1907.
37. Areyptera microptera Fisch, v. Waldh.
Fundort: Rezina, Kreis Orgeew, VII. 1905; Zagornja,
Kreis Ssoroki, 17. V. 1907, Larve.
38. Oedaleus nigrofasciatus Deg.
Fundort : Korneschty, Kreis Bieltzy, 23. VII. 1907.
39. Locusta migratoria Linn.
Fundort: Bugaz, Kreis Akkerman, 10. VIII. 1906;
Schabolat-See, auch da, VII. 1904.
40. Oedipoda coerulescens Linn.
Fundort: Bugaz, Akkerman, Korneschty, Rezina usw.
41. Sphingonotus coerulans Linn.
Fundort:. Bugaz, Schaba, Akkerman usw.
Stett. entomol. Zeit. 1901),
145
42. Acrotylus longipes Chrp. (det. N. v. Adelung.)
Diese sehr schöne Art wurde in sehr großer Menge
von Herrn A. W. Jatzentkowskij bei Bugaz, Kreis Akker-
man, gesammelt (lo. VIII. 1906) und war bisher
für ganz Rußland noch nicht nachge-
wiesen.
Acrotylus longipes Chrp. vereinzelt in Canarischen Inseln,
Zanzibar, Dongola, Abessynien, Algerien, Italien, Sicilien,
Griechenland, Kleinasien, Bulgarien, (Varna) Rumänien;
angeblich auch bei Malchin in Mecklenburg (Rudow, Zeitschr.
f. ges. Naturw. XLII, p. 308).
43. Stauronotus brevicollis Eversm.
Fundort: Rezina, Kreis Orgeew, Juni 1905.
44. Calliptamus italicus Linn.
überall häufig.
Unter diesen 44 angeführten Arten waren 33 für ganz
Bessarabien unbekannt. Von 44 bessarabischen Orthop-
teren sind: Blattodca 3, Mantodea i, Phasgonurodea 14,
Locustodea 18, Achetodea 4 und Forficulodea 4.
Stett. entoniol. Zeit. 1909. \^
Ii6'
Neue und bekannte Gattungen und
Arten der Subfamilie Cercopinae Stäl
des indoaustralischen Faunengebietes,
ein Beitrag" zur Kenntnis der Cercopiden.
(Hemiptera-Homoptera. )
Mit 5 Textfiguren.
Von Etliniind Sclimidt in Stettin.
I.
Übersicht der hauptsächlich benutzten Literatur.
Atkinson, B. A. II. ^ — Notes on Indian Rhynchota,
Nr. 2. (Homoptera.) J. A. S. B. LIV. p. 5—23 (1885).
B r e d d i n , G. Die Hemipteren von Celebes. Ein Beitrag
zur Faimistik der Insel. — Abh. Nat.-Ges. Halle,
24, p. I — 216, Taf. I (1901).
B r e d d i n , G. Neue malayische Homopteren aus der
Familie der Cercopiden. — Soc. entom. 17, p. 51 — 52,
58—59 (1902).
B r e d d i n , G. Ad cognitionem gen. Cosmoscartae Stal
(Hemipt. homopt.). — Deutsch, entomol. Zeitschr.,
p. 81 — 100 (1903).
Burmeister, H. Handb. d. Entomologie II. (1835).
Butler, A. G. Revision of the Homopterous genera
Cosmoscarta and Phymatostetha, with descriptions
of nevv species. — Cistula Entomologica I. p. 245 — 270,
Taf. 8 (1874).
D i s t a n t , W. L. Contribution to a knowledge of the
Rhynchota. I. Eastern Cercopidae. — Trans. Entomol.
Soc. London, p. 665 — 686, Taf. 9 (1900).
D i s t a n t , W. L. The Fauna of British India, Ceylon
and Burma. Rhynchota. — Vol. IV. p. 79 — 156 (1907).
Stett. entomol. Zeit. 1909.
147
J a c o b i , A. Neue Homopteren aus Tonking. S.-B.-Ges.
naturf. Freunde Berlin, p. 20 — 25 (1902).
J a c o b i , A. Zur Kenntnis der Cicadenfauna von Tonking.
Zoolog. Jahrbücher XXI. 4, p. 425—446, Taf. 21
(1905)-
J a c o b i , A. Studien über die Homopterenfamilie der
Cercopiden. Mitt. aus dem zoolog. Museum Berlin,
III. I, p. 5—24, Taf. I (1905).
Melichar, L. Homopteren-Fauna von Ceylon (1903).
Stal, C. Hemiptera africana IV (1866).
S t ;\ 1 , C. Hemiptera insularum Philippinarum. Öfv.
Vet.-Ak. Förh. VII. p. 607—776, Taf. 7 und 8 (1870).
Walker, F. List of Homopt. Ins. I— IV (1850—52).
Walker, F. Cataloge of Homopt. Ins. at Singapore
and Malacca. Journ. Linn. Soc. Zool. I. p. 82—99,
Taf. 3 und 4 (1857).
Walker, F. Cataloge of Homopt. Ins. at Saravvak,
Borneo. Journ. Linn. Soc. Zool. I. p. 141— 175, Taf.
7 und 8 (1857).
White, A. Descript. of a new Genus and some new
Species of Homopt. Ins. A. M. N. H. XV. p. 3—4
(1845).
Genus Gynopygoplax n. gen.
Die Stirnfläche ist stark blasig aufgetrieben und wird
von einer breiteren, flachen Mittelfurche der Länge nach
durchzogen; zu den Seiten ist eine mehr oder minder kräftige,
leicht geschwungene Querriefung vorhanden; der Scheitelteil
der Stirnfläche ist gewöhnlich flach und glatt und in der
Mitte, am Hinterrand, gewölbt; der Unterrand der Stirn
zeigt, seitlich betrachtet, keine Ecke, sondern ist gerade,
infolgedessen ist die Stirn nach vorn gerichtet und gleich-
mäßig stumpf abgerundet. Der Scheitel ist stets in der
Mitte gewölbt und nicht gekielt; die Entfernung zwischen
Stett. eutomol. Zeit. 1909. 10'
148
den Ocellen ist ungefähr so groß, wie der Zwischenraum
zwischen den Ocellen und den Augen. Pronotum stark
gewölbt, sechseckig, mit deutlichem Mittelkiel und fein
punktierter Querriefung; die seitlichen Vorderränder sind
gerade oder ein wenig gerundet, die seitlichen Hinterränder
und der Hinterrand mehr oder weniger stumpf ausge-
schnitten, die Schulterecken vorgezogen und spitzer oder
stumpfer abgerundet; die Ränder, besonders die Seiten-
ränder und der Hinterrand sind aufgebogen. Schildchen
groß, dreieckig, mit dreieckiger Mittelgrube und auffallend
deutlicher Querriefung, Deckflügel ungefähr 2 ^o mal
so lang wie in der Mitte einzeln breit, hinten stumpf zur
Apicalecke abgerundet, Apicaldrittel durch viele Quer-
adern netzmaschig. Die Costa verläuft unmittelbar hinter
dem Costalrande; die Subcosta legt sich an den Radius
F^i'g. 1. Gi/nopygoplax\{^). fNr.'^l. Deckflügel (die punktierte Linie
deutet 'an, wieweit der Umschlag des Clavus-Hinterrandes reicht). Nr. 2.
Schildchen^und Apicalteil des Pronotum (die punktierten Linien be-
zeichnen die Pronotumeindrücke). Nr. 3. Dorn der Mittelbrust (stark
vergrößert).
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
149
an, welcher sich in der Deckflügelmitte gabelt; die Media
und der Cubitus sind durch einen schrägen Quernerv ver-
bunden und schließen die lange, nach hinten etwas ver-
breiterte, viereckige Discoidalzelle ein. Clavus mit zwei
Längsnerven (Axillaris i und 2), welche durch einen feinen
Quernerv verbunden sind. Das Geäder der Hinterflügel
ist wie bei der Gattung Suracarta (vergl. Fig. 3). Die Mittel-
brust trägt auf jeder Seite einen sehr großen, starken, oben
abgerundeten und conusförmigen Höcker; der Hinterrand
vor den Mittelcoxen ist aufgerundet, ohne jeglichen Höcker.
Die Schenkel der Mittelbeine sind länger als die der Vorder-
und Hinterbeine. Die Hinterschienen tragen einen kräftigen
Dorn hinter der Mitte und einen verkümmerten an der Basis.
Das Rostrum erreicht niemals die :\Iittelcoxen und nur in
vereinzelten Fällen den Hinterrand der Mittelbrust vor den
Mittelhüften. Bei den ?? ist die Subgenitalplatte (morpho-
logisch das 9. Sternit des Hinterleibes) groß, immer unter dem
vorhergehenden Sternit hervorragend, daher immer deut-
lich sichtbar und die Wurzel der Legescheiden bedeckend.
Typus: Gynopygoplax proscrpina White.
Tabelle zur Bestimmung der Arten.
1. Deckflügel schwarz; die Zeichnung ockergelb oder
rot, die Apicalspitze hyahn und ockergelb. Flügel
rauchbraun, nur der Wurzelteil hyahn, glashell. . . 2.
— Deckflügel ockergelb oder rot; die Zeichnung ist
schwarz oder schwarzbraun, welche als . Binden
oder Fleckenbinden auftritt, der Apicalteil ist
ockergelb und bräunlich getrübt. Die Flügel sind
hyalin, nur ein schmaler Apicalsaum ist rauch-
braun getrübt 9-
2. Große Arten. Länge 27—29 mm. (Gonapophysen
des S lang und spitz, Subgenitalplatte des ? weit
hervorragend und am Ende gestutzt) 3-
Stclt. cutomol. Zeit. 1909.
150
— Kleinere Arten. Länge 20 — 25 mm. (Gonapophysen
des (^ kürzer imd breit, Subgenitalplatte des $ weniger
hervorragend und am Ende breit abgerundet) . . 5.
3. Die Rückensegmente des Hinterleibes sind ocker-
gelb gefärbt und glänzend, die Mittelbrust mit den
Höckern und die Schenkel glänzend schwarz; der
glashelle Basalteil der Flügel ist groß und nimmt
fast die basale Hälfte der Flügel ein 4.
— Die Rückensegmente des Hinterleibes sind schwarz
gefärbt und glänzend, Mittelbrust mit den Höckern
und die Schenkel rot und glänzend; der glashelle
Basalteil der Flügel ist klein und nimmt nur dis
Wurzelfeld ein. Länge 28 mm. Sumba
I. G. Grelaki n. sp.
4. Deckflügel schwarz; ockergelb gefärbt sind der
Clavus (nur ein schmales Vorder- und Hinter-
randband zeigen die Grundfarbe), der Cubitus
bis zur Clavusspitze (breit gesäumt), die Media,
die Gabeläste des Radius (weniger breit gesäumt),
das Basaldrittel des Costalrandes und der Costal-
fleck vor der Apicalspitze ; die Apicalspitze ist
hyalin, ockergelb gefärbt. Länge 29 mm. Philip-
pinen: Luzon 2. G. proserpina White.
— Deckflügel schwarz; rötlich ockergelb sind das
Basaldrittel des Costalrandes, der Costalfleck vor
der Apicalspitze und ein kleiner Fleck dahinter
im Corium; die Apicalspitze ist hyalin, ockergelb
gefärbt. Länge 28 mm. Philippinen
3. G. Meyeri n. sp.
5. Deckflügel schwarz, ohne Zeichnung, nur das Basal-
drittel der Costa und die Apicalspitze ockergelb.
Gonapophysen des (^ am Ende mit längerem, dorn-
artigen Fortsatz. Länge 20 — 25 mm. Philippinen :
Luzon, Jolo 4. G. costalis Walk.
ötett. entomol. Zeit. 1909.
151
— Deckflügel mit ockergelber oder rötlich ockergelber
Zeichnung und größerem oder kleineren Costal-
fleck vor der Apicalspitze 6.
6. Gonapophysen des o^ am Ende mit kürzerem
7.
Dorn '
- Gonapophysen des ^ am Ende mit längeren!
Dorn ■ ■ ■ \
7. Drei große, ockergelb bis rot gefärbte Flecke liegen
an der Basis der Deckflügel unterbrochen durch
zwei schmale, schwarze Streifen, welche auf dem
Radius und der Clavus-Coriumnaht verlaufen. Länge
23I-25 mm. Philippinen 5- G. theora White.
_ Die ockergelbe bis rote Färbung an der Basis der
Deckflügel ist reduziert, dagegen erstreckt sich
die Färbung bis zum netzmaschigen Apicalteil,
indem sie sich im Corium auf das Geäder beschränkt.
Länge 231/2-25 mm. Philippinen: Luzon
6. G. luzonensis n. sp.
8. Färbung und Zeichnung wie bei C. proserpina.
Länge 21— 22 1/2 mm. Philippinen: Luzon
7. G. proserpinella n. sp.
_ Färbung und Zeichnung wie bei C. proserpinella,
nur geht der Clavusfleck nicht, bis zur Wurzel.
Länge 17 mm (vermuthch Körperlänge), Spann-
weite 44 mm. Korea (Butler) . . . 8. G. plutonica Butl.
9. Rückensegmente des Hinterleibes ockergelb bis rot.
Deckflügel mit zwei aus schwarzen Flecken ge-
bildeten Querbinden im Conum; Schulterecken
des Pronotums vortretend und stumpf abgerundet.
Länge 20-23 mm. Indischer Archipel
g. G. submaculata Walk.
- Rückensegmente des Hinterleibes schwärzlich braun;
Deckflügel im Corium mit einer breiten, schwarzen
Querbinde hinter der Mitte und einem basalen,
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
152
schwarzen Längsfleck; Schulterecken des Pronotums
weniger vorgezogen und stärker abgerundet. Länge
24 mm. Key Tual 10. G unifasciata n. sp.
Fig. 2. Genus Gynopygoplax n. gen. ( Gonapophysen der (^,^ und
Subgenitalplatten der $$.) 1. Subgenital platte von G. Grelaki. 2. Gona-
pophysen von G. proserpina. 3. Subgenitalplatte von G. Meyeri. 4. Gona-
pophysen von G. costalis. 5. Subgenitalplatte von G. costalis. 6. Gonapo-
physen von G. theoea. 1. Subgenitalplatte von G. theora. 8. Gonapo-
physen von G. luzonensis. 9. Subgenitalplatte von'G. luzonensis. 10. Gona-
pophysen von G. proserpinella. 11. Subgenitallplatte von G. prosepinella.
12. Gonapophysen von G. suhmaculata. 13. Subgenitalplatte von G. sub-
macvlata. 14. Subgenitalplatte von G, unifasciata.
Stett. entomol. Zelt. 1909.
153
I. Gyiiopygoplax Grelaki n. sp.
I ?.
In der Größe, der Kopf- und Schildchenbildung, der
Deckflügelform und dem der Gattung eigenen Geäder
stimmt diese Art mit Proserpina und Meyeri überein; da-
gegen ist sie durch die Form des Pronotums und die Färbung
von den beiden genannten Arten verschieden; von Meyeri
unterscheidet sie auch noch die etwas anders geformte
Subgenitalplatte. Pronotum sechseckig; die hinteren
Seitenränder kaum merklich gebuchtet, die Schulterecken
nicht so weit vorgezogen wie bei den beiden erwähnten
Arten und stumpfer gerundet; die punktierte Querriefung
ist deutlich. Die Brustdorne sind spitzer und weniger nach
vom geneigt als bei Meyeri. Die Subgenitalplatte (Fig. 2
Nr. i) ist an der Basis breiter als lang, die Seitenränder
sind nach hinten stark konvergierend und hinter der Mitte
gebuchtet, der Hinterrand ist gleichfalls ausgeschnitten
und zeigt abgerundete Ecken. Das Rostrum erreicht nicht
den Hinterrand der Mittelbrust vor den IMittelcoxen. Kopf
und Pronotum sind rot mit schwach ockerfarbenem Tone.
Das Schildchen ist glänzend schwarzbraun gefärbt, die
Spitze dunkel rotbraun. Augen braun; Ocellen glashell
und gelblich. Die Deckflügel sind schwarzbraun mit
karminroter Zeichnung, welche, wie folgt, über die Deck-
flügelfläche verteilt ist. Von der Wurzel aus ziehen drei
Strahlen in den Deckflügel, von denen der erste den Costal-
rand bis zum netzmaschigen Apicalteile und den dort
liegenden Ccstalfleck färbt; der zweite zieht im Corium
nach hinten an der Clavus-Coriumnaht bis zur Mitte der
letzteren und verbindet sich hier mit einer schmalen Quer-
binde, welche den Costalrand nicht erreicht; der dritte
färbt an der Basis die Clavus-Hinterhälfte und zieht dann
auf der Axillaris 2 nach hinten bis zur Schildchenspitze;
außerdem liegt ein größerer Fleck an' der Clavusspitze
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
154
im Coriiim und ein kleinerer hinter dem Costalfleck; die
Basis des Radius ist gleichfalls karminrot gefärbt; der
Apicalrand vom Costalfleck bis zur Clavusspitze ist schmal
hyalin und bräunlich ockerfarbig. Flügel hyalin, an der
Basis glashell, die Nerven blutrot an der Wurzel, der übrige
Teil, % der Flügelfläche, ist rauchbraun getrübt und hat
braune Nerven. Der Hinterleib ist oben und unten schwarz
und glänzend. Die Mittelbrust mit den Höckern und das
Rostrum sind rotbraun; die Schenkel, welche schwarze
Kanten tragen, die Schienen und die Afterröhre sind
karminrot gefärbt; die Tarsen, mit Ausschluß der schwarzen
Krallen und Dornspitzen, sind rötlich ockergelb.
Länge 28 mm.
Sumba (Grelak).
Diese Art benenne ich zu Ehren des Herrn (i r e 1 a k ,
welcher sie auf der Insel Sumba entdeckte.
Type im Stettiner Museum.
2. Gynopygoplax proserpina White.
Cercopis proserpina White, A. M. N. H. XV. p. 35
(1845).
„ ,, ,, Walk., List of Hom. Tns.
HI. p. 651 (1851).
Cosmoscarta ,, ,, Stal, Öfv. Vet.-Ak. Förh.,
p. 718 (1870).
,, ,, Butl., eist. Entomologica L
p. 248 (1874).
Die Kopfform ist wie bei den übrigen Arten der
Gattung. Die leicht geschwungene, deutliche und kräftige
Querriefung der blasig aufgetriebenen Stirnfläche läßt
eine breitere, flache, etwas vertiefte, bandähnliche Längs-
fläche frei, auf derem Grunde auf der Unterseite ein feiner
Mittelkiel verläuft. Pronotum sechseckig, der Vorderrand
Stett. entomol. Zeit. 1909.
155
ist in der Mitte leieht vorgez(\gen gerundet, der Hinterrand
stumpf ausgeschnitten, die hinteren Seitenränder sind
stärker gebuchtet, die vorderen Seitenränder gerade, die
Schulterecken stark vorgezogen und verhältnismäßig weniger
stumpf abgerundet. Rostrum bis zum Hinterrande der
Mittelbrust vor den Mittelcoxen reichend. Die sehr großen
Höcker der Mittelbrust sind etwas nach vorn geneigt und
am Ende stumpfer abgerundet. Die Gonapophysen (Fig. 2
Nr. 2) sind lang, werden zum Ende hin schmaler und
enden in, hinten etwas aufgebogene, nicht abgesetzte Spitzen.
Das Geäder der Deckflügel und Flügel ist wie bei den übrigen
Arten. Rostrum glänzend schwarzbraun. Clipeus schwarz-
braun mit breiterem, ockergelben Mittelstreif. Stirn, Scheitel
und Pronotumvorderdrittel ockergelb; der Rest des Prono-
tums ist bräunlich ockergelb gefärbt. Augen gelblich-
braun; Ocellen glashell und gelblich. Schildchen schwarz-
braun. Deckflügel schwarz mit ockergelber Zeichnung;
der Clavus, mit Ausschluß emes schmalen Vorder- und
Hinterrandsaumes, der Cubitus breit gesäumt bis zur Clavus-
spitze, die Media von der Deckflügelmitte ab, die Gabel-
äste des Radius, der Costalfleck, das Basaldrittel des
Costalrandes und die ersten Queradern vom Cubitus zum
2. Radialast sind ockergelb gefärbt; der Apicalrand ist
vom Costalfleck bis etwas hinter der Mitte des Costal-
randes hyalin und ockerfarbig. Basalhälfte der Flügel
hyalin, glashell, Adern und Wurzel rötlich ockergelb;
Apicalhälfte rauchbraun getrübt mit braunen Nerven.
Schenkel, Brustsegmente, Brusthöcker und Bauch-
segmente glänzend schwarzbraun; die Rückensegmente des
Hinterleibes, der Geschlechtsapparat, das Segment vor
den Gonapophysen, die Tarsen und die Apicalteile der
Schienen sind ockergelb gefärbt und glänzend; das vor-
letzte Bauchsegment ist braun und trägt in der Mitte des
Vorderrandes einen halbkreisförmigen, ockergelben Fleck.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
156
Länge 29 mm.
Philippinen : Liizon, Jagor.
Dieses Exemplar ^\•i^d im Königlichen zoologischen
^luseum in Berhn aufbewahrt.
3. Gynopygoplax Meyeri n. sp.
I i.
Die hinteren Seitenränder des Pronotums sind leicht
ausgeschnitten, die Schulterecken stärker vorgezogen und
daher weniger stumpf abgerundet als es bei Grelaki der
Fall ist; der Mittelkiel ist in der Mitte besonders scharf
und deutlich, die Färbung ist rötlich ockergelb. Augen
bräurüich ockergelb, Ocellen glashell und gelblich. Stirn
ockergelb. Clipeus und die unteren Seiten der Stirnfläche
sind schwarz und glänzend. Schildchen glänzend schwarz.
Deckflügel glänzend schwarz mit rötlich ockergelbem,
basalen Costaldrittel und schmalerem, im Corium bis zum
zweiten Radialast reichenden Costalfleck; die Apicalspitze
bis zur Mitte des Apicalrandes breiter hyalin und ocker-
farbig, ein kleiner hyaliner Fleck steht an der Cla\Tisspitze.
Basalhälfte der Flügel hyalin und glashell, die Nerven
und die Wurzel rötlich ockergelb; Apicalteil der Flügel
hyalin und rauchbraun getrübt, die Nerven sind braun.
Rostrum bis zum Hinterrande der ^littelbrust vor den
Mittelhüften reichend und schwarzbraun. Glänzend schwarz
gefärbt sind: die Mittelbrust mit den Höckern, welche
stumpfer und mehr nach vorn geneigt sind wie bei Grelaki,
die Schenkel, die Bauchsegmente und die Spitzen der
Dorne. Das achte Bauchsegment (morphologisch) ist rötlich
ockergelb und schmal schwarz gerandet. Die Rücken-
segmente, die Tarsen, die Apicalhälfte der Vorderschienen
und das Enddrittel der Mittel- und Hinterschienen sind
ockergelb gefärbt. Die Subgenitalplatte (Fig. 2 Nr. 3)
ist an der Basis breiter als lang, die Seitenränder sind vor
Stett. entomol. Zeit. 1909.
li)/
dem Hinterrande schwach gebuchtet, der Hinterrand ist
kaum merkhch ausgeschnitten und die Ecken sind abgerundet.
Das Geäder der Deckflügel und der FKigel ist typisch.
Länge 28 mm.
PhiHppinen.
Zu Ehren des Herrn Stadtbaurat ^I e }• c r in Stettin
benannt.
Type im Stettiner Museum.
4. Gynopygoplax costalis \\'alker.
Cercopis costahs Walker, List of Hom. Ins. IIL
p. 651 (1851).
Cosmoscarta ,, ,, Stal, Öfv. A'et.-Ak. Förh.,
p. 719 (1870).
,, ,, „ Butl., eist. Entomologica L
p. 247 (1874).
3 o"c^, 2 9?.
Kleiner als die vorhergehenden Arten; in der Färbung
der Meyeri und Luzoncnsis ähnlich, m der Bildung der
Gonapophysen der q^ und der Subgenitalplatten der $2
mit Theora, Proserpinella und Plutonica verwandt. Gona-
pophysen der 00 hinten in längere Spitzen ausgezogen,
welche am Innen- und Außenrande nicht abgesetzt sind,
die Außenecken sind ganz stumpf abgerundet. (Fig. 2
Xr. 4) Die Subgenitalplatte der $2 tritt weniger vor als
bei den verwandten x\rten und ist hinten breit abgerundet.
(Fig. 2 Nr. 5) Pronotum orangegelb *) mit schwach
rostfarbenem Tone, die seitlichen Vorderränder und die
Schulterecken sind schmal ockergelb gesäumt. Der Kopf
ist wie das Pronotum gefärbt. Ocellen glashell, Augen
*) Nach Walker kommt auch schalgelbe Färbung vor, welche auf
die schlechte Konservierung der einzelnen Tiere zurückzuführen ist. Es
liegen mir gleichfalls Exemplare mit schalgelber Färbung vor. dies sind
jedoch Stücke, welche früher in Alkohol aufbewahrt wurden.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
158
bräunlich orangegelb. Clipeus schwarz mit rötlich orange-
gelbem Mittelstreif. Schenkel rauchbraun getrübt, Schienen
und Tarsen rötlich ockergelb, Tarsen und Dornspitzen
schwarz und glänzend. Schildchen schwarz mit hellerer
Schildchenspitze. Deckflügel schwarz, die Basis und ein
schmaler Costaistreifen sind orangegelb mit schwach
rotbraunem Tone, die Apicalspitze bis zur Mitte des Apical-
randes ockergelb. Flügel hyalin, dunkel rauchbraun getrübt
mit schwarzbraunen Nerven, Flügelwurzel heller und rötlich
orangerot gefärbt. Rückensegmente des Hinterleibes ocker-
gelb, Bauchsegmente schwarz; die Schienen und die Tarsen
der drei Beipaare, beim (^ die beiden letzten und ein halb-
kreisförmiger Fleck in der Mitte des drittletzten Bauch-
segmentes, der Geschlechtsapparat und die Afterröhre
sind bräunlich orangerot gefärbt, beim $ sind die letzten
Bauchsegmente schwarz, die Subgenitalplatte und die
Scheidenpolster rötlich ockergelb und die Scheidenteile
dunkelbraun und glänzend. Die Schenkel und die Spitzen
der Dornen der Hinterschienen und der Tarsen sind schwarz-
braun gefärbt.
Länge 20 — 25 mm.
I ö^
Philippinen.
In der Sammlung des Königlichen [Museums zu Brüssel.
I ?.
Philippinen: Luzon, Jagor.
Phihppinen: Yolo.
Im Königlichen zoologischen Museum zu Berlin.
5. Gynopygoplax theora White.
Cercopis theora White, A. M. N. H. XV. p. 35 (1845).
,. Walk., List of Hom. Ins. III.
p. 651 (1851).
Stett. entoiuol. Zeit. l'JOü.
159
Cosmoscarta theora White, Stal, öfv. Vet.-Ak. Förh.,
p. 718 (1870).
,, ,, ,, Butl., eist. Entomologica I.
p. 248 (1874).
I ö^ 2 ??.
In der Größe und der Gestalt kommt diese Art der
G. costalis Walker am nächsten. Die Gonapophysen des (^
und die Subgenitalplatten der $$ sind von der Walker-
schen und den übrigen Arten verschieden; außerdem unter-
scheidet sie sich auch von Costalis durch die Zeichnung
und Färbung. Die Gonapophysen des (^ (Fig. 2 Nr. 6)
sind lang und schmal und tragen am Ende dornartige
Fortsätze, welche innen und außen scharf abgesetzt sind;
die Außenecken sind flach gerundet. Die Subgenitalplatten
der 5p (Fig. 2 Nr. 7) sind mehr vorgezogen und weniger
flach abgerundet als bei den 5$ von G. costalis Walker.
$$. Pronotum rötlich orangerot, die vorderen Seiten-
ränder und die Gruben hinter dem Vorderrande sind ocker-
gelb gefärbt. Augen braun, Ocellen glashell. Der Kopf,
die Schienen und die Tarsen der Beine sind orangerot
gefärbt, die Schenkel dunkel rotbraun. Die Dornspitzen
der Hinterschienen und der Tarsen und die Unterseite
des Leibes sind glänzend schwarz. Schildchen schwarz.
Deckflügel schwarz mit drei breiten, basalen, rötlich orange-
roten Längsstreifen, von denen der erste den Costalrand
färbt, der zweite im Corium liegt und der dritte fast den
ganzen Clavus einnimmt; der Costalsaum und der stets
vorhandene Costalfleck hinter der Deckflügelmitte sind
gleichfalls rötlich orangerot gefärbt. Die Apicalspitze
ist bis zur Mitte des Apicalrandes hyalin und bräunlich
ockergelb getrübt mit ockergelben Nerven ; ein kleiner Punkt
an der Clavusspitze ist weißlich. Apicalhälfte der Flügel
rauchschwarz getrübt mit schwarzen Nerven; Basalhälfte
hyalin, glashell, an der Wurzel rötlich mit roten Nerven.
Stett. eutouiol. Zeit. 1909,
160
Rückensegmente und Afterröhre ockergelb; die Subgenital-
pkitte, das letzte und ein breiter Hinterrandsaum des vor-
letzten Sternites des Hinterleibes sind bräunlich ockergelb.
cJ. Das vorliegende Exemplar ist allem Anscheine
nach aus Alkohol und daher ist die Färbung schalgelb.
Das letzte Sternit und ein großer, halbkreisförmiger Vorder-
randfleck in der Mitte des vorletzten Sternites des Hinter-
leibes sind matt ockergelb gefärbt.
Länge 23 — 25 mm.
I (^ ohne Fundortetikett und i $ Philippinen, Semper
in der Sammlung des Königlichen zoologischen Museums
in Berlin.
1 ?.
Philippinen. Im Königlichen Museum zu Brüssel.
6. Gynopygoplax luzonensis n. sp.
2 ^^, I ?.
Gonapophysen der (^(^ (Fig. 2 Nr. 8) am Ende mit
innen scharf eckig abgesetzten, dornenartigen, kürzeren
Fortsätzen; die seitlichen Außen- und die Hinterränder
verlaufen gerade und bilden eine stumpfe Ecke, Sub-
genitalplatte des 9 (Fig. 2 Nr. 9) mäßig stark vorgezogen,
seitlich flach und hinten zu einer abgestumpften Spitze
geformt. In der Form und der Gestalt den beiden vorher
beschriebenen Arten sehr ähnhch. Das Pronotum, der
Kopf und die Schienen der drei Beinpaare sind bräunlich
ockergelb gefärbt, die Augen braun und die glatten Stellen
in den Pronotumgruben ockergelb. Ocellen glashell. Schild-
chen schwarz, Spitze schwärzlich mit dunkel rötlichem
Tone. Deckflügel schwarz, der Costalsaum mit dem mehr
oder minder deutlichem Costalfleck, die beiden Clavus-
nerven, die Gabeläste der Media, der Cubitus und der Ra-
dius sind stellenweise, zuweilen ausgedehnter bräunlich
ockergelb gefärbt; die Apicalspitze ist bis zur Mitte des
Stett. entomol. Zeit. 1909.
161
Apicalrandes hyalin und ockergelb gefärbt. Flügel rauch-
schwarz mit schwarzen Nerven, nur die Wurzel ist hyalin
mit rötlichen Nerven. Hinterleib oben ockergelb, vmten
schwarz; die Schenkel braun, die Spitzen der Dornen der
Hinterschienen und der Tarsen schwarzbraun. Die beiden
letzten Bauchsegmente und die Gonapophysen bräunlich
ockergelb, die Spitzen der Dornen am Ende der Gonapo-
physen dunkelbraun.
$$. Das letzte Bauchsegment vor der Subgenitalplatte
und ein schmaler Hinterrandsaum des vorletzten Segmentes
sind bräunlich ockergelb gefärbt, die Subgenitalplatte
ockergelb mit glänzend schwarzbraunem Hinterrandsaume.
Länge 23 14 — 25 mm.
Philippinen: Luzon, Jagor.
Tvpen im Königlichen zoologischen Museum zu Berlin.
7. Gynopygoplax proserpinella n. sp.
I ö^ I ?.
Diese Art stimmt in der Färbung mit G. proserpina
White überein, ist aber in der Größe und der Bildung der
Gonapophysen des (^ und der Subgenitalplatte des 5 von
der genannten verschieden. Gonapoph3'sen des ^ (Fig. 2
Nr. 10) lang und mäßig breit mit längeren, innen nicht
abgesetzten, außen fast rechtwinklig abgesetzten dorn-
artigen Fortsätzen am Ende ; die seitlichen und hinteren
Ränder stehen fast im rechten Winkel zueinander und bilden
eine abgerundete Ecke. Die Subgenitalplatte des $ (Fig. 2
Nr. 11) ist mäßig stark vorgezogen und breit gerundet
mit flachem Ausschnitt am Hinterrande.
^. Pronotum bräunlich orangerot, die vorderen Seiten-
ränder schmal und die glatten Stellen auf dem Grunde
der Pronotumgruben hinter dem Vorderrande sind ocker-
gelb gefärbt. Kopf bräunlich ockergelb, Augen braun,
Ocellen glashell, Schildchen schwarz, Deckflügel schwarz,
Stett. cntomol. Zeit. 1909. 11
162
Der Costalrand mit dem Costalfleck, die Nerven des Coriums
mit den ersten Quernerven des netzmaschigen Apicalteiles
und die Clavusnerven breit gesäumt, sind rötlich ocker-
gelb gefärbt; die Apicalspitze ist bis zur Mitte des Apical-
randes hyalin und ockergelb. Die Flügel sind rauchschwarz
mit schwarzen Nerven, die Wurzel hyalin mit rötlichen
und ockergelben Nerven. Hinterleib oben ockergelb, unten
schwarz. Die beiden letzten Bauchsegmente, die Gona-
pophysen, die Schienen und die Tarsen sind bräunlich
ockergelb gefärbt, die Spitzen der Dornen der Hinterschienen,
der Tarsen und der Anhänge der Gonapophysen schwarzbraun.
$. Ein Exemplar aus Alkohol, welches schmutzig
gelbbraun gefärbt ist, bei dem die ursprüngliche rötliche
ockergelbe Färbung in feiner Punktierung wahrzunehmen
ist. Die Anlage der Zeichnung ist wie beim (^. Subgenital-
platte bräunhch mit schwarzem Hinterrand, letztes Bauch-
segment gelb mit schwärzlichem Hinterrandsaum, vorletztes
Segment schwarz mit breitem, gelbbraunen Hinterrandsaum.
Länge 2i — 22^ mm.
^. Philippinen: Luzon, Jagor.
$. Philippinen (Cuming).
Typen im Königlichen zoologischen Museum zu Berlin.
8. Gynopygoplax plutonica Butler.
Cosmoscarta plutonica Butl., Cist. Entomologica L
p. 248, Taf. VHI, Fig. 7 (1874).
Originalbeschreibung :
Allied to C. proserpina. Head and thorax dirty testa-
ceous; scutellum black, piceous behind; abdomen grey-
brown, becoming somewhat testaceous towards anus; pectus
and venter black ; femora and coxae of legs blackish piceous ;
tibiae and tarsi dark testaceous, golden pubescent ; tegmina
black; costal margin and apex dull fulveous; base and a
basi-subcostal pyriform streak; an irregulär transverse
Stett. entoxnol. Zeit. 1909.
1G3
trimacular band crossing first third of tegmina, a subcostal
spot at end of second third, and the veins on second third
testaceous; wings fuscous, costa lutescent, base rufescent.
Length 17 mill; expanse of tegmina 44.
Corea (Arthur Adams). Type. B. M.
Very Hke C. proserpina, but smaller, the tegmina
differently marked, the clavu.s, instead of being entirely
bright fulvous, has an oval spot (the third of the trans-
verse series) in its centre.
9. Gynopygoplax submaculata Walker.
Ccrcopis submaculata Walk., List of Hom. Ins. III.
p. 657 (1851).
Cosmoscarta ,, ,, Butl., Cist. Entomo-
logica I. p. 263 (1874).
,, ,, ,, Bredd., Deutsche Ent.
Zeit., p. 82 (1903).
Diese Art ist im indischen Archipel weit verbreitet
und variiert in der Zeichnung und Färbung. Breddin gibt
an der oben angeführten Stelle eine genaue Beschreibung
dieser Art, wozu ich eine Bemerkung und eine Erweiterung
geben möchte. Die Subgcnitalplatte (Fig. 2 Nr. 13) ist
in der Form und Gestalt der Unifasciata ähnlich und unter-
scheidet sich von dieser dadurch, daß sie hinten breiter
ist, weniger hervorragt und die Querrief ung auf dem Grunde
der flachen Grube, welche sich vor dem fast geradem Hinter-
rande befindet, fehlt. Gonapophysen der SS (Fig- 2 Nr. 12).
Wie schon gesagt, ändert sich die Färbung und es treten
Formen mit schwarzem, gelben und roten Schildchen
auf bei gelber und roter Körperfarbe. Nach dem mir vor-
liegenden Material und den Beschreibungen von Walker
und Breddin komme ich zu nachstehendem Resultat.
Als Typus für Submaculata Walker ist die Form mit
roter Körperfarbe und schwarzem Schildchen von Java
Stett. outomol. Zeit. 1909. H*
164
(laut Beschreibung) anzusehen, alle anders gefärbten Formen
müssen von ihr geschieden und unterschieden werden,
I (^ und I $, Länge 20 mm.
Java (H. Fruhstorfer).
Im Stettiner Museum.
3 $$, Länge 20 — 20% mm.
Niederländisch Indien.
Im Königlichen Museum zu Brüssel.
Ferner liegt mir i $ von den Molukken aus dem Stettiner
Museum und i $ Key Tual aus dem Königlichen Museum
zu Brüssel vor, welche ich nicht von der Stammform zu
trennen wage.
var. flava n. var.
Gelb mit gelbem Schildchen.
Länge 18 1/2 — 19V2 rnm.
Java.
var. sumatrensis n. var.
■7 ?9.
Kopf, Pronotum, Schildchen, Deckflügel, Rücken-
segmente des Hinterleibes, Beine, Scheidenpolster, After-
röhre und Anallappen rot ; Bauchsegmente glänzend schwarz-
braun mit schmalen, roten Hinterrandsäumen. Brust
braun, Brustzapfen hellbraun.
Länge 20 — 22 mm.
Sumatra: Soekaranda, Januar 1894 (Dr. H. Dohrn).
Im Stettiner Museum.
I ?.
Sumatra: Ober-Langkat, DeH 1894 (M. Ude S.).
Im Königlichen zoologischen Museum zu Berlin.
var. borneensis Breddin.
I $, Länge 22 mm. Im Stettiner Museum.
Dieses Exemplar deckt sich mit der Beschreibung,
welche Breddin gibt.
(Deutsche Ent. Zeitschr. 1903, S. 83.)
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
165
10. Gynopygoplax unifasciata n. sp.
I ?•
Pronotum gewölbt mit deutlichem Mittelkiel und
tieferen Eindrücken hinter dem Vorderrande; die Schulter-
ecken sind stumpfer abgerundet als bei Suhinaculata: der
Hinterrand ist gerade und nicht aufgerundet, bei der zum
Vergleich genommenen Art ist der Hinterrand mehr oder
weniger stumpf ausgeschnitten und aufgerandet. Die
Färbung- von Kopf, Pronotum und dem Basalteile der
Deckflügeln ist ockergelb mit schwach rötlichem Tone.
Augen schiefergrau, Ocellen glashell. Schildchen rotbraun
mit hellerer Spitze. Apicalteil der Decken hyalin, rauchig
getrübt; eine glänzende, schwarzbraune Ouerbinde durch-
zieht das Corium hinter der Mitte ohne den Costalrand
und die Clavus-Coriumnaht zu erreichen, in der Mitte
springt die basale Grundfärbung der Decken dreieckig
in die Binde hinein und vermindert die Breite der Binde
an dieser Stelle um %; ein länglicher, gleichfalls glänzend
schwarzbraun gefärbter Fleck liegt der Deckflügelwurzel
genähert vor der Querader, welche Media und Cubitus
verbindet; ein rauchbrauner Fleck liegt im Clavus vor
der Clavusspitze. Flügel hyalin, rauchig getrübt mit gelben
Nerven; die Flügel wurzel, die Analader und die Basal-
hälfte des zweiten Längsnerv sind rot gefärbt. Die Vorder-
beine, die Schienen und Tarsen der Mittelbeine und die
Tarsen des letzten Beinpaares sind ockergelb gefärbt; die
Schenkel der Mittelbeine, die Schenkel und Schienen des
letzten Beinpaares und die Spitzen der Hinterschienen-
dorne und der Tarsen sind braun gefärbt. Brust braun
mit gelbbraunen Brustzapfen. Hinterleib oben und unten
schwarzbraun. Afterröhre, Legescheide, Subgenitalplatte
und Scheidenpolster bräunlich ockergelb. Subgenitalplatte
(Fig. 2 Nr. 14) nach hinten stärker verschmälert und daher
weniger breit als bei G. suhmaculata Walk., auch ragt die-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
166
selbe weiter hervor. Auf dem Grunde der flachen Grube
vor dem Hinterrande befinden sich einige deuthche Quer-
runzeln. Die Behaarung von Pronotum und Deckflügeln
ist kurz, ziemlich dicht und glänzend hellgrau; die Be-
haarung der Stirn und des Scheitels ist goldig glänzend.
Länge 24 mm.
Key Tual (Rohde).
Type im Stettiner Museum.
Genus Suracarta n. gen.
Stirn stark blasig aufgetrieben, vorn abgerundet, seit-
lich betrachtet bildet der Unterrand eine abgestumpft'^
Ecke. Pronotum stark gewölbt mit mehr oder minder
scharfem Mittelkiel und gerundetem Hinterrand. Schild-
chen klein und quergerieft. Deckflügel 2%- bis 3 mal so
lang wie an der breitesten Stelle breit, von der Mitte ab
allmählich nach hinten verschmälert und stumpf abgerundet ;
Apicalteil netzmaschig geädert. Die Costa verläuft un-
mittelbar hinter dem Costalrande ; die Subcosta legt sich
an den Radius an, welcher vor der Deckflügelmitte gegabelt
ist; die Media und der Cubitus sind vor der Deckflügelmitte
eine kurze Strecke verschmolzen, nach ihrer Trennung
schließen sie die dreieckige, nach hinten stark verbreiterte
und durch einen Gabelast des Cubitus abgeschlossene Dis-
coidalzelle ein. Clavus mit zwei Längsnerven, welche
durch einen feinen Quernerv verbunden sind. (Axillaris
I und 2.) Clavushinterrand im Apicalteile nach unten
umgeschlagen (siehe punktierte Linie). Flügel ungefähr
2^ mal so lang wie breit. Die Costa ist stark entwickelt
und geht in den Verbindungsnerv über. Die Subcosta
ist nur in den wenigsten Fällen angedeutet. Der Radius
teilt sich in der Nähe der Basis; der Vorderast ist bis zur
Flügelmitte fein und zart, wird dann stark und gabelt sich
hinter der Flügelmitte, der äußere Gabelast ist durch eine
Stett. entomol. Zeit. 1909.
167
rücklaufende, geschwungene Querader mit dem Radius
verbunden; der zweite Radialast ist kräftig entwickelt
und teilt sich in der Flügelmitte und steht durch einen
Quernerv, welcher von der Basis des vorderen Gabelastes
ausgeht, mit dei)i ersten Radialaste in Verbindung; die
Media ist an der Basis mit dem zweiten Radialaste verbunden ;
der Cubitus ist nicht gegabelt. In der Mitte des Vorder-
randes befindet sich ein dreieckiger Vorsprung mit 2 bis 4
verschieden entwickelten, hakenförmigen Anhängen, welche
nach oben gekrümmt sind. Weiter apicalwärts, hinter
der Flügelmitte, trägt das Vorderfeld eine nach oben und
rückwärts gerichtete, taschenähnliche Ausstülpung, welche
als Haftapparat fungiert und hinter den umgeschlagenen
Clavusrand der Deckflügel faßt und so Vorder- und Hinter-
flügel verbindet. Der Höcker der Mittelbrust ist kleiner
als bei der Gattung Gynopygoplax, nach vorn geneigt und
Fig. 3. Suracarfa tricolor tricolor St. Farg. et Serv. ($). l."* Vorder-
flügel (die punktierte Linie deutet an, wieweit der Umschlag des Clavus-
Hinterrandes reicht). 2. Hinterflügel. 3. Pronotumhinterrand und Schild-
chen (die punktierten Linien deuten die Pronotumeindrücke an). 4. Dorne
der Mittelbrust (stark vergrößert).
Stett. entomol. Zeit. 1909.
168
niemals conisch geformt; der Hinterrand ist aufgebogen
und trägt auf jeder Seite zwei Höcker. Rostrum bis zu den
Mittelcoxen reichend. Die Hinterschienen tragen an der
Basis einen verkümmerten und hinter der Mitte einen
kräftigen Dorn. Beim $ ist die Subgenitalplatte klein,
fast immer von dem vorhergehenden Sternit verdeckt,
daher ist nur selten ein kleines Stück sichtbar, welches
jedoch niemals die Wurzel der Legescheiden bedeckt.
Typus: Suracarta tricolor St. Faig. et Serv.
Tabelle zur Bestimmung der Arten.
I.' Pronotum hinten breit abgerundet mit mehr oder
minder deutlichem Mittelkiel, rot, gelb oder schwarz
mit breitem, rötlichen oder gelbem Saume; Schild-
chen braun mit rötlicher oder gelber Spitze; Deck-
flügel im Basalteil mit roten, gelben und weißen
Binden oder Flecken 2.
— Pronotum nach hinten etwas vorgezogen und ab-
gerundet mit deutlichem durchlaufenden Mittel-
kiel, glänzend schwarz ; Schildchen glänzend schwarz ;
Deckflügel einfarbig dunkelbraun ohne Zeichnung.
Länge 28 — 30 mm. Borneo. ... i. S. satanas n. sp.
2. Pronotum schwarz mit breitem, röthchen oder
gelbem Randsaume; Schildchen braun; in der
Kostalzelle der Deckflügel ein blutroter Fleck;
Rückensegmente des Hinterleibes rot, Bauchseg-
mente schwarz gefleckt. Länge 23 — 25 mm. Pala-
wan 2. S. torquata Jac.
— Pronotum rot oder gelb; Schildchen braun mit
rötlicher oder gelber Spitze; im Basalteil der Deck-
flügei rötliche, gelbe oder weiße Binden oder Flecke;
Hinterleibsegmente schwarz, gelb oder rot gerandet.
Länge 20 — 26 mm. Hinterindien und indischer
Archipel 3- S. tricolor St. Farg. et Serv.
Stett. entomol. Zelt. 1909.
169
Fig. 4. Genus Suracarta n. gen. (Gonapo})liysen der .^,j und die
Höcker des Hinterrandes der Mittelbrust vor den Mittelcoxen.)
1. Gonapophysen von »S. satanas n. sp.
2. Höcker ,, ., „
3. (ionapophysen von S. torquata Jac.
4. Höcker . ,, ., ,,
5. Gonapophysen von S. tricolor St. Farg. et Öerv.
6. Höcker
I. Suracarta satanas n. sp.
I c^- I ?•
Pronotiim nach hinten lappenartig verlängert inid
stumpf abgerundet mit vorgezogenen, flachgerundeten
Schulterecken und deutlichem Mittelkiel; die seitlichen
Hinterränder sind leicht ausgeschnitten, die seitlichen
Vorderränder schwach gewölbt; außerdem ist das Pronotum
auffallend stark gewölbt und grob punktiert quergerieft.
Schildchen klein, dreieckig, quergerieft, mit einer breiteren
Grube in der Mitte, der Basalteil wird von dem weit nach
hinten vorspringenden Pronotumlappen verdeckt. Scheitel
gewölbt, länger als zwischen den Ocellen breit, mit geradem
Vorderrand. Stirn blasig aufgetrieben, der Vorder- und
der Unterrand bilden unten eine deutliche, abgestumpfte
Stett. entomol. Zeit. 1909.
170
Ecke. Brustzapfen der Mittelbrust stark entwickelt und
etwas nach vorn geneigt. Hinterrand der Mittelbrust vor
den Mittelcoxen mit zwei Höckern (Fig. 4 Nr. 2), die
inneren klein, knöpf artig und nur halb so hoch als die kräftig
entwickelten, kaum merklich rückwärts geneigten äußeren.
Die Gonapophysen des ^ (Fig. 4 Nr. i) sind lang, nach hinten
stark verbreitert und tragen an den inneren Ecken je eine,
auf der inneren Seite nicht abgesetzte kurze Ecke, die
Außenecken sind breit abgerundet. Beim $ ist das letzte
Bauchsegment in der Mitte ganz flach ausgeschnitten.
Schildchen, Pronotum, Kopf (beim <^ ist die Stirnfläche
gelblich braun) und Brust glänzend schwarz. Augen braun,
Ocellen glashell und milchweiß gefärbt. Zweites Fühler-
glied rauchschwarz mit gelbem Saume. Die Rücken-
segmente des Hinterleibes sind rauchschwarz gefärbt und
glänzend mit ockerfarbenen Hinterrandsäumen zu den
Seiten, welche sich zum Conexivum hin verbreitern. (Beim
(^ sind die beiden Basalsegmente indigoblau.) Die Bauch-
segmente sind schwarzbraun mit ockerfarbener Fleckung.
Beim (^ ist nur ein schmaler Hinterrandsaum ockerfarben,
beim $ dagegen ein breiterer Hinterrandsaum und auf
jedem Segment zwei kurze Quer flecke am Vorderrande.
Die drei letzten Rückensegmente, die Afterröhre, die Scheiden-
polster des $, die Gonapophysen des ^ und das letzte Bauch-
segment beim $ sind rötlich ockergelb gefärbt. Beine mit
Ausschluß der braunen Schenkel und schwarzen Dorn-
spitzen der Hinterschienen und der Tarsen ockergelb bis
orangerot. Deckflügel schwarzbraun, im Apicalteile lichter;
Flügel rauchbraun mit schwarzen Nerven und lichten drei-
eckigen Stellen in den Zellen. Das Geäder ist wie bei S.
tricolor St. Farg. et Serv.
Länge (^ 30, $ 28 mm.
Nord-Borneo ( Waterstradt) .
Typen im Stettiner Museum.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
171
2. Suracarta torquata Jacobi.
Mitt. ans dem zoolog. Museum Berlin III. I. p. 12,
Taf. I, Fig. 6 (1905).
Von dieser Art liegen mir 2 ^(^ und 2 $$ vor, daruater
eine Cotype, welche Herr Prof. Dr. A. Jacobi gelegentlich
eines Besuches am Stettiner Museum der Sammlung im
Tausch überließ. Die Gonapophysen der ^,-^ von 5.
torquata sind von C. hivittata auffallend verschieden, sie
zeigen mehr Verwandtschaft mit 5. satanas und S. tricolor.
Die Gonapophysen (Fig. 4 Nr. 3) sind hinten und an den
Außenseiten gerade und bilden rechtwinklige Außenecken.
Die Dornzapfen der Mittelbrust und die Höcker am Hinter-
rande vor den ]\Iittelhüften (Fig. 4 Nr. 4) sind ähnlich
gebildet, wie bei den Arten dieser Gattung.
Länge 23 — 25 mm.
Palawan.
Die Typen befinden sich in der Sammlung des oben
erwähnten Herrn in Dresden.
2 c?(^ und 2 $? (i $ Cotype) werden im Stettiner
Museum aufbewahrt.
3. Suracarta tricolor St. Farg. et Serv.
Cercopis tricolor St. Farg. et Serv., Enc. Meth. X.
p. 604 (1827).
,, Burm., Handb. Ent. I. p. 124
(1835)-
Cosmoscarta ,, ,, Stäl., Öfv. Vet.-Ak. Förh.,
p. 7i8( 1870).
,, Butl., eist. Ent. Lp. 245 (1874).
,, Dist., The Fauna of British
India, Ceylon and Burma,
Rh3mchota IV. p. 150 (1907).
Diese Art umfaßt eine Anzahl Formen, welche sich
nach dem mir vorliegenden Material in zwei Gruppen zu-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
172
sammenfassen lassen. Gruppe I enthält solche Formen,
bei denen die Zeichnung an der Basis der Deckflügel 5^ große
Flecke aufweist, welche zuweilen bandartig zusammen-
geflossen auftreten, von Sumatra, Nias Perak und Java.
(Distant: Tenasserim, Moolai, Myitta.) Die Formen der
Gruppe II haben 6 Flecke auf der Basis der Deckflügel,
welche stets in zwei Reihen geordnet stehen; diese Formen
sind bis jetzt nur von Borneo bekannt.
Die genaue Untersuchung des sehr umfangreichen
Materials, welches mir zur Verfügung steht, veranlaßt
mich, zwei als eigene Arten beschriebene Formen von
5. tricolor einzuziehen und in den Formenring als Sub-
species einzureihen. (C. basinotata Butl., C. Niobe Bredd.)
Die specifischen Merkmale, die Verschiedenheit der Merk-
male, nach denen man mit Bestimmtheit die Arten unter-
scheidet, sind eben zu wenig verschieden, um Arten darauf
zu begründen; dagegen berechtigte die Verschiedenheit
in der Färbung und die minimalen Abweichungen in der
Form der Höcker am Rande der Brust vor den Mittel-
hüften, welche jedoch nicht immer konstant sind, wenn
man die verschiedenen Fundorte in Betracht zieht, die
Trennung der Formen in Subspecies. Die Untersuchung hat
ergeben, daß die Penis und die Gonapophysen der (^(^ bei
den verschiedenen Formen keine Unterschiede aufweisen.
Pronotum gewölbt, mehr oder weniger grob punktiert
quergerieft, mit deutlicher, erhabener Mittellinie auf der
Vorderhälfte; die Schulterecken sind vorgezogen und
weniger stumpf abgerundet als es bei S. satanas und 5.
torquata der Fall ist; der Pronotumhinterrand ist vorgezogen,
verdeckt die Basis des Schildchens und ist breit abgerundet.
Schildchen klein, quergerieft,, mit einer flachen Grube
auf der Scheibe. Scheitel gewölbt und ohne Mittelkiel.
Stirn-Scheitelteil flachgedrückt, Stirn blasig aufgeschwollen,
Stirn-Unterrand fast gerade, seitlich betrachtet, ist eine
Stett. entomol. Zeit. 1909.
173
abgestumpfte Ecke wahrzunehmen. Von den beiden Höckern
(Fig. 4 Nr. 6) am Rande der Mittelbrust vor den Mittel-
hüften sind die inneren stets die größeren und kräftigeren,
die kleineren, äußeren variieren in der Größe bei den ver-
schiedenen Subspecies. Deckflügel rauchbraun bis schwarz
mit gelblichen, weißen oder roten Flecken im Basalteil,
welche auch in Bindenform auftreten. Gonapophysen
der (^(^ (Fig. 4 Nr. 5) leicht ausgeschnitten mit breit ab-
gerundeten Innenecken, die Außenecken sind gerade gestutzt
und zu den Hinten- und Seitenrändern eckig abgesetzt
und dadurch besonders von S. torquata verschieden.
Länge 20 — 26 mm.
Vaterland: Hinterindien und die malayischen Inseln.
Tabelle zur Bestimmung der Subspecies.
1. Die Zeichnung auf dem Basalteile der Deckflügel
gelblich oder weiß 2.
— Die Zeichnung auf dem Basalteile der Deckflügel
rot 6.
2. Die Zeichnung _ ist fünf fleckig, in Bindenform und
knochenfarben (gelblich) 3.
— Die Zeichnung ist sechsfleckig und elfenbeinfarben
(weißlich) 4.
3. Pronotum mennigrot; Rückensegmente des Hinter-
leibes zu den Seiten schwarz, oben mennigrot.
Länge 23 % — 25 ^ 2 nim. Java
I. S. tricolor tricolor St. Farg. et Serv.
— Pronotum ockergelb; Rückensegmente des Hinter-
leibes schwarz mit gelben Hinterrandsäumen. Länge
24 1 '2 — 26 mm. Sumatra, Perak, Nias
2. S. tricolor fasciata n. subsp.
4. Rückensegmente schwarz mit schmalen, gelben
Hinterrandsäumen S.
Stett. cntonio]. Zeit. 1900,
174
— Rückensegmente schwarz mit breiten, gelben Hinter-
randsäumen, die schwarze Färbung ist oben unter-
brochen. Länge 24 mm. Borneo
5. S. tricolor basiplagiata n. subsp.
5. Kleinere Form mit größeren Flecken. Länge
20 — 22 mm. Borneo. . . 6. S. tricolor Niobe Bredd.
— Größere Form mit kleineren Flecken. Länge
24 — 25 V2 rnm. Borneo
7. S. tricolor borneensis n. subsp.
6. Sechs Flecke auf dem Basalteile der Deckflügel.
Länge 21 mm. (Butl.) Borneo
4. S. tricolor basinotata Butl.
— Fünf Flecke auf dem Basalteile der Deckflügel.
Länge 22 — 26 mm. Sumatra
3. S. tricolor rubroplagiata n. subsp.
Gruppe I.
I. Suracarta tricolor tricolor St. Farg. et Serv.
Pronotum mennigrot, die seitlichen Vorderränder und
die Schulterecken sind gelb gesäumt. Kopf mennigrot.
Augen bräunlich; Ocellen glashell und gelblich. Schildchen
rötlich dunkelbraun bis schwarz, die Spitze heller und
rötlich bis mennigrot. Deckflügel rauchschwarz mit fünf
zu einer Querbinde verschmolzenen, knochenfarbenen, gelb-
lichen Flecken auf dem Basalteile; Clavusgrund rötlich.
Flügel rauchbraun getrübt, Flügelwurzel rötlich. Rücken-
segmente des Hinterleibes mennigrot, zu den Seiten schwarz
mit mennigroten Hinterrandsäumen; Bauchsegmente
schwarz mit mennigroten Hinterrandsäumen. Afterröhre
gelb. Brust schwarz oder schwarzbraun, ebenso die Schenkel
der zwei letzten Beinpaare und die Basalhälfte des ersten;
Schienen mennigrot, Tarsen gelb, Krallen und Hinter-
schienen-Dornspitzen schwarz. Betreffs der Form und
Stett. ontoniol. Zeit. 1909.
175
Gestaltung der Deckflügel, Flügel, des Pronotums und
Schildchens, der Mittelbrust und der Gonapophysen der
(^(^ siehe Fig. 3 und Fig. 4.
Länge 2314 — 251/2 mm.
1 <S. 3 ??•
Java (H. Fruhstorfer).
Im Stettiner Museum.
2 ??.
Java.
I ?•
Madura.
Im Königlichen Museum zu Brüssel.
2. Suracarta tricolor fasciata n. subsp.
2 ö"o^ 4 ??•
Pronotum und Kopf ockergelb gefärbt. Augen braun;
Ocellen glashell und gelblich. Die Pronotum-Schulter-
ecken und die seitlichen Vorderränder sind hellgelb gefärbt.
Deckflügel wie bei S. tricolor tricolor mit einer aus fünf
Flecken zusammengeflossenen, schmutzigweißen, knochen-
farbencn Querbinde auf der Basis; Clavusgrund gelblich.
Flügel wie bei der erwähnten Art mit mehr gelblicher
Wurzel. Die Rücken- und Bauchsegmente des Hinter-
leibes schwarz, die Hinterrandsäume und die zwei letzten
Tergite ockergelb oder rötlich ockergelb; Afterröhre gelb.
Brust dunkelbraun; die Köpfe und Höcker auf dem Rande
der Mittelbrust gelblich. Schenkel gelb mit bräunlichem
Tone bis dunkelbraun ; Schienen und Tarsen ockergelb,
zuweilen mit rötlichem Anfluge; die Spitzen der Dornen
der Hinterschienen und der Tarsen schwarz.
Länge 24 V2 — 26 mm.
West-Sumatra, Pandjang.
Typen im Stettiner ^luseum.
Stett. eiitomol. Zeit. 1909.
176
Diese Siibspecies ist in der Färbung von den übrigen
verschieden und von S. tricolor tricolor besonders dadurch,
daß die Hinterleibsegmente schwarz gefärbt sind mit ocker-
gelben oder rötlich ockergelben Hinterrandsäumen.
var. evanescens n. var.
1 ?•
Die knochenfarbene Fleckenbinde auf dem Basalteile
der Deckflügel ist in fünf stark reduzierte Flecke aufgelöst.
Länge 26 mm.
Sumatra (van Landsberg).
Type im Königlichen Museum zu Brüssel.
var. perakana n. var.
2 <^S, I ?.
Die knochenfarbene Fleckenbinde auf dem Basalteile
der Deckflügel ist in fünf Flecke aufgelöst. Der zweite
Fleck ist bedeutend kleiner als die übrigen und liegt an
der Basis der Zelle zwischen Radius und Media, die Zelle
zwischen Media und Cubitus an der Wurzel der Deckflügel
ist von der Grundfarbe.
Länge 25 V2 — 26 mm.
Perak.
Tvpen im Stettiner Museum.
var. niasensis n. var.
I ?•
Von der vorhergehenden Varietät dadurch verschieden,
daß der zweite Fleck der Binde die Basis der Zelle zwischen
Radius und Media frei läßt, dagegen die Zelle zwis(^hen
Media und Cubitus färbt.
Länge 24 mm.
Nias: Goenoeng Sitoli.
Type im Stettiner Museum.
Slett. ciitomol. Zeit. 100!).
177
3- Suracarta tricolor rabroplagiata n. subsp.
60 ($<^, 62 ??.
Kopf und Pronotum mehr oder weniger rötlich ocker-
gelb; einige schmale schwarze Flecke liegen auf jeder Seite
in der Nähe des Vorderrandes, welche auch fehlen; zu-
weilen sind die seitlichen Vorderränder des Pronotums
schmal ockergelb gesäumt; die Stirnseiten unter den Augen
zeigen eine matt bräunliche Färbung; Augen grau bis braun;
Ocellen glashell und gelblich; zwischen den Ocellen und
den Augen liegt auf jeder Seite am Scheitelhinterrand
in den meisten Fällen ein schwarzer Fleck. Deckflügel
mit einer fünf fleckigen Querbinde auf dem Basalteile,
welche mehr oder weniger rötlich ockergelb gefärbt ist;
zuweilen ist diese Färbung karminrot ; Clavuswurzelfleck
von gleicher Färbung. Auffallend ist, daß bei dieser Sub-
species die Zelle zwischen Axillaris 2 und dem Clavus-
hinterrand niemals gefleckt ist. Rücken- und Bauch-
segmente des Hinterleibes schwarz; ein schmaler Hinter-
ra.ndsaum der Tergite, welcher in der Mitte sich auf %
des Segmentes ausdehnt, und ein schm-aler Hinterrand-
saum der Sternite sind rötlich ockergelb bis karminrot
gefärbt. Schienen und Tarsen ockergelb bis rötlich ocker-
gelb, Mittel- und Hinterschenkel braun bis schwarzbraun,
Vorderschenkel zuweilen matt bräunlich. Die Spitzen
der Dornen der Hinterschienen und der Tarsen schwarz.
Länge 22 — 26 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
var. quadripunctata n. var.
7 o"(^. 6 ??.
Von der Stammform dadurch verschieden, daß vier
Flecke an Stelle der Fleckcnbinde auf dem Basalteile der
Deckflügel vorhanden sind.
Stctt. entomol. Zeit. ]i)ü!). 12
178
Länge 22 — 26 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
var. tenasserimensis n. var.
Cosmoscarta tricolor var. Dist., The Fauna of British
India, Ceylon and Burma, Rhynchota, Voh IV. p. 150,
Fig. 105 (1907).
Die Beschreibung und Abbildung, welche Distant
gibt, als richtig voraussetzend, unterscheidet sich diese
Varietät von der vorherbeschriebenen dadurch, daß die
schwarze Färbung der Tergite des Hinterleibes nur zu
den Seiten vorhanden und in der Mitte unterbrochen ist.
Die blutrote Färbung tritt auch bei den anderen Varietäten
auf, besonders wenn die Deckflügel recht dunkel sind.
Auffällig an der Abbildung ist das Fehlen eines Fleckes
an der Deckflügelbasis zwischen Radius und Media, der
bei allen mir vorliegenden Varietäten, mit Ausnahme von
Unipunctata und einem Stück von Quadrimaculata, nicht
nur vorhanden, sondern auch am größten ist. Ohne Kenntnis
eines typischen Tieres, nur auf Grund der Abbildung und
Beschreibung, ist es jedoch nicht ratsam, eine Subspecies
zu gründen.
Distant: Length excl. tegm. 19 to 20; exp. tegm. 45
to 48 millim.
Hab. Tenasserim.
var. tripunctata n. var.
3 S^, 4 ??•
Drei Flecke befinden sich an der Basis der Deck-
flügel.
Länge 22 — 26 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
Stctt. entomol. Zeit. U109.
179
var. bipunctata n. var.
3 c^^. 4 ??•
Die beiden Flecke auf dem Basalteile der Deckflügel
sind blutrot, der erste liegt in der Costalzelle und der
zweite an der Wurzel zwischen Radius und Media.
Länge 22 — 26 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
var. unipunctata n. var.
I (?. I ?■
Ein blutroter Fleck steht auf der Erliöhung im Costal-
raume.
Länge 26 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
Es scheint mir nicht ausgeschlossen zu sein, daß auch
Stücke vorkommen, bei denen die Deckflügel einfarbig
sind, ohne jeglichen Fleck.
Gruppe II.
4. Suracarta tricolor basinotata Butl.
Cosmoscarta basinotata Butl. Cist. Ent. L p. 245,
Taf. 8. Fig. 2 (1874).
,, ,, ,, Dist. The Fauna of
British India, Cey-
lon and Burma,
Rhynchota IV. p.
151 (1907). ,_
Originalbeschreibung :
Form of C. tricolor; differs chiefly in having, the
tegmina crossed at base by a patch of six red spots (that
on the clavus being mor or less bifid) instead of the pale
testaceous band; and in the narrower and interrupted
red bands margining the scgments on dorsum of abdomen.
Stctt. entonu)!. Zeit. 1909. VZ '
180
Length 21 mill.; expanse of tegmina 47.
Sarawak (Wallace). Five specimens. B. M. This is
cortainly distinct from C. tricolor, with which, however,
it was formerly associated in oiir collection.
Diese Subspecies liegt mir nicht vor.
5. Suracarta tricolor basiplagiata n. subsp.
In Gestalt und Größe mit Borneensis übereinstimmend
ist diese Subspecies in der Zeichnung von der genannten
und von Niobe zu trennen, von Niohc unterscheidet sie
auch das feiner punktierte und gerunzelte Pronotum.
Auf dem Basalteile der Deckflügel befinden sich sechs
elfenbeinfarbene (weiße) große Flecke, welche wie folgt
verteilt sind. Einer befindet sich im Costalraum, einer
an der Wurzel im Corium, zwei dahinter im Corium getrennt
durch die Verschmälzung von Cubitus und Media, ein
weiterer steht in der ersten Clavuszelie zwischen Ulnaris
und Axillaris i, der letzte und sechste" dehnt sich von der
Axillaris i bis an den Clavushinterrand aus und ist eigent-
lich ein Doppelfleck, denn die Axillaris 2 tritt braun gefärbt
von den Seiten etwas hinein. Die Wurzel des Clavus ist
schmutzig weiß gefärbt. Hinterleibsegmente unten schwarz
und hinten breit gelb gesäumt, oben zu den Seiten schwarz,
die Mitte und ein breiter Hinterrandsaum gelb.
Länge 24 mm.
Borneo (Coli. Nonfried).
Type im Stettiner Museum.
6. Suracarta tricolor niobe Brcddin.
Cosmoscarta Niobe ßredd., Deutsch. Ent. Zeitschr.,
p. 83 (1903).
Originalbeschreibung :
2. C. tricolori St. Farg. et Serv. et C. basinotatae
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
181
Biitl. affinissima et quoad signatiiram tegminum huic
speciei simillima, differt:
Corpore paiilulo minore pronotoque angiistiore. Pronoto
fuscescenti-punctato, callositatibus numerosis vermicularibus
latiusculis inter puncta distinctissime intermixtis scabro.
Linea elevata mediana pronoti saltem anterius distincta.
Pronoto antice verticeque basin versus dilute picescentibus.
Tegminum basi maculis sex albidis notata, praeterea (quod
in speciminibus C. basinotatae a me cxaminatis nunquam
vidi) basi areae costalis corii basique clavi dilute l'lavis.
Dorso abdominis nigro; limbo augustissimo apicali seg-
mentorum, medio antrorsum in maculum minutam dilatato,
flavo.
Long, cum tegm. 22 mill., Lat. hum. 8 1/2— 9 "^iH-
Borneo (Kina Balu Mons, coli. mea).
3 <S^> 5 ??.
Zur Diagnose, welche Breddin gibt, sei noch hinzu-
gefügt, daß bei sechs Exemplaren' des mir vorliegenden
Materials die äußeren Höcker auf dem Hinterrande der
Mittelbrust vor den Mittelhüften im Vergleich zu den übrigen
Subspecies viel kleiner sind. Die Schildchenspitze (die
hintere Hälfte des Schildchens) ist bis zum Hinterrande
der Schildchengrube ockergelb gefärbt. Die Punktierung
und Querrunzclung auf der Pronotumfläche ist viel gröber
als bei Basiplagiata und Bomecnsis; zuweilen sind die
Grubeneindrücke und der dazwischen Hegende Teil bis
an den Vorderrand braun gefärbt. Die Flecke auf der Deck-
flügelbasis sind kleiner als bei der vorher beschriebenen
Subspecies, doch zeigen sie die gleiche Anordnung; die
Clavusbasis ist ockergelb gefärbt.
Länge 20—22 mm,
3 c^c^. 4 ??•
Nord-Borneo (Waterstradt) .
Im Stettiner Museum.
Stctt. eutoiuol. Zeit. l'JÜ9.
182
I ?.
Borneo, Sarawak.
Im Königlichen Museum zu Brüssel.
7. Suracarta tricolor bomeensis n. subsp.
5 c^c^. II ??.
Von Niobe Breddin dadurcli ausgezeichnet, daß die
Flecke auf dem Basalteile der Deckflügel kleiner sind, die
Clavuswurzel nicht ockergelb gefärbt ist, sondern die dunkel
rauchbraune Grundfarbe trägt. In der Größe sind die
beiden Subspecies gleichfalls verschieden. Die Pronotum-
punktierung und Runzelung ist feiner. Bauchsegmente
schwarz und ockergelb bis rötlich ockergelb gesäumt;
Rückensegmente schwarz und schmal ockergelb bis rötlich
ockergelb gesäumt; in den meisten Fällen tritt die schwarze
Färbung an den Hinterrand und läßt nur oben und zu
den Seiten dreieckige ockergelbe oder rötlicli ockergelbe
Flecke bestehen.
Länge 24 — 25 14 rn^n-
Nord-Borneo (Waterstradt).
Typen im Stettiner Museum.
var. nigrifrons n. var.
I ?.
Die Pronotumgruben hinter dem Vorderrande und
der Raum dazwischen bis an den Vorderrand sind glänzend
schwarz gefärbt.
Länge 25 mm.
Nord-Borneo (Waterstradt).
Type im Stettiner Museum.
Genus Serapita n. gen.
Die Bildung des Kopfes, der Stirn und des Scheitels,
sowie die Stellung der Augen und der Ocellen ist wie bei
der Gattung Suracarta. Das Geäder der Deckflügel und
Stett. entotnol. Zeit. 1009.
183
der Flügel ist gleichfalls wie bei der erwähnten Gattung
(Fig. 3 Nr. I und 2). Die Form und Gestaltung des Pro-
notums, des Schildchens und der Mittelbrust ist jedoch
von Suracarta recht verschieden. Pronotum stark gewölbt
und hinten ausgeschnitten, die seitlichen Vorderränder
sind schwach gerundet, die seitlichen Hinterr'inder schwach
ausgeschnitten, der Hinterrand ist rundlich gewölbt und
aufgebogen. Schildchen groß und stark quergerieft mit
großer flacher Mittelgrube und zwei Gruben am Vorder-
rande, welche zuweilen weniger deutlich sind. Der Hinter-
rand der Mittelbrust vor den Mittelcoxen ist blattartig
und aufgerichtet ohne Höcker; die Höcker der Mittelbrust
sind nicht conisch, sondern vorn und hinten abgeflacht
und weniger hervorstehend als bei der Gattung Suracarta.
Typus: Serapita charon White.
Fig. 5. Serapita charon White ($). Nr. 1. Schildchen und Apical-
teil des Pronotum (die punktierten Linien bezeichnen die Pronotum-
eindrücke). Nr. 2. Mittelbrust (stark vergrößert).
Von dieser Gattung liegen mir 2 Arten vor, deren
Haupt-Unterscheidungsmerkmale ich kurz folgen lasse.
Hinterrand der Mittelbrust vor den Mittelhüften
blattartig, aufgerichtet imd so hoch wie der Zapfen
der Mittelbrust; die Färbung der Beine usw. ist
blutrot; größere Art. Länge 2114 rnm. Philippinen.
I . S. charon White
— Der Hinterrand der Mittelbrust ist niedriger als
Stett. entomol. Zeit. 1909.
18J:
der Zapfen der Mittelbrust; die Färbung der Beine
usw. ist bräunlich ockergelb; kleinere Art. Länge
19 mm. Patria ? 2. S. Zaumseili n. sp.
I. Serapita charon White.
Cercopis charon White, A. M. N. H. XV. p. 35 (1845).
Walk., List of Hom. Ins.,
in. p. 654 (1851).
Cosmoscarta ,, ,, Stäl, Öfv.-Ak. Förh., p. 719
(1870).
,, ,, ,, Butl., eist. Entomologica, I.
p. 248 (1874).
White: ,,0f a deep black, the thorax in some specimens
with a deep blue tinge. Legs and margins of abdominal
segm.ents of a reddish yellow. Leng'th 10 lines. Hab.
Philippine Island. Very near to, if not the same as C. viri-
dans, Guerin in Belanger, Voy. t. 3 f. J."
Nachstehend folgt die Beschreibung des mir vorliegenden
Exemplares.
Kopf, Pronotum und Schildchen dunkel olivengrün,
glänzend, mit grünlichem Schiller. Deckflügel matt glänzend,
dunkelbraun, mit leicht rötlich violettem Schiller. Der
Costalraum ist dunkeler als das Corium und zeigt grünlich-
violetten Schiller. Flügel rauchbraun getrübt mit schwarzen
Nerven. Augen graubraun, Ocellen glashell und gelblich.
Das Rostrum, die Beine mit den Coxen, die drei letzten
Rücken- und die zwei letzten Bauchsegmente, die After-
röhre, die Scheidenpolster und die Rücken- und Bauch-
segmente zu den Seiten sind blutrot gefärbt. Bauch-
segmente dunkelbraun und speckig glänzend; Rücken-
segmente schwarzbraun, glänzend, mit bläulichem Schiller.
Krallen braun; die Spitzen der Dornen der Hinter-
schienen schwarz. Fühler rötlich ockergelb.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
185
Pronotum punktiert und quergcnnizelt mit deutlichem
Mittelkiel und zwei seitlichen Eindrücken zwischen den
Schulterecken und dem Hinterrande, außerdem stehen
hinter dem Vorderrande auf jeder Seite tiefere Eindrücke.
Scheitel gewölbt und glatt. Rostrum reicht bis zur ]Mitte
der Mittelcoxen. Der Hinterrand der Mittelbrust vor den
Mittelcoxen ist blattartig und aufgerichtet ohne Höcker;
die Höcker der ^Mittelbrust sind vorn und hinten abgeflacht
und so hoch wie der Hinterrand.
Länge 21I/2 mm, Länge des Körpers 17I/2 mm, Deck-
flügellänge 18 mm, größte Breite 7 mm.
Philippinen.
Dieses Exemplar wird im zoologischen Museum zu
Stettin aufbewahrt.
2. Serapita Zaumseili n. sp.
I ?•
Diese Art ist der 5. chavon White sehr ähnlich und
stimmt in der Färbung der Deckflügel und der Flügel, des
Schildchens, des Pronotums und des Kopfes mit der ge-
nannten Art überein; die übrige Färbung, die Größe und
die Bildung der Mittelbrust sind sehr verschieden. Die
Färbung der Beine, des Rostrums, der letzten Rücken-
und Bauchsegmente, der Afterröhre, der Scheidenpolster
und die Seiten der Bauch- und Rückensegmente ist bräunlich
ockergelb. Hinterrand der Mittelbrust vor den Mittelcoxen
wie bei Charon gebildet, aber niedriger; die Mittelbrust
gewölbter und die Höcker überragen den Hinterrand.
Länge 19 mm, Länge des Körpers 15 mm, Deckflügel-
länge 16 mm, größte Breite 6Y2 mm.
Patria:? Coli. Camillo Van Voixem (5353).
Type im Königlichen zoologischen Museum zu Brüssel.
Diese Art benenne ich zu Ehren des Herrn Obergärtner
C. Z a u m s e i 1 in Stettin.
Stett. entomol. Zeit. 190!).
186
Verzeichnis der Genera, Speeies, Subspecies
und Varietäten.. Seite
Gonopygoplax n. gen. , 147
Grelaki 11. sp 153
proserpina White 154
Meyeri n. sp 156
Cüstalis Walk 157
theora White 158
Uizonensis n. sp 160
proserpinella n. sp 161
phitonica Biitl 162
submaculata Walk 163
1 ,, var. flava n. var 164
sumatrensis n. var. . 164
borneensis Bredd. . . 164
unifasciata n. sp 165
Suracarta n. gen 166
,, satanas n. sp 169
torquata Jac 171
,, tricolor St. Farg. et Serv 171
tricolor St. Farg. et Serv 174
,, ,, fasciata n. sp *. . 175
,, ,, ,, var. evanescens n. var... 176
,, „ ,, ,, perakana n. var. . . . 176
„ ,, ,, ,, niasensis n. var. . . 176
,, ,, rubroplagiata n. subsp 177
,, „ ,, var. quadripunctata
n. var 177
,, ,, „ ,, tenasserimensis
n. var 178
,, ,, ,, ,, tripunctata n.
var 178
,, ,, ,, ,, bipunctata n.
var 179
Stett. entomol. Zeit. 1909.
187
Suracarta tricolor rubroplagiata wir. imipunctata n.
var 179
basinotata Butl 179
basiplagiata n. subsp 180
niobe Bredd 180
borneensis n. subsp 182
,, var. nigrifrons n. var. . 182
Serapita n. gen 182
charon White 184
,, Zaumseili n. sp 185
Zwei neue Fulgoriden aus dem
Stettiner Museum.
Von E«liiiiiiifl Selimidf, Stettin.
Genus Enchophora Spinola.
Ann. Soc. Ent. Fr. VIII, p. 221 (1839).
Typus: Enchophora recurva Oliv.
Enchophora eminenta n. sp.
I ?•
Diese auffallend gefärbte Art ist am nächsten ver-
wandt mit E. vividipennis Spinola (Ann. Soc. Ent. Fr. VIII,
p. 225, Taf. 12, Fig. 3, 1839) ^^^^ ^- P>'(^shm Gerstaecker
(Mitt. des Naturw. Ver. für Neu- Vorpommern und Rügen
XXVII, S. 37, 1895).
Kopffortsatz senkrecht aufgerichtet und keulenförmig
verdickt, mit scharfen Kielen; seitlich betrachtet besitzt
der Hinterrand an der Basis und in der Mitte eine tiefe
Einbuchtung; der Vorderrand bildet keine Ecken wie es
bei E. prasina Gerst. der Fall ist, sondern verläuft bogig
bis zur Spitze; die größte Breite liegt etwas unterhalb der
Spitze, bei der zum Vergleich genommenen Art etwa in
Stett. entomol. Zeit. 1909.
der Mitte. Scheitel wenig kürzer als breit, mit deutlicher
Mittelfurche. Der Mittellängskiel des Pronotum ist kurz
vor dem Hinterrande zu einer spitzen Ecke aufgehoben
und erlischt dort, erreicht den Hinterrand nicht. (Bei der
Gerstaeckerschen Art bildet der Mittelkiel kurz hinter der
Mitte die Ecke und setzt sich bis an den Hinterrand als
schwacher Kiel fort.) Der Mittellängs^:;:'^. des Schildchens
ist bei der neuen Art scharf, fast kammartig.
Die Seiten des Kopfes, die Stirn, der Kopffortsatz
und die Vorderhälfte des Scheitels sind rötlicli ockergelb
gefärbt; die hintere Hälfte des Scheitels, der Hinterkopf,
der Pronotummittelkiel und der Pronotumvorderrand sind
ockergelb gefärbt. Zweites Fühlerglied mattrötlich ocker-
gelb, erstes Fühlerglied und Wurzelglied mattblutrot ge-
färbt. Augen braun; Ocellen glashell auf dunbelkraunem
Grundj. Die Kopffortsatzspitze und ein Fleck auf jedem
Stirnseitenrande vor den Fühlern sind schwarz und glänzend.
Clipeus in der Vorderhälfte braun, mit blutrotem Mittel-
kiel und zwei blutroten Längsstreifen, die äußeren Vorder-
ecken sind ockergelb; Clipeushinterhälfte blutrot. Prono-
tum und Schildchen blutrot; Schildchenspitze, Schildchen-
mittelkiel, Flecke und Körnchen auf Schild und Pronotum
gelblich-weiß. Beine mehr oder weniger ockergelb und
mit blutroter Färbung überzogen; die Spitzen der Dornen
der Hinterschienen und der Tarsen schwarz. Rückenseg-
mente braun, mit ockergelben Hinterrandsäumen; Bauch-
segmente braun, zu den Seiten blutrot angehaucht. Äfter-
röhre orangerot, Scheidenpolster wie die Bauchsegmente
gefärbt, mit breitem ockergelbem Saume; die sichtbaren
Spitzen der Legescheide sind glänzend schwarz. Deck-
flügel kräftig ockergelb, besonders im Costalraum, an der
Wurzel und im Clavus am Schildchenrande; die Längs-
nerven des Coriums erscheinen matt grünlichgelb; ein
breiter Apicalsaum, beginnend am Costalrande bei der
Stett. entomol. Zeit. 190S).
189
Gabelung des Radius und bis zur Clavusspitze reichend,
ist bräunlich orangerot gefärbt; der Costalsaum ist weiß-
lich und setzt sich bis zur Clavusspitze fort, den Apical-
saum von der Coriumsfärbung trennend; außerdem stehen
im Costalraum drei kleinere, dunkel blutrote Flecke,
zwei etwas kleinere, im Corium hinter der Deckflügelmitte
und zwei größere in der Cubitalzelle an der Clavus-Coriura-
naht. Flügel matt orangerot (mit der Lupe betrachtet
lebhaft orangerot); Apicalspitze hyalin, ockergelb getrübt,
mit ockergelben Nerven; Flügelhinterrand hyalin, weiß-
lich grau, mit orangeroten Nerven. Eine weiße Wachs-
bestäubung bedeckt den Hinterleib, die Unterseite der
Deckflügel und Flügel, hin und wieder auch die Oberseiten
der Flugorgane.
Länge 25 mm; Länge des Körpers 21 mm, des Kopf-
fortsatzes 3% mm; Deckflügellänge 21 mm.
Brasilien: Pebas Nov. Dez. 1906 (M. de Mathan S.).
Genus Flatosoma Melichar *).
Ann. Hofmus. Wien XVI, S. 244 (1901).
Typus: Flatosoma Sigv.orcti IMelichar.
Flatosoma diastola n. sp.
Flatosoma comma Melichar (nee Walker), Ann. Hofmus.
Wien XVI, S. 245, Taf. VII., Fig. 14 (1901).
I ?.
Stirn zweimal so lang wie breit, mit deutlichem Mittel-
kiel ; die geschärften und aufgebogenen Seitenränder sind
in der Mitte vorgezogen und bilden stumpf abgerundete
Ecken. Scheitel vom Pronotum verdeckt. Pronotum vor-
*) In der Gattungsbeschreibung steht, daß die Hinterschienen zwei
Dorne tragen. Von FL SUjnorcÜ Mehch. liegen mir zwei $$ vor. von
denen nur das eine an der rechten Hinterschiene zwei Dorne trägt,
die hnke, wie das zweite ^, nur einen Dorn. FI. diastola n. sp. trägt
gleichfalls nur einen Dorn an jeder Hinterschiene. Demnach muß es
für die Gattungsdiagnose heißen: ..Hinterschienen mit 1 bis 2 Dornen"'.
Stctt. entomol. Zeit. 1009.
190
gezogen, gestutzt, vorn in der Mitte leicht ausgeschnitten,
mit abgerundeten Vorderecken und drei Längskielen; der
Mittelkiel ist durchlaufend, die Seitenkiele sind nach vorn
konvergierend und erreichen nach hinten etwa die Pronotum-
mitte. Schildchen mit drei parallel verlaufenden Längs-
kielen, welche in blasig angeschwollener Schildchenspitze
enden. Hinterschienen mit einem Dorn vor der Spitze.
Kopf, Pronotum und Schildchen gelb. Augen dunkelbraun;
zweites Fühlerglied am Ende angebräunt, Fühlerborste
bräunlich. Die Schienen und Tarsen der vier Vorderbeine,
die Tarsen des letzten Beinpaares und die Spitzen der
Dornen der Hinterschienen und der Tarsen sind schwarz
gefärbt, die Schenkel der Beine vuid die Schienen des letzten
Beinpaares- gelblich weiß. Deckflügel länglich oval mit
einer Subapicallinie, welche sich mit dem n. costalis ver-
bindet, bis zur Clavusspitze reicht und weit vom Costal-
rande verläuft, und bogenförmig gekrümmten, rippen-
artig vorstehenden n. ulnaris ext.; die Endnerven sind
lang und gegabelt. Die Färbung der Deckflügel ist gelb,
im Clavus und Costalraum intensiver als im Corium; der
Randnerv bis zur Clavusspitze und ein bogiger Strich im
Corium, welcher nach hinten offen ist, sind schwarz gefärbt.
Flügel milchweiß mit weißen Nerven. Der Körper, die
Flügel und die Deckflügel sind mit einer weißen Wachs-
bestäubung versehen.
Länge 24 mm.
Nord-Borneo (Waterstradt).
Genus Bythopsyrna Melichar.
Ann. Hofmus. Wien XVI, S. 224 (1901).
Typus: Bythopsyrna circulata Guer.
Bythopsyrna Dohrni Schmidt.
Stett. Ent. Zeit. LXV, S. 188 (1904).
Stett. tMitomol. Zeit. 1909.
191
var. borneensis n. var.
I ?•
Diese Varietät ist dadurch ausgezeichnet, daß die
schwarze Färbung auf Kopf, Pronotum und Schildchen
stark reduziert ist. Die zwei schwarzen Flecke auf dem
Pronotum sind rundlich und liegen zwischen den Seiten-
kielen weit voneinander getrennt und erreichen nicht
einmal die Pronotummitte. Die acht schwarzen Flecke
des Schildchens sind gleichfalls rundlich und stehen auch
weiter voneinander getrennt. Bei Dohrni erreichen die
Pronotumflecke fast den Hinterrand; die Schildchenflecke
sind so ausgedehnt, daß sie sich fast berühren, zuweilen
fließen die vier Flecke der Scheibe zusammen und bilden
infolgedessen zwei schwarze Längsstreifen.
Länge 26 mm.
Nord-Borneo (Waterstradt).
Aiiliang.
Genus Saiva Distant.
The Fauna of British India, Ceylon and Burma,
Rhynchota Vol. III, p. 192 (1906).
Typus: Saiva gemmata Westw.
Saiva cardinalis Butler.
Fulgora cardinalis Butl., A. M. N. H. XIV, p. 131
(1874)-
Schmidt, Stett. Ent. Zeit. LXVI,
S. 356 (1905).
Genus Flatopsis Melichar.
Ann. Hofmus. Wien XVII, S. 51 (1902).
Typus: Flatopsis nivea Sign.
Slctt. entomol. Zeit. l!)Oi).
192
Flatopsis nivea Signoret.
Phyllyphanta nivea Sign., Ann. Ent. Soc. Fr. 3. VIII,
p. 200 (1860).
Flata ,, „ Stäl, Hern. Afr. IV, p. 242 (1866).
,, nigropunctata ,, Stal, Hern. Afr. IV, p. 243 (1866).
Flatopsis nivea ,, Melicli., Ann. Hofmus. Wien
XVII, S. 52 (1902).
Plwma basipimctata ,, Schmidt, Stett. Ent. Zeit.
LXVII, S. 209 (1906).
Neise Arten aus der Gattung Tefflus,
Beschrieben von Clar. StersBljerg-, Stralsund.
I.
Tefflus discedens n. spec
I c?' 3 ? (coli. aut.). ^ Länge 31 mm, Breite 12 mm;
$ Länge 29 — 33 mm, Breite 12 — 13 mm. — Kibwezi (Wa-
kamba, nordöstl. vom Kilimandjaro).
Gehört, da die Flügeldecken nur 6 Rippen tragen,
zum Subgenus Archotcfflus Kolbe und muß hier neben
T. ninansaniis Kolbe gestellt werden. Ganz schwarz
und auf der unteren, wie oberen Seite stärker als die
vorgenannte Art glänzend, unterscheidet sich diese neue
Art von der letzteren durch den tiefer punktierten und
stärker gerunzelten, auch breiteren und an den Seiten
stärker und eckiger vorgezogenen Thorax, sowie durch
die proximal stärker verschmälerten Flügeldecken und
die stärkeren, erheblich höheren Rippen derselben. —
Der cjuadratische Kopf verschmälert sich nur wenig
neben Clypeus und Kopfschild und hat eine flache Ober-
fläche mit schmalem, kräftigen Seitenkiel und breitem,
schwach konvexen Mittelwulst. Die hier zwischen liegenden
Stctt. eilt omni. Zeit. li)0!).
193
Seitenvertiefimgen sind flach, leicht gerunzelt mit tiefen,
groben, längere aufrechtstehende Härchen tragenden
Punkten bedeckt, die sich hinten zwischen den Augen
auf die ganze Breite des Scheitels und den Ansatz des
Halses ausbreiten, auch die Mitte des Langwulstes mehr
oder weniger dicht bedecken, den hinteren, zwischen den
Augen liegenden, sowie den vorderen Teil desselben mit
dem Clypeus und dem Kopfschild aber freilassen. Der
ganz flache Clypeus ist an jeder Seite in eine flache,
rundliche Vertiefung niedergedrückt und hat außerdem
einen kurzen, flachen, mittleren Längseindruck, der auf
die Stirn hinüberreicht. Die dunkelbraunen Augen treten
stark hervor. Die Mandibeln sind von gewöhnlicher Form:
breit an der Basis, scharf gebogen mit dünner Spitze.
Antennen kräftig, über das erste Fünftel der Flügeldecken
reichend. Das letzte Glied der Maxillarpalpen beim (^
viel länger als beim $. Der hexagonale Thorax er-
weitert sich von den stumpf abgerundeten, dem Halse
dicht anliegenden Vorderecken in fast gerader Linie bis
zu der stumpf vorgerundeten Mitte, wo die größte Breite
desselben liegt, um sich von hier in fast ebenso gerader
Linie bis zu den stumpfeckig vorragenden Hinterecken
zu verschmälern. Der gerade abgeschnittene Hinterrand
desselben ist wie der leicht ausgeschnittene Vorderrand
ohne Randleiste; erstercr ist erhebhch schmäler als letzterer.
Die Seiten desselben sind in ihrer ganzen Länge von einer
kräftigen Randleiste umfaßt. Die ganze Oberfläche ist
leicht konvex mit gleichmäßiger, tiefer und grober Runzelung
und dazwischenstehenden Punkten, die längere, aufrecht-
stehende schwarze Härchen tragen. In den Hinterecken
steht jederseits ein sehr flacher, rundlicher Eindruck. —
Die Flügeldecken sind in ihrem proximalen Viertel
leicht (aber stärker als bei T. nmansanns Kolbe) eingezogen,
sie verbreitern sich dann an den Seiten äußerst schwach
Stett. eutomol. Zeit. 1909- 13
194
und runden sich am Apex stumpf ab, Sie sind beim (^
stärker gewölbt als beim $ ; sie sind neben der Sutur ziemlich
flach und fallen nach den Seiten zu, zuerst allmählich, dann
von der 4. Rippe etwa schroffer ab. Nach dem Apex zu
senken sie sich im letzten Viertel der Flügeldecken ziemlich
steil ab. Jede Flügeldecke trägt (ohne die suturale) 6 sehr
kräftige, hohe Rippen, wovon 2, 4, 6 etwas höher als die
übrigen sind. Die Rippen i, 3, 5 sind proximal stark ver-
kürzt, 5 am stärksten, 3 am wenigsten. Den Apex erreichen
nur I, 2 und 6 ganz, während die 3 verkürzten hinten auf
6 stoßen. Die Querrippchen der Skulpturstreifen stehen
sehr regelmäßig und nicht so dicht als bei T. muansanus
Kolbe, die Graneln derselben sind, wenn auch klein und
fein, doch größer als bei diesem. Die Unterseite ist
fast haarlos, alle Episternen sind dicht mit tiefen Punkten
bedeckt; die Bauchsegmente sind an den Seiten uneben,
in der Mitte ganz glatt; die mittleren derselben tragen
jederseits neben der Mitte je 2 bis 3 Chaetoporen, die dem
letzten fehlen, das vor dem Endrande jederseits neben
der Mitte einen Halbkreis von tiefen Haarpunkten trägt.
Tefflus rotundicollis n. spec.
I 9 (coli. aut.). Länge 30 mm, Breite 11 mm. — Ukerewe
(Insel im süd-östl. Victoria-Nyanza).
Diese neue, unten wie oben glänzend schwarze Art
ist eine der kleinsten der Gattung und gehört, wie die vor-
besprochene Art, zum Subgenus Archotefflns Kolbe, da
sie nur 6 Rippen auf jeder der Flügeldecken hat. Sie steht
hier dem T. muansanus Kolbe am nächsten, doch ist sie
von demselben unterschieden durch ihren viel kürzeren,
breiteren, fast runden Thorax, sowie durch die viel schwächer
punktierten Episternen und die auf den Bauchsegmenten
fehlenden Chaetoporen. Der quadratische Kopf ist
sehr kurz, breit, neben dem Clypeus und dem Kopf-
Stctt. cntomol. Zeit. 1909,
195
Schild verschmälert; die Skulptur der Oberfläche ist nicht
deutlich ausgeprägt, mehr verschwommen umgrenzt; die
Seitenwulste der letzteren sind breit, mäßig gehoben, nicht
scharf begrenzt; der Mittelwulst ist sehr breit, leicht konvex;
die Seitenvertiefungen sind klein und undeutlich gerunzelt,
kaum punktiert; der hinter den Augen liegende hinterste
, Teil des Scheitels ist über die ganze Breite mit groben,
haartragenden Punkten bedeckt; der Mittel wulst mit dem
Clypeus und dem mit 4 Haarpunkten besetzten Kopf-
schild sind glatt, unpunktiert, glänzend. Der Clypeus
hat vorn jederseits einen flachen, rundlichen, hinten auf
dem leicht gehobenen Hinterteil einen länglichen Ein-
druck. Die grauen Augen treten kräftig vor. Die Man-
dibeln sind sehr kurz, hinten breit, vorn scharf gebogen,
sehr spitz. Die Antennen sind kurz, die Basis des Thorax
wenig überragend, die 3 ersten Glieder sind glatt, glänzend
schwarz, das 3. Glied ist so lang als die beiden folgenden
zusammen. Das letzte Glied der Maxillarpalpen ist kurz
(9). — Der T Ii o r a X ist wenig breiter als lang (8 : 7 mm),
von breit rundlicher Form, da Vorder- wie Hinterecken
stark eingezogen, stumpf ab-, die Seiten in ganz stumpfem
Winkel vorgerundet sind. Die ganz gerade Hinterseite
desselben ist wenig schmäler als die ganz leicht ausge-
schnittene Vorderseite; beide ohne Randleiste. Die Seiten
desselben haben eine kräftige, kaum gehobene Randleiste;
die Oberfläche desselben ist leicht konvex, nach den Seiten
zu flacher verlaufend; sie ist mit zusammenhängenden
Runzeln, die nach der Mitte zu am gröbsten sind, dicht
bedeckt mit dazwischenstehenden haartragenden Punkten.
Die Mitte durchzieht eine feine, undeutliche, glatte Längs-
linie. — Die Flügeldecken sind denen von T. muan-
sanus Kolbe sehr ähnlich; im proximalen Viertel sind sie
kräftiger als bei vorbeschriebenem T. discedens vorgezogen;
die Seiten sind sehr schwach vor-, der Apex ist wie die
Stctt. cntoinol. Zeit. 1909. 13''
196
Basis stumpf abgerundet. Ziemlich konvex fallen sie von
der Sutur zuerst allmählich, dann von der 4. Rippe etwa
schroffer nach den Seiten zu ab, während sie sich im letzten
Fünftel nicht ganz so schroff als bei vorbeschriebener Art
discedens nach dem Apex zu herabsenken. Der Rand der-
selben ist ziemlich breit, glatt, unbehaart, die Randleiste
ungemein fein. Jede Flügeldecke trägt (ohne die suturale)
6 glänzende Rippen, wovon 2, 4, 6 viel kräftiger als die
übrigen, auch länger als diese sind; nur die erstgenannten
reichen von der Basis bis ganz an das Ende der Flügel-
decken, während i, 3, 5 proximal stark verkürzt sind (5 am
stärksten) und distal auf die 6. stoßen. Die zwischen den
Rippen liegenden Skulpturstreifen sind ähnlich schwach
vertieft wie bei muansanus, die Querrippchen stehen dichter
als bei discedens, die Graneln derselben sind sehr fein.
Der Zwischenraum zwischen 6. Rippe und dem Rande
ist breiter als die Skulpturstreifen, er ist uneben von un-
regelmäßigen Erhöhungen und mit 3 undeutlich verlaufenden
Punktreihen versehen, deren tiefe Punkte sehr unregel-
mäßig stehen. Die glänzend schwarze Unterseite
ist glatt, fast punkt- und haarlos. Alle Episternen tragen
nur wenige Punkte, die den äußeren Teil derselben breit
freilassen, während bei der vorbeschriebenen Art discedens
und bei muansanus alle Episternen sehr dicht mit
Punkten besetzt sind. Die Bauchsegmente sind an den Seiten
uneben, in der Mitte ganz glatt und punktlos, nur auf dem
3. Segment finden sich an den Seiten einige Punkte; auf allen
fehlen die Chaetoporen. Das letzte Segment trägt dicht vor
dem Endrande eine Reihe tiefer Haarpunkte. Die Beine sind
schlank, kräftig, alle Schenkel und Tarsen, sowie die Tibien
der Vorderbeine sind glatt, haar- und fast punktlos, die mitt-
leren und hinteren Tibien sind fein punktiert und mit feinen,
sehr kurzen Börstchen bedeckt. Die mittleren Tibien tragen
am Apex außen einen Büschel kurzer rötlicher Börstchen.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
197
Tefflus Alluaudi n. spec.
4 cJ, 8 ? (coli. aiit.). o^ Länge 43—45 mm, Breite 17—18
mm; 2 Länge 45 — 48 mm, Breite 17 — 19 mm. — Kibwezi
(Wa-kamba, nord-östl. vom Kilimandjaro).
In dieser neuen, oben wie unten leicht gLänzendcn,
ganz schwarzen Art finden wir eine der größten und schönsten
der Gattung. Sie gehört in die Untergattung. Tefflus i. sp.
Kolbe und verweisen die ziemhch kurzen, die Basis des
Thorax nur wenig überragenden Antennen und das mäßig
lange Endghed der Maxillarpalpen der ^ dieselbe in die
Abteilung II zur sansibancHS-Grnppe. Hier steht s'e dem
T. kilimanus Kolbe am nächsten, unterscheidet sich von
demselben durch viel robusteren, gedrungeneren Bau, be-
trächtlichere Größe, viel stärkeren Kopf, erheblich breiteren
Thorax, höher gewölbte und breitere Flügeldecken, sowie
durch kräftigere und breitere Rippen. — Der große qua-
dratische Kopf verschmälert sich neben Clypeus und
Kopfschild. Ersterer ist von der Stirn durch eine feine,
tief eingeschnittene, jederseits sich nach vorn biegende
Linie von der Stirn getrennt; vorn auf der letzteren erhebt
sich wie bei Hacqimrdi ein vorn an genannter Linie gerade
abgeschnittener, hinten und oben stumpf abgerundeter
Buckel; die Seitenkiele der Kopfoberfläche sind hoch, kurz,
deutlich; der mittlere Teil der Stirn hinter dem Buckel
ist leicht gehoben in der Mitte, schwach und schmal ver-
tieft neben den Seitenkielen. Die ganze Kopf Oberfläche
ist nebst Clypeus punkt- und haarlos. Letzterer schiebt
sich hinten zwischen die vorspringenden Vorderecken der
Stirn ein, verschmälert sich leicht nach vorn und ist hinten
wie vorn gerade ab-, an den Seiten schwach ausgeschnitten.
Die Oberseite desselben ist glatt, glänzend und zeigt beider-
seits einen rundHchen, seichten, in der Mitte einen schmalen
länglichen Eindruck, der sich hinten auf den Stirnbuckel
verlängert. Das Kopfschild ist von gewöhnlicher Form
Stett. entomol. Zeit. 1909.
198
mit den bekannten 4 Haarpunkten. Die großen gelblich-
braunen Augen treten nur schwach vor. Die hinten breiten
Mandibeln biegen sich ziemlich schroff nach der scharfen
Spitze um. Die feinen Antennen überragen die Bas's des
Thorax nur wenig, mit 2 Gliedern etwa. Das 3. Glied der-
selben fast so lang als die beiden folgenden zusammen.
Das letzte Glied der Maxillarpalpen beim S von mittlerer
Länge. — Der sehr große Thorax ist hexagon, etwas
breiter als lang (10 oder 11 : 12 mm). Von den stumpf
abgerundeten, dem Halse dicht anliegenden Vorderecken
verbreitert derselbe sich stark in fast gerader Linie bis
zu der im stumpfen Winkel vorgerundeten Mitte, um von
hier, wo die größte Breite liegt, sich in ganz gerader Linie
bis zu den stumpfwinklig vorragenden Hinterecken ebenso
stark zu verschmälern. Die leicht ausgeschnittene Vorder-
seite desselben ist merklich breiter als die ganz gerade
Hinterseite, beide sind randlos. Die Seiten sind in ihrer
ganzen Länge von einer kräftigen, leicht aufgebogenen
Randleiste umgeben. Die Oberfläche des wie bei T. kili-
nianus Kolbe gleichmäßig fein und dicht gerunzelt-punk-
tierten Thorax ist ziemlich konvex, nach den Seiten zu
abgeflacht, hier kaum aufgerichtet; vor der Hinterseite
ist er tief eingedrückt, was an den Seiten besonders in die
Erscheinung tritt. In der Mitte desselben verläuft eine
feine glatte Längslinie, die weder die Basis noch den Apex
erreicht. — Die sehr hoch gewölbten breiten Flügel-
decken sind proximal wie distal gleichmäßig stark
vorgezogen und an den Seiten stark vorgerundet. Neben
der Sutur ziemlich flach, fallen sie zuerst allmählich, dann
von der 5. Rippe etwa schärfer nach den Seiten zu ab,
während sie sich im letzten Viertel schroff nach dem Apex
zu senken, was besonders von den $$ gilt. Der Rand der-
selben ist sehr schmal, die Randleiste äußerst fein. Jede
Flügeldecke trägt (ohne die suturale) 7 gleich hohe und
Stett. entomol. Zeit, 1909.
199
gleich breite Rippen, die sich bei den $$ besonders breit
entwicicelt haben. Dieselben sind ebenso angeordnet, wie
man es bei den meisten großen Tefflus-Arten findet. Die
Querrippen der schmalen Sknlpturstreifen sind sehr
flach, dicht gestellt und mit äußerst feinen Graneln
versehen, ganz ähnlich so wie snan es bei T. kilimanus
findet. Die Suturalrippe ist etwas schwächer entwickelt
als die übrigen. Die glänzend schwarze Unterseite
ist fast punkt- und haarlos, alle Episternen sind frei
von Punkten, die Bauchsegmente ohne Chaetoporen,
nur das letzte zeigt vor dem Endrande jederseits
neben der Mitte eine Reihe von wenigen groben haar-
tragenden Punkten. Beine lang und schlank, ohne
Eigentümlichkeiten.
Diese neue prächtige Art habe ich dem Entdecker
Herrn Ch, Alluand in Paris gewidmet.
Tefflus gracilis n. spec.
I ^ (coli. aut.). Länge 40 mm. Breite 15 mm. — Deutsch-
Ost-Africa (Lukuledi) .
Diese wenig glänzende, ganz schwarze neue Art gehört
in das Subgenus Teffliis i. sp. Kolbe. Hier verweisen der
große Kopf, die langen Endglieder der Maxillarpalpen
und besonders die kurzen, die Basis des Thorax kaum
überragenden Antennen dieselbe in die Reichardi-Gvuppe.
Hier steht sie dem T. Reichardi am nächsten, doch unter-
scheiden der schlankere Hubitus, der erheblich schmälere
Thorax und die proximal wie distal viel stärker eingezogenen
Flügeldecken die neue Art leicht von demselben. — Der
große breite Kopf verschmälert sich schwach neben
dem Clypeus und dem Kopfschild. Die Oberfläche ist
schwach, verschwommen skulptiert, die Seitenwulste der-
selben sind sehr flach, die mittlere, nicht glänzende Längs-
erhöhung erscheint als schwach konvexes längliches Dreieck,
Stctt. entomol. Zeit. 1909.
200
das mit der vorderen Seite an die Stirnnaht stößt und mit
der Spitze hinten auf dem Scheitel endet. Die Seiten-
vertiefungen sind undeutlich umgrenzt, unregelmäßig längs
gerunzelt. Die ganze Kopf Oberfläche mit Clypeu^, sind
glatt, unpunktiert, haarlos, das Kopfschild trägt 4 Haar-
punkte. Der durch eine feine, kaum sichtbare Naht von
der Stirn getrennte Clypeus ist glatt und zeigt kaum eine
Andeutung der bei den anderen Arten gewöhnlichen Ein-
drücke. Die schwarzen Augen sind stark vorgewölbt. Die
Mandibeln sind von gewöhnlicher Form, hinten breit, vorn
mit stark gebogener feiner Spitze. Die schwachen Antennen
sind kurz, wenig die Basis des Thora.x überragend, dis
3. Glied so lang als die beiden folgenden zusammen. Das
Endglied der Maxillarpalpen beim ,J* lang und breit. —
Der hexagone Thorax erscheint sehr sclimal, ist wenig
länger als breit (10 : 9 mm); von den abgerundeten, dem
Halse dicht anliegenden Vorderecken verbreitert er sich
nur wenig in gerader Linie bis zu der stumpf vorgerundeten
Mitte (wo die größte Breite liegt), um sich von hier in gleicher
Weise bis zu den stumpf zugerundeten Hinterecken zu
erweitern. Vorder- wie Hinterseite gleich breit, gerade
abgeschnitten, randlos. Die Thoraxseiten haben in ganzer
Länge eine feine, kaum aufgebogene Randleiste. Die
Thoraxoberfläche ist leicht konvex, an den Seiten leicht
und schmal abgeflacht, vor den Hinterecken mit deut-
lichen tieferen Eindrücken. Sie trägt überall eine dichte
mit Punkten untermischte Runzehmg, ganz ähnlich so
wie T. kiUmanus Kolbe und T. Alluaudi n. sp. sie zeigen.
In der Mitte derselben verläuft eine deutliche, glatt ein-
geschnittene Längslinie, die weder die Basis noch den
Apex erreicht. — Die sehr schmalen schlanken Flügel-
decken ((^) sind im vorderen wie hinteren Viertel gleich
stark eingezogen, an den Seiten gleichmäßig schwach vor-
gerundet, am Apex vor der Sutur leicht ausgeschnitten.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
201
Der Rand derselben ist sehr schmal, die Randleisten änßerst
fein, kaum aufgebogen. Sie sind hoch gewölbt, an der
Sutur leicht abgeplattet und fallen zuerst allmählich, dann
von der 5. Rippe schroff jiach den Seiten zu ab. Nach
dem Apex zu senken sie sich in der distalen Hälfte sehr
allmählich. Jede derselben trägt (außer der suturalen)
7 ziemlich flache breite Rippen, die so angeordnet sind,
wie bei den großen Teff Ins- Arten meist. Die zwischen diesen
Rippen liegenden Skulpturstreifen sind kaum so breit
als diese, was besonders von den inneren gilt. Die zwischen
der 7. Rippe und dem Rande liegende Langfläche ist wenig
breiter als die Skulpturstreifen. Die Suturalrippe ist
schwächer entwickelt als die übrigen Rippen. Die Unter-
seite glänzt stärker als die obere, sie ist glatt, fast punkt-
und ganz haarlos. Alle Episternen sind ohne Punkte, die
Bauchsegmente ebenso, auch fehlen ihnen die Chaetoporen;
nur das letzte Segment zeigt vor dem Endrande jeder-
seits neben der Mitte 3 bis 4 tiefe haartragende Punkte.
Die Beine sind kräftig, schlank, fast ohne Punktierung,
ganz haarlos und ohne Eigentümlichkeiten.
Stett. entomol. Zelt. 1909.
202
Cutiteiebra Schroederi,
eine neue parasitäre Fliege
(Oestridae olim).
Von Dr. Ciiiiii4liei* Kiiilerleiii. Stettin.
Unter den Oestriden des Stettiner Zoolog. Museums
fand sich folgende neue Cutitcr ehr a- Art:
Cutiterebra Schroederi nov. spec.
Kopf ein wenig breiter als der Thorax vorn, schwarz.
Stirn in der Mitte etwas vorgezogen. Scheitel und Stirn
in der Mitte stark matt, kurz abstehend schwarz behaart,
in der vorderen Hälfte der Entfernung zwischen Fühler-
grubenwall und vorderem Ocellus eine eingedrückte Median-
furche. Seitlich der vorderen Hälfte der Fühlergrube jeder-
seits eine Querbeule zwischen Fühlergrubenwall und Augen,
die vorn und in der Mitte poliert glatt und unpubesciert
(mit Ausnahme weniger Härchen am Augenrande) und
hinten mäßig dicht pubesciert und am Grunde jedes Haares
punktiert ist. Fühlergrube sehr matt, graulich schwarz.
Fühler schwarz, Haare an der Fühlerborste an der Spitze
bräunlich, i. und 2. Fühlerglied auf der Oberseite gelb
behaart, an den Seiten braun bis schwärzlich. Kopfhinter-
seite gelb behaart, am Rande schwarz behaart. Wangen
gelbbraun, diese und die Umgebung der Mundöffnung
gelb behaart. Augen schwarzbraun.
Thorax oben mattschwarz, schwarz behaart; unten
gelbbraun, gelb behaart; Mitten der Seiten mit großem
rundlichen, schwarz behaarten Fleck. Schildchen matt-
schwarz, ziemlich dicht und lang schwarz behaart, an der
Spitze einige gelbe Haare, besonders von unten her.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
203
Beine und die dichte Beinbehaarung schwarz. Hinter-
leib ziemhch gedrungen, wenig länger als vorn breit. Oben,
mit Ausnahme eines schmalen Seitenstreifens, auf jeder
Seite schwarz, die 3 ersten Tergite mit intensiv blauem
Metallglanz, 4. (letztes) Tergit ohne diesen. Unterseite
und die Seiten rötlich braungelb, i. Sternit schwarz be-
haart, die übrigen gelb behaart.
Flügel ziemlich dunkel braun.
Körperlänge 23,5 mm; geringste Scheitelbreite 3^ mm;
größte Kopfbreite 834 nim; Abdominallänge 12 mm; Flügel-
länge 19 mm.
Peru. Chanchamayo. i $. Gesammelt von Hoff-
m a n n s.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Diese Species wurde Herrn Rektor G. Schroeder
in Stettin gewidmet.
Cyaneoderes Dormeyeri, eine neue
Xylocopide.
Von Dr. Güiitliei* En der lein. Stettin.
Die Gattung Cyaneoderes Ashm. 1899 wurde von
Ashmead auf der C. Fairchüdi Ashm. und C. coerulea (F.)
begründet; erstere ist jedoch nom. nud., so daß als Typus
der Gattung letztere bleibt. Aber auch die Xylocopa unicolor
Smith 1860 ist in diese Gattung einzufügen, da sie gleichfalls
nur 2 Radialzellen (Cubitalzellen) besitzt, wie auch schon
Smith, Trans. Ent. Soc. Lond. 1874 p. 274 angibt, und
wie ich an einem vorliegenden Exemplar des Stett. Zoolog.
Mus. aus Ceram ersehe.
Im folgenden beschreibe ich eine interessante neue
Species mit stark dichromen Geschlechtern, die ich dem
stett. entomol. Zeit. 1909.
204
Carabidologen Herrn Dr. C. D o r m e y e r in Stettin
freundschaftlichst widme.
Cyaneoderes Dormeyeri nov. spec.
$. Kopf schwarz mit blauer Behaarung, dicht punktiert ;
Clypeus mit breiter, medianer, kräftiger und poliert glatter
Längswulst, am Hinterrande des Clypeus keine Querwulst.
Abstand der hinteren Ocellen vom vorderen Ocellus geringer
als der Ocellendurchmesser. Vor dem vorderen Ocellus
ein medianer Längskiel, das mitten zwischen der Basis
der Fühler plötzlich endet und in der Mitte eine feine Rinne
trägt, die nach vorn zu verschwindet, nach hinten zu sich
verbreitert und abflacht. Schräg nach hinten und außen
von jedem hinteren Ocellus liegt eine kräftig eingedrückte
runde Grube, die etwas kleiner als die Ocelle ist und ihren
Rand tangiert. Kopf ziemlich dicht mit blauen Fieder-
haaren besetzt, auf dem Clypeus spärlicher; sie sind mit
Ausnahme der der Wangen und Schläfen mit spärlicheren
schwarzen Fiederhaaren durchsetzt. Fühler schwarz, Geißel-
imterseite dunkelrotbraun.
Thorax und Scutellum schwarz, dicht punktiert, mit
Ausnahme eines mäßig breiten Medianstreifens, der poliert
glatt ist; Behaarung dicht, blau, mit Ausnahme einer kleinen
rundlichen Stelle in der Mitte der Oberseite. Beine schwarz,
dicht schwarz behaart, i. Vordertarsenglied hinten an der
Basis mit einzelnen blauen Haaren untermischt, Vorder-
schienenbehaarung hinten völlig blau. Scutellum hinten
breitrandig überstehend. Abdomen schwarz, i. Tergit
dicht blau behaart, 2. mit schmalem ebensolchen Seiten-
streifen. Die übrige Behaarung schwarz; auf der Ober-
seite spärliche, kurze unbewimperte Pubescenz, an den
Seiten lange zum Teil bewimperte Haare.
Flügel dunkelbraun mit stark rot-violettem Glanz.
c^. Die Behaarung des Kopfes und Thorax ist geib-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
205
braun, die des i. Abdominaltergites schwarzbraun, die
übrige Abdominalbehaarung schwarz. Geißelunterseite rot-
braun. Mittelsegment rötlich gelbbraun, Punktierung sehr
fein, die Medianfurche geht auf das schmale Postscutellum
über. Beine dunkelbraun behaart.
Flügel dunkelbraun mit goldgelbem Glanz, am Vorder-
rand des Vorderflügels Spuren von rot-violettem Glanz.
Körperlänge: (^ i8 — 1814 rnm, $ 15 — 18 mm.
Geringste Scheitelbreite zwischen den Augen : (^ zirka
1Y2 mm, $ 2 14 iTirn.
Größte Gesichtsbreite in der Mitte : c? 2 14 irirn. ? 3 /4 rnrn-
Größte Abdominalbreite: (^ 9 mm, $ 8 14 — 91/2 mm.
Nias, Goenoeng-Sitoli: 2 (^, 8 $.
N i a s : i ■ $.
C e n t r a 1 - N i a s : 19.
H i n t e r - I n d i e n , Singapore 1898 : i 0. Ge-
sammelt von L. B i r o.
Sämtliche Typen im S t e t t i n e r Zoolog. Mu-
seum.
Die viel größere Cyancodcrcs coerulea (F.) hat keine
Median wulst des Clypeus, nur einen glatten Längsstreifen
an deren Stelle, besitzt am Hinterrande des Clypeus einen
Querwulst; ihre geringste Scheitelbreite zwischen den
Augen beträgt zirka 3 mm, ihre größte Stirnbreite in der
Mitte zirka 4V2 nim, ihre größte Abdominalbreite 11 — 12^-2
mm. Zudem besitzt das Männchen nahezu die Färbung
des ^, nur ist das Blau mehr ins Grünliche gezogen.
Stctt. cntoiiiol. Zeit. 19(»!).
206
Iiilialtsverzeiclniis.
(Heft I 1909).
Bericht über eine entomologische Studienreise in Süd-
amerika. Von Dr. Fr. Ohaus, Hamburg. S. 3. — Beitrag
zur Kenntnis der Orthopteren-Fauna Bessarabiens. Von
A. M. Schugurow, Kaukasus, Kutais. S. 140. — Neue
und bekannte Gattungen und Arten der Subfamihe Cerco-
pinae Stul, des indoaustraHschen Faunengebietes, ein
Beitrag zur Kenntnis der Cercopiden. (Hemiptera-Homop-
tera.) Mit 5 Textfiguren. Von Edmund Schmidt in Stettin.
S. 146. — Zwei neue Fulgoriden aus dem Stettiner
Museum von demselben. S. 187. — Neue Arten aus
der Gattung Tefflus. Beschrieben von Chr. Sternberg,
Stralsund. S. 192. — Cutiterebra Schroederi, eine neue
parasitäre Fliege. (Oestridae olim.) Von Dr. Günther
Enderlein, Stettin. S. 202. — C^/aneoderes Dormeyeri,
eine neue Xylocopide von demselben. S. 203. — Inhalts-
verzeichnis. S. 206.
Ausgegeben im Oktober 1908.
Slett. pntomol. Zeit. 1900.
litomokgisciie Iiltii;
hcraustrt'Lrcljcn von dem
entomologischen Vereine
zu Stettin.
Redaction: Dr. Heinrich Dohrn, Vorsitzender.
In Commission bei der Bnchhandlnng R. Friedläuder & Sohn in Berlin.
1909. 70. Jahrgang. Heft II.
Neues über Rhopaloceren.
Von II. Fi*iBli)Btoi*fei*.
I.
Neue Eunica.
Euniea sydonia Godart.
Nymph. sydonia Godart, Enc. Metli. IX. p. 416, 1823.
Godarts Beschreibimg und Herrich- Schaf fers Figur in
Exot. Schmett. 1852 — 1858, f. y^ — 76, beziehen sich auf
ein und dieselben Rassen jener schönen Eunica, die bisher
nur aus Brasilien bekannt war.
Aus Surinam liegt mir jetzt eine schon durch ihren
stattlicheren Habitus ausgezeichnete, prächtige Lokalform
vor, die ich als poppaeana bezeichne.
Wir kennen somit
a) sydonia Godart. E>rasilien, Espiritu-Santo, 2 ^^
CoH. Frühst.
b) sydonia poppaeana nov. subspec.
Schwarzer Distalsaum der V'orderflügel gleichmäßig —
analwärts nicht wie bei sydonia verbreitert.
Der violette Anflug der Hinterflügelbasis viel aus-
gedehnter.
Stett. cutoinol. Zeit. 1909. 14
210
Unterseite: Nicht matt nnd gleichartig röthch braun
wie bei sydonia, sondern diclit mit grauen Schuppen be-
streut. Die Flügelfläche besonders im Analteil stark glänzend,
Costalrand der Hinterflügel bis zur Flügelmitte weißlich
violett gesäumt und mit nur i — 2 statt 4 postmedianen,
kleinen schwarzen Punkten.
Das bisher unbekannte ^ der Art ist oberseits grau-
braun mit tiefschwarzem Apex der Vorderflügel und einer
schmalen, sclnvarzen leichtgewellten Submarginalbinde der
Hinterflügel.
Vorderflügel dann noch mit 2 kleinen weißen Sub-
apicalpunkten und einer breiten, unregelmäßigen weißen
Schrägbinde, die von der Costale sich bis zur hinteren
Mediane ausdehnt. Der oberste Fleck schmal, der unterste
distal etwas abgerückt.
Patria: Surinam, 3 oö" i $ Coli. Fruhstorfer.
Eiinica caeiina Godart.
Vanessa cael. Godart, Enc. Meth. 1823 p. 822, Bresil.
Auch von dieser ansehnlichen Species existieren in
den Sammlungen zwei Lokalrassen, nämlich :
a) caeiina caeiina Godart. Brasilien, Rio Grande
do Sul, I (^ Coli. Fruhstorfer.
b) caeiina alj^cia nov. subspec.
Fun. caeiina Stdgr., Exot. Schmett. 1888 p. iio. Oberer
Amazonas.
Erheblich größer als a, Vorderflügel viel heller violett,
Hinterflügel lichter braun, Weißpunktierung der Vorder-
flügel-Oberseite diffuser.
Unterseite: Die gesamten Weißzeichnungen ausge-
dehnter, Hinterflügel namentlich in der Analregion fast
ganz grauweiß anstatt schwarzbraun, die subapicale Schräg-
binde der Vorderflügel jedoch fast um die Hälfte schmäler.
Patria: Amazonas supr. i ^ Coli. Fruhstorfer.
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
211
Eunica pomona Felder.
Faimis pomona Felder, Reise Novbr. 1867, t. 52,
f. 11/12.
Von dieser häufigen Art liegen mir aus Colubien zwei
Formen vor, von denen eine unterseits hellere mit Felders
Figuren kongruente aus Sendungen stammt, die Mr. Weeks
in Boston empfing, und die vielleicht in der Ebene gefangen
wurden, während die dunklere, wohl Berg- oder Regenform,
jenen Importen entnommen ist, die alljährlich nach Deutsch-
land gelangen.
Die neue Rasse nenne einstweilen :
forma pompata nova.
Q. Oberseite tiefer, mehr blau statt violett gefleckt.
Unterseite dunkler. x\lle Ocellen der Hinterflügel
kleiner, schmäler gelb geringelt, die schwarzen Submarginal-
binden prominenter.
Patria: Columbien, 2^0 Coli. Fruhstorfer.
Eunica noriea Uew.
Cybdel. nor. Hew., Exot. Butt. 1852, t. 2, f. 3, Co-
lumbia.
Von dieser relativ kleinen Species besitze zwei gleich-
falls leicht zu unterscheidende andinische Rassen :
a) noriea noriea Hew. Columbien.
b) noriea occia nov. subspec.
Vorderflügel tiefschwarz ohne matten violetten Schimm?r
den noriea bei guter Beleuchtung zeigt.
Hinterflügel mit fast doppelt so breitem, intensiveren
und etwas hellerem blauen Distalfleck, der proximal sich
der Zelle nähert, während er bei noriea weit jenseits des
Zellapex abschneidet.
Unterseite : Dunkler, schwarzfleckig, prägnanter und
mit violettem Anflug der Hinterflügel, der bei noriea felilt.
Patria: Peru, Pozuzo, 2 (^(^ Coli. Fruhstorfer. ■
Stett. entomol. Zeit. 1909. 14*
212
Eunica bechina Hew.
Cybdel. bech. Hew., Exot. Butt. 1852, t. 2, f. 10.
Eun. bech. Stdgr., Exot. Schmett. 1888 p. 108, t. 40.
Über die Formen dieser Species herrscht noch Un-
klarheit, da sie sehr selten sind und zudem zu geogr. Diffe-
renzierung neigen.
Exemplare, wie sie Staudinger abbildet, kommen über-
haupt nicht in den Handel; was jetzt von Dresden aus
als bechina versandt wird, gehört zu einer Rasse, deren
Blaufleck bis an die Costale reicht.
Aus Columbien besitze ich ein Exemplar, das ein
Etiquett von Staudingers Hand trägt, ,,bcchiua var. nicdcl-
lina."' Ein Autor ist nicht genannt, vermutlich wollte es
Staudinger beschreiben.
In Columbien wurde jedoch bereits eine hcchina-\^()k^\-
form gefunden, die seit 1864 als evelide Bates bekannt ist,
und die auch Staudinger 1. c. erwähnte. Medellina muß
daher wohl auch von cvclidc differieren, so daß wir bechina
aufteilen können in :
a) bechina bechina Hew. Amaz. sup. i o Coli. Fruh-
storfer.
b) bechina evelide Bates. Columbien.
c) bechina medellina nov. subspcc.
E. med. Stdgr. i. 1.
Ausgezeichnet durch besonders intensive helle und
ausgedehnte Blaufärbung der Flügeloberseite und zwei
sehr große weiße Subapicalpunkte. Von der zweiten (trans-
cellularen) Punktreihe fehlt die mittlere Makel.
Der blaue Basalfleck der Hinterflügel ist schärfer
abgegrenzt als bei meinen übrigen /;rr///;?c7-Exemplaren.
Patria : Columbien, Type mit Staudingers Original-
etiquett von A. Bang-Haas erworben.
d) bechina chorienes nov. subspec.
Die Blaufärbung der Flügeloberseite viel matter und
Stett. entomol. Zeit. 1909.
213
dunkler als bei hechina vom Amazonas und Columbien.
Vorderflügel mit nur zwei Subapicalmakeln, die trans-
cellulare Punktreihe fehlt völlig.
Unterseite: Vorderflügel ohne Spur ein?r transcellu-
luren Punktierung, der weiße Distalbezug sehr eingeschränkt.
Hinterflügel mit ausgeprägteren Ocellen als hechina.
Patria: Brasilien, Espiritu-Santo, 2 5*^ Coli. Fruh-
storfer.
Eunica volumna Godart.
Nym. volumna Godart, Enc. Meth. 1823 p. 416.
Der Name volumna findet sich außer bei Godart und
im Kirbyschen Catalog nirgends erwähnt. Godarts wie
immer äußerst zutreffende Beschreibung läßt mich, aber
kaum zweifeln, daß er eine Art vor sich hatte, von der
Felder später eine Lokalform als tithonia beschrieb.
Mir liegt nun eine dritte Form vor, so daß ich volumna
aufteile in
a) volumna tithonia Felder.
Faunis tithonia Felder, Reise Xovbr. 186* p. 199,
t. 52, f. 6—8.
Patria: Bahia.
b) volumna volumna Godart.
Patria: Bresil; vermutlich Rio de Janeiro.
Godart sah nur i Exemplar, über dessen Geschlecht
er sich nicht klar war. Der Beschreibung nach war es ein ^,
ungefähr 3 Daumen breit, (trois pouces!) Drei Daumen
breit ist nach imserer heutigen Auffassung eine recht un-
bestimmte Größenangabe. Zunäclist ist es schon gar nicht
leicht mit seinen eigenen, die Breite von 3 Daumen auf
einem Schmetterlingsflügel abzumessen, was jeder erfährt,
der es versucht. Dann sind die Daumen der einzelnen
Personen doch recht verschieden. Drei von mir messen
65 mm, jene meiner Frau 45 min. wie breit mögen nun Herrn
Stett. entomol. Zeit. 1909.
214
Godarts Daumen gewesen sein, der ,,provisenr" (Director)
des Lyceums in Bonn war ?
c) volumna intricata nov. subspec.
(^ kleiner als a und b. Spannweite 55 mm.
Oberseite tief schwarz.
Hinterflügel bei seitlicher Beleuchtung mit dunkel
violettem Schimmer. Marginalbinde der Hinterflügel sehr
schmal, kaum Y^^ so breit als auf Fekkrs Figur.
Unterseite : Vorderflügel schwarz mit liellgrauem
proximal grünlich angelaufenem Distalsaum, der drei
schwarze, weit getrennte Subapicalpunkte umscliheßt.
Costalrand grünlich blau, Zelle mit einem basalen, einem
subbasalen und einem apicalen Querfleck von licll me-
tahisch blauer Färbung. Jenseits der Zelle eine graue,
proximal licht grünbkiu begrenzte längliche, eingeschnürte,-
oben etwas gekrümmte Ocelle.
Medianregion mit obsoleten dunkelblauen Fleckchen.
Hinterflügel grau, längs der Zickzackbänder grünlich
angelaufen. Die m.ediane und submarginale Transversallinie
scharf und oft gekniet. Zwischen beiden eine zweikernige
obere und eine doppelte anale Ocelle.
Beide gelblich braun, blau gekernt. Die innere Trans-
vcrsalbinde distal, die äußere proximal von braunem Schatten
begleitet.
An der Basis der SC. ein brauner Hacken, in der Zelle
ein bräunlicher Fleck.
Patria: Santa Catharina, Brasilien, Blumenau, i (J.
Eine wenigstens oberseits und besonders auch der
Vorderflügel-Unterseite nahe Verw^andte der columna-
tithonia ist die ansehnliche Eunica celina Hew. von Ega
am Amazonas beschrieben, von der ich einen ^ (celniina
nova subspecies) aus Suapi in Bolivien besitze, der durch
eine sehr breite licht blaugraue Submarginalbinde der
Stett. entomol. Zeit. 190"J.
215
Hinterflügel-Öberseite und iinterseits durch kleinere Ocellen
bemerklich wird.
Euiiica cinara Hew.
Cybd. cinara Hew., Exot. Butt. 1852, t. i, f. 2.
Von dieser oberseits am reichsten blau dekorierten
Ennica wurde neuerdings eine zweite Lokalrasse in Peru
entdeckt, so daß folgende Zweige der Art existieren :
a) cinara cinara Hew. Oberer Amazonas. (i q
Coli. Fruhstorfer.)
b) cinara oreandra nov. subspec.
Gr()ßer als der nomenklatorische Typus; der in die
Oberfläche aller Flügel überziehende Schiller intensiver
und mehr metallisch blau als dunkel violett, was besonders
in der Analregion der Hinterflügel bemerklich wird.
Unterseite: Apex der Vorderflügel und die Hinter-
flügel in ihrer ganzen x\usdelmung fast weißlich grau anstatt
rötlich violett.
Ocellen größer, deren graue Peripherie breiter angelegt,
die subapicale Schrägbinde der Vorderflügel aus viel
lichteren und fast noch einmal so großen Flecken als bei
cinara zusammengesetzt.
Patria: Peru, Pozzuzo, i q Coli. Fruhstorfer.
Eunica marsolia Godt.
Nym. mars. Godt., Enc. Meth. 1823 p. 418, cJ?, Bresil,
und
Eunica taurione Hb.
Zuträge Exot. Schmett. 1832, f. 783/784, $, Brasil,
gehören als (^ und $ zusammen, im Kirby sehen Catalog
stehen sie durch ^y Nummern getrennt. Zwei Lokalrassen
sind zu vermerken :
a) marsolia Godart. Minas Geraes, i $ Coli. Frühst.
b) marsolia fasula nov. subspec.
Stott. entomol. Zeit. 1009.
216
$ kleiner und dunkler als a, die weißen Fleckchen
der Vorderflügel viel kleiner, der schwarze Distalsaum
ausgedehnter und die submarginale Punktreihe der Hinter-
flügel prägnanter.
Patria: Amazonas sup. 3? Coli. Fruhstorfer.
Eunica ariba, Stett. Ent. Ztg. 1907 p. 48, beschrieben,
muß als caralis ariba m. bezeichnet werden; (Amazonas)
neben caralis caralis Hew., Columbien.
II.
Neue Zethera und Übersicht der bekannten
Arten.
Die Gattung Zethera nimmt eine schwer zu präzisierende
Stellung unter den Satyriden ein, so daß sie von Schatz
mit Bia und Elymnias zu den unsicheren Generas gestellt
wurde. Felder hielt sie für eine Nymphalide und schaltete
sie, wahrscheinlich durch die langen Fühler verleitet, zwischen
Euripus und Penthema ein. Semper eröffnet mit Zethera
die Serie der philippinischen Satyriden und ich selbst würde
sie nahe Neorhina und Anadebis einreihen.
Zethera Felder.
Felder, ,,Ein neues Lepidopteron" 1861 p. 26.
Semper, Schmett. Philipp. Mai 1886 p. 35; Adernetz,
p. 36.
Staudinger, Exot. Schmett. 1883 p. 223; Schatz 1. c. II.
p. 223, t.
Amechania Hew., Exot. Butt. t. i, Juli 1861 ; Stau-
dinger 1. c.
Zethera Butler, Cat. Satyr. Brit. Mus. 1868 p. 109.
A. Die oberen Medianadern der Hinterflügel gabeln sich
an der unteren Zellwand.
aa) Geschlechter dimorph.
stett. eutomol. Zeit. 1909.
217.
Zethera pimplea Erichson.
Cynthia pimplea Erichson, Nova Acta Nat. Cur. XVI.
Suppl. p. 40, f. 5, o^, 1834.
Übrige Literatur bei Semper 1. c. p. 36 und Butler,
Cat. Satyr. Brit. Mus. 1868 p. 109.
Fruhstorfer, Iris 1899 p. 78/79. Mimetische Ähnlichkeit
erwähnt.
a) pimplea pimplea Erichson.
Semper, p. 36; Staudinger 1. c. p. 223.
c) ^. forma typica = Erichsons fig. 5; Staudinger 1. c,
t- 79. ^•
p) ,^. forma arayata nova = Sempers fig. i 1. c.
Kleiner als normale pimplea mit schmälerer weißer
Binde, die sich costal- und analwärts erheblich verschmälert.
Patria: Berg Arayat, Luzon; Flugzeit April.
$$ mit breiten Subapicalf lecken.
y) $. forma aganippe Felder.
Zethera agan. Felder, Reise Novara, t. 54, f. 3.
Vorderflügel mit sehr großen weißen Subapical- und
Submarginalflecken und gelblichen oder weißen Strigae
in der Zelle und der Medianregion; vier große Makeln vor
dem Zellapex.
Hinterflügel, abgesehen vom schwarzen, weißlich ge-
sprenkelten Distalsaum, grünlich oder gelblich weiß gestreift.
Mimetische Form heller Danaiden-$$.
Patria: Luzon.
S) $. forma typica = Sempers fig. 3, t. 7.
Vorderflügel ohne Flecken vor dem Zellapex, Zelle
nur mit einem blau weißen Längsstrich, die übrigen Strigae
der Vorderflügel reduziert, blauviolett überzogen.
Hinterflügel wie bei aganippe nur blau anstatt gelb-
weiß; allgemeine Ähnlichkeit mit Trepsichrois-'^^.
Patria: Luzon. Dies ist nach Semper die gewöhn-
lichste Form in der Nähe von Manila.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
218
f) $. forma crastimima nova.
Vorder flügel ganz schwarz, nur mit breitem, schrägem,
weißem Subapicalfleck und einigen subanalen weißen
Punkten.
Hinterflügel wie bei forma typica, Strigae jedoch ohne
violetten oder blauen Reif.
Ausgezeichnete mimetische Form der Euploea [Crastici)
tobleri Semper.
Patria: Bataan, Mittelluzon, wo sie ]nit lohleri zu-
sammen fliegt.
D ?. forma parnassia Felder.
Vorderflügel nur nocli mit vier weißen Subapicalmakeln.
Hinter flügel schwarz mit Ausnahme weniger weißer
Ante- und Submarginalpunkte.
Mim.etische Form der gewöhnlichen Euploea siijainsoiii
Godart, insbesondere das $.
Patria: Sta. Rosa, Mittel-Luzon.
Patria der piinplea Erichson: Luzon, Polillo (Semper),
Lepanto-Distrikt und Manila auf Luzon, 5 ö'o Coli. Frühst.
b) pimplea diloris nom.. nov. für Sempers fig. 2, p. 36.
Die weiße Binde nimmt etwa 14 des Raumes der ge-
samten Flügel-Oberfläche ein und fließt im Analwinkel
der Vorderflügel mit den Submarginalf lecken zusammen.
Zweifellos Lokalrasse der nördlich von Luzon gelegenen
Babuyan-Inseln.
Patria: Babuyanes, Camiguin de Luzon (Semper).
c) pimpiea gadrosia nov. subspec.
= Staudinger 1. c, t. 79, $, necö. Semper 1. c. partim,
Mindoro.
Fruhstorfer, Iris 1. c. partim, Mindoro.
$. Färbungstypus an Trepsichrois erinnernd.
Vorderflügel mit verwaschenen Transzellular flecken,
aber prominenten Subapicalmakeln. Zelle mit nur einem
Längsstrich, Medianstrigae weißlich mit lichtblauer Peripherie.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
219
Hinterflügel weiß gestreift, alles übrige wie auf Stau-
dingers Bild, das von meiner Tj-pe nur durch den blau-
grünen Anflug der \'orderflügel und gelbliche Färbung
der Hinterflügel-Strigae differiert.
Patria: Mindoro, i 2 Coli. Fruhstorfer.
d) pimplca thermaea Hew.
Zethera thermaea Hew., Ent. Month. Mag. XU,
p. 178. 1877.
Semper 1. c, p. 37, t. 7, f. 6, qo- Ober- und Unterseite.
Fruhstorfer, Iris 1. c, p. 79.
Flugzeit: Januar bis November.
Ich glaube keinen Fehler zu begehen, wenn ich die
von Hewitson als Species behandelte ,,thcrniaea"" als den
südlichsten der bisher bekannten pimplea-Z\Neige betrachte,
da thermaea nur durch eine, stellenweise blau oder violett
überzogene jMedianbinde von pimplea aus anderen Fund-
orten abweicht.
Patria: Samar, Bohol, Panaon.
Zethera musa Felder.
Literatur bei Semper, p. ^^\ Fruhstorfer, Iris 1. c.
Felder, Reise Novara, t. 54, f. 6, 7, o- Ober- und
Unterseite.
Auch die Lokalrassen dieser Species wurden von Semper
und mir als Arten aufgefaßt.
Semper glaubt, daß die $$ ebenso zu Veränderungen
neigen wie pimplea-^^. Nach dem spärlichen Material,
das vorliegt, läßt sich dies aber noch nicht mit Sicherheit
behaupten, da erst 2 $$-Formen bekannt wurden, von
denen die hellere auf Bazilan ausschließlich in der Trocken-
zeit vorkommt.
Semper hat bereits beobachtet, daß von musa auf
Mindanao zwei Lokalformen existieren, und zwar zeigen
die (^(^ der Nordhälfte Mindanaos schmälere Binden als
Stett. entomol. Zeit. 1909.
220
jene der Südhälfte der Insel. Es ist auch natürlich, daß
z. B. auf der schmalen S.-W. -Landzunge, wo Zamboanga
liegt, die marinen Atmosphärilien intensiver einzuwirken
vermögen als im Hauptstock von Mindanao.
Die schmalbänderige Nordform taufe hier als:
a) musa septentrionalis nov. subspec, der
b) musa musa Felder als S ü d f o r m gegenüber-
steht.
Von musa existieren zwei 5-^"^'^^sgaben :
ci) $. forma typica (vermutlich Regenform)
= Sempers fig. lo auf taf. VII, p. 39.
Grundfarbe braun, überraschende Ähnlichkeit mit
Euploea snelleni Moore $. Hinterflügel mit relativ großen
länglichen weißen Strigae in der Medianregion.
^) $. forma radenoides nova
= Semper musa-$, p. 38 und p. 324.
Das erst von Dr. Platen entdeckte helle $ erinnert
an mixta Fruhstorfer von Bazilan und ähnelt im all-
gemeinen den Radena.
Wahrscheinlich ist radenoides Trockenform.
Patria: Mindanao.
c) )}msa mixta Fruhstorfer.
Zethera mixta Frühst., Iris 1899 p. y8; B. E. Z. 1899
p. 99 und 1900 p. 19.
Zethera musa de Niceville, J. Bomb. Nat. Hist. Soc.
1900 p. 162, t. CC, f. 4.
(^ differiert von juusa durch zierlichere weiße Punkte
der Vorderflügel und schmäleren sackartigen Fleck der
Hinterflügel-Oberseite, welche stets die runde Analmakel
isoliert trägt, während sie bei musa mit dem zentralen
Fleck zusammenstößt.
De Niceville bildet eine auffallend helle $-Form ab,
die von meinen $9 durch den weißlichen anstatt grünlichen
Anflug der Strigae aller Flügel abweicht. Vermutlich gehört
Stett. entomol. Zeit. 1909.
221
das de Nicevillesche $ einer noch extremeren Trockenform
an als meine Typen.
Die dunkelbraune $-Form fehlt bisher.
Patria: Bazilan, 2 ^5* 4 ?? W. Doherty Februar-März
1898 leg.
d) jjntsa nmsides Semper.
Zethera musides Semper 1. c. p. 38, t. 7, f. 8, g, (^.
o differiert von nnisa durch das Anwachsen aller weißen
Makeln und Binden und stellt die extremste albine
Variationsrichtung der ;;r?YS(7-Formen dar, ähnlich wie
diloris Fruhstorfer jene von pimplca.
Patria: Zebu, Guimaras und vermutlich Negros.
e) musa mindorona nov. subspec.
^. Die weißlichen Punkte der Vorderflügel obliterieren,
der Mediansack der Hinterflügel wird kürzer, breiter, und
löst sich auf der Unterseite in völlig isolierte, z. T. stark
verkümmerte, ovale Makeln auf.
5. Vom Typus der braunen Euploeen, ähnlich musa-^,
forma typica, nur mit reduzierterer Punktierung der Vorder-
flügel und viel kürzeren gelblichen Strigae der Hinter-
flügel.
Patria: Mindoro, q? Coli. Fruhstorfer.
bb) (i e s c h 1 c c h t e r m o n o m o r p h.
Zethera incerta Hew.
Amechania incerta Hew., Exot. Butt. II, t. i, Juli 1861.
Zethera incerta Hopffer, Stett. Ent. Ztg. 1874 p. 37.
Zethera incerta Stdgr., Exot. Schmett. 1888 p. 223.
(,,Ganz eigentümlich ist die große incerta von
Celebes, für welche die Hewitsonsche Gattung
Amechania am besten beibehalten wird." Stdgr.)
Fruhstorfer, Iris 1899 p. 79.
Die herrliche Spccies ist eine echte Zethera und ent-
fernt sich, abgesehen von den dimorphen Geschlechtern,
stett. entomol. Zeit. 1909.
222
struktuell viel weniger von den typischen Zethera als hcstioidcs
Felder, da sich die Medianadern dicht an der unteren Zell-
spitze der Hinterflügel abzweigen.
Zethera bewohnt anscheinend nur den Nordarm von
Celebes und wurde südlicher als Donggala noch nicht
beobachtet.
Beide Geschlechter präsentieren sich als eine mimetische
Form der ungemein häufigen Ideopsis vitrca Blanch., mit
denen sie zusammen gefangen werden.
Das bisher unbeschriebene $ ist größer als der ^, mit
viel hellerer Costalpartie der Vorderflügel und fast weißer,
niu^ von zwei schwarzen Strichen durchzogener Zelle.*)
Zwischen den Radialen der Vorderflügel färbt sich der
Zwischenraum in den kühn geschwungenen Submarginal -
zacken gelb und die beim (J ockerfarbenen Stellen der
Hinterflügel nehmen einen bleicheren Ton an. Die Adern
erscheinen zarter schwarz bereift.
Patria: Nord-Celebes, Toli-Toli (Novbr.-Dezbr. 1895
H. Fruhstorfer), Donggala (August 1896 W. Doherty leg.).
B. Die oberen Medianadern gabeln außerhalb der
Zell wand.
Geschlechter monomorph.
Zethera hestioides Felder.
Reise Novara, t. 54, f. 4, 5, ^, 1S67; Scmper 1. c. p. 39,
t. 7, f. II. ?.
Staudinger 1. c. p. 223; Fruhstorfer 1. c.
Diese durch die gleichartigen Geschlechter der incerta
entfernt verwandte Species differiert von allen Zethera-
Arten durch die sich erst außerhalb der Zelle gabelnden
Medianadern und man könnte, wenn diesem Merkmal
■') Ähnliche Linien, die sich z. T. nach der Zellvvurzel vereinigen,
linden sich häufig bei allen Danaiden. Martin hält sie für in der Onto-
genese zurückgebliebene Spuren früheren Geäders.
Stott. entomol. Zeit. 1909.
223
überhaupt irgend welche Bedeutung zukäme, also eher
auf hestioidcs als incerta eine Gattung gründen.
(^$ von hestioidcs ähneln etwas der Idcopsis glaphyra
Moore.
Patria: Mindanao, i (^ Coli. Fruhstorfer.
Abgesehen von den beiden letzten Species bilden die
Zctkeva eine Artengruppe, deren weitgehender ge-
schlechtlicher D i m o r p h i s m u s und deren
Neigung zu polymorphen Formen bei den 90 unter den
S a t y r i d e n überhaupt kein Beispiel findet.
Durch die Tendenz Euplocen und Danaidcn vorzu-
täuschen, führten sie sogar Felder auf Abwege, der sie
den Euripus anschloß, die ihrerseits in der Nymphalider-
welt wieder durch ihre nachäffende Euploeen- und Danaiden-
tracht eine absonderliche Stellung einnehmen.
III.
Bemerkungen über die Verwandten der
Euthaiia teuta Doubl.
Den hierher gehörigen Fornien wurde eine sehr un-
gleiche Behandlung zuteil.
Moore und de Niceville ließen alle Subspecies aus-
nahmslos als ,, Species" kursieren, Bingham dagegen be-
trachtet sie als ,, Rassen" zweier Arten, was für einige
Formen auch mit den Tatsachen im Einklang steht. Bing-
ham geht sogar so weit, die stark differenzierte recta de
Niceville aus Assam als ,,Races" neben teuta Doubl, (gleich-
falls aus Assam) zu stellen.
Wenn nun teuta und rccta wirklich nur einer Species
angehören, könnte es sich bei beiden, deren Verschieden-
heiten so sehr ins Auge fallen, doch nur um Zeitformen,
aber nicht um L o k a 1 r a s s e n handeln, v^^elch letztere
Bingham sonst recht folgerichtig als ,,Races" bewertet.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
224
Da mir von tcuta sowohl als auch von reda je zwei
Zeitformen aus Assam vorliegen und es mir geglückt ist,
in Siam gleichfalls zwei Formen zu finden, von denen die
eine als Ausläufer von tcuta, die andere als Zweig der recta
gelten kann, muß eine Rektifikation der früheren Tabellen
erfolgen.
Die Verteilung der fraglichen Euthaliiden stelle ich
mir deshalb so vor:
A. Gelbl. Medianbinde der Vorderflügel nach innen
gerückt.
Makeln der Medianbinde aller Flügel distal tief
eingekerbt .
Analwinkel der Hinterflügel ohne roten Punkt.
teuta teuta Doubl. 1850. Assam, Silhet, mit zwei
wenig prononzierten Zeitformen. 0$ der dry season
etwas kleiner, lichter als jene der Regenform.
teuta teutoides Moore 1877. Andamanen.
teuta externa de Niceville 1894. Nias. (Eine so aus-
geprägte Lokalrasse, daß ihr fast Speciesrang zu-
kommt.)
tcuta curus de Niceville 1894. Sumatra, i 3" 5 $9
Vulkan Singalang, West-Sumatra, Coli. Fruhstorfer.
teuta bellata Druce. 1873. Nord- und Süd-Borneo.
teuta cion de Niceville 1894. Ost- und West-Java.
teuta salpona nov. subspec.
(^. Die oberen Flecken der Medianbinde der Hinter-
flügel etwas größer als bei bellata von Nord-Borneo, wo-
durch die Binde ein gleichartigeres Aussehen bekommt.
Unterseite dunkler als bei Borneo-Exemplaren mit
längerem schwarzgesäumten und licht rotgekerntem Fleck
in der Zelle der Hinterflügel und breiteren Medianbinden.
Patria : Natuna.
teuta godrichi Distant 1886. Malay. Halbinsel.
teuta gupta de Niceville 1886. Ober-Tenasserim.
Stett. entoniol. Zeit. 1909.
225
(Moore, Lep. Ind. 1896, vol. III, t. 211, f. 2-2a,
Regenform.)
teuta ira Moore 1896. Unter-Birma. (Moore 1. c,
f. i-ia, Trockenform.)
teuta af Jinis Lathy 1900. Siam. (Bassarona affinis
Lathy, Entom. 1900 p. 214, i o Muck-Lek Januar
1900 H. Fruhstorfer leg.)
cson de Niceville 1894. Palawan.
B. Alle Flecken der Medianbinde stehen in gerader
Reihe untereinander.
Makeln der Medianbinde aller Flügel distal nur
wenig eingekerbt.
(() Analwinkel der Hinterflügel oberseits mit rotem
Punkt, der bei recta auch unterseits stets vorhanden ist.
recta recta de Niceville 1886. Assam.
recta subspec. Birma.
recta monilis Moore 1897. Siam.
Eine recia-Yoxvfi dürfte, wie dies Bingham bereits
vermutet, noch in Birma entdeckt werden, um so mehr,
als eine solche auch in Siam vorkommt.
Die Existenz von monilis in Siam, neben einer typischen
teiita-KdiSSQ {affinis Lathy), dürfte für den specifischen
Wert von recta plädieren, um so mehr, als ich beide in aus-
gesprochenem Trockenzeitkolorit am selben Tage im Januar
(also in der dry season) beobachtete.
p) Analwinkel der Hinterflügel ohne Rotpunktierung.
piratica Semper 1888. Type aus Luzon, Nord- und
* Süd-Philippinen.
lahotas Hewitson 1864. Nord-, Zentral- und Südost-
Celebes. (Ursprünglich als Limenitis beschrieben;
der (^ dürfte noch unbekannt sein.)
Stctt. entomol. Zeit. 1909. 15
226
IV.
Eine neue Taenaris.
Taenaris macrops ternatana nov. subspec.
Das $ dieser neuen Inselform entfernt sich von macrops-
?$ aus Halmaheira, besonders aber jenen von Batjan durch
den viel schmäleren grauschwarzen Distalsaum der Ober-
seite, hauptsächlich jenem der Vorderflügel.
Die Hinterflügelocelien bleiben kleiner als bei macrops
Felder. Als wichtigster Differentialcharakter sei jedoch
die rein kreidige, fast blendend weiße Grundfärbung der
Oberseite erwähnt, die ternatana mit macrops macropina
Fruhstorfer von Obi gemeinsam besitzt, während macrops
stets gelblich abgetönt sind.
Des weiteren erscheint weder bei ternatana noch bei
macropina das Medianfeld der Vorderflügel grau beschuppt,
eine Erscheinung, die bei macrops stets zu beobachten ist.
Auf der Unterseite differiert ternatana dann sowohl von
macrops wie auch macropina durch die wesentlich kleineren
Ocellen und das ausgedehntere rein weiße Medianfeld der
Hinterflügel. Dadurch wird naturgemäß auch unterseits
der hier tiefschwarze Distalsaum besonders weit nach außen
gedrängt und in seiner Ausdehnung behindert.
Patria: Ternate, 2 $9 Coli. Fruhstorfer.
Die übrigen Verwandten verteilen sich wie folgt:
macrops macrops Felder.
Type aus Halmaheira (Felder), Batjan, 25 Pärchen,
Halmaheira ein Paar in Coli. Fruhstorfer.
macrops ternatana Fruhstorfer. Ternate.
inacrops macropina Fruhstorfer. Obi.
Taen. macr. forma (sie!!) macropina Stichel, Gen.
Ins. 36 fasc. p. 44, 1906. 6 ^,^ 20 ?$ Coli. Frühst.
selene sclenc Westw. Buru.
T. buruensis Forbes.
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
227
selene gigas Staudinger. Ceram.
$. forma tetrica Stichel. Ceram.
Macrops selene stellen die am westlichsten vorgedrungenen
Formen der Taen. catops-^cihe dar.
V.
Neue Cethosia=Rassen.
Cethosia eydippe cenchrites nov. subspec.
Steht li'oodlaykiana Fruhstorfer (Iris 1901 p. 339
und 1903 p. 37, t. I, f. 5 und 6, ^9) habituell nahe, differiert
jedoch von dieser in folgenden Punkten:
Weiße Subapikalbinden der Vorderflügel etwas breiter,
die submarginale Reihe von weißlichen Halbm.onden da-
gegen etwas reduziert.
Hinterflügel viel ausgedehnter schwarz umsäumt, die
bei woodlarkiana so deutliche Binde von zusammenhängenden
Halbmondf lecken fast völlig verschwunden.
Unterseite: Die Weißzeichnung der Vorderflügel präg-
nanter, die schwarze Medianbinde distal reicher mit metallisch
grünblauen Wischflecken besetzt.
Patria: Inseln nahe British Neu-Guinea. 3"$ '^'"^^
Miß Sharp in London erworben.
Cethosia eydippe damasippe Felder.
Als Heimat der Type gibt Felder den ,,Litus occidentale"
von Nova-Guinea an, und seine Beschreibung ist auf Exem-
plare gegründet, die von der Aetna-Expedition nach Europa
gebracht wurden. In zweiter Linie nennt Felder noch Dorey
und Mysol ais zuverlässigen Fundort und ,,Aru" als irrtüm-
liche Lokalität der damasippe.
Auf Grund des 54 Exemplare umfassenden Materials
meiner Sammlung sehe ich mich jetzt veranlaßt darauf hin-
zuweisen, daß Neu-Guinea außer von damasippe noch von
Stett. cntomol. Zeit. 1909. 15"
228
3 weiteren geographischen Rassen bewohnt wird. Es sind
folgende :
a) eine Form des N.-W. Holl. Neu-Guinea.
b) eine Form des S.-W. Holl. Neu-Guinea.
c) eine Form des Deutschen und Britischen Neu-
Guinea.
Zur ersteren zähle ich 14 Exemplare aus Dorey und
vom Arfak-Gebirge. Sie sind gekennzeichnet durch sehr
schmale vielfach sogar diffuse, weißliche, subapicale Schräg-
binde der Vorderflügel, sehr breiten schwarzen Distalsaum
aller Flügel \md dunkel braunrotes Kolorit des Basalfeldes
der Flügeloberseite.
Zu b rechne ich Stücke von Kapaur, 6 3*0 W. Doherty
leg., und I $ aus der Kajumera-Bay, charakterisiert durch
eine g — 10 mm breite, rein weiße, leuchtende Ouerbinde
und hellrötliches Basalfeld aller Flügel.
Aus Felders Beschreibung läßt sich nicht ermitteln,
ob seine Diagnose auf a oder b sich bezieht, inid so reser-
viere ich für die noch nicht benannte Form d^n Namen
cydippe coronilla nov. subspec.
Die Rasse aus Deutsch und British Neu-Guinea be-
zeichne ich mit
cydippe praestabilis nov. subspec,
die \T)n b abweicht durch etwas schmälere nur 6 — 7 mm
breite weiße \'orderflügelbinde und die reicher weißlich
gezeichnete Unterseite, auch schließt sie sich viel mehr
der australischen chrysippc F. an.
Die Ouerbinde der \"orderflügel ist jedoch niemals
auch nur entfernt so reduziert als bei den Dorey-Exem-
pkiren.
Patria: Deutsch Neu-Guinea, Friedrich-Wilhelmsliafen,
20 SS 9 ??. Stephansort 2 $$, Bongu 2 $?, British Neu-
Guinea, Milne Bay, 6 SS Coli. Fruhstorfer.
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
229
Cethosia myrina Felder, ? forma melancholia nova.
i ^,~ $$ der herrlichen Cethosia myrina aus Ost-Celebes
zeigen vielfach eine völlig schwarze anstatt rotbraune
Grundfärbung der Oberseite aller Flügel.
Mir liegt ein Exemplar vor, das gleichfalls fast ganz
schwarz gefärbt ist mit Ausnahme der Analregion der Vorder-
flügel und der Submarginalzone der Hinterflügel, die dunkel-
grün angeflogen sind.
Die Hinterflügel-Unterseite ist gleichfalls verfärbt und
zwar in der Weise, daß die distale Partie der sonst gleich-
mäßig rotbraunen Submarginalbinde breit grünlich schimmert.
Patria: Ost-Celebes, Mapane, Februar 1895, Drs.
Sarasin leg., i $ Coli. Fruhstorfer, 2 $$ Museum Basel,
eine Anzahl $$ von Paloppo, Coli. Martin.
Cethosia mindanensis festiva nov. subspec
Mit 39 mm \'orderflügellänge wesentlich kleiner als
mindanensis Felder von Mindanao und Bazilan, die 46 mm
und darüber aufweist.
Die gelbe Schrägbinde der Vorderflügel kompakter,
weder proximal noch distal so tief wie bei Mindanao-Exem-
plaren eingekerbt, deren innere schwarze Begrenzung,
namentlich in Anbetracht der Kleinheit der Stücke, wesent-
lich breiter. Die rotbraune Färbung des Basalfeldes^auf
der Oberseite beider Flügelpaare dunkler, ebenso die rot-
braunen Längsbinden der Unterseite. Die medianen Reihen
schwarzer Punkte der Unterseite prägnanter.
Patria: Jolo-Archipel, 2(^\^, Waterstradt leg. CoH. Frühst.
VI.
liestina ein für Celebes neues Genus.
Vor einigen Wochen ging mir aus Nord-Celebes eine
kleine Sendung zu, die zwei hochinteressante Species ent-
hielt. Es sind dies
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
230
Hestina divona Hew. und
Euripus robustus Wallace. c^(^$.
Beide Arten sind schon seit einem halben Jahrhundert
in der Literatur registriert, aber immer verwechselt und
falsch bestimmt worden.
Deren Synonymie verhält sich wie folgt :
Hestina divona Hew.
Diadema (!) divona Hew., Pr. Z. S. 1861 p. 50, t. 8, f. i.
,,Moluccae" ex errore.
Hypolimnas ( !) divona Kirby, Cat. Diurn. Lep. 1871
p. 226. ,,Moluccae" ex errore.
Euripus (!) robustus Staudinger (nee Wallace), Exot.
Schmett. 1888 p. 139. Minahassa, 3*$.
Euripus (!) robustus Pagenstecher, Abh. Senckenb. 1897
p. 397, t. 20, f. 6.
Euripus (!) divona Fruhstorfer, Iris 1903 p. 34. Nord-
Celebes, nicht Molukken.
Patria: Nord-Celebes, i J (Tondano) Coli. Fruhstorfer.
Euripus robustus Wallace.
Trans. Ent. Soc. 1869 p. 348. Tondano.
Kirby, Cat. Lep. p. 227. Tondano.
Diese prächtige Species zerfällt in 2 Lokalrassen:
a) robustus robustus Wall. Nord-Celebes
= Euripus holofernes Stdgr. 1. c. p. 139, (^$. Minahassa.
= Eurip. hol. Fruhstorfer 1. c. partim. Nord-Celebes.
b) robustus myrinoides nov. subspec.
Euripus robustus Hohand, Pr. Zost. Soc. N. Hist. 1890
p. 67. S.-Celebes.
Rothschild, Iris 1892 p. 437. S.-Celebes.
Fruhstorfer, ibid. 1903 p. 34 partim. S.-Celebes.
Euripus halitherses Snellen, T. v. E. vol. 21. S.-Celebes.
Die 9Q der S.-Celebes-Rasse sind heller als die $$ von
robustus aus Tondano gefärbt und erinnern durch ihr fröh-
dtett. eutomol. Zeit. 1909.
231
liches, ins Rote spielende Kolorit an ^Jo von Cethosia myrina
Feld., auch sind sie wesentlich größer alsN.-Celebes-Exemplare.
Nach Doliert}^ (Iris 1. c.) gibt es auch 9?. die wie
Zethera incerta Hew. aussehen und vielleicht eine mimetische
Form der Hestia hlanchardi darstellen.
Patria: S.-Celebes.
Das Nord-Celebes-y erinnert viel mehr an typische
Cethosia myrina Felder in Färbung und Flügelform als
etwa an eine Euploea. Namentlich das hellbraune Kolorit,
die Streifung der Vorderflügel und der große weiße Sub-
basalfleck der Hinterflügel erzeugen eine frappante Cethosien-
Ähnlichkeit.
Nach dem Material, das bisher nach Europa gelangt
ist, stand es unzweifelhaft fest, daß alle Euriptis-Avten
danaidi-form sind, und der Glaube an einen Schutz durch
ihre nachäffende Kleidung hatte eine gewisse Berechtigung.
— Was sagen nun die Mimetiker zu der bisher unbekannten
Anpassung an eine Cethosia ? Oder zählen die Cethosien
vermöge ihrer bunten und aufdringlichen Färbung gleich-
falls zu den geschützten Faltern ?
Jedenfalls ist dies neue Faktum wieder einmal ein
Beweis dafür, wie unzureichend unsere jetzige Kenntnis
der tropischen Schmetterlingswelt noch ist, wenn es gilt
für oder gegen eine Theorie Partei zu ergreifen.
VIT.
Neue Rhopaloceren aus dem Papua=Gebiet.
Delias aruna Boisd. und deren Rassen.
Bei dieser schönen Delias wiederholt sich eine Er-
scheinung, die Ornithologen schon längst, Entomologen
noch gar nicht beachteten, nämlich, das von mir bei Pa-
pilionid:>n, Taenariden, Hypolimnas, Doleschallia, Elymnias
usw. nachgewiesene Faktum, daß die Tagfalter der Haupt-
Stctt. cntomol. Zeit. 1909.
232
insel von Neu- Guinea sich in z. T. scharf differenzierte
Lokalrassen auflösen.
Viele von diesen rein geographischen Formen ent-
fernen sich in so hohem Maße vom nomenklatorischen
Typus, daß sie bisher als eigene Species kursierten.
Ein sprechendes Beispiel dafür bietet gleich die all-
gemein bekannte Deltas aruna Boisd., deren dunklere Rasse
aus British Neu- Guinea als besondere Art ,,inferna Butl."
bestimmt wurde. Aruna aus Britisch Neu-Guinea ist
zudem keineswegs identisch mit injerna Butl., sondern
gute Lokalrasse, die ich hier vorstelle als
a) aruna irma Fruhstorfer.
Eine ^•orzügliche Abbildung gibt Grose Smith, Rhop.
Exot. II Delias II f. 3-6, (^9.
Mitis, Iris 1893 p. 104, partim.
Butler, Ann. Mag. Nat. Hist. 1897 p. 150, partim.
Pt. Moresby.
Fruhstorfer, Soc. Ent. 1907 p. 179.
S breiter schwarz gesäumt als inferna.
?. Distalrand aller Flügel ausgedehnter schwarz,
zum Teil tief in die Medianregion hineinziehend. Basis
der Flügeloberseite bis kurz vor dem Zeilapex dicht schwarz
beschuppt, so daß von der ursprünglichen orange Färbung
nur eine große oblonge Makel zu beiden Seiten des ZeU-
schlusses offen bleibt.
Patria: Milne-Bay, Britisch Neu-Guinea, 7 ^^ 2 ^^
Coli. Fruhstorfer.
b) aruna inferna Butler.
Fruhstorfer, Soc. Ent. 1. c.
D. inferna Butler, Lep. Exot. p. 63, t. 24, f. 6, 1871.
A. M. N. H. 1897 p. 150.
Grose Smith 1. c. p. 6, partim.
Mitis 1. c, partim. (Cape York.)
Patria: Cape York, ^^ Coli. Fruhstorfer.
Stett. eutomol. Zei^. 1909.
233
c) aruna rona Rothschild.
Nov. zool. 1898 vol. V p. 98; Fruhstorfer 1. c. 1907.
Patria: Insel Roon, Geelvinkbay. Fehlt mn-.
d) aruna aruna Boisd.
Pieris aruna Boisd., Voyage d'Astrolabe 1832 p. 48, q-
Spec. Gen. 1836 p. 467. Nouvelle Guinee.
Hew., 111. Exot. Butt. 1861, t. III. f. 10, 22 J, f. 21, ?.
Vollenhoven, Monogr. Pierides 1865 p. 18, partim.
Nouvelle Guinee.
Delias aruna Mitis 1. c., partim. Papua.
Grose Smith, Nov. Zool. 1894 p. 334. Humboldtbay.
Butler 1. c., partim. Humboldtbay.
Fruhstorfer 1. c.
Patria: Nouvelle Guinee (Boisduval), Smith, Butler.
e) aruna bajura Boisduval.
Offak, Terre de Papous.
Boisd. 1. c; Vollenhoven, 'Mitis, Butler 1. c.
Staudinger, Exot. Schmett. 1888 p. 35. Waigiu.
D. ar. bajura Fruhstorfer 1. c. p. 180. Waigiu.
Patria: Waigiu, 19 3^^ 6 Q? CoH. Fruhstorfer.
Leider fehlen mir Exemplare aus Holländisch Neu-
Guinea, doch zweifle ich nicht im geringsten, daß solche
von Waigiu-(^$ differieren. Offak ist der Hafenplatz der
Insel Waigiu.
f) aruna madala Fruhstorfer.
Delias aruna Hagen, Jahrb. Nass. Verein für Naturk.
1897 P- 59- (Besucht gerne die Blüten von Jambosa
auf zirka 1000 Fuß Höhe, nicht häufig, stets einsam
im lichten Wald, meistens im Juli.)
D. ar. madala Fruhstorfer, Soc. Ent. p. 180.
Schwarzer Apicalbezug der Vorderflügel breiter als' bei
aruna, der gelbe Zellfleck größer.
Patria: Deutsch Neu-Guinea.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
234
g) aruna seriata Fruhstorfer.
P. aruna Vollenhov. 1. c, ^. (Unterseits mit einer
Reihe von 6 weißen Punkten auf den Vorderflügeln,
mit 3 ebensolchen auf den Hinterflügeln.)
Staudinger 1. c. t. 19, 9- Batjan.
Butler 1. c. Batjan. Fruhstorfer 1. c.
Patria: Batjan (Vollenhov., Hewitson, Staudinger,
Mitis, Butler), Obi (Voilenhoven).
Batjan-Exemplare neigen zur Ausbildung von weißen
Submarginalpunkten der Flügelunterseite. Mir fehlt leider
Material von dort um zu entscheiden, ob es sich dabei nur
um individuelle Abweichungen oder um Rassen-Charakter
handelt.
Die von Mitis vor Dclias inferna Butl. gestellte ornytion
Godart und Salvin gehört gar nicht zu den Delias, sondern
zu den Pieriden, und wird von Butler, Ann. Mag. Nat.
Hist. 1899 P- 206 mit Recht in die Nähe von citryxanthe
Honrath und ahnormis Wall, transferiert.
VIII.
Übersicht der Cirrochroa=Rassen des Papua=
Gebiet und der molukkischen Subregion.
Es ist mir noch sehr fraglich, ob Kirbys Auffassung,
daß regina Felder eine Lokalform sei von semiramis Felder
aus Celebes (Catalogue p. 152), zutrifft, weil semiramis
durch die blassere Flügelunterseite, besonders aber die
stark gewellte rotbraune Medianbinde derselben erheblich
differiert von den unter sich recht gleichartigen reginn-
Zweigen des Papua- Gebiets.
Vielleicht finden sich aber auf den Sula- Inseln noch
Übergänge, welche die Kirbysche Auffassung rechtfertigen.
Zweifellos stellt semiramis den östlichsten Ausläufer
Stett entomol. Zeit. 1909.
235
einer papuanischen Art vor, die über die Molukkenbrücke
nach Celebes gelangt ist.
Nachstehende Übersicht möge fernerhin das bei Delias
aruna über die Rassenghederung der papuanischen Arten
Gesagte von neuem bestätigen.
A. ^^ monochrom.
Cirrochroa regina Felder,
die in folgende Rassen zerfällt:
a) regina myra Fruhstorfer.
Soc. Ent. 1907 p. 178.
(^$. Distalhälfte aller Flügel dunkelblauviolett mit
lichteren gewellten Submarginalbinden.
Unterseite: Basalteil aller Flügel blaugrau beschuppt
mit breiter ockerfarbener und prominenter weißer Median-
binde. Distalpartie mit ansehnlichen, breiten, bleiglanz-
artigen Wellenbinden durchzogen.
Patria: Kapaur, S.-W. Neu-Guinea, 2 ^^^ i $ W.
Doherty leg. Coli. Fruhstorfer.
b) regina dncalis Wallace.
Cirr. ducalis Wall., Trans. Ent. Soc. 1869 p. 340, partim.
Cirrochroa regina Grose Smith, Nov. Zool. 1897 pag. 348.
C. reg. duc. Fruhstorfer 1. c. p. 178.
cJ?. Submarginalbinden namentlich der Hinterflügel
etwas prägnanter als bei der vorigen.
Unterseite: Basalhälfte ausgedehnter ockergelb und
gering graublau beschuppt. Weiße Medianbinde sehr
schmal, die bleiglanzartigen Submarginalbinden obsolet.
Patria: Humboldtbay, ^^ W. Doherty leg. Coli.
Fruhstorfer. N.-W. Holl. Neu-Guinea.
c) regina sophene Fruhstorfer.
Cirr. regina Hagen, Jahrb. Nass. Ver. 1897 p. 82.
C. reg. sophene Fruhstorfer 1. c. 1907.
cJ kleiner als die vorigen, die blauvioletten Submar-
Stett. entomol. Zeit. 1909
236
ginalbinden auf den Vorderflügeln schärfer abgesetzt, auf
den Hinterflügeln obsolet.
Zeichnungen der Unterseite mehr begrenzt, die rot-
braunen Binden ausgedehnter, die Wellenlinien dunkler
grau violett, Basalhälfte der Flügel rötlich grau.
Patria: Milne-Bay, ii. Juni und 12. November Meek
l^'g- 2 ^o; Hansemannberg, Friedrich Wilhelmshafen,
Deutscli Neu-Guinea, 2 c^'c^ Coli. Fruhstorfer.
Hagen fing (Juli) auf 1000 Fuß Höhe ^$ bei Simbang,
während im Februar ein Jahr vorher zwei englische Sammler
mehrere hundert Exemplare erbeuteten,
d) regina nasica Fruhstorfer.
C. ducalis Wall., Tr. Ent. Soc. 1869 p. 340.
Staudinger 1. c. p. 88.
C. reg. nas. Fruhstorfer 1. c.
Distale Wellenbinde der Flügelunterseite viel heller
(fast silbergrau) als die proximale, die Zacken sämthcher
Binden spitzer.
Patria: Waigiu, 2 (^ i ? Waterstradt leg. Coli. Fruh-
storfer.
c) regina regina Felder.
Cirr. reg. Felder, Reise Novara p. 389, t. 49, f. 5, 6. o".
Ribbe, Iris 1886 p. ^^. Nur wenige Exemplare. Aru.
Violetter Außensaum aller Flügel breiter angelegt
als bei den Formen von Neu-Guinea, Submarginalbinden
der Vorderflügel kompletter, ausgedehnter.
Patria: Aru (Wallace und Ribbe leg.). Fehlt mir;
ich sah jedoch Exemplare am British Museum,
f) regina princesa Fruhstorfer.
Soc. Ent. 1907 1. c.
Unterseite von ducalis differenziert durch die hellere
und violette statt blaugraue distale Begrenzung der weißen
Medianbinde aller Flügel. Submarginalbinde hcllockergelb
statt dunkelrotbraun, ebenso die Ocellen der Hinterflügel
Stett. entomol. Zeit. 1909.
237
mit gelblicher statt rotbrauner Peripherie. Ockerfarbene
Medianregion breiter als bei den übrigen regina-Rnssen.
Oberseite: Ockerfarbene Flügelpartie lichter, aus-
gedehnter, der distale dunkelviolette Außensaum erheblich
schmäler. Wellbinde der Vorderflügel leuchtend blau,
beim o stärker gebrochen als bei den Papuarassen und
mit Rudimenten einer antemarginalen Parallelbinde be-
gleitet.
Patria: Obi, 9 ^^ 2 ?? Waterstnidt leg. Coli. Früh-
st orf er.
B. (^9- d i m o r p h.
g) rcgina pauhrd^ia Fruhstorfer.
C. ducalis paul. Frühst., Soc. Ent. 1898 p. 81, i. Sep-
tember; B. E. Z. 1898 p. 198/199; Soc. Ent. 1907.
?. Basalhälfte der Flügel dunkelbraun, Außenhälfte
mit sehr breiten, zum Teil violetten, zum Teil bräunlichen
Binden. Distalsaum nicht scharf begrenzt, sondern mit
der proximalen Flügelfärbung versclimolzen.
Unterseite mit auffallend verbreiterten Median- und
Wellenbinden, die rotbraune Submarginalbinde aufgehellt,
fast dreimal breiter als bei ducalis und princesa.
Patria: Halmaheira (Type British Museum), i Q Bat] an
(W. Doherty leg., Coli. Fruhstorfer).
C. semiramis Felder.
C. sem. Felder, Reise Novara p. 388, t. 49, f. 3. 4. ^.
Fruhstorfer, Soc. Ent. 1907 p. 178.
? mit dunkel lehmfarbener Basalhälfte der Flügel
und einer auch oberseits breiten, weißlichen Medianbinde.
Patria: Süd-Celebes, Samanga Nov. 1895, Patunuang.
Jan. 1896. 2 J$ H. Fruhstorfer leg.
Felders Typen stammen aus der Sammlung van der
Capellen und vermutlich aus Nord-Celebes und glaube
ich bestimmt, daß die von mir in Süd-Celebes gesammelten
Stett. entomol. Zeit. 1909.
238
Exemplare einer besonderen Lokalform angehören, da
sie mit Felders Figuren nicht übereinstimmen.
C. o oberseits völlig blau.
C. imperatrix Grose Smith.
Nov. Zool. 1894 p. 348; Rhop. Exot. III, April 1898
p. I. Cirr. f. I, 2 (J. (Ober- und Unterseite.)
Fruhstorfer, Soc. Ent. 1907 p. 178.
Patria: Insel Biak (Schouten-Eiland), W. Doherty
leg., I o iii Coli. Rothschild.
A iiliaii^'.
Der Name Eunica ist hier nur aus conventioneilen
Gründen wieder verwendet worden. Er ist jedoch nicht
prioritätsberechtigt. An seine Stelle muß Evonymc Hb.
treten, der unter Coitus 5 von Hübner auf p. 61 sein Ver-
zeichnis vor Eunica (Coitus 6) gestellt wird.
Man vergleiche auch S c u d d e r , Generic Names,
1875 p. 176, der beide Genera nebeneinander bestehen läßt.
Wegen der gleichartigen Geädersculptur der frag-
lichen Gattungen ist dies aber nicht durchführbar, weshalb
fortab nur der Name Evonymc existenzberechtigt ist.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
239
Neue Cercopiden.
Von Edmuiitl Ütclkuiiall, Stettin.
Genus Considia Stal.
Stal, Öfv. Vet-Förh., p. 152 (1866).
Typus : Considia oblonga Stal.
Considia trimaculata n. sp.
34 oV. 40 ??•
Kopf schwarz, Stirnfläche glatt und glänzend. Prono-
tum dunkelbraun mit schwach metallischem Schim^mer,
die seitlichen Vorderränder sind ockerfarben. Schildchen,
dunkelbraun. Deckflügel braun, Apicalteil dunkler, mit
drei elfenbeinfarbigen (weißen) Flecken ; ein großer am Costal-
rande vor dem Apicalteile, ein kleiner an der Clavusspitze
und ein mittelgroßer im Corium, in der Deckflügelmilte
zwischen Media und Sutura-Clavi. Flügel luMÜn, am
Rande schwach getrübt, die Adern sind bräunlich. Hinter-
leib indigoblau, glänzend, mit gelben Hinterrandsäum?n.
Vorder- und Mittelschenkel und Krallen braun, Schienen,
Tarsen und Hinterschcnkel matt bräunlich gelb.
Länge mit Flügeldecken 11 — 13 mm.
Sumatra: Soekaranda, Liangagas (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
Genus Mioscarta Breddin.
Abh. d. Naturf. Gesellsch. Halle, XXIV. S. 123 (1901).
Typus : M. fovcipata Breddin.
Mioscarta rubens n. sp.
I ?•
Kopfform wie bei M. Semperi Jac. (Mitt. aus dem
zool. Mus. Berl., HI. S. 21, Taf. I, Fig. i, 1905). Scheitel
mit durchlaufendem Mittelkiel. Stirn-Scheitelteil wenig
breiter als lang, in der Mitte flachgrubig vertieft, mit schwa-
chem Längskiel auf dem Grunde. Der Eindruck auf der
Stirnfläche ist überall gleich breit, flach, und steht nicht
Stett. ciitomol. Zeit, 1909.
240
mit dem dreieckigen Quereindruck auf der Oberstirn, unter-
halb der Stirnleiste, in Verbindung. Ocellen glashell auf
gelbem Grunde. Augen und Fühler schwarzbraun. Der
Kopf, das Pronotum, das Schildchen, der Körper und die
Beine sind ockergelb; die i\ußenkanten der Vorderschienen,
die Tarsen der Vorder- und Mittelbeine, die Krallen der
Hintertarsen und die Spitzen der Dornen der Hinter-
schienen sind schwarzbraun gefärbt. Das Geäder der Deck-
flügel und der Flügel ist wie bei Semperi Jac. Deckflügel
ockergelb, die Apicalspitze fast bis zur Clavusspitze und
ein breites Band am Costalrande, kurz vor der Mitte be-
ginnend und nach hinten in den Apicalteil übergehend,
blutrot gefärbt, am Deckflügelrande ist die Färbung inten-
siver. Flügel hyalin mit braunen Nerven, Apicalteil rauchig
getrübt. Hinterschienen mit einem Dorn.
Länge lo mm, Körperlänge 6 mm.
India orientalis.
Ty^e im Stettiner Museum.
Von Sempcri Jac. durch die Scheitel- und Stirnbildung
und die Färbung der Deckflügel verschieden.
I o ■^'on E. Scmperi Jac. mit dem Fundorts-Etikett
„Philippinen" wird in der hiesigen Sammlung aufbewahrt
und ist von mir zum Vergleich benutzt worden.
Genus Eoscarta Breddin.
Breddin, Soc. Entomolog., XVH. 8, S. 58 (1902).
Distant, The Fauna of British India, Ceylon and
Burma, Rhynchota. Vol. IV. p. 115 (1907).
Rec. Indian Museum Vol. II. II. 15, p. 131
(1908).
Typns: E. cos. Breddin.
Eoscarta pygmaea n. sp.
9 99.
Der Kopf, das Pronotum, das Schildchen, der Körf)er,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
241
die Beine und die Deckflügel sind scherbengelb bis ocker-
gelb gefärbt; die Augen, die Krallen der drei Beinpaare,
die Spitzen der Tarsen und der Hinterschienendornen
sind schwarzbraun. Der Costalrand und der Apicalteil
bis zur Clavusspitze sind blutrot gefärbt. Flügel hyalin,
leicht getrübt mit gelben Nerven. Das Geäder im Deck-
flügel erinnert sehr an das von Semirosea Walker; die
Queradern im Apicalteile stehen fast senkrecht zu den
Längsadern, wodurch drei rechteckige Zellen gebildet werden,
die Media und der innere Ast des Radius sind zuweilen
am Ende (am Rande) gegabelt. Flügelgeäder typisch.
Die Pronotumeindrücke hinter dem Vorderrande sind ver-
hältnismäßig groß und auffallend. Hinterschienen mit
einem Dorn.
Länge y% — 8 mm, Körperlänge 4 — 5 mm.
6 ??.
Sumatra: Soekaranda, Januar 1894 (Dr. H. Dohrn).
3 ??•
Java.
Typen im Stettiner Museum.
Diese Art sieht der E. apicata Dist. von Ceylon sehr
ähnhch, sie unterscheidet sich aber von dieser durch das
Geäder im Apicalteile der Deckflügel.
Genus Notoscarta Breddin.
Soc. Entomolog., XVIL Nr. 8, S. 59 (1902).
Typus: A^ crocconigva Breddin.
Notoscarta Schoutedeni n. sp.
Vorderschienen so lang wie die Mittelschienen, Schienen-
grube nicht ganz die Apicalhälfte einnehmend. Stirngrube
tief, die Seitenränder erhaben und abgerundet. Zweites
Rostrumglied kaum merklich kürzer als das Basalglied.
Kopf, Brust und erstes Fühlerglied schmutzig gelblich-
Stett. entomol. Zeit. 1909. 1(3
242
weiß, zweites und drittes Glied glänzend schwarzbraun ;
Ocellen glashell mit dunkelbraunem Rande; Augen schmutzig
gelblichweiß mit braunen Flecken. Pronotum, Schildchen,
Basaldrittel der Deckflügel, Beine und Hinterleib unten
ockerfarben. Pronotum hinten mit schmalem, schwarzen
Saume. Apicales Zweidrittel der Deckflügel schwarzbraun;
ein großer, hyaliner, hellerer Fleck bedeckt die Clavus-
spitze und einen Teil des Clavus und des Corium. Flügel
rauchschwarz getrübt, an der Basis rötlich ockerfarben.
Die Spitzen der Dornen der Hinterschienen schwarz. Die
Krallen und der Apicalteil des zweiten Rostrumgliedes
schwarzbraun.
Länge mit den Flügeldecken lo mm.
Neu-Guinea (W. Hig.).
Type im Brüsseler Museum.
Diese Art benenne ich zu Ehren des Herrn Dr.
Schouteden in Brüssel.
Notoscarta Severini n. sp.
I $•
In der Form der vorhergehenden Art sehr ähnlich.
Die Stirngrube ist flach und die Ränder der Grube breit
abgerundet. Ockerfarben sind: Der Kopf, eine breite
Vorderrandbinde des Pronotum, das Schildchen, die Beine,
der Leib, das Rostrum und ein größerer, dreieckiger Costal-
fleck auf den Deckflügeln am Schlüsse des Basaldrittels.
Glänzend schwarzbraun sind : Eine breite Binde zwischen
den Augen auf dem Scheitel, die beiden letzten Fühler-
glieder, ein großer Fleck vor jedem Auge, das Pronotum,
die Schildchenspitze, die Seitenränder des Leibes und die
Deckflügel (im Apicalteile ist die Färbung etwas heller) ;
ein großer, hyaliner, gelblicher Fleck bedeckt die Clavus-
spitze und einen Teil vom Corium und Clavus, wie bei der
vorher beschriebenen Art. Augen braun, schwarzbraun
Stett. entomol. Zeit. 1909.
243
gefleckt. Die Spitzen der Hinterschienendornen schwarz.
Außenseite der Vorderschienen., Endghed der Tarsen, die
Krallen und das zweite Rostrumglied sind schwarzbraun.
Länge mit Flügeldecken ii mm.
Neu-Guinea (W. Hig.).
Type im Brüsseler Museum.
Zu Ehren des Herrn Prof. Dr. Severin in Brüssel benannt.
Genus Hyboscarta Jacobi.
Sitzungsbericht d. Gesellsch. Naturf. Freunde, S. 208
(1908).
Typus: H. nihicunda Jacobi.
Hyboscarta Pehlkei n. sp.
Kopf, Pronotum und Schildchen wie bei H. tercs Jac.
gebildet. Kopf, Pronotum, Schildchen und Deckflügel-
basis ockergelb beim q, beim $ rötlich ockergelb; Deck-
flügel mit Ausschluß der Basis hyalin und gelblich, im
Apicalteile schwach rauchgrau getrübt. Augen und Fühler
schwarzbraun, Ocellen gh:.5hell mit schwarzbraunem, ba-
salen Ring. Der Körper, die Beine und das Basalglied
des Rostrum sind ockergelb gefärbt, das Endglied des
Rostrum, die Enddrittel der vier Vorderschienen, die
Enddrittel der Tarsen und die Spitzen der Dornen der
Hinterschienen schwarzbraun.
Länge mit Flügeldecken (^ 814 mm, P 714 mm.
S. Columbien: Hac. Pelilke, IV.-VL 08 (E. Pehlke).
$. Ecuador: Bucay 6. 5. 05 (Dr. Fr. Ohaus).
Typen im Stettiner Museum.
2u Ehren des eifrigen Sammlers Herrn Ernst Pehlke
benannt.
Genus Ptyelus St. Farg. & Serv.
Enc. Meth. X, p. 608 (1825).
Typus : Ptyelus spuynarius Linne.
Stett. entomol. Zeit. 1909, lU'f
244
Ptyelus ocelliger Walker.
List of Hom. III, p. 708 (1851).
var. fuscus n. var.
I ?•
Diese Varietät ist dadurch von der Stammform unter-
schieden, daß ihr die schwarze Färbung an den Enden
der Schenkel und Schienen fehlt und die Färbung der
Deckflügel etwas verschieden ist. Die beiden Costalf lecke
sind gelb gefärbt und der längliche Apicalfleck dunkel-
braun, die vier weißen Flecke sind braun umrandet.
Länge mit Flügeldecken 13 mm.
Brasilien.
Type im Stettiner Museum.
Genus Thoodzata Distant.
The Fauna of British India, Ceylon and Burma.
Rhynchota, Vol. IV, p. 98 (1907).
Typus: Thoodzata princeps Distant.
Thoodzata basifusca n. sp.
I ?•
Kopf schwarz; Pronotum, Schildchen und Deckflügel
ockerfarben; die netzmaschigen Adern des Apicalteiles
blutrot. Apicalhälfte der Flügel hyalin, Basalhälfte rauch-
braun getrübt. Schenkel, Schienen, Tarsen und zweites
Rostrumglied auf der Rückseite braun. Brust und Rücken-
segmente in der Mitte rötlich braun, Bauchsegmente und
Seiten der Rückensegmente dunkelbraun. Die Seiten der
Bauchsegmente tragen ockergelbe, dreieckige Flecke. Lege-
scheide an der Basis ockerfarben, sonst dunkelbraun. Augen
grau und braun gefleckt.
Länge mit den Deckflügeln 10 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Tvpe im Stettiner Museum.
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
245
Neue Evaniiden aus Formosa und
Südamerika.
Von Dr. CÜEntlaer Eiaderleiii, Stettin.
In dem wertvollen S a n t e r sehen Insekten-Material
aus Formosa, das das Stettiner Zoologische Museum Herrn
Stadtrat Dr. H. D o h r n verdankt, fanden sich
117 Exemplare Evaniiden, die eine Reihe sehr interessanter
neuer Species enthielt. Im folgenden gebe ich deren Be-
schreibung und füge zugleich die Bearbeitung einer Anzahl
anderer der Sammlung neuerdings zugegangenen Eva-
niiden ein.
Evania F.
= Acanthincvania Bradley 1908.
In einer kürzlichen Arbeit gründet Bradley (Trans.
Amer. Ent. Soc. XXXIV, 1908, p. loi— 194, PI. V— XV)
die Gattung Acanthinevania (p. 163 u. 172) auf Grund
der Bedornung der Hinterschienen und Hintertarsen bei
den australischen und austro-malayischen Evanien. Die
Gattung Evania mit dem Typus appendigastev L. soll diese
Dornen nicht besitzen. Dieser Gegensatz existiert aber
in Wirklichkeit durchaus nicht. Diese scheinbare Differenz
entsteht dadurch, daß bei den der Gattung Evania zu-
gezählten Species, insbesondere bei der Ev. appendigastev L.
die Pubescenz der Hinterbeine viel länger und dichter ist,
als im allgemeinen bei den übrigen, so daß die betreffenden
Dornen unter den Haaren versteckt sind. Man sieht sie
aber in den meisten Fällen mehr oder weniger deutlich
aus der Pubescenz hervorragen, und gerade bei Ev. appen-
digasier L. habe ich viele Exemplare vorliegend, bei denen
sie ganz weit vorragen. Bei einzelnen Stücken sind sie wieder
btett. cutomol. Zeit. 1909.
24 (i
ganz undeutlich. Bei einem mir vorliegenden J" von Evania
dimidiata F. sind sie fast völlig verschwunden, so daß man
nur mit einer sehr starken Lupe die dicken Spitzchen unter
den Pubescenzhaaren hervorragen sieht. Bei den ver-
schiedenen Arten aus dem orientalischen Gebiete findet
man alle Übergänge, die Differenzen sind völlig graduell.
Eine generische Abtrennung ist völlig ausgeschlossen.
Evania oblonga nov. spec.
(j*. Gesicht sehr schwach gewölbt, glatt, fein und
seicht wenig dicht punktiert, in der Mitte eine schwache
wenig deutliche hügelartige Erhebung. Eine sehr flache
wenig deutliche leistenartige Erhebung geht von der Ober-
kieferbasis aus nach oben und nahe dem Innenrand der
Augen ein Stück entlang. Auf den Wangen verschwindet
die Punktierung fast. Schläfen nach der Rückseite ge-
drängt. Augeninnenränder parallel. Stirn und Scheitel
poliert glatt, kaum punktiert. Ocellendreieck sehr flach,
Durchmesser des vorderen Ocellus .etwa iVo seines Ab-
standes von den hinteren, der Abstand letzterer von den
Augen etwas größer und halb so groß als der Abstand der
hinteren Ocellen voneinander. Wangen sehr hoch, fast
von der Länge des Fühlerschaftes. Fühler lang und faden-
förmig. I. Geißelglied kaum so lang wie dick, 2. etwa
6 mal so lang, 3. etwa % des 2. und so lang wie der Fühler-
schaft.
Pronotum poliert glatt, die von oben sichtbaren Schulter-
ecken breit abgerundet. Scutum poliert glatt, Seiten ge-
randet (unpunktiert), Parapsidenfurchen kräftig, stark nach
hinten convergierend, vorn stark bogig nach außen gewendet.
Scutellum sehr kräftig und tief schräg nach innen zu längs-
gerieft; vorn in der Mitte pohert glatt, mit einzelnen sehr
groben Punkten. Postscutellum mit kräftigen kurzen
Längskielen. Mesopleure poliert, untere Hälfte mit zer-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
247
streuten seichten Punkten ; längs der Trennungsleiste von
der Metapleure eine Reihe großer quadratischer einge-
drückter Punkte, die nach oben zu seichter werden, und
zwischen sich kurze kräftige (oben flache) Kiele erzeugen.
Metapleure oben poliert glatt, nach der Mitte zu mit großen
kräftigen Punkten, untere Hälfte grobpunktiert, so daß
fast Maschen entstehen; vom Mittelsegment kaum ab-
gesetzt. Mittelsegment grobmaschig; Hinterseite gewölbt,
in der Medianlinie ordnen sich Maschen zu einer seichten
Längsrinne, die nach hinten zu undeutlich wird.
Petiolus glatt, mit microscopisch feiner Punktierung
und sehr dicht kurzer brauner Behaarung; schlank imd
ziemhch dünn, doppelt so lang wie die Entfernung seiner
Basis vom Postscutellum. Abdomen poliert glatt, länglich
oval, alle Tergite ziemlich dicht braun pubesciert. Ge-
äder wie bei Ev. appendigastcr, nur ist die Discoidalzelle
höher und schlanker.
Beine und Coxen mäßig glatt. Bei den Hinterschienen
ragen von der Bedornung nur einzelne Spitzen über die
Behaarung hinweg (wie bei Ev. appcndigaster). Hinter-
beine sehr lang und schlank.
Der ganze Körper mit kurzer, feiner, dichter, grauer
bis graubrauner Pubescenz. Metasternalfortsätze stark
divergent.
Schwarz; bräunlich gelb sind die Vorder- und Mittel-
beine ohne die Coxen und Trochanter (Mittelschenkel gelb-
braun), die Unterseite des 2. und 3. Geißelgliedes (auf
Schaft, I. und 4.-5. Geißelglied finden sich Spuren solcher
Farbe) und der Maxiharpalpus. Oberkiefer bräunlich.
Membran in der Randzone schwach rot bis grün
irisierend.
Körperlänge 10 1 2 irini; Vorderflügellänge 9 mm;
Fühlcrlänge 10 '2 nim; Thorakalbreite ca. 2% mm; Länge
sielt, eutomol. Zeil. 190'J.
248
des Petiolus 2^/4 mm; Länge des Abdomen 3V2 mm; Länge
der Hinterschiene 5 14 mm.
S ü d - F o r m o s a. Takao. 8. August 1907. i ^.
Gesammelt von H. S a u t e r.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Evania Bradleyi nov. spec
9. Gesicht und Wangen schräg nach der Medianlinie
zu scharf und dicht gekielt. Mitte des Gesichtes mit
schwachem Höcker. Stirn dicht und scharf längsgekielt
bis an die Ocellen, die fast in einer Querreihe stehen, der
mittelste kaum etwas nach vorn gerückt und viel größer,
fast doppelt so groß wie die beiden übrigen. Der Abstand
der Ocellen voneinander fast größer als der Durchmesser
des vorderen Ocellus, ihr Abstand von den Augen noch
etwas größer. Augeninnenränder schwach nach hinten
convergierend. Fühlerschaft so lang wie die 4 ersten Geißel-
glieder zusammen. Zweites Geißelglied fast viermal so
lang wie das erste, das dritte etwa 21/2 mal imd das vierte
etwa 1 14 mal so lang wie das erste Glied.
Prothorax in der Mitte sehr schmal; Seitenecken wenig
abgerundet, dicht grobpunktiert. Scutum mit Seitenrand-
furche; Parapsidenfurchen scharf eingedrückt, unpunktiert,
stark nach hinten convergierend; mittlerer Teil des Scutum
dicht und sehr grob punktiert, Seitenteile außerhalb der
Parapsidenfurchen nur am Innenrand sehr seicht punktiert.
Scutellum vorn längsrunzlig punktiert, hinten längsrunzlig.
Postscutellum mit kräftigen kurzen Längskielen. Mittel-
segment vor dem Stiel feiner querrunzlig punktiert, der
übrige Teil und die nicht abgesetzten Metapleuren weit-
maschig kräftig genetzt. Mesopleure in der unteren Hälfte
engmaschiger genetzt, in der oberen Hälfte poliert glatt,
am oberen Ende mit einer schrägen, sehr breiten, ziemlich
flachen Querfurchc, die mit Ausnahme der beiden Enden
Stott. entomol. Zeit. 19Ü9.
249
mit Ouerkielchen angefüllt ist; die Trennungslinie von der
Metapleure matt, ziemlich schwach ausgedrückt, unpunk-
tiert. Hintercoxen mäßig fein maschig genetzt. Hinter-
rand des Mittelsegmentes nur sehr schwach eingedrückt.
Petiolus ziemlich grob schräg-querrunzlig (die Runzeln
treffen sich oben in der Mittellinie V-förmig) ; ziemlich dick
und fast % mal länger als die Entfernung seiner Basis
vom Postscutellum. Abdomen dreieckig, poliert glatt.
Radialader den Vorderrand etwas spitz treffend. Discoidal-
celle fast doppelt so hoch wie die Cubitalzelle.
Hinterschienen nur sehr kurz pubesciert. Die Dornen
der Außenseite sehr kurz und spärhch. Metasternalfort-
sätze divergent.
Körper sehr fein grau pubesciert, oben spärhch und
mehr braun pubesciert.
Schwarz; i. Geißelghed braun, 2. weiß; Basalhälfte
der sehr schlanken Trochanter und die Basis der Hinter-
schiene weiß. Schienen und Tarsen der Vorder- und Mittel-
beine rostbraun. Schienenspornen aUer Beine rostbraun,
die längeren der Hinterbeine etwa halb so lang wie das
I. Tarsenglied.
Flügel hyalin, hinter der 2. Submedianzelle und der
Radialzelle ein schwacher bräunlicher Hauch.
(^. Die schräge Runzelung des Petiolus ist sehr fein
und oben fast verschwimden. Fühler dünn und schlank.
Schaft so lang wie das i. und 2. Geißelglied zusammen,
I. Geißelghed so lang wie dick, 2. etwa viermal so lang
wie dick, 3. ebensolang.
Körperlänge (^$ 5 mm.
Vorderflügellänge (^$ 4 14 nim.
Süd-Formosa. Yentempo. 20. 5. 1907. i (^.
Gesammelt von H. S a u t e r.
Takao. 27. 7. 1907. i ?. Ge-
sammelt von H. S a u t e r.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
250
Type im Stettiner zoologischen Museum.
Gewidmet wurde diese Species Herrn J. C. Bradley,
dem Monograph der Familie (Tr. Ent. Sog. 1908, p. loi — 196,
PI. V— XV).
Evania Sauteri now spec.
$. Diese Species steht der Evania tricolor Szepl. 1908
aus Java nahe und unterscheidet sich von dieser nur durch
folgendes: Kopf hinter den Augen und Ocellen ziemlich
dicht und kräftig punktiert. Petiolus otea glatt, an den
Seiten in der vorderen Hälfte mit sehr feinen Längsriefen,
in der hinteren Hälfte mit einer Längsreihe sehr grober
ungedrückter Punkte.
Die Coxen sind sämtlich gelbrot, ebenso die Trochanter
mit Ausnahme der distalen Hälfte des Trochanters der
Hinterbeine. Vorderflügel in und hinter der 2. Submedian-
zelle stark braun und hinter der Radialzelle schwach bräun-
lich angeraucht.
Körperlänge 3 — 4I/2 mm.
Vorderflügellänge 2l^ — 3 14 mm.
Süd-Formosa. Takao. 31 $. Gesammelt von
H. Saute r.
16. 6. 1907, I $; 8. 8. 1907, 4 $; 11. 8. 1907, 3 $
19. 8. 1907, I $; 22. 8. 1907, 5 $; 11. 9. 1907, 3 $
16. 9. 1907, 2 $; 20. 9. 1907, 2 9; 29. 9. 1907, 3 ?
12. 10. 1907, I $; 31. IG. 1907, I $; 2. II. 1907, 2 9
4. II. 1907, 2 $; I. — 15. 12. 1907, I $.
Die Typen befinden sich im Stettiner Zoolog. Museum.
Gewidmet wurde diese Species dem Sammler.
Evania formosana nov. spec
S. Gesicht fein und dicht schräg nach innen längs-
gerieft, ebenso die Wangen. In der Mitte des Gesichtes
ein winziger deutlicher Höcker. Fühlergruben wall sehr
scharf. Schläfen poliert glatt, nur mit ganz einzelnen
Stctt. entomol. Zeit. 1909.
251
Punkten. St.rn glatt, mäßig d^cht m.croscop.sch fem punk-
tiert- Sehen ie>n und dicht längsgerieft; MedranUme mit
einer' mehr oder weniger deutUchen K.elHnie b.s .um
vorderen Ocellus. Sche.tel pokert glatt. Ocellendurch-
messer so groß wre ihr Abstand von den Augen; der Ab-
stand des vorderen Ocellus von den hmteren germger^
eure gerade, die die Vorderräuder der hmteren Ocellen
tangiert, tang.ert .uglerch d»n Htuterrand des voroeren
Ocellus. Augeninnenränder nach vorn sehr schwach d.ver-
g,erend. Wangen hoch, von der Lauge des Fühlerscha tes.
Fühler lang und dünn. i. Ge.ßelghed so lang w.e d.ck
2, dreimal so laug, beide zusammen so lang wie das 3. und
auch wie der Fühlerschaft.
Pronotum auch in der Mitte von oben sichtbar vorn
steükantig abfallend; Schulterecken abgerundet und kräftig
und dicht punktiert. Scutum microscopiscli fem chagnniert,
mit großen flachen Punkten wenig dicht besetzt; Parapsiden^
furchen nach hinten zu stark convergierend, scharf und
nnpunktiert; Seitenteile (Parapsiden) nur hinten mit z-3
Punkten, Seitenfurche punktiert, vorn zuweilen in Punkte
aufgelöst. Scutellum kräftig und ziemlich dicht punktiert.
Das kurze (in Form eines schmalen Querbandes) und dem
Scutellum stark angeschlossene Postscutellum mit sehr
scharfen und kräftigen kurzen Längskielen, die in gleichen
Abständen voneinander angeordnet sind und durch lang-
gezogene große und tiefe Punkte (Gruben) getrennt werden.
Mesopleure poliert glatt, untere Hälfte mit wenig diditen
seichten Punkten, längs der Trennungslin.e von der Meta-
pleure eine scharfbegrenzte Punktfurche. Uei.V^enre
kräftig und dicht netzpunktiert, vorn von dem Mittel-
segment durch einen glänzenden Kiel getrennt, der hinten
im Netzwerk verloren geht. Mittelsegment ziemlich weit
netzmaschig, oben dicht und fein netzpunktiert; Hinter-
waud flach, nicht eingedrückt. Petiolus sehr fein und dicht
Stett. entomol. Zeit. 1909.
252
längsgerieft, die Riefen wenden sich von hniten nach vorn
zu schwach schräg nach außen; schlank, fast doppelt so
lang wie die Entfernung seiner Basis vom Postscutellum.
Abdomen lang oval poliert glatt, ohne auffälligere Pubes-
cenz. Discoidazelle fast 2 ¥9 mal so hoch wie die flache
Cubitalzelle. Radialzelle an der äußeren unteren Ecke
ziemlich eckig (stumpfwinklig), und mündet etwas spitz-
winklig in den Vorderrand.
Gesicht, Mittelsegment und Pleuren ziemlich dicht
aber sehr kurz grauweißlich pubesciert ; die Oberseite des
Thorax spärlich. Dornenreihe auf der Oberseite der Hinter-
schienen deutlich aber sehr kurz. Längerer Hinterschienen-
sporn etwa 2/g des i. Tarsengliedes.
Schwarz. Blaß ockergelblich ist : die Unterseite des
Fühlerschaftes und der 3 ersten Geißelglieder, der Ober-
kiefer ohne die Spitzen; die Coxen, Trochanter und Tarsen
der Vorder- und Mittelbeine, die Tibien der Vorderbeine,
von den Hinterbeinen die Spitze der Coxe, die Basis des
Trochanter, die Basis der Schiene; die Tibienenddornen
aller Beine und die Basalhälfte des Abdominalstieles. Die
Vorderschenkel sind braun.
Flügel hyalin, Außenrandzone blaß graubraun ange-
raucht.
Körperlänge 31^2- — 4/9 mm; ^'order flügellänge 314 — 4
mm; Fühlerlänge 3I/2 — 4 mm; Thorakalbreite ca. % mm.
Länge des Petiolus ca. % — j mm; Länge der Abdomen
ca. 114 — 1% mm; Länge der Hinterschiene ca. 1Y2 — 2 mm.
S ü d - F o r mo s a. Takao. 38 (^. Gesammelt von
H. S a u t e r.
8. 8. 1907, 4 (j"; II. 8. 1907, 2 (^i 22. 8. 1907, 6 <^;
II. 9. 1907, 4 (^; 16. 9. 1907, 4 c^; 20. 9. 1907, 5 S:
2. 10. 1907, I (^; 12. 10. 1907, I (j*; 31. 10. 1907, I c^;
2. II. 1907, 6 ^: 4. II. 1907, 4 ^.
Stett. oQtomol. Zeil. 19Ü9.
253
Vergleicht man obige Daten mit denen der Evania
SaiUeri Enderl. so findet man die erstaunliche Tatsache,
daß dieselben größtenteils mit diesen zusammenfallen.
Da nun an den gleichen Lokalitäten und den gleichen Daten
von der einen Species nur (^, von der anderen nur $ er-
beutet wurden, so liegt der Verdacht nahe, daß beide Formen
trotz der außerordentlichen Differenzen in Fcärbung und
Skulptur (^ und $ einer Species mit starkem Sexualdimor-
phismus und — dichromismus sein könnten. Es würden
in diesem Falle viele bisher beschriebene Formen zusammen-
gezogen werden müssen. Da eine derartige Verschiedenheit
der beiden Geschlechter noch nicht von den Evanien be-
kannt ist, habe ich es vor der Hand vorgezogen, beide
getrennt zu behandeln.
Evania hirsuta Enderl. 1906.
Zu meiner Diagnose habe ich hinzuzufügen, das Gesicht
und Wangen kräftig längsgerieft sind (nicht wie 1. c. an-
gegeben) ; diese Struktur ist aber durch die dichte und
lange graue Behaarung so verdeckt, daß sie an einzelnen
Stücken oft gar nicht festzustellen ist. Auf den Wangen
werden diese Riefen schwächer und verschwinden.
Schenkel dicht behaart. Die Parapsidenfurchen sind
teilweise scharf, teilweise in einzelne Teile aufgelöst, teil-
weise nur durch kräftige Punkte angedeutet, so daß sie
zuweilen ganz undeutlich erkennbar sind.
S ü d - F o r m o s a. Takao. 11. 6. 1907, i $; 16. 6.
1907, I $; 20. 7. 1907, I $; 26. 7. 1907, I $; 27. 7. 1907, 2 $.
var. rufofemorata Enderl. 1906.
Es hegen nun auch die $ dieser Species vor in 3 Exem-
plaren dieser Varietät. Die Parapsidenfurchen sind bei
den $ nur noch bei i Exemplar auf der linken Seite deut-
lich erkennbar.
Das $ unterscheidet sich vom ^ durch folgendes:
Stett. entomol. Zeit. 1909.
254
Schaft etwa so lang wie die 5 ersten Geißelglieder.
Das I. Geißelglied etwas länger als dick, das 2. etwa 2V2 mal
so lang wie das i., das 3. etwa halb so lang wie das 2. Körper-
pubescenz gelblich, auf dem Gesicht fast fehlend, auf dem
Mittelsegment sehr dicht, auf dem Petiolus spärlich. Thorax,
Mittelsegment und Kopf mäßig dicht mit langen braunen,
senkrecht abstehenden Haaren besetzt, einzelne auch auf
der Basis des Petiolus. Körper schwarz, Beine mit den
Coxen rostrot, Hintertarsen braun, Fühlerschaft und die
4 ersten Geißelglieder rostrot, Petiolus rötlich schwarz-
braun bis tiefschwarz.
Süd-Formosa. Yentempo. 20. 5. 1907, i 0^.
Süd-Formosa. Takao. 20. 6. 1907, i q;
9. 7. 1937, I ?; 15. 7. 1907, I $; 16. 7. 1907, I (^;
20. 7. 1907, T c^; 8. 8. 1907. I (j"; 14. 8. 1907, i o;
16. 9. 1907, I c^; 10. 1907, I ö^ I $; 2. II. 1907, 2 (^.
Gesammelt von H. S a u t e r.
Evania appendigaster (L.)
Süd-Formosa. Yentempo. 20. 5. 1907, i $.
Gesammelt von H. S a u t e r.
Süd-Formosa. Takao. 14 q ^^^^d 8 $. Ge-
sammelt von H. S a u t e r.
Letztere wurden an folgenden Tagen gefangen :
10. 4. 1907, I cJ; 13. 4. 1907, I ^; 18. 4. 1907, I c?
24. 4. 1907, I $
20. 5. 1907, I $
20. 6. 1907, I ?
20. 7. 1907, I ?
8. 8. 1907, I $
II. 5. 1907, 1 S; 17. 5. 1907, I J
II. 6. 1907, 2 (^ ; 16. 6. 1907, I (^
I. 7. 1907, I o"; 15- 7- 1907. I ?
21. 7. 1907, 1(5*1$; 26. 7. 1907, 1 (^
16. 9. 1907, I $; 20. 9. 1907, I ö"
10. 1907, I c^; 2. 10. 1907, I cJ; 14. II. 1907, I ?.
Evaniella Hoffniannsi nov. spec.
$. Gesicht kaum gewölbt, von der Außenseite jedes
Fühlergruben Walles geht jederseits eine sehr feine Längs-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
255
leiste über das Gesicht bis an die Oberkieferbasis. Gesicht
zwischen diesen Leisten pohert glatt, in der Mitte und
oben spärlich punktiert; die Teile außerhalb dieser Leisten
ein wenig dichter punktiert. Stirn dicht, fein aber tief
runzlig punktiert, an den Augenrändern gröber punktiert,
Scheitel rauh, feiner und spärlicher punktiert. Schläfen
poliert glatt; Wangen ebenso nur ganz unten punktiert.
Dicht neben dem Außenrande der Augen ein diesen
säumenden Kiel (der auch bei Evaniella miniacea Enderl.
vorhanden ist). Abstand der hinteren Ocellen voneinander
so groß wie ihr Abstand von den Augen. Innere Augen-
ränder schwach nach oben con vergierend, im oberen Drittel
sehr schwach concav. Fühlerschaft lang und kräftig, ein
wenig länger als die 2 ersten Geißelglieder zusammen;
2. Geißelglied sehr lang, etwa 6 mal so lang wie das erste,
und so lang wie die 4 folgenden zusammen; Geißel in der
Mitte keulig verdickt. Pronotum vorn nicht von oben
sichtbar, Seitendreiecke ganz an die Seiten gedrückt, klein
und grobmaschig netzrunzlig. Scutum matt (microscopisch
fein und dicht punktiert) und mit einzelnen kleinen seichten
Punkten. Parapsidenfurchen scharf nach hinten con ver-
gierend. Zwischen letzteren und dem scharfgekielten Seiten-
rand je ein schwach gebogener Längskiel, der sich etwa in
der Mitte zwischen beiden hält. Scutellum grob punktiert
längsrunzlig. Pleuren ziemlich fein genetzt, Metapleure
oben, Mesopleure im oberen Drittel poliert glatt. Mittel-
segment ziemlich grobmaschig genetzt. Discoidalzelle höher
als die Cubitalzelle ; sämtliche Adern der Vorderflügel
scharf und deutlich ausgebildet. Radialader ein wenig
spitz in den Flügelrand mündend. Metasternalfortsätze
sehr schwach divergierend.
Hinterhüften runzlig punktiert. Schienen unbedornt.
Der längere Hinterschienensporn etwa % des i. Tarsen-
gliedes. Hinterleibstiel mäßig schlank, poliert glatt, mit
Stett. eatomol. Zeit. 1909.
256
einzelnen kleinen runden tiefen Punkten. 3. — 6. Hinter-
leibsegment oben ziemlich lang und dicht grau pubesciert.
Gelblich rostrot; schwarz sind der Fühler mit Aus-
nahme des Spitzendrittels des 2. und mit Ausnahme des
3. und 4. Gliedes, die alle gelblich weiß sind, die Ober-
kieferspitzen, Hinterleib, Hinterleibstiel ohne die rostrote
Basis, Hinterbeine (ohne die Coxen und Trochanter). Die
Basis der Hinterschenkel und Hinterschienen sind rostgelb.
Hintertibiensporne gelb. Flügeladern dunkelbraun.
Körperlänge 9 mm; Vorderflügellänge 8% mm; Fühler-
länge 9 mm; Thorakalbreite 2 14 "^i^i- Länge des Hinter-
leibstieles 1% mm.
Peru. Chanchamayo. i $. Gesammelt von W. H o f f -
m a n n s.
Type im Stettiner Zoolog. Museum.
Evaniella fermginescens (Schlett.).
Ein Exemplar weicht von der typischen Form dadurch
ab, daß vom Kopf nur das Gesicht, die Oberkiefer und die
unteren Wangenecken rostgelb sind. Ev. ferruginesccns
war bisher nur aus Venezuela bekannt.
Bolivien. Mapiri. i q.
Brachygaster Leach 181 7
= Semaeodogaster Bradley 1908.
B r a d 1 e y glaubt 1. c. den Namen Brachygaster
Leach als nomen nudum einziehen zu müssen, weil Leach
dem Namen keine Beschreibung beifügt ; Leach gibt
aber als Type die E. minuta Oliv, an, so daß die Gattung
durch die ,, bekannte" Species genügend festgelegt und
daher keineswegs nom. nud. ist.
Für Semaeomyia Bradley 1908 bleibt gegenüber
Brachygaster nur noch die Differenz der Klauen übrig,
da mir in Brach, conjungcns nov. spec. eine Verbindung
Stett. entomol. Zeit. 1909.
257
beider Gattungen in den übrigen Punkten vorliegt. Die
Differenzen sind:
Semaeomyia Bradl. Fühler des ? in der Mitte am
dicksten. Mesopleure mit einem poliert glatten
unpunktierten Feld. Innenzahn der Klaue viel
stärker als der äußere;
Brachy gaster minuta (Ohv.) Fühler des ? allmählich nach
dem Ende zu verdickt. Mesopleure ohne poliert
glattes Feld (gleichmäßig dicht punktiert). Außen-
zahn der Klaue viel stärker als der innere und
mehr vorragend;
Brachy gaster conjungens n. sp. Fühler des $ in der
Mitte am dicksten. Mesopleure mit einem poliert
glatten unpunktierten aber quergerieften Feld.
Außenzahn der Klaue wenig stärker als der innere,
meist etwas mehr vorragend.
Die Fühler differenzen fallen somit völhg.
Die S c u 1 p t u r unterschiede der Mesopleuren sind
Art-Charaktere und nicht für Gattungsdiagnose zu ver-
werten.
Es bleibt somit nur noch die Differenz der Klauen,
die aber auch m Er. conpmgens n. sp. eine gewisse Näherung
darstellt; meines Erachtens ist Semaeomyia höchstens als
Untergattung von Brachy gaster aufzufassen.
Brachygaster conjungens nov. spec.
$. Der ganze Kopf gleichm.äßig giob und tief mäßig
dicht punktiert und spärhch kurz weißgrau pubesciert.
Gesicht etwas gewölbt. Wangen breit, Schläfen an der
schmälsten Stelle ungefähr so breit wie das 2. Geißelglied.
Augeninnenränder sehr schwach nach hinten convergierend.
Ocellendreieck flach, Abstand des vorderen Ocellus von
den hinteren Ocellen und dieser vom Augenrand gleich
und kleiner als der OceUendurchmesser.
Stctt. cntoniol. Zeil. 1909. 1"
258
Fühler dick, keulig, aber am Ende zugespitzt. Erstes
Geißelglied so lang wie dick, 2. etwa 1141^1^1 so lang,
3. etwas länger, 2. und 3. zusammen etwa so lang wie der
dicke Schaft.
Thorax oben flach, gleichmäßig grob und etwas weißlich
punktiert. Ecken des Prothorax von oben sichtbar und
abgerundet. Scutum seitlich sehr schwach gerandet,
Parapsidenfurchen fehlen ; Scutellum mit dem Scutum völlig
verschmolzen. Mesopleure poliert glatt, eingedrückt, vordere
Hälfte oben zerstreut, untere dicht punktiert, hintere
Hälfte schräg und seicht quergerieft, jede Riefe endet hinten
an der die Mesopleure von der Metapleure trennenden
Leiste in einem kräftig eingedrückten Punkte. Metapleure
maschig punktiert, an der Grenze des Mittelsegmentes
feinrunzelig. Mittelsegment weitmaschig genetzt, oben
grobmaschig punktiert, Hinterwand in der Medianlinie
eingedrückt. Hintercoxen fein und dicht punktiert. Beine
sehr fein punktiert. Klauenzahn ungefähr von der Stärke
und Entwicklung der Klauenspitzc. Längerer Hinter-
schienensporn etwas länger als die Hälfte des i. Tarsen-
gliedes. Petiolus dick und gedrungen, ziemlich dicht und
ziemlich grob punktiert ; etwa i V2 mal so lang wie die Ent-
fernung der Basis vom Scutellum.
Abdomen groß, dreieckig, unpubesciert.
Schwarz; braungelb sind Schienen und Tarsen
der Vorderbeine, Sporne der Hinterschienen. Vorder-
und Mittelschenkel braun. Flügel hyalin, Adern hell-
braun.
Körperlänge 4 mm ; Vorderflügellänge 3 Y^ ^^^''^ - Fühler-
länge 2-/3 mm. Thorakalbreite kaum 114 mm. Länge des
Petiolus imm ; Länge des Abdomen fast i Vo mm.
S ü d - F o r m o s a. Takao. 29. März 1907. 9 9-
Gesammelt von H. S a u t e r.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
259
Semaeomyia Bradley 1908.
Die Gattung Semaeomyia unterscheidet sich von
Brachygaster nur (vergl. pag. 257) durch den kräftigen
Innenzahn der Klaue, an dem der dünne und schwache
Außenzahn wie ein Anhang aufsitzt. Sie enthält die ameri-
kanischen (besonders südamerikanischen) Species der alten
Gattung Brachygaster, in der nur noch Br. minuta (Oliv.)
und Br. conjungens nov. spec. verbleiben.
Semaeomya minutissinia nov. spec.
Gesicht kaum vorgewölbt, seicht und wenig dicht
punktiert, mit kräftiger medianer Längs wulst, seithch
davon etwas eingedrückt. Zwischen Augenrand und Ober-
kieferbasis je ein poliert glatter Wulst. Stirn und Scheitel
poliert glatt. Ocellen mäßig groß, Durchmesser ungefähr
so groß wie der Abstand des vorderen Ocellus von den
hinteren; Abstand der hinteren von den Augen fast doppelt
so groß. Fühler dick, nach beiden Seiten zugespitzt. Erstes
Geißelglied so lang wie dick, 2. ca. i Yi mal so lang, 3. doppelt
so lang und etwas kürzer als der Schaft. Innere Augen-
ränder geradlinig sehr schwach nach oben con vergierend.
Pronotum völlig unter das Mesonotum gedrückt, von oben
nicht sichtbar. Scutum pohert glatt, Seiten gerandet,
Randfurche mit seichten Punkten, Parapsidenfurchen sehr
scharf, stark convergierend, unpunktiert. Scutellum poliert
glatt. Mesopleure glatt. Metapleure weitmaschig genetzt, aber
nur die Querleisten sehr kräftig; vom Mittelsegment durch
scharfe Leiste getrennt. Mittelsegment weitmaschig kräftig
genetzt. Hinterwand ebenso genetzt und nicht eingedrückt.
Hinterleibsstiel ziemlich kräftig, poliert glatt, vorn mit
einzelnen Härchen, fast doppelt so lang wie die Entfernung
seiner Basis vom Scutellum. Flügel hyalin, Adern braun.
Abdomen poliert glatt, rundlich, unpubesciert. Meta-
sternalfortsätzc undeutlich, wohl parallel.
Stett. entoniol. Zeit. 1909. 17'''
260
Schwarz; ockergelblich ist: Fühlerschaft, Vorder- und
Mittelbeine, das Enddrittel des Petiolus. Bräunlich gelb
ist die Spitze der Hintercoxe, der Trochanter des Hinter-
beines und der Tarsus der Hinterbeine. Fühler schwarzbraun.
Flügelmembran lebhaft grün, rot bis violett irisierend,
Außenrandzone lebhaft gelb irisierend.
Körperlänge 2 ^ mm ; Vorderflügellänge 2 y, "^ni ;
Fühlerlänge ca. 2^ mm.- Thorakalbreite ^ mm. Länge
des Petiolus ca. -/s rn"^-
Süd-Brasilien. Santa Catharina. i Exemplar.
Gesammelt von Lüderwaldt.
Type im Stettiner Zoolog. Museum.
Semaeomyia Catharinensis nov. spec.
Diese Species ist sehr ähnlich der Semaeomyia laevis
(Enderl.), sie ist jedoch viel größer und unterscheidet sich
noch durch folgendes:
(^. Kopf relativ groß. Gesicht mit schwacher Median-
kante, die oben am deutlichsten ist. Fühler kräftiger und
länger; das Verhältnis der Glieder ähnlich wie bei 5. laevis,
nur ist der Schaft ein wenig kürzer. Abdomen länglich
oval. Abdominalstiel etwas schlanker. Metasternalfort-
sätze undeutlich, wohl divergierend.
Gesicht schwarz, nur die Oberkiefer gelbbraun. Hinter-
tibiensporne weißlich, der größere nicht ganz halb so lang
wie das erste Tarsenglied.
Körperlänge 5 mm; Vorderflügellänge 4 mm; Fühler-
länge 5 mm; Länge des Petiolus 114 mm.
S ü d - B r a s i 1 i e n. Santa Catharina. i c?. Ge-
sammelt von Lüderwaldt.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Semaeomyia laevis (Enderl. 1906).
Außer den 3 Typen liegen mir jetzt noch 20 Exemplare
ebenfalls aus Santa Catharina (Coli. Lüderwaldt)
Stett. entomol. Zeit. 1909.
261
vor. Auf der Stirn findet sich übrigens eine mehr oder
weniger feine Medianfurche vom vorderen Ocellus aus
bis zwischen die Basis der Fühler, die aber häufig undeut-
hch, zuweilen auch unterbrochen ist.
I. Geißelglied so lang wie dick; 2. doppelt so lang
und ungefähr 2/3 des Schaftes, 3. fast so lang wie der Schaft.
Hintertibiensporne schwarz, der größere nicht ganz halb
so lang wie das i. Tarsenglied. Die vorliegenden Exem-
plare scheinen $ zu sein (nicht r^, wie 1. c. angegeben).
Hyptia ocellaria (Schlett. 1886).
Brit. Honduras. Manatee. Februar, i Exem-
plar (wahrscheinlich c^).
Diese Species ist bisher nur aus Mexico, St. Thomas
und Cuba bekannt.
Evaniellus Enderl. 1905.
Zool. Anz. 1905 p. 700.
Stett. Ent. Ztg. 1906 p. 245.
Als Typus für diese Gattung hatte ich den Ev. per-
uanus Enderl. festgelegt, zu dem ich 1. c. 1906 eine ergänzende
Note gegeben habe. Diese Species hat nun an der Stelle,
an welcher bei der Gattung Hyptia 111. die Medianader
endet, noch einen kleinen braunen chitionösen Punkt,
der sie von den beiden anderen Arten unterscheidet. Ich
fasse diese beiden letzten Arten nachstehend zu einer Gattung
zusammen und es bleibt somit in dieser Gattung nur diese
eine Species. Die Gattungsfassung muß daher etwas ge-
ändert werden :
Im Vorderflügel ist nur die Costa und die Subcosta
( = sc + n) vorhanden ; als letzter Rest der Medianader
findet sich noch ein brauner chitionöser Punkt an der Stelle,
an der bei der Gattung Hyptia 111. die Medianzelle endet.
Außer der geschlossenen Costalzelle findet sich keine Spur
von Zellen.
Stctt. cntomol. Zeit. 190!).
262
Chalcidopterella *) nov. gen.
(Typus: Ch. chalcidipennis Enderl. Zool. Anz. 1905
p. 715. Bolivien).
Im Vorderflügel ist nur die Costa und die Subcosta
( = sc + r) vorhanden, die Medianader fehlt völlig und
ist auch nicht durch einen chitionösen Endpunkt angedeutet.
Hierher gehört noch der Evaniellus gracüis Enderl.
1905 von Peru.
Die Gattung enthält somit bis jetzt 2 Species:
1. Chalcidopterella chalcidipennis 'Enderl. 1905 (Bolivien).
2. Chalcidopterella gracilis Enderl. 1905 (Peru).
Zwei neue Jassiden aus dem Stettiner
Museum.
(Hemiptera — Homoptera.)
Mit 1 Tc'xtfipiir.
Von EfCmund Srlimidt, Stettin.
Farn. Jassidae.
SubLGyponinae.
Tribus. Hylicini.
In seiner Arbeit ,,The Fauna of British India, Ceylon
and Burma" stellt Distant die Gattung Balala Dist. zur
Division ,,Penthimiaria'' auf Grund des kurzen Scheitels.
Dies ist nun unrichtig, die Gattung gehört in die nächst-
folgende Division ,,Hylicaria"' und zwar ist sie der Gattung
Sudra und einer von mir neu beschriebenen Gattung im
Bau des ganzen Körpers, in der Behaarung und auch in
der Färbung ungeheuer ähnlich. Ob der Kopf mehr oder
1) Chalcis — eidui — ■ meov^, wegen der Ähnlichkeit des Flügels
mit dem Chalcidierflügel.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
263
weniger nach vorn verlängert und der Scheitel infolge-
dessen verschieden lang ist, kann durchaus nicht maß-
gebend sein, es werden sonst dadurch ganz nahestehende
Gattungen getrennt. Ein gemeinsamer Charakter der drei
Gattungen, betreffs der Färbung, ist die Fleckenzeichnung
der Rückensegmente des Hinterleibes.
Genus Parasudi'a n. gen.
Kopf vorgezogen und stumpf abgerundet, mit einer
glatten Schwiele an der Spitze zwischen den Augen;
Scheitel so lang wie zwischen den Augen breit, gewölbt
und kaum halb so lang wie das Pronotum; die Ocellen
sind verhältnismäßig groß und stehen den Augenrändern
genähert auf der hinteren Scheitelhälfte zwischen den
Augen; zwei flach vertiefte, äußerst fein quergeriefte, läng-
liche, runde Stellen liegen am hinteren Scheitelrande hinter
den Augen; die Stirn und Clipeusbildung ist wie bei der
Gattung Sudra Dist. Basalglied des Rostrum bedeutend
kürzer als das Endglied (bei Sudra Dist. sind die beiden
Glieder gleich lang). Pronotum stark gewölbt, fein punk-
tiert quergerieft, bedeutend kürzer als das Schildchen,
etwa 2 14 mal so lang wie der Scheitel und hinten ziemlich
tief und stumpf ausgeschnitten. Schildchen sehr lang,
in eine scharfe Spitze nach hinten auslaufend, welche bis
zur Mitte des 4. Rückensegmentes reicht (bei Sudra erreicht
die Spitze nicht den Hinterrand des zweiten Segmentes),
etwa 1 1/2 mal so lang wie das Pronotum, unregelmäßig
quergerieft, mit einer buckeiligen Anschwellung auf der
Mitte; vor dem Buckel liegt eine große, flache und ver-
tiefte Grube, hinter dem Buckel ist das Schildchen bis
zur Spitze gleichfalls schwach vertieft und trägt auf dem
Grunde vor der Spitze zwei parallele Längsleisten. Deck-
flügel lang und schmal, nach hinten verbreitert und be-
deutend länger als die Hinterflügel, bis zur Spitze des Hinter-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
264
leibes reichend. Die Schenkel und die Vorderschienen
sind stärker flach gedrückt als die Schienen der Mittel-
und Hinterbeine, die blattähnliche Verbreiterung der Vorder-
schienen ist geringer als bei der zum Vergleich genommenen
Gattung; die Hinterschienen tragen außen eine Doppel-
reihe langer, kräftiger und spitzer Dorne und sind ge-
schwungen; die Hinterschenkel tragen am Ende vier lange
und gekrümmte Dorne. Besonders Kopf, Pronotum,
Schildchen und Deckflügel sind mit kurzen, kräftigen, schwach
schuppenähnlich verbreiterten Borstenhaaren besetzt.
Typus: P. smnatrana n. sp.
Fig. 1. Parasudra sumatrana n. sp.
Stett. cntoinol. Zeit. 1909.
265
Parasudra sumatrana n. sp.
Kopf, Pronotum, Schildchen und Deckflügel schwarz-
braun. Rostrum, Beine und Bauchsegmente braun, letztere
mit grünhchen Hinterrandsäumen. Rückensegmente des
Hinterleibes schwarz und ohne Glanz, das dritte und vierte
Segment tragen jedes zwei große, nicht ganz kreisrunde,
ockergelbe Flecke. Brust gelbbraun. Augen schwärzlich
grau, Ocellen glashell. Kopf, Pronotum, Schildchen und
Deckflügel mit schwarzen und hellgelben, schuppenartig
anliegenden Haaren besetzt; auf dem Deckflügel treten
die hellgelben Haare besonders am Ende des ersten und
zweiten Drittels auf; der Apicalrand ist braun und glatt.
Rückensegmente nicht behaart, an den Seiten einzelne
Haare; Bauchsegmente mit hellgelber Behaarung. Flügel
hyalin, glashell; die Nerven sind schwarz und die Apical-
spitze und der Hinterrand getrübt. Gonapophysen drei-
eckig, etwas länger als an der Basis breit, Außenränder
hinter der Mitte leicht eingedrückt.
Länge 12 mm.
Sumatra: Soekaranda, Januar 1894 (Dr. H. Dohrn).
Genus Sudra Distant.
The Fauna of British India, Ceylon and Burma,
Rhynchota. Vol. IV, p. 257 (1907).
Typus: S. notanda Distant.
Sudra borneensis n. sp.
Kopf, Pronotum, Schildchen, Brust, Rostrum, Hinter-
leib oben und unten und Deckflügel braun; Behaarung
wie bei Parasudra sumatrana; die Beine sind etwas dunkler
braun als die genannten Teile. Augen gelb, braun gefleckt.
Ocellen glashell. Schildchenspitze weiß. Das dritte und
vierte Rückensegment tragen jedes zwei große, viereckige,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
266
ockergelbe Flecke, die die ganze Segmentlänge ausfüllen.
Flügel hyalin, stellenweise bernsteinfarben getrübt ; Nerven
schwarz.
Pronotum punktiert quergerieft, hinten vor dem Hinter-
rande ist ein kurzer, scharfer Mittelkiel deutlich. Scheitel
länger als an der Basis breit, vor dem Ende flachgrubig,
am Ende kantig aufgehoben.
Länge 1814 rnm.
Nord-Borneo (Waterstradt).
Neue Gattungen und Arten von
Copeognathen aus Transvaal sowie aus
der Ohaus'schen Ausbeute aus Ecuador.
Von Dr. Güntiiei* Eiiflerlfin,
wissenschaftlicher Kustos dos Stettiner Zoolog. Museums.
Mit 3 Textflguren.
In einigen kürzlich dem Stettiner Zoolog. Museum
zugegangenen Originalsendungen fand sich unter den
Copeognathen eine Anzahl interessanter noch unbe-
schriebener Formen, von denen ich im folgenden die Diag-
nosen gebe.
Monocladellus nov. gen.
Die Media ist ungegabelt. Sonst völlig mit der Gattung
Polypsociis Hag. übereinstimmend.
Augen unpubesciert. Klauen ungezähnt. Areola
postica sehr langgestreckt und flach bis zur Flügelspitze
hinaufgezogen.
Auf die Möglichkeit des Bestehens dieser Gattung
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
267
wies ich schon früher auf Grund theoretischer Erwägungen
hin; ich schrieb damals*), daß die Reduktion der Adern
der Mediana besonders extrem bei Polypsocus lunulatus
Enderl. 1900 sei, bei der die Gabel der Mediana außer-
ordentlich kurz ist, so daß diese Species auf eine vielleicht
vorhandene, aber noch nicht bekannt gewordene Gattung
hinweist, bei der sich eine völlig ungegliederte Mediana
findet.
Monociadellus Ohausianus nov. gen. nov. sgec. ,^. Geäderverlauf.
Vergr. 71/2 : 1-
Monociadellus Ohausianus nov. spec.
ligiir 1.
^. Kopf glänzend glatt, ziemlich dicht und lang be-
haart; braun, Scheitel und Clypeus nach vorn zu gelb-
braun, Labrum rotbraun, Vorderrand schwach concav,
in der Mitte des Hinterrandes eingedrückt. Augen schwarz,
sehr groß, kugelig abstehend, Innenrand nach vorn
con vergierend. Größte Scheitelbreite ungefähr doppelt
so groß wie der größte Augendurchmesser. Scheitelnaht
plastisch völlig fehlend, nur durch dunkle Linie repräsentiert.
Hinterhauptsrand stark abgerundet. Ocellen winzig, dicht
gedrängt auf rundlichem Hügel. Maxillarpalpus braun,
Endglied schwarz. Fühler kräftig, schwarz, von den zwei
nur vorhandenen Geißelgliedern ist das Basaldrittel des
*) G. Enderlein. Die Psocidenfauna Perus. Zoolog. Jahrb. Syst.
Bd. 14. 1900 p. 133— 160 (Taf. 8 u. 9) p. 134.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
268
zweiten rostgelb. Geißelglied mit langer, kräftiger, dichter,
schräg apicalwärts zu gerichteter Pubescenz, besonders
kräftig und lang am i. Geißelglied, das zugleich schwach
verdickt und ziemlich lang ist (i i'^ des 2.).
Thorax schwarzbraun, stark glänzend, Pubescenz gelb-
braun, mäßig lang. Abdomen dunkel. Beine schlecht er-
halten, sie scheinen schwärzlich zu sein, die Schiene mit
gelblichen Ringen an der Basis und vor der Spitze; i. Tarsen-
glied mit gelblicher Endhälfte. i. Hintertarsenglied un-
gefähr doppelt so lang wie das 2.
Vorderflügel dunkelbraun, Außenrand mäßig breit (von
der Breite der Areola postica), gelblich hyalin von der Spitze
des Pterostigma bis zu cuo gesäumt ; von der Spitze des
Pterostigma bis ein wenig über cuj^ hinweg ist dieser Saum
wieder dunkelbraun gesäumt. Adern dunkelbraun. Analis
fein hyalin gesäumt. Pterostigma ziemlich groß, ziemlich
flach, ziemlich dicht pubesciert; r^ nach dem Ende zu
stärker gewölbt. Radialgabelstiel sehr kurz, so lang wie
der Basalteil des Radialrandes. Radialgabelzelle sehr lang
und schmal, an der Mündung am schmälsten, halsartig
verengt, nach der Basis zu flaschenförmig erweitert. Areola
postica außerordenthch lang und flach, sie zieht sich bis
zur Flügelspitze hinauf, Adern zweireihig behaart, Analis
einreihig. Randader mehrreihig behaart, in der Mitte der
Außenrandzone kreuzen sich die Haare nicht. Außenrand-
zone vom Stigmasack bis cuo dicht pubesciert. Hint^rflügel
braun, Adern dunkelbraun. r.> + 3 im Hinterflügel viermal
so lang wie der Gabelstiel. Adern des Spitzenviertels sowie
Analis und Axillaris zweireihig behaart. Rand lang und
dicht behaart, außen vielreihig. Flügelmembran speckig
glänzend, Vorderflügel sehr schwach, Hinterflügel stark
grün bis rot irisierend.
Körperlänge (trockenes Exemplar) 2^4 nim; Vorder-
flügellänge 4 1/2 mm.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
269
Ecuador. Sabanilla. 1850 m hoch. 1 <^. Sept. 1905.
Gesammelt von F r. O h a u s.
Type im Stettiner . Zoologischen Museum.
Polypsocus nervulosus nov. spec.
$. Kopf glänzend glatt, rötlich braungelb. Clypeus
ziemlich stark gewölbt. Clypeolus sehr kurz. Labrum
groß, Vorderrand flach concav, in der Mitte des Hinter-
randes kräftig eingedrückt. Augen klein, rund, halbkugelig
abstehend, bräunhch rot, unbehaart. Scheitelnaht scharf.
Hinterhauptsrand stark abgerundet. Ocellen sehr klein,
dicht gedrängt auf rundlichem Hügel. Die beiden Basal-
glieder des Fühlers braungelb (der übrige Fühler abge-
brochen) .
Thorax röthch braungelb, glänzend. Abdomen rotbraun
bis braunrot. Beine bräunlich gelb, Schienen und Tarsen
braunschwarz. i. Hintertarsenglied mit ca. 23 Ctenidio-
bothrien, 2. ohne. Klaue ungezähnt, schwärzlich, Spitze
ungefärbt. Länge der Hintertarsenglieder : i. 0,55 mm,
2. 0,17 mm; Verhältnis ca. 3V4 • i-
Flügel hyalin, Adern braun. Pterostigma mäßig groß,
flach, mäßig dicht pubesciert, r^ gleichmäßig gewölbt.
Radialgabelstiel sehr kurz, halb so lang wie der Basalteil
des Radialramus. r^ + 3 etwas wellig geschlängelt; Gabel-
zelle an der Mündung am breitesten, m^ halb so lang wie
der Mediangabelstiel; Mediangabelstiel also kurz-. Areola
postica lang und sehr flach, nach dem Außenrand sich
hinaufziehend. Adern zweireihig behaart, die der Basis
dreireihig, Analis einreihig behaart. Randader vielreihig
behaart, in der Mitte des Außenrandes kreuzen sich die
Haare. Außenrandzone von Pterostigma bis inklusive
Areola postica mäßig dicht pubesciert. r., + 3 im Hinter-
flügel viermal so lang wie der Gabelstiel. Adern des Spitzen-
viertels zweireihig behaart. Rand lang und dicht behaart,
Stett. entomol. Zeit. 1909.
270
außen vielreihig. Flügelmembran lebhaft grün bis rot
irisierend.
Körperlänge (des trockenen Stückes) 3 mm; Vorder-
flügellänge 4V2 mm.
Ecuador. Sabanilla. 1850 m hoch, i $. Sept. 1905.
Gesammelt von Fr. O h a u s.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Harpezoneura nov. gen.
(Typus : Harpezoneura niultifurcata nov. spec.)
Augen unbehaart. 3 Ocellen. Fühler struppig behaart.
Tarsen zweigliedrig. Klauen ungezähnt. Pterostigma
hinten mit Anhangsader bis nahe an den Gabelungspunkt
des Radialramus. Radialramus und Media im Vorder-
und Hinterflügel eine Strecke verschmolzen. Radialgabel
vierästig, und zwar ist der vordere Gabelast gegabelt und
der vorderer dieser Äste abermals gegabelt; der hintere
Radialgabelast ist einfach, (r^ r.,, r.^, r^, r4+5). Media
sechsästig (der 2. und 3. Ast bei vorliegender Species an
der Basis zu einem kurzen Stiel vereinigt). Areola postica
sehr hoch. Analis und Axillaris kreuzen sich am Endo.
Radialstamm, Medianstamm und Axillaris sehr dick, Rand-
ader dick. Adern und Rand schuppig behaart. Hinter-
flügel mit Radial- und Mediangabel. Adern und Rand
behaart.
Durch die Anhangsader am Pterostigma ist diese
extreme Gattung in die Verwandtschaft von Amphipsocus
McLachl. und Fülleborniella Enderl. zu stellen. Nicht nur
die Media, sondern auch der Radialramus ist ein eigen-
artiges Beispiel von Multiramie (vgl. Zoolog. Jhrb. Syst.
18. Bd., 1903, pag. 355).
Harpezoneura multifurcata nov. spec.
(Figur 2)
Kopf rostgelb, Augen schwarzbraun, Fühler hell braun-
gelb. Clypeus quer, halbmondförmig, vorn schwach ein-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
271
gedrückt. Clypeus sehr kurz. Labriim sehr lang, Vorder-
rand schwach eingedrückt. Fühler fast von Vorder flügel-
länge ziemlich dicht mit langen schräg abstehenden Haaren
besetzt. Der ganze Kopf ziemlich dicht lang und schuppig
behaart. Maxillarpalpus rostgelb, Endglied schlank. Hinter-
haupt stark abgerundet. Scheitelnaht nicht sehr scharf.
Ocellen leuchtend rötlich gelb.
Thorax und Abdomen bräunlich gelb. Beine blaß
bräunlich gelb. i. Hintertarsenglied mit ca. 22, 2. mit
2 Ctenidiobothrien ; sie sind hell chitinfarben, hoch und
zeigen in der Aufsicht 5 — 6 lange spitze Zähne. Klauen
ziemlich kurz (ca. 0,05 mm) gebogen, braun, Spitze blaß.
Basalanhang borstenförmig. Am Hinterbein ist die Länge
der Schiene 1,24 mm, des i. Tarsengliedes 0,4 mm, des
2. Tarsengliedes 0,15 mm.
Vorderflügel hyalin mit sehr blaßbräunlichen Flecken,
und zwar ein Streif quer über das Pterostigma bis an den
Gabelpunkt der Radialgabel, ein Querstreif vom Stigmasack
bis an cu, je ein kleines Fleckchen außerhalb der Mitte vom
Radialstamm, vom Medianstamm, zwei neben der Mitte
von ax und ein Fleck am Nodulus. Adern gelblich braun,
Radialstamm und Medianstamm mit je zwei, Axillaris
mit drei hyalinen Stellen. Randader blasser, an der Ein-
mündungssteile der Adern etwas dunkler. Pterostigma
bei der Anhangsader rechtwinklig, r^ + 5 doppelt so lang
wie der Gabelstiel. Randader vielreihig lang behaart, am
Außenrand kreuzen sich die Haare nicht, am Hinterrande
der Axillarzelle einreihig behaart. Adern zweireihig lang
behaart, Radialstamm, Medianstamm dreireihig. Axillaris
vierreihig lang behaart. Analis einreihig sehr lang behaart.
m5 und mg schwach wellig, ebenso cu^ im aufsteigenden
und besonders im absteigenden Teil. Pterostigma mäßig
dicht pubesciert. Adern und Rand des Hinterflügels hell
gelbbraun, die Adern der Spitzenhälfte zweireihig behaart,
Stett. entomol. Zeit. 1909,
272
Analis einreihig behaart, Rand dicht mehrreihig, an der
Basis des Hinterrandes einreihig behaart, r^ + 5 so lang
wie der Gabelstiel; m^ länger als der Mediangabelstiel,
nio kürzer. Randader in der Spitzenhälfte des Vorder-
und Hinterflügels auch nach innen zu behaart.
Körperlänge (bei trockenem Tier) 2 mm; Vorder-
flügellänge 3,4 mm.
Transvaal, Zoutpansberg. i $•
Type im Zoologischen Museum zu Stettin.
Fig. 1. Harpezoneura multifurcata
nov. gen. nov. spcc. 5.
Geäder-Verlauf. Vergr. I21/2 : 1.
Fig,3. Troctes transvaalensis nov.sj).
Torakalstcrnite. Vergr. 160 : 1.
stj = Sternit des Prothnrax.
stii u. ni = Verschmolzene Stcrnilc
des Meso- und Metathorax.
Troctes transvaalensis nov. spec.
(Fiyur 3)
Körperfarbe blaß rostgelb, die beiden Basalglieder
des Fühlers bräunlich, die Spitzenhälfte des Abdomen
dunkel rostgelb, nach vorn zu besonders seitlich blasser
werdend. Augen schwach pigmentiert. Die acht für die
Gattung charakteristischen Ommen jedes Auges in etwas
abweichender Lagerung, die beiden großen hinteren Ommen
besonders groß. Die Einbuchtung des Hinterschenkels
fehlt, der Rand bildet an ihrer Stelle eine gerade Linie. Pro-
thorakalsternit (Fig. 3, I) mit sechs Fadenhaaren, die beiden
mittelsten etwas nach vorn gerückt, die übrigen eine Quer-
Stctt. cntomol. Zeit. 1909.
273
reihe bildend. Sternit des Meso- und Metatliorax (Fig. 3,
st II und III) dreieckig, Vorderrand mit einer Querreihe
von 10 langen Fadenhaaren.
Körperlänge 1,3 mm.
Zwischen in Transvaal bei Zoutpansberg gesammelten
Insekten, i 9.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Für den Gattungs-Namen Tricladus Enderl. (Zool.
Jhrb. Syst. 23. Bd. 1906 p. 410), der von Fairmaire
für ein Cleridengenus 1902 vergeben wurde (Ann. Soc. Ent.
Fr. 1902, p. 563) und sich im Verzeichnis der Genera in
den Records nicht findet, setze ich den Namen Tricla-
dellus nov. nom. ein (Typus: Tr. Froggatti Enderl. 1906
aus Australien).
Zwei neue Cercopiden=Qattungen.
(Hemiptera — Homoptera.)
Mit. 1 TexUlgiir.
Von Edmunifl Soliinidt, Stettin.
Genus Anoplostethus n. gen.
Scheitel gewölbt. Der Abstand der Ocellen von-
einander ist so groß wie der Abstand der Ocellen von den
Augen. Kopf seitlich betrachtet unten mit abgerundeter
Ecke. Pronotum mit Mittelkiel, hinten schwach gebuchtet.
Schildchen dreieckig, ziemlich groß, mit großer und tieferer
Grube auf der Scheibe. Mittelbrust glatt, ohne Höcker.
Rostrum bis zu den Mittelhüften reichend. Deckflügel-
und Flügelgeäder sowie Pronotum- und Schildchenform
sind in Figur I veranschaulicht. Das netzmaschige Apical-
geäder tritt reliefartig hervor, der Radius gabelt sich sehr
früh und der Cubitus und die Media sind eine Strecke ver-
Stett, entomol. Zeit. 1909. 18
274
Fig. 1. Anoplostethus Jacobii n. sp.
Nr. 1. Deckflüge] (die punktierte Linie deutet den Clavusumschlag an).
Nr. 2. Flügel. Nr. 3. Pronotum-Hinterrand und Schildchen (die punk-
tierte Linie deutet den Eindruck vor dem Rande an.)
schmolzen; durch diese Aderverteikmg werden vier gleich
breite, langgestreckte Zellen gebildet. Auf dem ersten
sichtbaren Bauchsegment (das 6. vor den Gonapophysen)
befindet sich ein knopfartiger Höcker (beim (^, $ mir un-
bekannt). Hinterschienen mit einem Dorn hinter der Mitte.
Typus: Anoplostethus Jacobii n. sp.
I. Anoplostethus Jacobii n. sp.
Kopf, Pronotum und Basalhälfte des Schildchen erz-
grün. Der maschige Apicalteil der Deckflügel und ein
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
275
großer Fleck auf jeder Seite des Prosterniim violett und
glänzend. Deckflügel mit den Adern, Apicalteil nicht mit-
gerechnet, ockergelb. Flügel rauchbraun getrübt, die Adern
schwarzbraun. Das Rostrum, die Schenkel und Bauch-
segmente sind ockerfarben; die vier Vorderschienen, große
Flecke auf den Paratergiten und eine kurze Vorderrand-
Querbinde auf den Bauchsegmenten sind schwarz gefärbt;
die Tarsen und die Hinterschienen sind braun gefärbt;
Rückensegmente braun mit ockergelben Hinterrandsäumen.
Pronotum grob punktiert und gerunzelt, zwischen
den Vordergruben und dem Vorderrande fast glatt, vordere
Seitenränder schwach gerundet, hintere Seitenränder seicht
eingedrückt, ein kurzer, deutlicher Mittelkiel befindet sich
hinter der glatten Stelle. Schildchenspitze quergerieft,
am Ende der Grube ist ein feiner Längskiel wahrzunehmen.
Gonapophysen hinten gestutzt mit abgerundeten Ecken.
Länge mit Flügeldecken 12 mm, Körperlänge 9 mm.
Sumatra: Sinabong (Dr. H. Dohrn).
Type im Stettiner Museum.
Diese Art benenne ich zu Ehren des Herrn Prof. Dr.
A. Jacobi, Direktor des Königlichen Museums in Dresden.
2. Anoplostethus jucundus Jacobi.
Cosnioscarta jucmida Jac. Mitt. aus dem Zoolog. Mu-
seum, Berlin HL i. S. 15, Taf. l, Fig. 2 (1905).
Jacobi:
,,Capite, lateribus prosterni, pronoto, scutello aeneo-
viridibus; prosterno violascente; rostro, meso-et metasterno,
coxis, femoribus, abdomine ochraceis; hoc supra segmentis
latissime nigro limbatis, subtus segmentis postice maculis
transversis, pleuris maculis quadratis nitide violascentibus
ornatis; tibiis anticis mediisque nigris, posticis fuscescen-
tibus. Tegminibus ochraceis, apice aeneo viridi; costa
venisque distincte violaceo limbatis, paulum ante partem
reticulatam subito ochraceis. Alis infumatis.
ett. eiitomol, Zeit. 1909. 18''
276
Long, cum tegm. ii, lat. pron. 4 mm.
$. Der ganze Kopf nebst Wangen und Clypeus,
Pronotum, Scutellum und Seiten des Prosternums glänzend
erzgrün, letzteres sonst violett glänzend. Scutellum mit
gelber Spitze. Schnabel — ausgenommen die schwarze
Spitze — , Mittel- und Hinterbrust, alle Hüften und Schenkel
und der Hinterleib ockergelb; letzterer auf den Rücken-
segmenten mit breiten violettschimmernden Säumen; unten
am Hinterrande jedes Segments eine kurze Ouerbinde,
auf den Paratergiten ein quadratischer Fleck von gleicher
Farbe. Tibien und Tarsen der beiden vorderen Beinpaare
glänzend blauschwarz, die der hinteren gelbbraun, schwarz
überlaufen. Deckflügel bis zum netzadrigen Teile ockergelb,
dieser quer abgeschnitten erzgrün; Costa, Adern und Clavus-
naht bald hinter ihrem Ursprünge bis etwa i mm vor der
Netzaderung glänzend purpurviolett nebst ebensolchen
Säumen, nachdem plötzlich ockergelb, so daß sich zwischen
die metallglänzende Streifenaderung und den einfarbigen
Spitzenteil ein nur außen etwas gekrümmtes Band schiebt.
Flügel rauchbraun.
Stirn im Profil gewinkelt. Ocellen gleich weit von
den Netzaugen und voneinander entfernt. Pronotum grob
punktiert und gerunzelt, nur zwischen den Vordergruben
glatt; Mittelkiel fehlt; Scheibe im hinteren Teile seithch
mit zwei den hinteren Seitenrändern parallelen Längs-
eindrücken ; Umriß sechseckig mit abgestumpften Seiten-
winkeln, vordere Seitenkante schwach gerundet, hintere
gerade, Hinterrand gebuchtet. Schildchen wenig länger
als breit, mit sehr tiefer und breiter Mittelgrube; Runzelung
undeutlich. Schnabel bis zwischen die Mittelhüften. Mittel-
brust ohne Hecker. Spitze der Deckflügel gerundet, die
Aderung sehr scharf, reliefartig hervortretend, ihr Ver-
lauf ganz gerade und einfach.
Hab. — West-Sumatra: Singalang (Slg. Jacobi; Typus).
Stett. entomol. Zeit. 1909.
277
C. jtictmda ist unter den zahlreichen schöngefärbten
Gattungsgenossen eine ungewöhnUche und dabei sehr zier-
hche Erscheinung. Sie ähnelt bei fast gleicher Größe un-
gemein einer brasilianischen Tomaspis meiner Sammlung
{Sphenorrhina venosa Wk. ?), nur ist bei dieser der Grund
der Deckflügel karminrot statt ockergelb."
Genus Porpax n. gen.
Kopf stark nach unten geneigt; Scheitel steil ab-
fallend, in der Mitte mit hochgewölbter, abgerundeter
Längserhöhung; Ocellen genähert, der Abstand der Ocellen
voneinander ist halb so groß wie der Abstand der Ocelle
vom Auge; Stirn schwach gewölbt, seitlich betrachtet
bilden der Stirnvorder- und Stirnunterrand eine scharfe
Ecke und stehen im rechten Winkel zueinander. Pronotum
vorn steil abfallend, hinten stumpf ausgeschnitten, mit
durchlaufendem Mittelkiel; die seitlichen Hinterränder sind
leicht einwärts und die seitlichen Vorderränder leicht aus-
wärts gebogen. Schildchen verhältnismäßig groß, in der
Mitte deutlich abgesetzt; die Vorderhälfte füllt eine flache,
nach hinten zu sich vertiefende Grube, die hintere Hälfte
ist rundlich gewölbt und grob quergerieft. Das Rostrum
überragt den Hinterrand der Mittelcoxen, Basalglied länger
als das zweite. Mittelbrust vor den Mittelcoxen mit großen
konischen, leicht nach vorn geneigten Brustzapfen. Deck-
flügel hinten gleichmäßig abgerundet; das netzmaschige
Geäder des Apicalteiles ist fein, wenig hervortretend und
fast bis zur Hälfte des Corium ausgedehnt; Cubitus und
Media durch einen Quernerv verbunden. Flügelgeäder
wie bei Trichoscarta Breddin und Phymatotetha Stäl. Das
erste sichtbare Bauchsegment (das 6. vor den Gonapophysen)
trägt in der Mitte einen kräftigen, großen, kegelförmigen
Höcker (beim cJ, ? unbekannt). Hinterschienen mit einem
kräftigen Dorn etwas unterhalb der Mitte.
Typus: Porpax xanthomelas n. sp.
Stett. entoinol. Zeit. 1909.
278
Porpax xanthomelas n. sp.
Scheitel schwarz, der Teil vor den Ocellen und vor
jedem Auge ein kleinerer Fleck ockergelb. Ocellen glashell,
gelblich. Augen schwarzbraun. Ockergelb sind: die Stirn,
die Vorderhälfte des Clipeus, die Vorder- und Mittelschenkel
auf der Unterseite zum größten Teil, ein großer, rundlicher
Fleck zu jeder Seite der Mittelbrust, breite Seitenrand-
säume des Pronotum, vier Flecke hinter dem Pronotum-
Vorderrande, das Schildchen mit Ausnahme der Vorder-
ecken und der Seitenränder des Basalteües und große runde
Flecke auf den Paratergiten. Beine, Bauchsegmentc,
Pronotum und Rostrum schwarzbraun. Rückensegmente
des Hinterleibes indigoblau, metallisch glänzend. Deck-
flügel schwarzbraun, im Apicalteile heller; auf dem Basal-
teile stehen drei runde, große, elfenbeinfarbige Flecke,
einer im Costalraum, einer auf der Gabelung des Radius
und einer auf dem Quernerv, welcher Cubitus und Media
verbindet. Flügel ziemlich stark rauchschwarz getrübt,
das Geäder ist pechbraun.
Schildchen grob quergerunzelt, die Fläche der Grube
ist glatt. Pronotum mit scharfem durchlaufenden Mittel-
kiel, punktiert quergerieft. Das erste Bauchsegment und
die steil abfallende Vorderseite des darauf sich befindenden
Höckers sind deutlich parallel quergerieft. Gonapophysen
dreieckig, nach hinten stark verschmälert und hinten in
einen aufgerichteten Zahn endend.
9 unbekannt.
Länge mit Flügeldecken 22 y^ mm, Körperlänge 16I/2 nim.
Obi (Waterstradt).
Type im Stettiner Museum.
Stott. cntomol. Zeit. 1909.
279
Isogenus aemulum, eine neue deutsche
Plecoptere.
Von Dr. Ciüntlier Enilerleaii. Stettin.
Mit 4 Textfiguren.
Unter dem Insektenmaterial aus dem Riesengebirge,
das das Stettiner Zoologische Museum Herrn Rektor
G. Schroeder verdankt, fand sich die folgende neue
Isogenus-Art, die vermutlich eine Gebirgs-Species ist.
Isogenus aemulum nov. spec.
$. Scliwarz; ockergelb ist ein großer Fleck in der Mitte
des Hinterrandes der Stirn und in der Mitte des Scheitels;
je ein kleiner Fleck in der Mitte des Vorder-, Hinter- und
Seitenrandes des Clypeus; gelbbraun ist die Medianlinie
des Pronotum. Unterseite des Kopfes und die Trochanter
bräunlich graugelb. Cerci grauschwarz. Flügel bräunlich
hyalin, Stigma hellbraun. Querader zwischen r, und
Radialgabelstiel im Vorderflügel braun gesäumt.
Diese Species unterscheidet sich von Isogenus nuhcculum
Newm. durch folgendes:
Hinteres Drittel des Clypeus dicht vor dem vorderen
Ocellus mit medianem Längseindruck. Hinter dem Vorder-
ste
Fig. 1. Isogenus aemulum
nov. spec. $. Vergr. 8:1.
Abdominalspitze"_von unten.
Fig. 2. Isogenus nubeculum
Newm. §. Vergr. 8:1.
Abdominalspitze von unten.
rande des Clypeus nahe den Seitenecken je ein kurzer Quer-
kiel. Hinter den hinteren Ocellen befindet sich auf jeder
Scheitelhälfte ein kleiner ocellenartiger Höcker. Die
Stett. eiitomol. Zeit. 1909.
280
Runzelung auf den Seitenteilen des Pronotum besteht
aus einzelnen un verbundenen kleineren Höckern. Seiten
des Pronotum geradlinig und sehr deutlich nach hinten
convergierend (bei /. nubeculum schwach nach hinten
divergierend). Cerci etwas dicker. Die Subgenitalplatte
(Fig. I, stg) von Abdominalbreite mit Ausnahme der Seiten-
viertel in der Mitte gewölbt nach hinten verlängert, so daß
der mittlere Teil den Hinterrand des 9. Sternites (Fig. i,
stg) überragt und in der Mitte mäßig schwach eingebuchtet
ist. Die so entstehende schaufelartige Erweiterung ist
gegen den übrigen Teil der Subgenitalplatte kantig ab-
gesetzt und nach unten geknickt, dessen Endhälfte mit
feinem Längskiel. Die Erweiterungen der Cercusbasipodite
sind weniger kräftig und weniger stumpf. Der hintere Teil
des Metasternum, des Thorax zwischen den Hintercoxen
(Fig. 3) hat an den Seiten je einen nach außen concaven
Längskiel, die beide dicht hinter der Mitte durch einen
feineren Querkiel verbunden sind. Dicht vor der Mitte
dieses Ouerkieles finden sich nebeneinander zwei kleine
grubige Vertiefungen (Fig. 3). Hinterenden der Längs-
kiele nicht durch einen Querkiel verbunden.
Ro'*-
Fig. 3. Isogenus aemulum Fig. 4. Isogenus nubeculum
nov. spec. $. Hinterer Teil des Newm. $. Hinterer Teil des
Metasternum. Vergrößert. Metasternum. Vergrößert.
Körperlänge 14 mm; Vorderflügellänge 14 14 v^th;
Flügelspannung 31 mm; Abdominallänge 5 14 i'nm. Größte
Vorderflügelbreite 4^2 m^i; Prothorakalbreite 3 mm.
Deutschland. Schreiberhau im Riesengebirge.
Juli 1907. 2 $. Gesammelt von Herrn Rektor
G. S c h r o e d e r in Stettin.
Typen im Stettiner Zoologischen Museiun.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
281
Bestimmungstabelle der europäischen Isogenus-Arten.
1. 8. Sternit des ? (Subgenitalplatte) klein, einen
großen Teil vom 9. Sternit freilassend. Die (J öfter
kurzflügelig, mit ganzem X. Ringe und langen
Analklappen 2.
8. Sternit des $ (Subgenitalplatte) deckt fast
die ganze ventrale Fläche des IX. Ringes 4.
2. Beide Geschlechter völlig geflügelt. Die ^J-Sub-
analklappen von der Spitze verdickt und dann
wieder verschmälert. 8. Sternit des ? nimmt nur
etwa die Hälfte des 9. Sternites ein; halbkreis-
förmig und hinten geradrandig. 10. Tergit stumpf-
winklig erweitert Nanseni Kempny 1900.
(^ kurzflügelig; die (^-Subanalklappen an der
Spitze am stärksten. 8. Sternit des $ nimmt etwa
% der Breite des 9. Sternites ein, Hinterrand breit
und flach eingedrückt; der Hinterrand des 10. Ringes
fast gerade 3.
3. Die seitlichen Hinterhauptsflecke wenig deutlich;
die Körperlänge beim (^ 9—10 mm und die Flügel-
spannung des 9 10 — 16 mm. rectum Kempny 1900.
Die seitlichen Hinterhauptsflecke deutlich und
das Kopfschild größtenteils gelb; die Körperlänge
des (^ 10 — 12 mm, Flügelspannung des $ 26 — 32 mm.
septentrionis Klap.
4. Subgenitalplatte des $ sehr groß und so breit wie
das Abdomen, Hinterrand breit und flach einge-
drückt, Hinterecken stark abgerundet, ohne Median-
kiel; sie verdeckt gewöhnlich den Hinterrand des
9. Sternites in der ganzen Breite. Subanalklappen
des (^ mit parallelen Seitenrändern. Der hintere
Teil des Metasternum jederzeit mit einer gerad-
linigen, nach hinten convergierenden Längsleiste,
die beide dicht vor dem Hinterrande des Seg-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
282
mentes durch einen Querkiel verbunden sind (in
der Mitte kein Querkiel). Vgl. Fig. 4
nubeculum Newm. 1833.
Subgenitalplatte des $ nur im mittleren Teil
(mit Ausnahme der Seiten viertel) gebogen, nach
hinten bis über den Hinterrand des 9. Sternites
verlängert und an der Spitze schmal eingedrückt;
der hintere Teil ist kantig nach unten umgeknickt;
Endhälfte mit feinem medianen Längskiel. Der
hintere Teil des Metasternum jederseits mit einer
seitlichen, nach außen concav gebogenen Längs-
leiste, die beide dicht hinter der Mitte durch einen
feinen Querkiel verbunden sind (Fig. 3) ; am
Hinterrande ohne Querkiel. aemulum nov. spec.
Aleurodicus conspurcatus, eine neue
Aleurodide aus Süd=Brasilien.
Von Dl'. f.lSiiffliei* I^^Biilei'leiii, Stettin.
Mit 1 Textfigur.
Unter dem umfangreichen Lisekten-Material von Lüder-
waldt aus Santa Catharina im Besitze des Stettiner Zoolo-
gischen Museums, das besonders reich an Minutien ist,
fand sich eine neue Art der besonders für das tropische
Südamerika charakteristischen Gattung Aleurodicus Douglas
1892, von der ich nachstehend die Diagnose gebe.
Aleurodicus conspurcatus nov. spec
■Hell bräunlich gelb, Augen grau; Beine blaß ocker-
gelblich; Spitzenhälfte des Abdomen grau, Seiten der
Basalhälfte ockergelb. Abdomen sehr schmal und schlank
(,(5*), letztes Glied etwa 2 ^2 mal so lang wie breit, vorletztes
Stett. entx)mol. Zeit. 1909.
283
Aleurodicus conspurcatus Enderl. ,^.
Voider- und Hinterflügel. Vergr..25 : 1.,
etwa so lang wie breit, beim $ gedrungen und kurz. End-
zange des Q sehr lang und schlank, und erst am Ende
nach innen umgebogen, etwa % des letzten Segmentes;
Penis in Form eines stäbchenförmigen Anhangs am Grunde
der Zangen und zwischen ihnen, sehr kurz (nur etwa 14
der Zangenlänge), dünn und senkrecht .aufgerichtet. Stirn-
rand von oben gesehen eine etwas abgerundete recht-
winklige Ecke bildend.
Flügel hyalin, weiß bestäubt; Vorder- und Hinter-
flügel mit kleinen, unregelmäßig geformten, braunen, spär-
lich verteilten Flecken. Die Costa im Vorderflügel fein,
aber deutlich; der vordere Ast der Radialgabel in beiden
Flügeln in der Mitte stark nach dem Außenrande zu um-
gebogen. Die Media endet in beiden Flügeln an der Hinter-
ecke des Außenrandes; im Vorder flügel ist sie nahe der
Basis stark, nahe dem Ende schwach wellig gebuchtet.
Analis im Vorderflügel fein aber deutlich bis zur Mündung
in der Mitte des Hinterrandes zu verfolgen; im Hinter-
Stett. entomol. Zeit. 1909. . ; : :<i .;.l.« ri.;o>jÄ
284
flügel fehlt sie. In beiden Flügeln erreichen r 4 + 5 und
m nicht ganz den Flügelrand, r 2 + 3 endet ziemlich weit
vom Flügelrand entfernt.
Körperlänge (^ 2^ mm, $ 2 mm; Abdominallänge
<S 1% mm, $ I mm; Vorderflügellänge (^2,5 mm, $ 3 mm;
Hinterflügellänge (^ 2,1 mm, $2% mm. Größte Vorder-
flügelbreite ^ 1,5 mm, $ 2 mm. Größte Hinterflügelbreite
(^ 1,15 mm, ? 1,5 mm.
Süd-Brasilien. Santa Catharina. 13 Exemplare
(3 J und IG $). Gesammelt von L ü d e r w a 1 d t.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Neue und bekannte Gattungen und
Arten der Subfamilie Cercopinae Stäl
des indoaustralischen Faunengebietes,
ein Beitrag" zur Kenntnis der Cercopiden.
(Hemiptera — Homoptera.)
Mit 1 Tcxtfigiir.
Von Edmunfl Selimicit, Stettin.
II.
Im I. Teile meiner Arbeit über indoaustrahsche Cerco-
piden (Stett. Ent. Zeit. LXX. Heft I, S. 146, verausgabt
1908) habe ich auf Seite 153 eine Art von der Insel Sumba
als neu unter den Namen GynoPygoplax Grelaki beschrieben.
Nachträglich habe ich gefunden, daß diese Art mit der
von Breddin (Soc. Ent. XVII, p. 51, 1902) auch von Sumba
beschriebenen Cosmoscaria crocale, welche, wie aus der
Breddinschen Beschreibung anzunehmen ist, stark variert
identisch ist. Demnach ist an Stelle ,, Grelaki n. sp." ,, crocale
Breddin" zu setzen.
stett. entomol. Zeit. 1909.
285
Genus Simeliria n. gen.
Deckflügel nach hinten verschmälert, mit mehr oder
minder spitz abgerundetem Apikaiteil und stark hervor-
tretendem Geäder; der Costalrand ist im Basalteile auf-
fallend stark gewölbt, die Costalzelle daher verhältnis-
mäßig sehr breit; Cubitus und Media sind eine Strecke
verschmolzen; die von Media und Cubitus eingeschlossene,
große, dreieckige Zelle ist mit einigen Quernerven versehen,
welche mit dem Cubitus in Verbindung stehen; Axillaris i
und 2 sind durch einen Quernerv verbunden. Flügel wie
bei der Gattung Suracarta (Stett. Ent. Zeit. LXX. I, S. 167,
1909) gebildet. Pronotum glatt, hinten abgerundet, mit
Mittelkiel, der nicht immer durchlaufend und deutlich
ist; die mehr oder weniger vortretenden Schulterecken
sind abgerundet. Der Hinterrand der Mittelbrust vor den
Mittelkoxen ist aufgehoben und zuweilen blattartig, die
Fig. 1. Simeliria viridans Guer. (,^).
1. Vorderflügel (die punktierte Linie deutet an, wieweit der Umschlag
des Clavus-Hinterrandes reicht). 2. Pronotum-Hinterrand und Schildchen
(die punktierten Linien deuten die Pronotumeindrücke an). 3. Mittel-
brust (stark vergrößert).
Stett, entomol. Zeit. 1909.
286
Mittelbrusthöcker sind vorn und hinten flach, daher nicht
konisch. Das Rostrum reicht bis zur Mitte der Mittel-
koxen. Besonders auffallend bei den Arten dieser Gattung
ist der metallische Glanz und der violette Schiller auf Kopf,
Pronotum, Schiidchen und Deckflügel.
Typus: Simeliria viridans Guer.
Tabelle zur Bestimmung der Arten.
1. Ocellen stark genähert; die Entfernung der Ocellen
voneinander etwa halb so groß wie der Abstand
der Ocellen von den Augen 6,
— Ocellen nicht genähert ; der Raum zwischen den
Ocellen so groß wie die Entfernung der Ocellen
von den Augen 2.
2. Apikaldrittel der Deckflügel anders gefärbt und
heller als der übrige Teil 5.
— Deckflügel einfarbig, Apicaldrittel wie der übrige
Teil 3.
3. Kleinere Arten. Hinterleib imten mit drei bis vier
Reihen schwarzer Flecke 4.
— Größere Art. Hinterleib unten einfarbig, gewöhnlich
glänzend schwarz. Länge des Körpers 16 — 22 mm.
Vorder- und Hinterindien und auf den indischen
Inseln i. S. viridans Guer.
4. Kopf, Pronotum und Prostcrnum indigoblau, me-
tallisch glänzend; Hinterleib unten mit drei Reihen
schwarzer Flecke. Länge des Körpers 16 mm.
Perak 2. S. Butleri Dist.
— Kopf, Pronotum, Schildchen und Prosternum rötlich
dunkelbraun; Hinterleib unten mit vier Reihen
schwarzer Flecke. Länge des Körpers 14 mm.
Cambodja 3. S. cambodjana n. sp.
5. Hinterleib oben rot. Augen dunkel ockergelb.
Länge des Kör^pers 17 mm. Sumatra
4. S. juno Dist.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
2 87'
— Hinterleib oben glänzend schwarzblau. 'Augen
dunkelbraun. Länge des Körpers i6 — 18 mm.
Nias 5. S. apicalis n. sp.
6. Höcker der Mittelbrust senkrecht. Deckflügel
metallisch stahlblau mit purpurner Beimischung
im Corium und Clavus und grüner im Maschen-
teile. Länge mit den Deckflügeln 22 mm. Sumatra.
6. S. coerulans Jac
— Höcker der Mittelbrust leicht nach vorn geneigt.
Deckflügel schwarzbraun, metallisch grün mit grün-
lichem Glänze im Corium und Clavus und stahl-
blauer Beimischung im Apicalteile ; der Übergang
vom Corium zum Apicalteil glänzt matt purpurn.
Länge des Körpers 14 mm. . . 7. S. aenescens n. sp.
I. Siineliria viridans Guerin.
Cercopis viridans Guer., A'oy. Belang. Ind. Orient, p. 501,
Atlas Taf. IH, Fig. 7 u. 7a (1834).
Walk., List of Hom. Ins. III,
p. 654 (1851).
Cosmoscarta ,, ,, Butl., Cist. Ent. I, p. 249 (1874).
Atkins., J. A. S. B. LIV, p. 8
(1885).
,, ,, ,. Dist., The Fauna of British India,
Ceylon and Burma. Rhynchota
Vol. IV. p. 155 (1907).
Cercopis latissima Walk., List of Hom. Ins. III, p. 655
(1851).
Guerin beschrieb diese Art von der Koromandelküste
(\'orderindien). Durch Walker, Butler und Distant erfahren
wir, daß diese Art auch auf Java und Sumatra vorkommt.
Nach Atkinson soll die Verbreitung sich bis Mysol und
Neu- Guinea erstrecken. Nach meinen Erfahrungen und
dem mir vorliegenden Material glaube ich kaum, daß die
Stett. eiitomol. Zeit. 1909.
288
Tiere der verschiedenen Fundorte dieselbe Art sind; die
von Mysol und Neu-Guinea dürften wohl entschieden andere
Arten wenn nicht andere Gattungen sein. Die Beschrei-
bungen der genannten Autoren sind sehr mangelhaft und
fast ausschließhch Farbenbeschreibungen, so daß ohne
Material der verschiedenen Fundorte, nur an der Hand
der erwähnten Beschreibungen, ein Trennen und Sichten
aller Formen, welche als Vindans Guer. zusammengefaßt
werden, nicht vorgenommen werden kann.
Im Stettiner Museum befinden sich i ^ und i $ von
Java (H. Fruhstorfer) , i $ von Sumatra: Soekaranda
(Dr. H. Dohrn) und i $ von Perak.
Aus dem Königlichen Museum zu Brüssel liegen mir
5 SS von Java und 2 $9 von Sumatra vor.
2. Simeliria Butler! Distant.
Trans. Ent. Soc. Lond., p. 667 (1-900).
Distant :
,,Head, pronotum, and prosternum brilliant metallic
indigo-blue; abdomen, meso-and metasternum coxae, and
legs sanguineous; tegmina shining piceous with an oliva-
ceous reflection; wings smoky hyalin; abdomen beneath
with a central and two lateral series of black spots.
Pronotum very faintly and finely punctate and obscurely
pilose, its lateral margins reflexed, and with a central
carinate line extending for about half its length from apex,
and with two prominent foveate impressions on its anterior
area; face compressed and transversely striate; posterior
tibiae with a long and prominent spine about onethird
from apex.
Long. excl. tegm. 16 millim. . Exp. tegm. 42 millim.
Habitat. Malay Peninsula, Perak (Doherty — Coli. Dist.).
Allied to C. funerahs, Butl."
Diese Art liegt mir nicht vor.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
289
3- Simeliria cambodjana n. sp.
Ocellen von den Augen soweit entfernt wie voneinander.
Pronotum sechseckig mit abgerundeten Schulterecken,
hinten stumpf abgerundet; die seithchen Vorderränder
sind nach außen gebogen, die seithchen Hinterränder kaum
merkhch einwärts; die Fläche ist glatt, fein punktiert und
der Mittelkiel nur in der Mitte vorhanden, vorn und hinten
vollständig verschwunden. Die Hinterränder der Mittel-
brust vor den ]Mittelhüftcn sind hoch aufgerichtet und
blattartig, die zapfenähnlichen Höcker der Mittelbrust
sind leicht nach vorn geneigt und überragen die Hinter-
ränder ein wenig. Apicalspitze der Deckflügel stumpfer
abgerundet als bei der vorherbeschriebenen Art, etwa wie
bei der nachfolgenden gebildet.
Kopf, Pronotum, Schildchen und Brust rötlich dunkel-
braun. Ocellen ockergelb. Augen braun. Deckflügel dunkel-
braun, an der Basis heller, im Apicalteile dunkler. Flügel
dunkel rauchbraun getrübt, mit schwarzbraunen Nerven.
Hinterleib oben und unten dunkel blutrot, die Unter-
seite hat, wie S. aoicsccns, 4 Reihen glänzend schwarzer
Flecke. Beine dunkel blutrot, die Schenkel auf der Ober-
seite und die Tarsen angebräunt. Gonapophysen dunkel-
braun mit dunkel blutroten Spitzen.
Länge 19^^ mm, Länge des Körpers 14 mm.
Cambodja H. (Coli. Camilie van Voxem Nro. 5354).
Type im Königlichen Museum zu Brüssel.
4. Sinieliria juno Distant.
Ent. M. M. XIX, p. 160 (1882).
Distant :
,, Black, shining; abdomen above, rostrum, legs. a
few scattered spots on abdomen beneath, and anal appen-
dage, red; apex of rostrum and femora, excepting bases
Stett. cntoniol. Zeit. 1909. 19
290
and apices, piceous; ocelli large and briglit shining yellow;
eyes dull ochraceous; retuculations on apical third of teg-
mina distinctly pale and shining brownish. Wings smoky-
hyaline. Pronotum thickly and finely punctatc, the lateral
angles broadly and sub-acutely ampliated, the lateral
margin broadly ampliated and reflexed, the posterior margin
truncated at base of scutellnm. Tegmina very finely and
thickly pvmctate. the costal margin at base, snddenly and
broadly dilated, rounded, and sub-erect, the apical reti-
culations strongly defined. Legs setose; posterior tibiae
with a strong sub-apical spine on onter margins.
Length, 17 mm. Exp., 50 mm. Exp. of angles of
pronotum, 10 mm.
Hab.: Sumatra (Forbes).
This species is allied to C. viridans, Guer., from which
it differs by the more strongly dilated pronotum, the teg-
mina with the costal margin suddenly ampliated, arched
and sub-erect a base, the reticulations of the tegmina not
concolorous, the different colour of the abdomen, & c.
The tegmina, though shining, are less brilliantly so than.
in Guerin's species."
Diese Species ist mir nicht bekannt.
5. Simeliria apicalis n. sp.
I c^. 5 9?.
Der Abstand der Ocellen von den Augen ist so groß
wie die Entfernung der Ocellen voneinander. Die Form
und Strucktur des Pronotum und des Schildchens sind
wie bei Canibodjana. Der Costalrand der Deckflügel ist
an der Basis stark vorgewölbt, ähnlich wie bei 5. viridans
Guer.; das Geäder ist typisch. Die Hinterränder der Mittel-
brust vor den Mittelhüften sind blattartig und aufgerichtet
und etwas niedriger als die mehr konischen Mittelbrust-
zapfen. Gonapophysen des ^^ hinten abgerundet, in der
Stett. entomol. Zeit. 190!».
291
Mitte des Hinterrandes ist eine abgestumpfte Ecke deutlich
wahrzunehmen. Kopf und Pronotum glänzend schwarz,
die Pronotumränder etwas heller. Deckflügel schwarz-
braun, stark glänzend, das Apicaldrittel ist bräunlich ocker-
gelb gefärbt und durchscheinend; eine glänzend goldgelbe
Behaarung ist über den ganzen Deckflügel verteilt, weniger
dicht auf dem Basaldrittel. Schildchen glänzend schwarz,
x\picalspitze heller. Flügel hyalin, rauchbraun getrübt
mit pechbraunen Nerven. Mittelbrust glänzend schwarz-
braun. Hinterleib oben und unten indigoblau und glänzend,
die Seitenränder, die beiden letzten Rücken- und Bauch-
segmente, ein Fleck in der Mitte des drittletzten Bauch-
segmentes und der Geschlechtsapparat sind ockergelb ge-
färbt. Beine ockerfarben, Schenkel mit braunem Ring
vor der Spitze; die Spitzen der Dornen der Hinterschienen
schwarz.
Länge des Körpers i6 — 18 nmi.
T}' pen :
Im Stettiner ^luseum.
I c?, 4 ??•
Nias, Goenveng Sitoli.
Im Brüsseler Museum.
I 0. Nias.
6. Simeliria coemlans Jacobi.
Mitt. aus dem Zoolog. Museum, Berlin III. I, S. i6
(1905)-
Jacobi:
,, Nigra; pedibus, limbo apiceque abdominis ventreque
cchraceis, hoc seriatim nigro maculato; tegminibus nitide
coeruleo-aeneis; alis infuscatis, subopacis.
Long, cum tegm. 22, Exp. tegm. 42 mm.
Kopf, Pronotum und Brust glänzend schwarz bis
schwarzbraun; Schnabel und Beine rc)tlich ockerfarben
Ste.tt. entoinol. Zeit. 1909. 19 ■■
292^
(ob aus Rot verblichen ?) ; Hinterleib oben glänzend schwarz,
die zwei letzten Ringe nebst dem Genitalsegmente und
die Ventralseite ockergelb. Diese mit zwei Reihen schwarzer
Flecke auf den Sterniten und je einer auf den Paratergiten.
Deckflügel metallisch stahlblau mit purpurner Beimischung
im Corium und Clavus und grüner im Maschenteile. Flügel
graubraun, fast undurchsichtig.
Der ganze Körper mit feiner gelbgrauer Behaarung,
auch auf den Deckflügeln, die infolgedessen in nicht ab-
geriebenem Zustande mehr grünlich schimmern. Stirn
im Profil etwas winklig. Ocellen sehr groß, viel näher bei-
eiiiander als bei den Netzaugen. Pronotum sechsseitig,
mit abgerundeten Ecken; vordere Seitenränder auswärts,
hintere einwärts gekrümmt, Hinterrand gestutzt, gelegent-
lich abgerundet. Scheibe sehr fein und zerstreut punktiert,
glatt; Mittelkiel undeutlich. Schildchen länger als breit,
über die ganze Fläche gerunzelt, Scheibe in der Mitte mäßig
tief eingedrückt. Mittelbrusthöcker in Form niedriger,
stumpfer und senkrechter Kegel, dahinter der Rand der
Mittelbrust zu einem niedrigen Höcker aufgebogen. Schnabel
mit dem Hinterrande der Mittelhüften abschneidend. Deck-
flügel gestreckt. Anßenrand von der Basis an mäßig ge-
bogen.
(^. Seiten des Genitalsegments unten mit sehr kräftigem,
etwas abwärts gekrümmtem Zahn.
Hab. ■ — Sumatra: Kaba (Mus. Dresd. Nr. 953:
Dr. Hagen coli.). T3'pen : Mus. Dresd., Slg. Jacobi.
C. cocrulans verleugnet die nahe Verwandtschaft mit
C. viridans (Guer.) nicht, ist aber erheblich kleiner und
schmäler. Auffallende Unterschiede bietet die Größe und
genährte Stellung der Ocellen, das schmale, stumpfge-
winkelte Pronotum, die nicht wie bei jener Species nach
vorn geneigten Höcker der Mittelbrust, namentlich aber
die Form und die eigentümliche Färbung der Deckflügel.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
293
Letzteres dürfte sie auch genügend von C. hutteri Dist. 1900
unterscheiden, über deren plastische Merkmale die Diagnose
zu wenig ausführliche Mitteilungen gibt."
7. Simeliria aenescens n. sp.
I ?.
Steht der 5. coerulans Jacohi sehr nahe.
Ocellen sehr groß, stark genähert; die Entfernung
der Ocellen voneinander so groß wie die Hälfte des Durch-
messers der einzelnen Ocelle. Pronotuni sechseckig, mit
abgerundeten Ecken, hinten gestutzt abgerundet; die seit-
lichen Vorderränder auswärts gekrümmt, die seithchen
Hinterränder kaum merklich einwärts; der Mittelkiel ist
vorne undeutlich, m der Mitte deuthch und vor dem Hinter-
rande vollständig verschwunden; die Fläche ist glatt und
ganz fein punktiert. Die Hinterränder der Mittelbrust vor
den Mittelhüften sind hoch aufgerichtet und überragen
die Zapfen der Mittelbrust ein wenig; die Mittelbrustzapfen
sind leicht nach vorn geneigt. Deckflügel länglich, der
Apicalteil spitzer abgerundet als dies bei den beiden vor-
hergehenden Arten der Fall ist.
Kopf und Pronotum glänzend schwarzbraun, letzteres
mit schmalem, braunen Vorderrandsaum. Augen braun,
Ocellen ockergelb. Die Rückensegmente in der Mitte und
die Brust sind braun gefärbt und glänzend; die Rücken-
segmente zu den Seiten und die letzten Ringe, die Bauch-
segmente, das Rostrum und die Beine sind bräunlich ocker-
gelb; zwei Reihen großer Flecke auf den Bauchsegmenten
und die Fleckenreihe auf der Unterseite jedes Conexivum
sind glänzend schwarz. Deckflügel schwarzbraun, metalhsch
grün mit grünlichem Glänze im Corium \md Clavus und
stahlblauer Beimischung im Apicalteile; der Übergang vom
Corium zum Apicalteil glänzt matt purpurn. Flügel dunkel
Stott. cntomol. Zeit. 1909.
294
rauchbraiin getrübt, mit schwarzbraunen Nerven. Länge
des Körpers 14 mm, Spannweite 39 mm.
Dieses Exemplar trägt kein Fundortetikett.
Type im Königlichen Museum zu Brüssel.
Genus Ectemnonotum n. gen.
Geäder der Deckflügel und der Flügel wie bei der
Gattung Gynopygoplax (Stett. Ent. Zeit. LXX. I, S. 148,
Fig. I, 1909). Das Pronotum ist gleichfalls ähnlich gebildet,
aber stärker gewölbt; der Hinterrand ist aufgewölbt und
mehr oder weniger tief ausgebuchtet, zuweilen fast gerade.
Schildchen dreieckig, stark quergerieft, mit größerer,
flachen Grube auf der Scheibe, kleiner als bei der erwähnten
Gattung. Die Kopfform und die Bildung der Mittelbrust
mit dem Brustzapfen und den Hinterrandhöckern vor den
Mittelcoxen sind wie bei der Gattung Suracarta (Stett.
Ent. Zeit. LXX. I, S. 167, Fig. 3, 1909). Der Brustzapfen
der Mittelbrust ist verschieden entwickelt; der Hinterrand
der Mittelbrust trägt stets zwei Höcker, welche bei den
verschiedenen Arten mehr oder weniger entwickelt und
anders geformt sind.
Typus: Ectemnonotum hivittatuui L. & S.
Die Arten dieser Gattung zerfallen in vier Gruppen.
Gruppe I.
Das Bauchsegment vor der Subgenitalplatte des $
bildet in der Mitte eine Ecke; Subgenitalplatte hinten
breit abgerundet. (^ unbekannt.
Gruppe II.
Das Bauchsegment vor der Subgenitalplatte der $$
bildet zwei Ecken; Subgenitalplatte dreieckig, hinten
stumpfer oder spitzer abgerundet. Gynapophosen der ^^
nach hinten stark verbreitert und am Ende abgestutzt,
die Außenecken vorgezogen und spitzer oder stumpfer.
stett. entomol. Zeit. 1909.
295
Gruppe III.
Das Bauchsegment vor der Siibgenitalplatte der $$
bildet zwei Ecken; Snbgenitalplatte kurz und breit ab-
gerundet. Gonapophysen der ^^(^ liinten breit abgerundet.
Gruppe IV.
Das Bauclisegment vor der Snbgenitalplatte der $$
bildet zwei Ecken; Snbgenitalplatte lang und schmal.
Gonapophysen der (^,^ hinten bedornt.
Tabelle zur Bestimmung der Arten.
1. Das Bauchsegment vor der Snbgenitalplatte des $
in der Mitte eine Ecke bildend, Snbgenitalplatte
weit hervorragend und hinten breit abgerundet.
Deckflügel braun, auf dem Basaldrittel befinden
sich fünf dunkelbraun umsäumte, elfenbcin farbige
Flecke. Kopf und Pronotum ockergelb gefärbt.
Länge mit den Deckflügeln 25 mm, Kcirperlänge
20 mm. ,^ unbekannt. Borneo
I. E. tricoloriforme n. sp.
— Das Bauchsegment vor der Subgenitalplatte bei
den $$ zwei Ecken bildend, Subgenitalplatte drei-
eckig, hervorragend oder ziemlich verdeckt und
parallelseitig spateiförmig. Deckflügel mit Binden
oder einfarbig 2.
2. Subgenitalplatte der $9 dreieckig. Gonapophysen
der ^(^ nach hinten verbreitert, ohne dornartigen
Fortsatz. Deckflügel selten ohne Querbinden . . 3.
— Subgenitalplatte der $$ parallelseitig spateiförmig,
in einem Falle fast (piadratisch. Gonapophysen der
(^(^ hinten mit dornartigen Anhängen, in einem
Falle eine spitze Ecke bildend. Deckflügel ohne
Ouerbinden 10.
3. Subgenitalplatte der $$ wenig hervortretend. Gona-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
296
pophysen der (^q nach hinten verbreitert, am Ende
breit abgerundet, ohne vorgezogene Aiißenecken. . . g.
— Subgenitalplatten bei den $$ weit hervorragend.
Gonapophysen der (^(^ nach hinten stark verbreitert,
am Ende gestutzt, mit stark vorgezogenen Außen-
ecken 4.
4. Deckflügel mit weißen, ockerfarbigen oder blut-
roten Binden. Kopf und Pronotum braun, schwarz
oder blau gefärbt. Größere Arten 5.
— Deckflügel ohne Binde, braun, basal Zweifünftel
heller, braungelb. Kopf und Pronotum braungelb.
Kleinere Art. Länge mit den Deckflügeln 17 mm,
Körperlänge 12 mm. $ unbekannt. Sumatra.
7. E. falsariuin n. sp.
5. Pronotum sehr fein punktiert, glatt und stark
glänzend 6.
— Pronotum gröber punktiert, daher rauher, von
matterem Glänze 7.
6. Kopf und Pronotum schwarzbraun. Deckflügel-
binden elfenbeinfarbig, zuweilen mit gelblichem Tone,
Basalbinde etwas breiter als die zweite. Gonapophysen
der (^(^ hinten gerade gestutzt, am Hinterrande
vor den spitz vorgezogenen Außenecken leicht ge-
buchtet, die Innenecken scharf rechtwinklig. Sub-
genitalplatte der $$ in der Basalhälfte deutlich
quergerieft, sonst glatt, die Seitenränder gerade,
die Spitze abgerundet. Länge mit den Deckflügeln
19 — 21 mm, Körperlänge 13 — 1614 mm. Java,
Sumatra 2. E. bivittatum A. & S.
— Kopf und Pronotum blau. Deckflügelbinden gelb,
Basalbinde zum Costalrande verschmälert und ver-
kürzt, den Costalrand nicht erreichend, die zweite
Binde sehr schmal und gleichfalls verkürzt. Gona-
pophysen des J* hinten geschweift, die Außenecken
statt, entomol. Zeit. 1909.
297
weniger spitz, die Innenecken abgerundet. Länge
mit Flügeldecken ig mm, Körperlänge 14 mm.
? unbekannt. Tonking .... 6. E. Fruhstorferi Jac.
7. Basalbinde der Deckflügel breit, breiter als die
Binde vor dem netzmaschigen Apicalteil; die erste
Binde beginnt am Ende des Basalviertel der Deck-
flügel. Subgenitalplatte der 9$ weiter hervorragend.
^ 8.
— Basalbinde der Deckflügel schmal, wenig breiter
als die zweite, sie beginnt am Ende des Basal-
drittels und erweitert sich zweimal im Corium nach
hinten (in der Discoidalzelle und auf dem Radius). Kopf.
Pronotum, Schildchen, Brust, Rostrum und Beine
braun. Subgenitalplatte weniger vorragend, hinten
breit abgerundet. Länge mit Flügeldecken 22 mm,
Körperlänge 16 mm. S unbekannt. Nord-Borneo.
4. E. ferale Butl.
8. Die erste Deckflügelbinde ist genau da, wo die Media
sich von dem Radius trennt, spitzwinkehg einge-
schnitten. Subgenitalplatte des ? weit vorragend,
an der Basis grob quergerieft, hinten weniger breit
abgerundet. Kopf, Pronotum und Schildchen schwarz.
Länge des Körpers 16 mm, Spannweite 41 mm.
^ unbekannt. Sumatra 5- E. Distanti Butl.
— Die Querbinden der Deckflügel blutrot. Sumatra.
var. rubrovittatum n. var.
— Die erste Binde der Deckflügel nicht spitzwinklig
eingeschnitten. Subgenitalplatten bei den ?? hinten
breiter abgerundet und im Basalteile deutlich quer-
gerieft. Bei den (^(^ ist der Hinterrand der Gona-
pophysen vor der Außenecke kaum merklich ein-
gedrückt, die Außen- wie Innenecken sind abge-
stumpft. Kopf, Pronotum und Schildchen braun
und dunkelbraun. Die Binden der Deckflügel sind
Stett. entoiuol. Zeit. 1909.
298
ockergelb. Länge mit den Deckflügeln 20 — 22 mm,
Körperlänge 15 — 17 mm. Sumatra
3. E. Dohrni n. sp.
— Im Basaldrittel der Deckflügel eine breite ocker-
gelbe Binde, die Apicalbinde ist nicht vorhanden,
in der Nähe des Costalrandes ein kleiner ocker-
gelber Fleck. Sumatra.. . .var. unitaeniatum n. var.
— Die Basalbinde selir sclnnal und nur im Corium
vorhanden, die Apicalbinde am Costalrande als
länglicher, viereckiger Fleck angedeutet. Sumatra.
var. evanidum n. \'ar.
9. Deckflügel mit zwei ockergelben Ouerbinden, Pro-
notum schwarz und punktiert. Subgenitalplatte
bis auf das abgerundete Ende vom vorhergehenden
Segment verdeckt. Länge mit den Deckflügeln
19 mm, Körperlänge 14 mm. J unbekannt. Nord-
Borneo 8. E. Waterstradti n. sp.
— Deckflügel mit einer ockergelben nach der Deck-
flügelwurzel halbkreisförmig gerundeten Basalbinde;
am Costalrande und an der Clavusspitze, vor dem
netzmaschigen Apicalteil, im Corium je ein vier-
eckiger, blutroter Fleck. Pronotum dunkel oliven-
grün. Gonapophysen der (^(^ nach hinten erweitert
und gleichmäßig abgerundet. Subgenitalplatten bei
den $$ hinten breit abgerundet. Länge mit den
Deckflügeln 17I/2 — 18 mm, Körperlänge 12Y2 ^^^
131/2 nim. Sumatra 9. E. Buxtoni Butl.
10. Subgenitalplatte bei den $$ convex. Gonapophysen
der 3^^ nach dem Ende zu verschmälert und in
einen spitzen Dorn endend 11.
— Subgenitalplatte bei den $$ concav oder quadratisch.
Gonapophysen der (^(^ am Ende gestutzt, einen
Dorn tragend oder eine abgestumpfte Ecke bildend.
13-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
299
II. Kopf. Pronotiim und Schildchen schwarzbraun oder
röthch braun, so dunkel oder dunkler als die Deck-
12.
flügel
- Kopf. Pronotum und Scluldchen ockerfarben, heller
als die Deckflügel. Brust und Beine rötlich braun.
Rostrum bis zu den Mittelcoxen reichend, die Gheder
sind gleichlang. Gonapophysen der ö^i' ^^^^^g- ^^^
Innenränder treten hniten auseinander und sind
• seitlich eingedrückt," der Dorn ist abgesetzt und
aufgerichtet. Subgenitalplatten der ?? hinten ab-
gerundet und fem quergerunzelt. Länge mit den
Deckflügeln 16—17 mm, Körperlänge 111/2—14 mm.
Sumatra 10. E. mgosum n. sp.
12. Pronotum schwarzbraun, sehr fem punktiert, fast
glatt, mit sehr zarter Mittellinie und von starkem
Glänze. Rostrum bis zur Mitte der Mittelcoxen
reichend, die Glieder gleichlang. Gonapophysen
des S l^^"g' l^"^ten auseinandertretend, zur Spitze
hm allmählich verschmälert und m einen Dorn
endend. Länge mit den Deckflügeln 171/2 mm,
Körperlänge 13 mm. ? unbekannt. Nord-Borneo.
II. E. acuminatum n. sp.
— Rostrum die Mittelhüften nicht erreichend; zweites
GHed kurz, 1/2 mal so lang wie das Basalglied. Sub-
genitalplatte des $ quergerieft, am Ende eine kurze,
deutliche Längsfurche. Kopf und Pronotum schwarz-
braun, Körper und Beine braunrot. Das Geäder
im Apicalteile der Deckflügel rot. Länge mit den
Deckflügeln 16 mm. Körperlänge 12 mm. o^ unbe-
kannt. Borneo 12. E. brevirostmm n. sp.
— Pronotum rotbraun, deutlich punktiert-quergerunzelt,
weniger glatt, mit deutlichem Mittelkiel und von
schwächerem Glänze. Die Rostrumgheder sind
gleichlang. Subgenitalplatte des ? deutlich quer-
Stett. entoiDol. Zeit. 1909.
300
gerieft. Gonapophysen des 3* hinten gestützt, die
Dorne stehen an den Innenecken einander zugekehrt,
das Bauchsegment vor den Gonapophysen ist hinten
tief eingeschnitten und bildet zwei abgerundete,
weit vorgezogene Lappen. Länge mit den Deck-
flügeln (^ 15 mm, 9 16 1/^ mm, Körperlänge ö^ 9l^ mm,
$ 12 mm. Sumatra 13 • E. bilobatum n. sp.
13. Subgenitalplatte bei den $$ spateiförmig 14.
— Subgenitalplatte des $ weit vorragend, hinten ge-
stutzt und leicht gebuchtet, am Ende kaum merk-
hch schmaler als an der Basis, quadratisch, glatt
und glänzend. Rostrumgheder gleichlang. Kopf,
Pronotum und Schildchen braunrot; Pronotum
punktiert und gerunzelt, mit matt violettem Glänze.
Deckflügelgeäder rot, Grundfarbe braunrot, Clavus
bräunlich ockergelb. Rückensegmente indigoblau.
Länge mit den Deckflügeln 13I/4 mm, Körperlänge
10 mm. r^ unbekannt. Sumatra
19. E. truncatum n. sp.
14. Subgenitalplatten der $$ lang und schmal, stets
hervorragend. Gonapophysen der ^(^ am Ende
einen Dorn tragend 15.
— Subgenitalplatte beim $ fast verschwunden. Rostrum
bis zur Mitte der Mittelcoxen reichend, beide Glieder
gleichlang. Pronotum punktiert-quergerieft, mit
einigen gröberen Runzeln und feiner Mittelleiste.
Kopf, Pronotum und Schildchen braunrot mit matt
violettem Glänze. Deckflügel bräunlich ockergelb,
die Aderung mehr gelblich. Länge mit den Deck-
flügeln 14 mm, Körperlänge 11^ mm. (^ unbe-
kannt. Java 17. E. simile n. sp.
— Gonapophysen des (^ hinten stark auseinander-
tretend, die Abrundungen stumpfeckig und nach
außen gerichtet, keinen Dorn tragend, die inneren
Stett. entomol. Zeit. 1909.
301
Seitenränder sind hinten aufgebogen. Rostrum
bis zum Hinterrande der Mittelbrust vor den Mittel-
coxen reichend, Basalghed Y2 ^'^^^ so lang wie das
zweite. Länge mit den Deckflügeln 13 14 mm,
Körperlänge 10 mm. $ unbekannt. Java
18. E. basibreviatum n. sp.
15. Subgenitalplatten der $$ hinten gerundet 16.
— Subgenitalplatte des $ hinten eingekerbt und glatt.
Pronotum mit Mittelkiel und punktiert-quergerunzelt,
schwach rötlich braun. Deckflügel bräunlich ocker-
gelb; Apicalteil dunkelbraun, das netzmaschige Ge-
äder rötlich. Länge mit den Deckflügeln 15 mm,
Körperlänge 12 mm. 5* unbekannt. Sumatra. . . .
16. E. incisum n. sp.
16. Subgenitalplatte des $ kürzer und flacher. Pro-
notum punktiert-quergerieft, mit Mittelkiel, dunkel
ohvengrün. Deckflügel im Basalteile schwarzbraun,
im Apicalteile heller, Apicaldrittel mit rötlichen
Nerven auf dunkelbraunem Grunde. Länge mit den
Deckflügeln 11 mm. ,^ unbekannt. Java
14- E. cyaneiventris Walk.
— Subgenitalplatten der $$ länger und gewölbter.
Gonapophysen der ^J^ hinten an den inneren Seiten-
rändern stark eingedrückt, mit einem kurzen Dorn
am Hinterrande vor den Außenecken. Pronotum
braun. Deckflügel braun, im Basalteile heller, im
Apicalteile dunkler, und mit rötlichen Nerven.
Länge mit den Deckflügen 13 — 14 14 nim, Körperlänge
IG — II 1/2 mm. Sumatra ... 15. E. cochleatum n. sp.
Gruppe I.
r. Ectemnonotum tricoloriforme n. sp.
Kopfform wie bei Bivittatum. Pronotum fein pimk-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
302
tiert quergerunzelt, hinten stumpf ausgeschnitten und
aufgerandet ; die seithchen Hinterränder sind leicht ein-
wärts gebogen, die seithclien Vorderränder leicht vor-
gerundet; der Mittelkiel ist in der Vorderhälfte scharf und
erlischt hinter der Mitte. Schildchen grob quergerieft.
Zweites Rostrumglied etwas länger als das Basalglied.
Subgenitalplatte hervorragend, hinten breit abgerundet
und am Ende etwas nach unten abgehoben; die Fläche
ist deutlich quer gerieft. Das Segment vor der Subgenital-
platte ist in der Medianlinie hinten nach unten vorgezogen,
eine Ecke bildend, von hinten betrachtet seitlich dachig
abgeflacht. Ockergelb gefärbt sind: der Kopf, das Pro-
notum, die Schildchenspitze, das Rostrum, die Schienen,
die Tarsen, die Vorderschenkel und die Vordercoxen; zweites
Rostrumglied, die Vorderschenkel, die Vordercoxen und
die Seiten des Clipeus sind stellenweise braun getönt.
Mittel- und Hintcrschenkel, Schildchenbasis, Spitzen der
Krallen und Flügeldecken braun. Hinterleib oben und
unten pechbraun, metallisch glänzend; Rückensegmente
mit ockergelbem Mittelstreif und dreieckigen Flecken zu
den Seiten; Bauchsegmente zu den Seiten ockergelb mit
pechbraunen \'orderrändern : die letzten Rückensegmente,
die Afterröhre und die Scheidenpolster sind ockergelb
gefärbt. Legescheide braun. Ocellen glashell, gelblich.
Augen grau. Auf dem Basalteile der Deckflügel liegen
5 elfenbeinfarbige, dunkelbraun umsäumte Flecke; den
Apicalteil trennt vom Corium eine dunkelbraune Ouer-
binde. Flügel ziemlich dunkelbraun getrübt, die Nerven
sind pectibraun, Flügelwurzel ockergelb.
J unbekannt.
Länge mit den Flügeldecken 25 mm, Körperlänge
20 mm.
Nord-Borneo (Waterstradt).
Type im Stettiner Museum.
Stett. entomol. Zt-it. 1909.
303
Gmppe II.
2. Ectemnonotum bivittatum. A. n. S.
Cercopis bivittata Lep. et Serv., Enc. Meth. X, p. 605
(1827).
,, ,, ,, ,, Walk., List of Hom. Ins.
III, p. 653 (1851).
Cosmoscarta ,, ,, ,, Butl., Cist. Ent. I, p. 256
(1874)-.
5 (^o^ 9 ??•
Der Abstand der Ocellen voneinander etwas größer
als die Entfernung der Ocellen von den Augen. Scheitel
gewölbt, glatt nnd ohne Kiel. Pronotiim sechseckig, sehr
fein punktiert u.nd gerunzelt, daher glatt und von starkem
Glänze, mit einer Mittellinie, welche in der Vorderhälfte
kielartig hervortritt; die hinteren Seitenränder und der
Hinterrand eingedrückt, die seitlichen Vorderränder schwach
vorgerundet ; hinter den Augen liegen auf der Scheibe zwei
größere Eindrücke. Schildchen dreieckig, grob quergerieft,
mit einer flachen Grube auf der Scheibe. Rostrum bis
zu den Mittelcoxen reichend, die Glieder gleich lang. Dorn
der Mittelbrust kaum merkhch nach vorn geneigt, vorn
flachgedrückt, oben stumpf abgerundet und niedriger als
die Höcker des Hinterrandes vor den Mittelcoxen. Die
äußeren Höcker auf dem Hinterrande der Mittelbrust sind
niedriger und breiter, auch breiter abgerundet als die
inneren. Gonapophysen der (^q hinten gerade gestutzt,
am Hinterrande vor den spitz vorgezogenen Außenecken
leicht gebuchtet, die Innenecken scharf rechtwinkelig.
Subgenitalplatte der $9 i^"^ der Basalhälfte deutlich quer-
gerieft, sonst glatt, die Seitenränder gerade, die Spitze
abgerundet. Kopf und Pronotum schwarzbraun bis schwarz
und glänzend; die Pronotumränder mit Ausschluß des
Vorderrandes braunrot. Schildchen schwarz mit grün-
lichem Schiller. Deckflügel dunkelbraun bis schwarz, mit
Stctt. ontomol. Zeit. 1909.
304
grünem bis olivengrünem Schiller und zwei weißen (elfen-
beinfarbigen) Binden, welche zuweilen matt ockergelb
gefärbt sind; die Basalbinde ist für gewöhnlich breiter
als die Apicalbinde, erstere liegt im Basaldrittel der Deck-
flügel, letztere vor dem netzmaschigen Apicalteil und ist
zur Clavusspitze hin verschmälert. Rostrum, Brust und
Beine braun bis schwarz und stark glänzend. Hinterleib
indigoblau, zuweilen mit' rötlich violettem Scliiller. Sub-
genitalplatten und Legescheiden der $$ zuweilen rötlich
braun.
Länge mit den Deckflügeln iq — 21 mm, Körperkinge
13 — 16 V2 mm.
Im Stettin er Museum.
1 ö^ 3 ??■
Java (H. Fruhstorfer).
Sumatra: Deli (Coli. Fruhstorfer).
Im Königlichen Museum zu Brüssel.
2 ^<^, 5 ??•
Java (Fruhstorfer).
Sumatra (van Lansberg).
var. flavifascium Walker.
Cercopis flavifascia Walk., List of Hom. Ins. III,
p. 654 (1851).
Die beiden Binden der Deckflügel sind ockergelb
gefärbt.
3. Ectemnonotum Dohrni n. sp.
2 (^o^ I ?•
Diese Art ist der BivittaUim sehr ähnlich, der Haupt-
unterschied liegt in der Bildung der Gonapophyscn der
^^. Die Bildung des Pronotum und die Färbung ist wie
bei Fcrale und Distanti, auch der Glanz ist wie bei diesen
Stett. entomol. Zeit. 1909.
305
beiden Arten. Deckflügel dunkelbraun bis schwarz, mit
zwei ockergelben Binden; die Basalbinde ist sehr breit
und die zweite Binde schmal. Flügelfärbung wie bei Bivitta-
tum. Gonapophysen der t^(^ hinten fast gerade, die Außen-
ecken abgestumpft, nicht so spitz vorgezogen wie bei
Bivittatum. Subgenitalplatten der $9 hinten breiter ab-
gerundet, an der Basis quergerieft sonst glatt und glänzend.
Länge mit den Deckflügeln 20 — 22 mm, Körperlänge
15 — 17 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
Zu Ehren des Herrn Dr. H. Dohrn in Stettin benannt.
var. unitaeniatum n. \ar.
I ö^ I ?•
Diese Varietät ist dadurch von der Art verschieden,
daß die Apicalbinde (die zweite Binde) vollständig ver-
schwunden ist und so den Eindruck einer neuen Art vor-
teuscht. Die Gonapophysen des (^ und die Subgenitalplatte
des $ stimmen aber mit denen der Art vollkommen überein.
Maße wie vorher.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
var. evanidum n. var.
Bei dieser Varietät ist die Basalbinde sehr reduziert
und nur im Corium noch vorhanden, die Apicalbinde als
länglicher Costalfleck vorhanden.
Maße wie vorher.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Type im Stettiner Museum.
4. Ectemnonotum ferale Butler.
Cosmoscarta feralis Butl., Cist. Entomolog. I, p. 256
(1874).
Stett. cutoniül. Zeit. 1909. 30
SOG
Butler :
,,Allied to C. bivittata; larger, broader, not aeneoiis,
vvith narrower bands; head, thorax, pectus, abdomen,
legs, and tegmina shining black; the latter crossed by two
narrow pale testaceous bands (their edges irregulär), dividing
the tegmina into three nearly equal parts; wings fuscescent,
black at tase.
Length 20 mill.; expanse of tegmina 48.
Saräwak (Wallace). Type. B. M."
I ?.
Pronotum punktiert und fein gerunzelt von matterem
Glänze. In Form und Größe der Distanti und Dohrni sehr
ähnlich. Kopf, Pronotum, Schildchen. Brust, Rostrum
und Beine braun. Deckflügel braun, im Apicalteile lichter,
mit zwei schwach bräunlichgelben Querbinden. Basal-
binde schmal, wenig breiter als die zweite, sie beginnt am
Ende des Basaldrittels und erweitert sich zweimal im
Corium nach hinten (in der Discoidalzelle und auf dem
Radius) ; zweite Binde schmaler und in der Mitte einmal
nach hinten etwas verbreitert. Flügel hvalin, an der Wurzel
stärker rauchig getrübt, die Adern sind braun. Hinterleib
braun mit \'iolettem Glänze, die Rückensegmente sind
hinten schwarz gesäumt. Subgenitalplatte weniger vor-
ragend, hinten breit abgerundet. Rostrum kurz, bis zum
Hinterrande der Mittelbrust vor den Mittelcoxen reichend,
beide Glieder gleich lang. Höcker der Mittelbrust um eine
Kleinigkeit niedriger als die Höcker des Hinterrandes der
Mittelbrust, leicht nach vorn geneigt und vorn flach gedrückt.
Die Höcker auf dem Hinterrande der Mittelbrust gleich
hoch, die äußeren kräftiger entwickelt.
Länge mit den Deckflügeln 22 mm, Körperlänge 16 mm.
(^ unbekannt.
Nord-Borneo (Waterstradt) .
I $ im Stettiner Museum.
Stctt. CTitoniol. Zeit. 1909.
307
Das mir vorliegende $ ist nicht, wie es in der Butler-
schen Beschreibung heißt, schwarz, sondern braun gefärbt;
es macht den Eindruck eines nicht ganz ausgefärbten
Stückes.
5. Ectemnonotuiii Distanti Butler.
Cosmoscarta Distanti Butl., P. Z. S. p. 672 {1874).
Jac, Mitt. Z. Mus. Berlin III. I,
S. 7 (1905)-
Butler :
,,Allied to C. hivittata and C. fcralis, but in structure
agreeing better with C. xanthorhina. Head and thorax
black, rather dull; scutellum black, pitchy at the margins;
abdomen above shining purplish black; body below black;
legs piceous; tegmina black, becoimng piceous towards
apex, crossed by two orange bands, the inner one somewhat
broad, crossing centre of clavus, and widcst in the centre,
the outer one only half as wide, widest and angulated in
the middle externally; wings smoky brown.
Length 18 millims.; exp. tegm. 49. Hab. Penang
(Distant). In coli. W. L. Distant.
The Position of this species will be after C. feralis.''
Jacobi:
,,Pronotrm dicht und tief punktiert, mit feinen Quer-
runzeln. Stirn im Profil etwas stumpfwinklig. Ein von
Butler (1. c.) angegebenes Färbungsmerkmal, wonach die
zweite Binde in der Mitte winklig erweitert sei, ist nicht
zuverlässig, weil auch bei C. bivittata (L. & S) vorhanden,
dagegen fand ich das folgende an der ganzen Reihe unter-
suchter Individuen beständig: Die erste breite Binde ist
genau da, wo der äußere Gabelast der ersten Ulnarvene
sie trifft, spitzwinklig eingeschnitten.
Hab. — Sumatra: Westküste (Mus. Berol.: v. Faber
coli.).
Stett. cntoniol. Zeit. 1909. liO*
308
var. — Die Querbinde der Deckflügel blutrot.
Hab. — vSumatra: Solok (Slg. Jacobi)."
var. sanguineovittatum n. var.
(Jacobi, Mitt. aus dem Zoolog. Museum, Berlin III.
I, S. 7, 1905).
2 ??.
Diese Varietät ist dadurch ausgezeichnet, daß die
Ouerbinden der Deckflügel blutrot gefärbt sind.
Länge des Körpers 16 mm. Spannweite 41 ^2 mm.
Sumatra, (Exzell. v. Studt G.).
Typen : Ein Exemplar im Königlichen Zoologischen
Museum zu Berlin und ein Stück im Stettiner Museum.
6. Ectemnonotum Fruhstorferi Jacobi.
Zoolog. Jahrb. XXI. 4, S. 441, Taf. 21, Fig. 8 (1905).
Jacobi:
,, Jacobi. igo2, p. 23.
Chiem-hoa.
Pronotum sexangulare; margine antico late sinuato,
piano; marginibus antero-lateralibus levissione rotundatis,
vix reflexis, postero-lateralibus distincte sinuatis, angulis
humeralibus obtusis; m<u"gine postico kvius sinuato, angulis
posticis perobtusis; marginibus Ulis et hoc reflexis; disco
subtilissime punctato, antice foveis duabus sat profundis
lineaque media anguste elevata instructo. Scutellum
retrorsum valde productum, latitudnie sua parte tertia
longius, transversaliter rugosum. Rostrum coxas inter-
medias ae(|uans. Mesosternum tubcrcuhs usitatis conicis,
tibiae posticae basin versus spina sat robusta, pone medium
altera validissima instructa.
Q. Segmentum genitale marginibus lateral ibus re-
trorsum curvatis, subtus sinuatis et in dentem deflexum
productis instructum. Gonapophyses breves, deplanatae,
extus apicem versus dilatatae et rotundato-truncatae."
Stctt. cntomol. Zeit. 1909.
309
I Q. Länge mit den Deckflügeln 19 1 2 nim, Körper-
länge 13 mm.
Tonking (H. Friihstorfer) .
Dieses Exemplar erwarb das Stettiner Museum von
Herrn Prof. Dr. A. Jacobi im Tausch.
7. Ectemnonotum falsarium n. sp.
T -^
Pronotum sehr fein punktiert, glatt und von starkem
Glänze; die seitlichen Hinterränder und der Hinterrand
sind leicht eingediückt, die seitlichen Vorderränder schwach
vorgerundet ; der Mittelkiel ist durch eine schwache Linie
angedeutet, welche zwischen den Gruben hinter dem Vorder-
rande deutlicher wird. Scheitel glatt. Der x\bstand der
Ocellen voneinander etwa so groß, wie die Entfernung der
Ocellen von den Augen. Kopf- und Schildchenbildung
typisch, ebenso das Geäder der Deckflügel und der Flügel.
Rostrum bis zu den ^Nlittelhüften reichend, beide Glieder
gleich lang. Brustzapfen höher als die Höcker auf dem
Hinterrande der Mittelbrust vor den Mittelcoxen, vorne
nicht flachgedrückt und auch nicht nach vorn geneigt ; die
Höcker auf dem Hinterrande gleich hoch, die äußeren
kräftiger. Gonapophysen nach liinten stark verbreitert,
hinten gestutzt, vor den Auß;'necken leicht eingedrückt;
die Außenecken sind stumpf x-orgezogea und abgerundet,
weniger spitz als bei Dohrni. Kopf, Pronotum und Schild-
chon braungelb. Augen schiefergrau: Ocellen glashell mit
gelbem Rande. Deckflügcl braun, basales Zweifünftel gelb-
lich braun. Flügel hyalin, rauchig getrübt, an der Wurzel
intensiver, Adern pechbraun. Rostrum, Brust und Beine
braun ; die Spitzen der Dornen der Hinterschienen und
der Tarsen schwarz. Hinterleib indigoblau, die Rücken-
segmente mit starkem, rötlich violetten Schiller. (iona-
pophysen gelbbraun, in der Mitte des Hinterrandes auf
Stctt. cntomol. Zeit. 1909.
310
jeder Gonapophyse ein größerer, runder, dunkelbrauner
Fleck in einer grubigen Vertiefung.
Länge mit den Deckflügeln 17 mm, Körperlänge 12 mm.
9 unbekannt.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Type im Stettin er Museum.
Gruppe III.
8. Ectemnonotum Waterstrad ti n. sp.
I ?•
Stirn unten stumpf abgerundet. Der Abstand der
Ocellen voneinander größer als die Entfernung der Ocellen
von den Augen. Scheitel glatt. Pronotum punktiert, fein
quergerunzelt von matterem Glänze; die seitlichen Hinter-
ränder und der Hinterrand sind eingedrückt, die seitlichen
Vorderränder gerade; ein Mittelkiel ist nicht vorhanden.
Schildchen, Deckflügelform und Geäder typisch gebildet.
Rostrum bis zu den Mittelcoxen reichend, Basalglied kaum
merklich länger als das zweite. Mittelbrusthöcker nicht
nach vorne geneigt und vorn nicht flachgedrückt, viel höher
als die Höcker auf dem Hinterrande der Mittelbrust vor
den Mittelcoxen. Die äußeren Höcker auf dem Hinter-
rande der Mittelbrust viel höher und kräftiger entwickelt
als die inneren. Subgenitalplatte wenig hervorragend,
bis auf das abgerundete Ende vom vorhergehenden Seg-
ment verdeckt. Von hinten betrachtet bildet das Segment
vor der Subgenitalplatte zwei Ecken. Kopf, Pronotum
und Schildchen schwarz, Schildchenspitze in der Mitte
dunkelrot. Deckflügel schwarz, Apicalteil braun, mit zwei
ockergelben Querbinden; die Basalbinde ist nach der Wurzel
zu halbkreisförmig erweitert und am Clavushinterrand
breiter als an der Costa. Apicalbinde schmal, vor der Costa
etwas verbreitert. Flügel hyalin, rauchschwarz getrübt,
mit pechschwarzen Nerven, die Trübung ist an der Basis
Stett. entomol. Zeit. 1909.
311
intensiver. Ocellen glashell und gelblich; Augen grau,
braun gefleckt. Rostrum, Brust, Beine und Hinterleib
dunkel blutrot; der Hinterrand der Hinterleibssegmente
glänzend schwarz; die Rückensegmente sind etwas bräun-
lich mit violettem Schiller. Die Spitzen der Dornen der
Hinterschienen und der Tarsen schwarz.
Länge mit den Deckflügeln 19 mm, Körperlänge 14 mm.
(^ unbekannt.
Nord-Borneo (Waterstradt).
Type im Stettiner Museum.
9. Ectemnonotum Buxtoni Butler.
Cosmoscarta Buxtoni Butl., A. M. N. H. XIX, p. 312
(1877)-
General form of C. xonthorhina; above purplish black ;
head somewhat prominent, centrally grooved in front;
ocelli small, placed in deep excavations on either side of a
central carina, which runs to the back of the thorax, the
latter granulöse, barely wider than the closed tegmina,
with a distinct marginal ridge, a feeble oblique depressed
line on each side, near the posterior border; tegmina with
the basal iwo fifths almost covered by a broad oblique
ochreous band, which crosses the corium ; a narrow, nearly
perpendicular, transverse vermilion band just beyond the
end of the corium ; body below blackish piceous ; legs choco-
late-brown. Length 9 lines, expanse of tegmina 18 lines.
Sumatra. Type, B. M.
This and the succeeding species were obtained by Mr.
\i. C. Buxton in his recent trip of Sumatra.
Die mir vorliegenden Exemplare passen nicht genau
zur Butlerschen Beschreibung. Vermutlich ist Buxtoni
eine andere Art. In diesem Falle schlage ich für die von
mir beschriebenen Sumatraner den Namen Excellens vor.
7 3<S, 5 ??■
Stett. entomol. Zeit. 190ii.
312
Stirn, seitlich betrachtet, rechtwinkehg gebrochen ; die
Ecke abgerundet. Der Abstand der Ocellen voneinander
so groß, wie die Entfernung der Ocellen von den Augen.
Scheitel gewölbt. Pronotum grobpunktiert quergerunzelt,
mit einer Mittellinie, die zwischen den Gruben des Vorder-
Pronotum kielartig hervortritt; die seitlichen Hinterränder
und der Hinterrand sind eingedrückt, die seitlichen Vorder-
ränder leicht vorgerundet. Schildchenform und Deckflügel-
geäder, wie bei W atevstradti. Rostrum bis zur Mitte der
^littelcoxen reichend, beide Gheder gleich lang. Mittel-
brustdorn etwas höher als die Höcker auf dem Hinterrande
der iMittelbrust vor den Mittelcoxen, kaum merklich flach-
gedrückt an der Vorderseite Die äußeren Dorne auf dem
Hinterrande der Mittelbrust ein wenig kräftiger als die
inneren. Gonapophysen der (^(^ nach hinten verbreitert
und gleichmäßig abgerundet; der Hinterrand ist leicht
aufgebogen, wodurch die Gonapophysen eckig erscheinen.
Subgenitalplatten bei den $9 hinten breit abgerundet.
Deckflügel dunkelbraun, mit einer ockergelben, nach der
Deckflügelwurzcl halbkreisförmig vorgerundeten, basalen
Querbinde; am Costalrande und an der Clavusspitze, vor
dem netzmaschigen Apicalteil, im Corium je ein viereckiger,
blutroter Fleck. Scheitel dunkelbraun. Ocellen glashell
und gelblich. Augen graubraun. Pronotum dunkel oliven-
grün, zuweilen mit bläulichem Schimmer; die seitlichen
Vorderränder sind rotbraun gesäumt. Schildchen schwarz-
braun, mit dunkelroter Spitze. Stirn, Rostrum, Clipeus,
Brust, Beine, Gonapophysen, Subgenitalplatten und Hinter-
leib dunkel blutrot; Rückensegmente mit schwach rötlich
violettem Schiller; Hinterrandsäume der Bauchsegmente
braun. Die Spitzen der Dornen der Hinterschienen und
der Tarsen schwarz.
Länge mit den Deckflügeln 17I/2 — 18 mm, Körper-
länge 12 14— 13 li mm.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
313
5 o^ö^ 4 ??•
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Sumatra: Liangagas (Dr. H. Dohrn).
Im Stettiner Museum.
var. gracile n. var.
I ?.
Der Abstand der Ocellen kaum merklich größer als
die Entfernung der Ocellen von den Augen. Basalglied
des Rostrum länger als das zweite. Subgenitalplatte bräun-
lich ockergelb. Pronotumränder rotbraun gesäumt. Basal-
binde der Deckflügel sehr schmal, so breit wie der Raum
zwischen der Binde und der Deckflügelwurzel; die Binde
selbst nach vorn verbreitert.
Länge mit den Deckflügeln iGVo mm, Körperlänge
12 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Im Stettiner Museum.
Gruppe IV.
10. Ectemnonotum mgosum n. sp.
3 ^^. 3 ??•
Gonapophysen der ,^(^ lang, die Innenränder treten
hinten auseinander und sind seitlich eingedrückt, der
Dorn ist abgesetzt und aufgerichtet. Subgenitalplatten
der $$ parallelseitig spateiförmig, hinten abgerundet und
fein quergerunzelt. Pronotum punktiert und glänzend,
mit durchlaufender Mittellinie; die seitlichen Hinterränder
und der Hinterrand sind leicht eingedrückt, die seitlichen
Vorderränder vorgerundet. Schildchen von gewöhnlicher
Form und quergerieft. Der Abstand der Ocellen voneinander
größer als der Abstand der Ocellen von den Augen. Rostrum
bis zur Mitte der Mittelcoxen reichend, beide Glieder gleich
lang.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
314
Kopf, Pronotum und Schildchen ockergelb oder bräun-
lich ockergelb. Augen bräunlich oder grau. Ocellen gelb,
glashcll mit schmalem, schwarzen Rande. Brust und Beine
rötliclibraun. Spitzen der Hinterschienendorne und der
Tarsen schv\arz. Deckflügel braun, im Basalteile heller,
Costalrand bis zur Apicalspitze gelblich; Geäder wie die
Decken gefärbt ; ein matt olivengrüner Schimmer breitet
sich im Corium und im Apicalteile aus. Flügel hyalin,
rauchschwarz getrübt, mit pechbraunen Nerven. Hinter-
leib indigoblau, die Rückensegmente intensiver gefärbt.
Gonapophysen der (^(^, Subgenitalplatten, Legescheide und
Scheidenpolster der $9 bräunlich ockergelb.
Länge mit den Deckflügeln i6 — 17 mm, Körperlänge
II 1/4 — ^4 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
II. Ectemnonotum acuminatum n. sp.
Kopf, Pronotum und Schildchen wie bei E. hrevirostrum
geformt. Pronotum mit zarter Mittellinie, sehr fein punk-
tiert und glatt; der Hinterrand und die seitlichen Hinter-
ränder leicht eingedrückt, die seitlichen Vorderränder leicht
nach außen gerundet. Der Abstand der Ocellen voneinander
etwas weiter als die Entfernung zwischen den Ocellen und
den Augen. Rostrum bis zur Mitte der Mittelcoxen reichend,
die Glieder sind gleich lang. Hinterrand der Mittelbrust
vor den Mittelcoxen mit zwei Höckern, die äußeren sind
höher und breiter als die inneren; Brustzapfen conisch
und überragt die Höckerchen des Brustrandes ganz be-
deutend, eine leichte Neigung nach vorn ist nicht wahr-
zunehmen.. Gonapophysen lang, hinten auseinandertretend,
zur Spitze hin allmählich verschmälert und in einen Dorn
endend.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
315
Pronotum schwarzbraun und stark glänzend, der Vorder-
rand und die seitlichen Vorderränder breit, die seitlichen
Hinterränder und der Hinterrand schmal braunrot gefärbt.
Kopf, Brust, Rostrum und Beine braunrot, die Hinter-
schenkel und Coxen schwärzlich; die Spitzen der Hinter-
schienendorne schwarz. Augen braun, schiefergrau gefleckt.
Ocellen glashell und gelblich. Deckflügel dunkelbraun
mit olivengrünem Schiller und rostfarbener Behaarung;
der Costalrand und das Geäder des Apicalteiles sind rot
gefärbt. Flügel hyalin, pechbraun getrübt an der Basis,
mit pechbraunen Nerven. Hinterleib oben intensiv indigo-
blau, unten matter und bräunlich schimmernd. Gonapo-
physen braunrot. Afterröhre pechbraun.
Länge mit den Deckflügeln 17 ^ 2 m.m, Körperlänge
13 mm.
Nord-Borneo. (Waterstradt S.)
Type im Stettiner Museum.
12. Ectemnonotum brevirostrum n. sp.
I ?•
Kopf von der Seite betrachtet unten stumpf ab-
gerundet; Scheitel glatt und gewölbt. Der Abstand der
Ocellen voneinander ist so groß wie der Raum zwischen
den Ocellen und den Augen. Pron(jtum sechseckig, die
Schulterecken sind breit abgerundet, die seitlichen Hinter-
ränder leicht eingedrückt und die seitlichen Vorderränder
leicht vorgerundet; in der Mitte des Vorderrandes ist eine
deutliche Querciselierung wahrnehmbar; außerdem ist das
Pronotum punktiert und mit einer Mittellinie versehen.
Schildchen grob quergerieft, dreieckig, mit einer flachen
Grube auf der Scheibe. Rostrum kurz, die Mittelhüften
nicht erreichend; Basalglied doppelt so lang wie das zweite.
Mittelbrusthöcker höher als die Höcker des Hinterrandes
und leicht nach vorn geneigt; die äußeren Höcker auf dem
Stett. entomol. Zeit. 1909.
Hinterrande der Mittelbrust vor den Mittelcoxen sind
höher und breiter als die inneren. Subgenitalplatte des $
coiivex, im Basalteile deutlich quergerieft, hinten ab-
gerundet; eine deutliche, kurze Längsfurche und zwei
kleinere seitliche sind in der Endhälfte deutlich. Kopf
und Pronotum schwarzbraun, Pronotumhinterrand und
Schildchen dunkel rotbraun. Augen schiefergrau, Ocellen
gelb. Körper und Beine braunrot. Zweites Rostrumglied
am Ende und die Spitzen der Dorne schwärzhch. Deck-
flügel im Apicalteile dunkelbraun, im Corium rötlich braun
und an der Basis braun mit schwach olivengrünem Schimmer ;
die Längsadern und die Adern des Apicalteiles sind rot.
Flügel hyalin, rauchig getrübt, mit pechbraunen Nerven.
Länge mit den Deckflügeln i6 mm, Körperlänge 12 mm.
J unbekannt.
Borneo (M. Schmidt).
Type im Königlichen Zoologischen Museum in Berlin.
13. Ectemnonotum bilobatum n. sp.
I o^ I ?■
Kopf, Pronotum, Schildchen und Deckflügel in der
Form wie die nachflogenden Arten. Pronotum punktiert,
grubig quergerunzelt und von matterem Glänze, mit deut-
lichei Mittellinie, die in der Vorderhälfte zu einem deut-
lichen Kiele ausgebildet ist. Stellung der Ocellen wie bei
E. cyanciventris Walk. Rostrum bis zur Mitte der Mittel-
coxen reichend, beide Glieder gleich lang. Dorn der Mittel-
brust vorn nicht flachgedrückt, auch nicht nach vorn geneigt,
sondern gerade aufragend und oben stumpf abgerundet.
Die Außenhöcker des Hinterrandes der Mittelbrust vor
den Mittelcoxen knöpf artig, die inneren nur als eine scharfe
Ecke angedeutet. Gonapophysen des (^ hinten gestutzt,
die Dorne stehen an den Innenecken einander zugekehrt;
das Bauchsegment vor den Gonapophysen ist hinten in
Stett. entoiuol. Zeit. 1909.
317
der Mitte tief eingeschnitten und bildet zwei abgerundete,
weit vorgezogene Lappen. Subgenitalplatte des $ convex,
deutlich quergerieft und hinten breit abgerundet. Ocellen
glashell auf weißlichem Grunde. Augen braun. Pronotum,
Schildchen luid Deckflügel rotbraun; die netzmaschige
Aderung des Apicalteiles ist rot. Flügel hyalin, rauchig
getrübt, mit gelbbraunen Nerven. Rückensegmente des
Hinterleibes stark rötlich violett, die Bauchsegmente matter.
Beine schwach rotbraun; Rostrum und Mittelbrusthöcker
gelbbraun ; die Außenhöcker des Hinterrandes der Mittel-
brust schmutzig weiß beim q, beim $ dunkler. Die Spitzen
der Dornen der Hinterschienen und der Tarsen schwarz.
Länge mit den Deckflügeln (^ 15 mm, £ i6i'2 mm;
Körperlänge (^ 9I2 mm, 2 12 mm.
Sumatra (van Lansberg).
T3'pen: (^ im Stettiner Museum, $ im K()nigl. Zoolog.
Museum zu Brüssel.
14. Ectemnonotum cyaneiventris \\ alker.
List of Homopt. Ins. III, p. 661 (1851).
Walker :
,, Nigra, subtus ferruginea; scutellum piceum; abdomen
C3'aneum ; pedes ferruginei ; alae anticae nigro-fuscae apice
luridae; alae jiosticae cinereae, basi apiceque fuscae.
Black, ferruginous beneath : shield broad, clothed
with short pale hairs, hardly impressed in front ; scutcheon
pitcliy : abdomen blue : legs ferruginous : fore-wings blackish
brown, lurid towards the tips where the veins are, red:
hind-wings grav, brownish at the base, at the tips, and
along the bind border; veins black, tawn\' at the base.
Length of the body 5 lines; of the wings 13 lines.
a. Java. From Mr. Argent's collection."
Im Stettiner Museum befindet sich i $, welches genau
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
318
auf die Beschreibung von Walker paßt und auch von Java
stammt.
Zur Walkerschen Beschreibung möchte ich noch folgendes
hinzufügen :
Ocellen glasheU auf gelblichem Grunde. Der Abstand
der Ocellen voneinander größer als die Entfernung zwischen
Ocellen und Augen. Pronotum punktiert, mit MittelHnie,
schwacher Runzelung und matterem Glänze. Form von
Pronotum, Schildchen, Kopf und Deckflügel wie bei den
folgenden Arten. Rostrum bis zur Mitte der Mittelcoxen
reichend, zweites Glied etwas kürzer als das Basalglied.
Hinterrand der Mittelbrust vor den Mittelcoxen mit zwei
gleichgroßen Höckern zu jeder Seite; Mittelbrusthöcker
sehr hoch, leicht nach vorn geneigt und vorn flachgedrückt.
Subgenitalplatte des $ concav, flach, hinten abgerundet,
glatt und glänzend, scherbengelb.
Länge mit den Deckflügeln 14 mm, Körperlänge 11 mm.
^ unbekrnnt.
15. Ectemnonotum cochleatum n. sp.
2 6^, 2 ??.
Der Abstand der Ocellen voneinander kaum merklich
größer als die Entfernung der Ocellen von den Augen. Die
seitlichen Pronotumhinterrändcr und der Hinterrand leicht
eingedrückt, die seitlichen Vorderränder kaum merklich
vorgerundet, fast gerade; der Mittelkiel ist fast bis zum
Hinterrande deutlich; außerdem bedeckt die Fläche eine
ziemlich grobe Punktierung und Ouerrunzehmg. Schildchen
und Deckflügel gewöhnlich gebildet und geformt. Rostrum
bis zur Mitte der Mittelhüften reichend, zweites Glied
kürzer als das Basalglied. Mittelbrusthöcker konisch, oben
spitz abgerundet und kaum merklich nach vom geneigt.
Die Höcker auf dem Hinterrande der Mittelbrust vor den
Mittelhüften sind gleich groß, die äußeren jedoch breiter
Stett. entomol. Zeit. 1909. '
3 1 1)
als die inneren. Gonapophysen der c^cJ hinten an den
inneren Seitenrändern stark eingedrückt, mit einem kurzen
Dorn am Hinterrande vor den Außenecken. Subgenital-
platte der $$ concav, spateiförmig und hinten weniger
stumpf abgerundet, an der Basis sind zwei deutHche Ouer-
wulste zu sehen. Die Subgenitalpkitte ist Hinger, gewölbter
und vertiefter als bei E. cyancivcntris Walk. Ocellen glas-
hell und gelblich, Augen braun. Pronotum. Schildchen
und Deckflügel braun; letztere im Basalteile heller, im
Apicalteile dunkler und mit rötlichen Nerven. Flügel hyalin,
rauchig getrübt, an der Wurzel dunkel, mit dunkelbraunen
Nerven. Hinterleib indigoblau, Rückensegmente intensiv,
Bauchsegmente matt. Rostrum und Benie braun. Die Spitzen
der Dornen dei Hinterschienen und der Tarsen schwarz.
Länge mit den Deckflügeln 13 — 14*2 rnm, Körper-
länge IG — II V2 mm.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Typen im Stettiner Museum.
16. Ectemnonotum incisum n. sp.
I ?•
Kopf, Pronotum, Schildchen, Brust und Beine schwach
rötlich braun. Augen grau mit braunen Flecken. Ocellen
glashell und gelblich. Der Hinterrand der Mittelbrust
vor den Mittelhüften mit den Knöpfen weißlich gelb. Deck-
flügel bräunlich ockergelb; Apicalteil dunkelbraun, das
netzm.aschige Geäder und der Costalrand rötlich. Flügel
hyalin, rauchig getrübt, zur Wurzel hin dunkler, mit braunen
Nerven. Hinterleib indigoblau, oben stark glänzend, unten
von matterem Glänze. Subgenitalplatte und Legescheide
bräunlich ockergelb. Die Spitzen der Dornen der Hinter-
schienen und der Tarsen schwarz. Pronotum mit durch-
laufendem Mittelkiel, punktiert und quergerunzelt; die
hinteren Seitenränder und der Hinterrand sind schwach
Stett. entomol. Zeit. 1909.
320
eingedrückt, die seitlichen Vorderränder schwach vor-
gewölbt. Der Abstand der Ocellen voneinander kaum
merklich größer als die Entfernung zwischen den Ocellen
nnd den Augen. Rostrum bis zur Mitte der Mittelhüften
reichend, beide Glieder gleich lang. Höcker der Mittel-
brust leicht nach vorn geneigt und vorn flachgedrückt,
oben spitzer abgerundet. Die äußeren Höckerchen auf
dem Hinterrande der Mittelbrust vor den Mittelcoxen
sind kaum merklich höher als die inneren, dagegen sind
sie breiter und oben breiter abgerundet. Subgenitalplatte
spateiförmig, lang, concav, sehr tief ausgehöhlt (stark
gewölbt) und hinten tief eingekerbt; außerdem ist sie glatt
und glänzend, an der Basis befindet sich ein breiterer Ouer-
eindruck.
Länge mit den Deckflügeln 15 mm, Körperlänge 12 mm.
(^ unbekannt.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Type im Stettiner Museum.
17. Ectemnonotum siniile n. sp.
Kopf, Pronotum und Scliildchcn braunrot mit matt
violettem Glänze. Augen grau, braun gefleckt. Ocellen
glashell und gelblich. Deckflügel bräunlich ockergelb, die
Aderung mehr gelblich. Flügel hyalin, zur Wurzel hin
rauchig getrübt, mit bräunlich ockergelben Nerven. Hinter-
leib indigoblau, unten von matterem Glänze. Rostrum,
Brust und Beine bräunlich, die Hintercoxen gelblich. Die
Spitzen der Dornen der Hinterschienen und der Tarsen
schwarz. Scheide schmutzig gelb. Der Abstand der Ocellen
voneinander kaum merklich größer als die Entfernung
der Ocellen von den Augen. Pronotum wie bei der vorher-
beschriebenen Art geformt und punktiert quergerunzelt,
von mattem Glänze. Rostrum bis zur Mitte der Mittel-
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
321
coxen reichend, zweites Glied kaum merklich kürzer als
das Basalglied. Höcker der Mittelbrust verhältnismäßig
niedrig, nicht nach vorn geneigt und auch vorn nicht flach-
gedrückt, oben stumpf abgerundet. Hinterrand der Mittel-
brust vor den Mittelcoxen, mit breit abgerundeten Außen-
ecken, die Innenecken sind fast ganz geschwunden und
nur durch eine stumpfe Abrundung angedeutet. Subgenital-
platte- vom Segment fast verdeckt.
Länge mit den Deckflügeln 14 mm, Körperlänge
II 1/2 mm.
(^ unbekannt.
Java (H. Fruhstorfer) .
Type im Stettiner Museum.
18. Ectemnonotum basibreviatum n. sp.
Gonapophysen hinten stark auseinander tretend, die
Abrundungen stumpfeckig und nach außen gerichtet, hinten
keinen Dorn tragend; die inneren Seitenränder sind hinten
aufgebogen. Rostrum bis zum Hinterrande der Mittel-
brust, vor den Mittelcoxen, reichend, Basalglied 14 mal
so lang wie das zweite. Brusthöcker verhältnismäßig hoch,
konisch, nicht nach vorn geneigt und auch vorn nicht flach-
gedrückt. Die Höcker auf dem Hinterrande der Mittel-
brust, vor den Mittelcoxen, sehr klein, die äußeren breit
abgerundet, die inneren als abgerundete Ecken angedeutet.
Der Abstand der Ocellen von den Augen kaum merkhch
geringer als die Entfernung der Ocellen voneinander.
Pronotum wie bei der vorherbeschriebenen Art gebildet.
Kopf, Pronotum und Schildchen rötlich dunkelbraun.
Ocellen dunkelbraun mit gelbem, basalen Ring. Augen
grau, braun gefleckt. Deckflügel bräunhch ockergelb, die
Aderung mehr gelblich. Flügel hyalin, an der Wurzel rauchig
getrübt, mit bräunlich ockergelben Nerven. Rostrum
Stctt. entomol. Zeit. 1909. • 21 '
322
bräunlich ockergelb. Brust und Beine schwach rötlich
braun. Spitzen der Dornen der Hintenschienen und der
Tarsen schwarz. Hinterleib braun und speckig (dieses
Exemplar ist schlecht conserviert, wahrscheinlich ist der
Hinterleib bei frischen und besser conservierten Stücken
indigoblau) .
Länge mit den Deckflügeln 13 V2 mm, Körperlänge
IG mm.
$ unbekannt.
Java (H. Fruhstorf er) .
Type im Stettiner Museum.
19. Ectemnonotum truncatum n. sp.
I 9-
Subgenitalplatte weit vorragend, hinten gestutzt und
leicht gebuchtet, am Ende kaum merklich schmaler als
an der Basis, quadratisch, glatt und glänzend. Rostrum
bis zur Mitte der Mittelcoxen reichend, die Glieder gleich
lang. Höcker der Mittelbrust konisch, nicht nach vorn
geneigt auch nicht vorn flachgedrückt. Der Hinterrand
der Mittelbrust, vor den Mittelcoxen, horizontal; die Außen-
ecken breit und breit abgerundet, die Innenecken durch
abgerundete, rechtwinkelige Ecken angedeutet. Der Ab-
stand der Occllen voneinander kaum merklich größer als
die Entfernung zwischen den Ocellen und den Augen.
Pronotum mit scharfer Mittellinie, welche vor dem Pro-
notumhinterrande erlischt; die seitlichen Hinterränder und
der Hinterrand sind leicht eingedrückt, die seitlichen
Vorderränder kaum merklich vorgerundet ; die ganze Fläche
ist punktiert und gerunzelt. Schildchen gewöhnlich ge-
bildet. Kopf, Pronotum und Schildchen braunrot mit matt
violettem Glänze. Deckflügel braunrot im Basalteile und
längs der Costa, im Apicalteile und längs des Suturalrandes
und in der Apicalhälfte des Clavus bräunlich ockergelb;
Stett. entomol. Zeit. 1909.
323
das Geäder ist rot. Flügel hyalin, rauchig getrübt an der
Apicalspitze und in der Nähe der Wurzel. Hinterleib
indigoblau, unten von matterem Glänze. Ocellen glashell
und gelblich. Augen grau und braun gefleckt. Rostrum,
Brust und Beine braun, Brustzapfen gelblich braun. Die
Spitzen der Dornen der Hinterschienen und der Tarsen
schwarz.
Länge mit den Deckflügeln 13 1 2 mm. Körperlänge
10 mm. o unbekannt.
Sumatra: Soekaranda (Dr. H. Dohrn).
Type im Stettiner Museum.
Verzeichnis der Genera, Species und Varietäten.
Seite
Simeliria n. gen 285
viridans Guer 287
Butleri Dist. 288
cambodjana n. sp 289
juno Dist 289
apicalis n. sp 290
coerulans Jac 291
aenescens n. sp 293
Ectemnonotum n. gen 294
tricoloriforme n. sp 301
bivittatum A. u. S 303
bivittatum var. flavifascium Walk 304
Dohrni n. sp 304
Dohrni var. unitaeniatum n. var 305
Dohrni var. evanidum n. var 305
ferale Butl 305
Distanti Butl 307
Distanti Butl. var. rubrovittatum n. var. . . 308
Fruhstorferi Jac 3^8
,, falsarium n. sp • • • 3^9
Stett. entomol. Zeit. 1909. '-il*
324
Seite
Ectemnonotum Waterstradti n. sp 310
Buxtoni Butl 311
Buxtoni var. gracile n. var 313
rugosum 11. sp 313
acuminatum n. sp 314
brevirostrum n. sp 315
bilobatum n. sp 316
cyaneiventris Walk 317
cochleatum n. sp 318
incisum n. sp 319
simile n. sp 320
basibreviatum n. sp 321
triincatiim n. sp 322
Plecopterologische Studien.
IL*)
Von Dr. fiüifithei* ■".nderleiii, Stctlin.
Mit 1 Tafel und 1 Toxtligur.
Von dem reichhaltigen Plecopteren-Material des Stettiner
Zoologischen Museums gebe icli in Folgendem einen weiteren
Teil der neuen Art- und Gattungsdiagnosen.
! Die Beigabe der Figuren verdanke ich der pekuniären
Unterstützung des Herrn Stadtrat Dr. H. D o h r n.
Ochthopetina nov. gen.
(Typus: 0. acripcnnis Enderl.)
2 Ocellen. Zwischen den Längsadern der Flügelspitzen
keine Queradern. Cerci lang. Die beiden ersten Tarsen-
glieder sehr kurz, das 3. schlank. Die Verschmelzung von
Radialramus und Media (Stiel der Zelle R5) im Hinter-
flügel meist länger als die Gabeläste bis zur Anastomose
mindestens aber so lang wie der hintere kürzere Gabelast.
*) Plec. St. I finden sich in: Sitz.Ber. Ges.Naturf. Freunde, Berlin, 1909.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
325
Die Siibgenitalplatte des $ (das 8. Sternit) ist in ihrer
Gesamtausdehnung nicht oder nur wenig breiter als die
übrigen Sternite, und wird nur zuweilen durch eine mehr
oder weniger große, ziemlich schmale Anhangsplatte in
der Mitte des Hinterrandes etwas verlängert.
Die Gattung Ochthopetina enthält nur orientalische,
afrikanische und einige japanische Species. Außer der
nachstehend aufgeführten Species gehört in diese Gattung
auch P. geniculata Pict. 4841 aus Japan, P. niponensis
McLachl. 1875 aus Japan und vielleicht auch Perla aegyp-
tiaca Pict. 1841 aus Egypten. Ob Perla spio Newm. (Mag.
Nat. Hist. III, p. 87) von Sierra Leone hierher gehört, ist
nach der unvollständigen Beschreibung nicht festzustellen.
Die Perla Duvaucelli Pict. 1841 aus Indien scheint
eine echte Perla zu sein.
Die Gattung Neoperla Needh. 1905 enthält nur ameri-
kanische (vgl. Plec. Studien, I) Arten. Sie unterscheidet
sich von Ochthopetina dadurch, daß die Verschmelzung von
Radialramus und Media im Hinterflügel höchstens halb
so lang wie der kürzere hintere Gabelast, meist aber viel
kürzer ist (meist Y^ — ^/g oder noch kürzer).
Ochthopetina aeripennis nov. spec.
(Fig- I3-)
?. Kopf ca. i^^n^a-l so breit wie lang, flach, glatt.
Fühler ziemlich dünn, allmählich zugespitzt, Pubescenz
sehr kurz. Augen ziemlich groß, Schläfen ziemlich breit.
Abstand der beiden Ocellen voneinander ungefähr doppelt
so lang wie ihr Durchmesser. Die bohnenförmige flache
Beule seitlich der Ocellen schlank und sehr lang, die Längs-
achse liegt fast in der Verbindungslinie der beiden Ocellen,
ist nur sehr schwach schräg gestellt, und beträgt ca. 3 Ocellen-
durchmesser; ihr Abstand von den Ocellen ist etwas geringer
Stett. entomol. Zeit. 1909.
326
als der Ocellendiirchmesser, von den Augen etwa ii/^ der-
selben. Maxillarpalpus sehr dünn und lang, 3. Glied etwa
% der Entfernung zwischen den Fühlerinsertionen, 4. Glied
etwa I3 des 3. Gliedes.
Prothorax vorn etwa 1V5 so breit wie lang, Vorder-
ecken ziemlich scharf, Seiten im hinteren Teil ziemlich
stark konvergierend; Oberseite glänzend, Querfurche sehr
nahe am Vorderrand und ziemlich scharf, mediane Längs-
furche ziemlich scharf, Seitenflächen mit ziemlich groben
Runzeln. Meso- und Metanotum glatt und stark glänzend.
Pubescenz von Kopf und Thorax fast verschwindend kurz,
von Abdomen und Beinen etwas länger, braun. Die beiden
I. Tarsenglieder sehr kurz, das 3. sehr lang und schlank.
Cerci mäßig kräftig (Fig. 13), etwa 1^/3 der Abdominallänge;
die ersten 4 Glieder sehr kurz, auch die folgenden nur sehr
allmählich verlängert. Hinterrand des 10. Tergits (Fig. 13)
besonders in der Mitte stark gewölbt, die Ecke aber abge-
rundet; Hinterrand des 10. Sternit (Fig. 13, st^o) nur
schwach gewölbt. Hinterrand der Subgenitalplatte (Fig 13,
stg), besonders in der Mitte gewölbt; in der Mitte mit
schmaler, aber deutlicher Ausbuchtung, auf jeder Seite
noch 2 flache Ausbuchtungen. Flügel mäßig kräftig, Adern
ziemlich zart. Vorderflügel ziemlich schmal; sc reicht fast
bis an das Ende des 2. Flügeldrittels. Zwischen c und sc
im Vorderflügel ca. 15, im Hinter flügel ca. 6 — 7 Queradern.
Pterostigma im Vorderflügel mit ca. 2, im Hinterflügel mit
ca. 2 — 3 Queradern. Stiel der Zelle R5 im Hinterflügel lang.
Medianzelle im Vorderflügel mit 9, im Hinterflügel ohne
Queradern. Zwischen den Enden von r^ und cu., münden
im Vorderflügel 9 Äste in den Außenrand, im Hinterflügel
7 — 8 Äste. Zwischen cu^ und cuo im Vorderflügel 8 — 9,
im Hinterflügel 6 — 8 Queradern, i. Axillaris im Hinter-
flügel mit 4 Ästen.
Körperoberseite schwarz, Abdomen braun, an der
Stett. entomol. Zeit. 1909.
327
Basis gelbbraun. Labial- und Maxillarpalpus braun, Fühler
schwarzbraun, an der Basis gelbbraun. Körperunterseite
ockergelb. Abdomen braungelb. Cerci dunkelbraun. Beme
ockergelb, Spitzendrittel der Schenkel, die Schienen und
Tarsen schwarzbraun; beim Vorderschenkel ist die End-
hälfte schwarzbraun. Flügel braun, Adern gleichmäßig
braun, Costa gelbbraun. Membran des Vorderflügel ziem-
lich kupferrot bis grün bis gelb irisierend, Hinterflügel
ebenso, aber sehr stark glänzend lebhaft irisierend.
Körperlänge 17 mm; Vorderflügellänge 20-21 mm;
Abdommallänge '^y. mm; größte Vorderflügelbreite 5 mm;
Prothorakalbreite ca. 31/2 mm.
Java. 2$. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Ochthopetina violaris nov. spec.
(Fig. I4-)
$. Kopf ca. 1 2/3 mal so breit wie lang, flach, poliert
glatt Fühler dünn, an der Basis wenig dichter. Pubescenz
.ehr kurz. Augen ziemlich groß, Schläfen ziemhch breit.
Die beiden Ocellen klein, ihr Abstand voneinander etwa
der doppelte Durchmesser. Die seitlichen flachen Stirn-
beulen oval, sehr flach, eigentlich nur aus einem feinen
Ringwall bestehend, dessen größte Länge etwa dem
doppelten Ocehendurchmesser gleicht; ihr Abstand von
den Ocellen etwa gleich dem Ocehendurchmesser, von den
Augen etwa i^A derselben. Maxillarpalpus lang und dünn.
4 Glied (Endglied) etwas dünner und etwa 1/2 des 3. Gliedes.
Prothorax vorn nur eine Spur breiter als lang, Vorder-
oceUen scharf, Seiten fast parallel, nur hinten ziemlich
stark konvergierend; Oberseite poliert glatt, Querfurche
nahe am Vorderrande sehr scharf; Medianfurche sehr fem
und seicht- Seitenflächen mit ganz seichten, fast ver-
schwindenden runzelartigen Erhebungen. Meso- und Meta-
notum glatt. Pubescenz von Kopf und Thorax sehr dicht
aber verschwindend kurz, nur an den Schläfen langer,
Stett. cntomol. Zeit. 1909.
328
voh Abdomen und Beinen länger. Die beiden ersten Tarsen-
glieder sehr kurz, das 3. sehr schlank. Cerci relativ dick
(Fig. 14), ein wenig länger als der Hinterleib; die ersten
4 Glieder sehr kurz, die folgenden Glieder stark oval ge-
rundet, so daß die Seiten jedes Gliedes stark gebogen sind.
Hinterrand des 10. Tergites (Fig. 14) schwach bogig ge-
wölbt. Hinterrand des 10. Sternites (Fig. 14 st^j) gerade.
Hinterrand der Subgenitalplatte (Fig. 14 st^) gerade, nur
in der Mitte ein kleiner, mäßig breiter und sehr kurzer
plattenartiger Anhang, dessen Seiten nach hinten kon-
vergieren und dessen Hinterrand breit und seicht einge-
drückt ist.
Flügel zart, Adern dünn und zart. Vorderflügel ziem-
lich schmal; sc reicht fast bis an das Ende des 2. Flügel-
drittels. Zwischen c und sc im Vorderflügel ca. 12 — 14,
im Hinterflügel ca. 8 — 10 Queradern. Pterostigma im
Vorderflügel mit ca. 2 — 5, im Hinterflügel mit ca. 2 — 4
Queradern. Medianzelle mit 7 — 9, meist 7 Queradern.
Zwischen cu^ und cUo im Vorderflügel 8 — 9, im Hinter-
flügel 5 — 6 Queradern. Zwischen den Enden von r^ und
CU2 münden im Vorderflügel 8 Aste in den Außenrand, im
Hinterflügel 7, vereinzelt 8 Äste. Stiel der Zelle R5 im
Hinterflügel mäßig kurz. i. Axillaris im Hinterflügel mit
4 Asten.
Oberseite von Kopf und Prothorax schwarz, von Meso-
und Metanotum braun, vom Abdomen gelblich braun. Unter-
seite von Kopf, Thorax hell ockergelb, von Abdomen gelbbraun.
Fühler schwarz, Basalviertel ockergelb, i. Basalglied braun.
Maxillar- und Labialpalpus schwarz, Cerci schwarz, an der
Basis schwarzbraun. Beine ockergelb, Spitzendrittel der
Schenkel, die Schienen und Tarsen schwarzbraun; beim
Vorderschenkel ist nur das Basalviertel ockergelb, und das
übrige schwarzbraun. Flügel gleichmäßig ziemlich dunkel-
braun. Adern mit einem noch ein wenig dunkleren, breiten
Stt-tt. entomol. Zeit. 1909.
329
Saum und dunkelbraun. Costa des Vorderflügels gelblichbraun .
Membran von Vorder- und Hinterflügel stark rötlich violett
bis bläulich violett irisierend; Außenviertel von Vorder-
und Hinterflügel und der hinteren Hälfte des Hinterflügels
düster ehern messinggelb bis grün bis rot irisierend.
Körperlänge 11Y2 — 15 mm; Vorderflügellänge 14 bis
18 mm; Abdominallänge 5^/4 — 61/2 mm; größte Vorder-
flügelbreite 4— 414 mm; Prothorakalbreite ca. 2Y2 mrn-
Java. 3 $. Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Neoperla violaris unterscheidet sich von N. aeripennis
besonders durch die geringere Größe durch die lebhafte
violette Flügelfärbung, durch die Färbung des Vorder-
schenkels (nur das Basalviertel ist ockergelb) und durch
die Form der Subgenitalplatte und vom 10. Sternit.
Ochthopetina caligata (Burm. 1835).
(Fig. I5-)
Perla caligata, Burmeister. Handb. d. Entomol. 2. Bd.
1835, p. 880.
,, Burm., Pictet, Hist. nat. Ins. Neuropt.;
Perhdes 1841, p. 266, PL 26, Fig. 5 et 6.
Ochthopetina caligata (Burm.), m.
$. Kopf ca. i%mal so breit wie lang, poliert glatt.
Fühler ziemlich dünn, Pubescenz kurz. Augen groß,
Schläfen kurz. Die beiden Ocellen sehr klein, ihr Abstand
voneinander ca. 3 mal so lang wie der Ocellendurchmesser,
ihr Abstand vom Augenrand ist fast das doppelte ihres
Abstandes voneinander. Die flache Beule seitlich der Ocellen
ist etwas langgestreckt quer bohnenförmig, etwa 3 mal so
lang wie der Ocellendurchmesser und ungefähr 1 1^ mal
so breit ; der Abstand dieser Erhebung von den Ocellen ist
etwa 1/^ — % Ocellendurchmesser, vom Augenrand fast
2 Ocellendurchmesser. Labial- und Maxillarpalpus ziemlich
schlank; das 3. Glied des letzteren sehr lang, das 4. kaum
Stett. entomol. Zeit. 1909.
330
so groß und etwa 3 mal so lang wie dick, aber nicht dünner
als das 3.
Prothorax \^i\ mal so breit wie lang, rechteckig, Seiten
parallel. Ecken wenig abgerundet; Oberseite ziemlich glatt,
Querfurche dicht am Vorderrand und sehr scharf; Median-
furche außerordentlich fein, seitlich davon und parallel
dazu je eine grobe kräftige Furche, seithch dazu unregel-
mäßig und nicht sehr deutlich gerunzelt. Meso- und Meta-
notum glatt. Pubescenz von Kopf und Thorax fast ver-
schwindend, von Abdomen und Beinen länger; an den
Schläfen stehen einzelne längere Haare. Die beiden ersten
Tarsenglieder kurz, das 3. ziemlich lang. Cerci mäßig dünn
(nur kurze Stummel vorhanden, abgebrochen), die beiden
ersten Ringel relativ lang, schon vom 3. Ringel an fast
so lang wie breit und die folgenden schnell verlängert
(Fig. 15). Der Hinterrand des 10. Tergites (Fig. 15, tgjo)
bogig gewölbt, in der Mitte fast stumpfwinklig. Hmter-
rand des 10. Sternites (Fig. 15, stio) gerade. Das mittlere
Drittel der Subgenitalplatte ist stark nach hinten ver-
längert, die Seiten der Verlängerung konvergieren unter
spitzem Winkel zueinander; das Hinterende dieser Ver-
längerung überragt in der Mitte etwas den Hinterrand
des 9. Sternites und trägt in der Mitte eine schmale aber
ziemhch tiefe Einbuchtung (Fig. 15, stg).
Flügel zart, Adern dünn und zart. Vorderflügel schmal;
sc erreicht fast das Ende des 2. Elügeldrittels. Zwischen
c und sc im Vorderflügel 12 — 13, im Hinterflügel ca.
4 Queradern. Pterostigma im Vorderflügel mit ca. 2 — 3,
im Hinterflügel mit ca. 4 — 5 Queradern. Medianzelle im
Vorderflügel mit 8 — 9, im Hinterflügel ohne Queradern.
Zwischen cu, und cu., im Vorderflügel 6 — 8, im Hinter-
flügel 6 — 7 Queradern. Zwischen den Enden von r^ und
cu, münden im Vorderflügel 7 — 8 Äste in den Außenrand,
im Hinterflügel 6 — 7 Äste. Stiel der Zelle R5 im Hinter-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
331
flügel sehr lang. i. xAxillaris im Hinterflügel mit
3 Ästen.
Kopf und Prothorax oben schwarz, Meso- und Meta-
notum und Abdomen ockergelb. Unterseite von Kopf
braun, von Thorax und Abdomen ockergelb. Fühler
schwarz, Cerci so weit vorhanden, ockergelb. Labial- und
Maxillarpalpus braun, an der Basis gelbbraun. Die bohnen-
förmigen Erhebungen auf dem Scheitel und die Stirn mit
Ausnahme der Mitte braunrot. ■ Beine ockergelb, Endhälfte
der Schenkel, die Schienen und Tarsen schwarz; beim
Hinterbein ist etwas weniger als die Endhälfte schwarz.
Flügel hyalin blaßbraun; Adern hellbraun, verwaschen
blaßbräunlich gesäumt. Membran beider Flügel speckig
glänzend, nur die hintere Hälfte des Hinterflügels ganz
schwach rötlich bis grünlich irisierend.
Körperlänge 11^/4 mm; Vorderflügellänge 13I/2 nim;
Abdominallänge 5 mm; größte Vorderflügelbreite 3I/2 mm;
Prothorakalbreite 2 14 i^m-
Java. I $. In der Sammlung des Stettiner Zoolo-
gischen Museums.
Das Originalstück der Species hat eine Körperlänge
von 9 mm.
Ochthopetina sumatrana nov. spec.
(Fig. 20.)
ö". Kopf ca. 1 73 mal so breit wie lang, flach, poliert
glatt. Fühler dünn, an der Basis wenig dicker; Pubescenz
kurz. Augen sehr groß und vorgewölbt, Schläfen sclimal.
Die beiden Ocellen ziemlich groß, ihr Abstand voneinander
beträgt 114 ihres Durchmessers, von den Augen kaum
mehr als der doppelte Durchmesser. Die flache Beule seit-
lich der Ocellen fast kreisrund, ihr Durchmesser fast lYo
des Ocellendurchmessers, ihr Rand nicht scharf und wall-
artig; ihr Abstand von den Ocellen und von den Augen
Stctt. entomol. Zeit. 1909.
332
ist kaum die Hälfte des Ocellendurchmessers. Maxillar-
palpus mäßig schlank, relativ dicht und lang pubesciert,
Endglied (4. Glied) kaum die Hälfte des 3. und viel dünner.
Prothorax vorn etwa i V^ so breit wie lang, Vorder-
ecken scharf, Seiten gerade, nach hinten schwach konver-
gierend, am Hinterrande stärker konvergierend; Oberseite
poliert glatt; Querfurche nahe am Vorderrande, in der
Mitte weniger nahe, scharf; Medianfurche sehr fein und
seicht, Seitenflächen nur mit undeutlichen runzelartigen
Erhebungen. Meso- und Metanotum poliert glatt. Pubescenz
von Kopf und Thorax von verschwindender Kürze, nur
an den Schläfen ziemlich lang; von Abdomen und Beinen
länger. Die beiden ersten Tarsenglieder kurz, das 3. ziem-
lich lang, aber nicht schlank. Cerci sehr dünn, nur die 3
ersten Glieder kurz, die folgenden so lang wie breit und
schnell länger werdend. 10. Sternit des (^ unten mit einer
dreieckigen Anhangsplatte (Fig. 20), deren Seitenecken
etwas abgesetzt sind und in sehr lange, spitze, dünne, senk-
recht aufgerichtete Spitzen sich fortsetzen, welche die Cecri
von der Seite gesehen weit überragen, und dessen Hinter-
ecke ziemlich lang und spitz ist (Spitze abgerundet). 8. Tergit
(Fig. 20 tgs) trägt in der Mitte des Hinterrandes, ihn über-
ragend, ein kleines fast viereckiges Plättchen, das an der
Basis etwas nach unten umgeknickt ist und und am Hinter-
rande etwas eingedrückt ist. 9. Tergit (Fig. 20, tgg) in der
Mitte des Hinterrandes etwas eingedrückt und in der
Medianlinie kielartig erhoben, der Kiel ist am Ende ziemlich
hoch und fällt dann plötzlich ab. In der Mitte des 10. Ter-
gites liegen die beiden nach vorn gerichteten kurzen Spitzen
der Cercusbasipodite, die dem 11. Segment angehören.
Flügel ziemlich dünn, Adern relativ kräftig. Vorder-
flügel mäßig schmal; sc reicht etwas über die Flügelmitte.
Zwischen c und sc im Vorderflügel ca. 11 — 12, im Hinter-
flügel ca. 4 Queradern. Pterostigma im Vorderflügel mit
Stett. entomol. Zeit. 1909.
333
ca. 2 — 5, im Hinterflügel mit ca. 2 — 6 Queradern. Stiel
der Zelle R5 im Hinterflügel mäßig lang. Medianzelle im
Vorderflügel mit 5 — 7, im Hinterflügel ohne Queradern.
Zwischen den Enden von r^ und cu., münden im Vorder-
flügel 7 Äste in den Außenrand, im Hinterflügel 6 Äste.
Zwischen cuj und cu^ im Vorderflügel 5 — 7, im Hinter-
flügel 5 — 6 Queradern. i. Axillaris im Hinterflügel mit
2 Ästen.
Kopf oben rostgelb, Prothorax etwas mehr braun,
Meso-, Metanotum und Abdomen ockergelb, Spitze des
Abdomen bräunlich werdend. Unterseite des Kopf, Thorax
und Abdomen hell ockergelb. Labial- und Maxillarpalpus
braun. Fühler schwarzbraun, Geißel an der Basis zuweilen
gelblich. Cerci schwarzbraun, äußerste Basis ockergelb-
braun. Beine hell ockergelb, Enddrittel der Schenkel, die
Schienen und Tarsen schwarz; beim Vorderschenkel ist die
Endhälfte schwarz. Augen schwarz. Zwischenraum zwischen
den Ocellen braun. Flügel hyalin blaßbräunlich, Adern
hellbraun, Basalhälfte der Costa bräunlich gelb; r^ braun.
Membran beider Flügel mäßig stark rot bis gelb bis grün
irisierend.
Körperlänge 10 — 11 mm; Vorderflügellänge 11 V2 bis
12^ m.m; Abdominallänge 4V2 — 5 mm; größte Vorder-
flügelbreite 3^ mm; Prothorakalbreite 2 mm.
Sumatra. Liangagas. 2 1^. Dr. H. D o h r n. Soe-
karanda. i (^. Dr. H. D o h r n.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Ochthopetina laminulata nov. spec.
(Flg. 16.)
?. Kopf ca. i%mal so breit wie lang, poliert glatt.
Fühler dünn, an der Basis relativ dick, Pubescenz kurz.
Augen groß, Schläfen mäßig kurz. Die beiden Ocellen
ziemlich klein, ihr Abstand voneinander ca. iy2 Ocellen-
Stctt. entomol. Zeit. 1909.
334
durchmesser, ihr Abstand vom Augenrand ca. 5 Ocellen-
durchmesser. Die flache Beule seitlich der Ocellen ist lang-
oval und steht völlig quer; sie ist ungefähr 2 Ocellendurch-
messer lang und i Ocellendurchmesser breit und ihr Ab-
stand von den Ocellen und von den Augen beträgt je 1%
Ocellendurchmesser. Labial- und Maxillarpalpus schlank.
Prothorax vorn 1 1/3 mal so breit wie lang, rechteckig,
Seiten nach hinten konvergierend, Ecken scharf, wenig
abgerundet; Oberseite mäßig glatt, Ouerfurche dicht am
Vorderrand, scharf, aber ziemlich fein; Medianfurche sehr
fein, Seiten unregelmäßig gerunzelt. Meso- und Metanotum
glatt. Pubescenz von Kopf und Thorax fast verschwindend,
von Schläfen, Abdomen und Beinen länger. Die beiden
ersten Tarsenglieder ziemlich kurz, das 3. schlank. Cerci
nicht sehr dünn, ungefähr von Abdominallänge, die 3 ersten
Ringel sehr kurz, erst vom 8. Ringel ab so lang wie breit
(Fig. 16). Der Hinterrand des 10. Tergites (Fig. 16 tg^o)
bogig gev/ölbt, in der Mitte kaum merklich eingedrückt.
Hinterrand des 10. Sternites (Fig. 16 st^o) gerade. Der
Hinterrand der Subgenitalplatte (Fig. 16 stg) nach der Mitte
stumpfwinklig verlaufend, in der Mitte verlängert die Sub-
genitalplatte sich zu einer ungefähr 1 14 so breiten wie langen,
fast rechteckigen Platte, die nicht ganz die Breite des
Viertels der Abdominalbreite erreicht, an der Basis kantig
umgeknickt, am Hinterrande flach eingedrückt ist und
den Hinterrand des 9. Sternites fast erreicht.
Flügel ziemlich zart, Adern dünn. Vorderflügel schmal;
sc erreicht fast das Ende des 2. Flügeldrittels. Zwischen
c und sc im Vorderflügel 11 — 12, im Hinterflügel ca. 7 Quer-
adern. Pterostigma im Vorderflügel mit ca. 2 — 3, im
Hinterflügel mit ca. 4 — 5 Queradern. Medianzelle im
Vorderflügel mit ca. 6, im Hinterflügel ohne Queradern.
Zwischen cu^ und CU2 im Vorderflügel 7, im Hinterflügel
ca. 6 Queradern. Zwischen den Enden von Yj und cug
Stett. entomol. Zeit. 1909.
335
münden im Vorderflügel 9 — 11, im Hinterflügel ca. 8 Äste
in den Außenrand. Stiel der Zelle R5 im Hinterflügel sehr
lang. I. Axillaris im Hinterflügel mit ca. 3 Ästen.
Schmutzig ockergelb; Kopf oben dunkelbraun, die
ovalen Erhebungen seitlich der Ocellen rötlich grau; Pro-
thorax oben braun, Vorderrandsaum bräunlich gelb. Fühler,
Maxillar- und LabialpaJpen braun. Cerci ockergelb, Spitzen-
viertel blaßbraun. Beine ockergelb, Endhälfte der Vorder-
schenkel, Enddrittel der Mittelschenkel, Endviertel der
Hinterschenkel, die Schienen und Tarsen schwarzbraun.
Flügel blaßbraun, hyalin, Adern hellbraun, einige Zellen
der Flügelmitte mit blasser Mitte. Membran beider Flügel
glänzend und schwach rötlich bis grünlich irisierend.
Körperlänge 15 mm; Vorderflügellänge 18 mm; Ab-
dominallänge 6% mm; größte Vorderflügelbreitc 4V2 mm;
Prothorakalbreite 3 mm.
Java. I $.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Ochthopetina Conradti nov. spec.
(Flg. 17.)
$. Kopf ca. i%mal so breit wie lang, poliert glatt.
Fühler sehr dünn, etwa ^/^ der Vorderflügellänge, Pubescenz
sehr kurz. Augen groß, Schläfen mäßig kurz. Die beiden
Ocellen ziemlich klein, ihr Abstand voneinander ca. 2 Ocellen-
durchmesser, ihr Abstand vom Augenrand etwa 3V2 Ocellen-
durchmesser. Die flache Beule seitlich der Ocellen ist rund-
lich, ringwallartig und poliert glatt; ihr Durchmesser ist
ein wenig größer als der Ocellendurchmesser ; ihr Abstand
von den Ocellen und vom Augenrand ist ca. ein Ocellen-
durchmesser. Maxillar- und Labialpalpus sehr schlank.
Prothorax ca. i%mal so breit wie lang. Vorderrand
stark nach vorn gebogen. Vorderecken sehr scharf, Seiten
etwas nach hinten konvergierend; Oberseite glatt, Quer-
furche nahe am Vorderrande fein und nicht sehr scharf;
Stett. entomol. Zeit. 1909.
336
Medianfurche fein und sehr seicht, Seiten unregelmäßig
gerunzelt. Meso- und Metanotum glatt. Pubescenz von
Kopf und Thorax fast verschwindend, von Schläfen, Ab-
domen und Beinen länger. Die beiden ersten Tarsengheder
kurz, das 3. schlank. Cerci mäßig dünn, fast doppelt so
lang wie das Abdomen, das erste Ringel sehr kurz, das
4. Ringel so lang wie breit. Hinterrand des 10. Tergites
(Fig. 17 tgio) in der Mitte scharf stumpfwinklig. Hinter-
rand des IG. Sternites (Fig. 17 stj,,) gerade. Hinterrand
der Subgenitalplatte (Fig. 17 stg) gerade, in der Mitte eine
winzige in der Mitte eingebuchtete und an der Basis um-
geknickte Vorwölbung; das 9. Sternit bleibt so hier völlig
unbedeckt.
Flügel zart, Adern dünn. Vorderflügel ziemlich schmal;
sc etwas über die Flügelmitte reichend. Zwischen c und sc
im Vorderflügel 9 — ii, im Hinterflügel 7 — 8 Queradern.
Pterostigma im Vorderflügel mit ca. 5, im Hinterflügel
mit ca. 3 — 4 Queradern. Medianzelle im Vorderflügel mit
6 — 7, im Hinterflügel ohne Queradern. Zwischen cu^ und
CU2 im Vorderflügel ca. 7, im Hinterflügel 6 — 7 Queradern.
Zwischen den Enden von r^ und cu^ münden im Vorder-
flügel 7 — 8, im Hinterflügel ca. 6 Aste in den Außenrand.
Stiel der Zelle R5 im Hinterflügel mäßig lang. i. Axillaris
im Hinterflügel mit 2 Ästen.
Ockergelb, Augen, Fühler und Palpen schwarz, ebenso
ein Fleck zwischen den Ocellen bis zum Kopfliinterrand ;
Pronotum oben rostbraun; Cerci schwarz, an der Basis
ockergelb; Beine ockergelb, Endhälfte des Vorderschenkels,
Endsechstels des Mitteschenkels schwarz, Hinterrand des
Hinterschenkels sehr fein schwarz gesäumt. Schienen und
Tarsen schwarz, Flügel blaßbräunlich hyalin, Adern hell-
braun, ungesäumt. Membran des Vorderflügels mäßig
stark rot bis gelb, hier und da auch bis grün, des Hinter-
flügels lebhaft in allen Farben irisierend.
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
337
Körperlänge ii mm; Vorderflügellänge -'14' rrim ; Ah-
.dominallänge 4 14 mm; größte Vorderflügelbreite 3 irim;
-Frothofakalbreite 2^ mm. ..;::;: j-.;.:-:^.>. ..''-i
■ Kamerun. Barombi. i ?. Gesammelt von
C o ri r a d t.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Gewidmet wurde diese Species dem Sammler Herrn
Leopold C o n r a d t. ' -
Ochthopetina fulgescens nov. spec. ,.'.. -i
(Fig. 18.) ■■■■■■■■'
^. Kopf sehr breit, ca. 2 mal so breit wäe lang, vorn
breit abgestutzt, matt glanzlos. Fühler ziemlich dünn,
Pubescenz ziemlich kurz. Augen sehr groß, stark gewölbt
abstehend;- vordere Hälften der Innenränder fast parallel,
geradlinig, nur schwach nach hinten konvergierend, hintere
Hälften ebenfalls geradlinig, aber stark divergierend und
treffen mit ersterer Hälfte stumpfwinklig zusammen.
Schläfen ziemlich breit, Außenränder stark nach hinten
konvergierend. Ocellen mäßig klein, ihr Abstand von-
einander ca. 2 Ocellendurchmesser lang, vom Augenrand
ca. 3 Ocellendurchmesser. Dicht hinter den Ocellen ein
seichter Quereindruck. Die flache Beule seitlich der Ocellen
ist nach vorn allmählich ohne Grenze verlaufend und nur
nach den Seiten und hinten abgegrenzt; innen liegt sie
sehr dicht an dem Ocellus und ist nur durch eine sehr
scharfe Furche von ihm geschieden; die Form der Beule
ist rundlich und zieht sich nur dicht vor den Ocellen nach
innen et^^as spitz aus, ihr Durchmesser ist ca. ii/4 Ocellen-
durchmesser, ihr Abstand vom Augenrand wenig länger.'
Maxillar- und Labialpalpus schlank.
Prothorax vorn ca. i34rn3-l so breit wie lang; Vorder-
ecken außerordentlich scharf, Seiten gerade, etwas nach
hinten konvergierend; Querfurche sehr dicht am Vorder-
Stett. entomol. Zeit. 1909, 22
338
rand, fein und ziemlich scharf; ziemhch matt; Median-
furche sehr scharf, Seiten undeuthch seicht gerunzelt. Meso-
und Metanotum glatt. Pubescenz von Kopf und Thorax
fast fehlend kurz, von Abdomen und Beinen länger. Die
beiden ersten Tarsenglieder ziemlich kurz, das 3. schlank.
Cerci mäßig dünn, Länge ? (abgebrochen), die beiden ersten
Ringel sehr kurz. Hinterrand des 10. Tergites (Fig. 18 tgio)
in der Mitte flach stumpfwinklig. Hinterrand des 10. Sternites
ziemlich geradlinig. Subgenitalplatte (Fig. 18 stg) mit
geradem Hinterrand ohne jeden Anhang, wie die übrigen
Sternite.
Flügel dünn und zart, Adern dünn. Vorderflügel mäßig
schmal; sc reicht bis über die Flügelmitte. Zwischen c und
sc im Vorderflügel 9 — 10, im Hinterflügel 7 — 9 Queradern.
Pterostigma im Vorderflügel mit ca. 5 — 8, im Hinterflügel
mit ca. 3 — 4 Queradern. Medianzelle im Vorderflügel mit 7,
im Hinterflügel ohne Queradern. Zwischen cu^ und cuo
im Vorderflügel ca. 6 — 7 ,im Hinterflügel ca. 5 — 6 Quer-
adern. Zwischen den Enden von r, und cu^ münden im
Vorderflügel ca. 9 — 11, im Hinterflügel ca. 6 — 7 Äste in
den Außenrand. Stiel der Zelle R5 im Hinterflügel etwas
länger als der hintere Gabelast. i. Axillaris im Hinter-
flügel mit ca. 4 Ästen.
Schmutzig gelb. Vor den Ocellen 2 kleine rundliche,
braune, verwaschene Flecken, Augen schwarz. Alle An-
hänge gelblich. Hinterrand der Schenkel oben fein schwarz
gesäumt. Vorderflügel stark rot bis grün bis blau, Hinter-
flügel sehr stark in allen Farben irisierend.
Körperlänge 14 mm; Vorderflügellänge 20 mm; Ab-
dominallänge 51/2 mm; größte Vorderflügelbreite 5 mm;
Prothorakalbreite 3V2 mm.
Nord-Bor neo. Kina Balu. i $. Gesammelt
von Waterstrad t.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Stett. entomol. Zeit, 1909.
339
Ochthopetina luteola (Burm. 1835).
(Fig. I9-)
Perla luteola Burmeister. Handb. d. Entomol. 2. Bd. 1835,
p. 881.
Burm., Pictet, Hist. nat. Ins. Neuropt.;
Perlides. 1841. p. 257. PI. 26. Fig. 5—7-
Neoperla pilosella Klapalek. Mitt. Naturhist. Mus. Ham-
burg. XXII. 1905. p. 103, Fig. I. S-
Ochthopetina luteola (Burm.) m.
(^$. Kopf ca. ly. mal so breit wie lang, poliert glatt.
Fühler dünn. Länge ungefähr ^3 der Vor der flügellänge,
Pubescenz sehr kurz. Maxillar- und Labialpalpus sehr
schlank und dünn. Augen mäßig groß, Schläfen mäßig
schmal. Ocellen mäßig groß, nahe am Kopfhmterrand
und sehr nahe der Tangente durch die Augenhinterr ander,
ihr Abstand voneinander etwa iV. des Ocellendurchmessers,
vom Augemand bemi ö^ ca. 2V4. beim ? ca. 2!/^ Ocellen-
durchmesser. Die flache Beule seithch der Ocellen ist lang-
oval, quergestellt, glatt, ohne waUartigen Rand, ist em
wenig länger als der Ocellendurchmesser, und ihr Abstand
von den Ocellen ist ca. % Ocellendurchmesser, vom Augen-
rand ca. I Ocellendurchmesser. Am Scheitelhinterrand ist
eine mehr oder weniger kurze mediane Längsfurche, die
häufig vom Vorderrand des Pronotum verdeckt wird.
Prothorax ca. 1^3 mal so breit wie lang, Vorderecken
sehr scharf, Seiten gerade, nach hinten etwas konvergierend;
Oberseite glatt, Querfurche dicht am Vorderrand ziemlich
fein und ziemhch scharf; Medianfurche sehr fem, Seiten
unregelmäßig gerunzelt. Meso- und Metanotum glatt.
Pubescenz von Kopf und Thorax kurz, von Schlafen, Ab-
domen und Beinen etwas länger. Schienen der S etwas
stärker verbreitert als die der ?. Die beiden ersten Tarsen-
glieder sehr kurz, das 3. schlank. Cerci mäßig dünn, etwa
iV, (9) bis 1% iS) der Abdominallänge, die 4 ersten Rmgel
Stett. entomol. Zeit. 1909.
340
sehr kurz; erst vom g. Ringel ab so lang wie' breit (Fig. 19);
beim cJ schon vom 4. Ringel ab so lang wie breit, und nur
die ersten 2 Ringel sehr kurz. Der Hinterrand des 10. Ster-
nites des $ (Fig. 19) in der Mitte stark gebogen, Ecke ab-
gerundet. Hinterrand des 10. Sternites des $ in der Mitte
und an den Seiten flach ausgebuchtet, so daß sich zwischen
diesen 3 Buchten 2 kleine abgerundete Ecken befinden.
(Fig. 19 stjo). Hinterrand der Subgenitalplatte (Fig. 19 stg)
gerade, ohne jeden Anhang, wie die übrigen Sternite. S.Tergit
in der Mitte mit einer dreieckigen Platte, die. etwas vor
dem Hinterrand inseriert und ihn etwas überragt; Spitze
etwas abgerundet. Die stielförmigen nach vorn gerichteten
Anhänge der beiden Cercusbasipodite sehr lang und dünn
(cf. Klapalek 1. c, p. 104, Fig. i).
Flügel zart, Adern dünn. Vorderflügel mäßig schmal;
sc etwas über die Flügelmitte reichend. Zwischen c und sc
im Vorderflügel 12 — 15, im Hinterflügel 6 — 7 Queradern.
Pterostigma im Vorderflügel mit ca. 4 — 5, im Hinterflügel
mit ca. 3 — 5 Queradern. Medianzelle im Vorderflügel mit
ca. 5, im Hinterflügel ohne Queradern. Zwischen cu, und
cuo im \'orderflügel ca. 4 — 5, (beim o zuweilen 3) im
Hinterflügel 2 — 4 Queradern. Zwischen den Enden von
r^ und cuo münden im Vorderflügel beim (^ 6 — 8,. beim
$ 6 — 9, im Hinterflügel 5 — 7 Äste in den Außenrand. Stiel
der Zelle R3 im Hinterflügel mäßig kurz. i. Axillaris im
Hinterflügel mit 2, selten 3 xlsten.
Ockergelb; Kopf oben bräunlichgelb, Ocellen innen
dunkelbraun gesäumt, Stirn vorn mehr oder weniger rost-
braun. Augen schwarz. Pronotum mehr oder weniger
bräunlich gelb bis gelbbraun, Seitenrand häufig heller oder
ockergelb. Fühler braun bis dunkelbraun, das Basalglied
bräunlich gelb, zuweilen auch mehr oder weniger die Basah
glieder der Geißel. Maxillar- und Labialpalpus gelbbraun,
Beine ockergelb, Schenkel an der Spitze oben ganz fein
Stett. entomol. Zeit. 1909. •.
341
hellbraun bis dunkelbraun gesäumt, Schienen etwas dunkler
(schwach bräunlich grau angehaucht), ganz an der Basis
hellbraun, zuweilen fast ganz hellbraun. Tarsen ockergelb
bis bräunlich, selten dunkelbraun. Spitze des 3. Gliedes
braun. Klauen rostbraun. Cerci ockergelb, Spitzenviertel
bis Spitzenhälfte braun (die Cerci werden bei schlecht
konservierten Stücken leicht grau).
Vorderflügel blaßbräunlich angehaucht, Adern hell-
braun bis braungelb, Costa und Subcosta braungelb. Spitzen-
hälfte von r^ meist braun, zuweilen der ganze Radialstamm
braun. Hinterflügel hyalin farblos, meist an der Spitze
schwach getrübt, Adern blaßockergelb, rj häufig bräunlich
bis hellbraun. Vorderflügel ziemlich stark rot bis gelb
isierend, Hinterflügel sehr stark und lebhaft violett, blau
bis gelbgrün irisierend ; selten hat auch der Vorderflügel
ähnlichen Farbenglanz wie der Hinterflügel.
Körperlänge (^ 5I/2 — 8% mm*), $ 8 — 12 mm; Vorder-
flügellänge 3* 814 — 11 mm, $ 11 — 15 mm; Abdominallänge
^ 2 — 4 mm, $ 314 — 4V2 ii^ni; größte Vorderflügelbreite
cJ 2 1/4 — 3 14 mm, $ 3 — 4 1/2 mm; Prothorakalbreite (^
lYi — 2 mm, $ 1% — 2% mm.
- J a V ä. I $.
:" Malakka. Kelanton. 2 ?. Perak, i $.
■ ' S u m a t r a. Soekaranda. 7 J, 6 ?. Dr. H. D o h r n.
L'iangägas. i $. Dr. H. Dohrn. "•.;■■:
Ncoperla püosella Klap. 1805 ist das J zu N. luteola
(Burm.). Klapalek bildet 1. c. p. 104 die Abdominalspitze
dBs' ^ von der Oberseite, ab, die völlig mit denen der vor-
liegenden Stücke übereinstimmt.
Ochthopetina minutissinia nov spec.
(Fig. 28 und Textfigur.)
$. Kopf relativ lang, 1 14 mal so lang wie breit, poliert
^*) Nach trockenen Stücken. KlapiUek giebt 1. c. die Körperlänge
des 1^ mit 9 mm an.
St«tt. entomol. Zeit. 1909.
342
glatt. Fühler sehr dünn, Pubescenz kurz. Augen groß,
Schläfen mäßig breit. Die beiden Ocellen ziemlich klein,
sie liegen sehr weit entfernt vom Hinterhauptrand, ihre
Glitte wird geschnitten von der Geraden durch die Augen-
mitten; ihr Abstand voneinander beträgt 2 Ocellendurch-
messer, ebenso der vom Augenrand. Mitten zwischen den
hinteren Teilen der Ocellen liegen 2 kleine rundliche flache
Beulen, deren Durchmesser je etwa 14 Ocellendurchmesser
beträgt und die durch eine Medianfurche vonemander ge-
schieden sind. Die Stirnbeulen seitlich der Ocellen sind
weit nach vorn gerückt und tangieren fast die Tangente
durch die Vorderränder der Augen; sie sind rundlich, klein,
höckerartig (nicht flach) ; ihr Abstand von den Ocellen ist
fast 114 Ocellendurchmesser, vom Augenrand ca. i Ocellen-
durchmesser.
Prothorax ca. 134 mal so breit wie lang, Vorderecken
sehr scharf; Seiten gerade, nach hinten stark konvergierend;
Oberseite ziemlich glatt, Querfurche dicht am Vorderrand
außerordentlich fein; Medianfurche äußerst fein; Seiten
ziemlich dicht unregelmäßig gerunzelt. Meso- und Meta-
notum glatt. Pubescenz von Kopf und Thorax sehr kurz,
von Abdomen und Beinen relativ sehr lang. Die beiden
ersten Tarsenglieder sehr kurz, 3. schlank. Cerci dünn,
etwa in Abdominallänge abgebrochen; der erste Ringel sehr
kurz, 2. und 3. Ringel doppelt so breit wie lang, 4. Ringel
schon ein wenig länger als breit, 8. Ringel schon doppelt
so lang wie breit (nur 11 Ringel vorhanden). Der Hinter-
rand des 10. Tergites ganz schwach konvex. Hinterränder
des 8., 9. und 10. Sternites gerade.
Flügel sehr zart, Adern sehr dünn. Die ganze Fläche
beider Flügel auffällig dicht und lang pubesciert. Vorder-
flügel (Fig. 28) schmal; sc endet noch vor der Mitte.
Zwischen c und sc im Vorderflügel ca. 7 — 8, im Hinter-
flügel ca. 3 Queradern; letztere wenig deutlich. Im Ptero-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
343
Stigma fehlen in beiden Flügeln Queradern. Medianzelle
im Vorderflügel mit ca. 3, im Hinterflügel ohne Queradern.
Cubitus II im Vorderflügel ist außerordentlich verkürzt
und nur als kurze Ader entwickelt, die schräg nach dem
Flügelhinterrand läuft. Zwischen cu^ und cuo im Vorder-
flügel nur I Querader, im Hinterflügel ca. 2 — 3 Queradern.
Zwischen den Enden von r^ und CU2 münden im Vorder-
flügel 7, im Hinterflügel 5 Äste in den Außenrand. Stiel
der Zelle R5 im Hinterflügel ziemHch lang, mindestens
1/4 länger als der hintere Gabelast.
Ockergelb; Augen und Ocellen schwarz; Fühler mit
Ausnahme der 3 ersten Glieder dunkelbraun, Palpen bräun-
lich gelb. Pronotum braungelb. Schenkel innen und
Schienen außen der Länge nach bräunlich gesäumt, 3.
Tarsenglied bräunhch. Die beiden letzten noch vorhandenen
Glieder der Cerci schwach angebräunt.
Flügel ockergelblich, Adern ockergelb. Membran schwach
rötlich bis grünlich irisierend.
Körperlänge 6 mm ; Vorderflügellänge 8 mm ; Abdominal-
länge 2 3/4 mm ; größte Vorderflügelbreite 2 V2 mm ; Prothora-
kalbreite 1V4 mm.
S u m a t r a. Soekaranda. i ?. Dr. H. D o h r n.
Type im Stettiner Zoologischen Museum.
Ochthopetina camerunensis nov. spec.
(Fig. 21 und 23.)
$. Kopf ca. 1 1/3 mal so breit wie lang, poliert glatt.
Fühler dünn, Pubescenz kurz. Augen groß, Schläfen mäßig
lang. Die beiden Ocellen (Fig. 23) relativ groß, ihr Abstand
voneinander ca. 1% Ocellendurchmesser, ihr Abstand vom
Stett. entomol. Zeit. 1909.
3i4
A-ugenrand ca. 2%, Ocellendurchmesser. Die flache vStirn-
beule (Fig. 23) langoval, etwas schräg quer, ihre Längsachse .
ungefähr i Ocellendurchmesser, ihr Abstand von den Ocellen
und vom Augenrand ist gleich und etwa i Ocellendurch-
messer oder wenig mehr. Palpen schlank.
Prothorax vorn etwa 1I/2 rnal so breit wie lang; Vorder-
ecken sehr scharf, Seiten gerade, ziemlich stark nach hinten
konvergierend; Oberseite glatt, mit breiten und flachen
Runzeln, Querfurche dicht am \'orderrand fein und mäßig
scharf; Medianfurche sehr fein, seitlich davon je eine nach
außen schwach konkave, mehr oder weniger scharfe Furche.
Meso- und Metanotum glatt. Pubescenz von Kopf und
Thorax fast verschwindend, von Schläfen, Abdomen und
Beinen länger. Die beiden ersten Tarsenglieder sehr kurz,
das 3. schlank. Cerci ziemlich dünn, ungefähr um die Hälfte
länger als das Abdomen; der erste Ringel sehr kurz, schon
der 5. Ringel so lang wie breit. Hinterrand des 10. Tergites
(Fig. 21) konvex, abgerundet. Hinterrand des 10. Sternites
(Fig. 21 stjo) fast gerade, nur wenig konvex. Subgenital-
platte (Fig. 21 stj^) mit geradem Hinterrand, völlig ohne
Skulptur.
■'' Flügel ziemlich zart, Adern dünn. Vorderflügel mäßig
schmal. Zwischen c und sc im Vorderflüge] ca. 11 — 12,
im Hinterflügel ca. 4 — 8 Queradern. Pterostigma im Vorder-
flügel mit ca. 2 — 3, im Hinter flügel mit ca. 2 — 4 Quer-
adern. Medianzelle im Vorderflügel mit ca. 4—7, im Hinter-
flügel ohne Queradern. Zwischen cu^ und cuo im Vorder-
flügel ca. 3 — 5, im Hinterflügel ca. 3 — 5 Queradern.
Zwischen den Enden von r^ und cug- mündeh Im Vorder-
flügel 7, im Hinterflügel 6,' selten 7 Äste in den Außenrand.
Stiel" der Zelle R5 im Hinterflügek mäßig kurz. i. Axillaris
im Hinterflügel mit 2 Ästen.
; Ockergelb; Pronotum etwas mehi' bräunlich, Abdomen
blaßge.lblich. Fühler braun, Basalglied ockergelb. Maxillar-
Stett. entomol. Zeit. 1909.
345-
und Labialpalpus ockergelb bis blaßbraun. Zwischenraum
zwischen den Ocellen dünkelbraun. Cerci mit hellbrauner
Spitze. Schienen oben meist etwas graubräunlich, Tarsen
meist etwas bräunlich. Vorderflügel hyalin, schwach blaß-
bräunlich behaucht, Adern hellbräunlich gelb. Hinter-
flügel hyalin, Spitze schwach angehaucht, Adern ocker-,
gelblich. Vorderflügel mäßig stark rötlich, bis rotviolett
bis gelblich irisierend, Hinterflügel sehr lebhaft, besonders
blau bis gelb irisierend.
Körperlänge 9 — 12 nmi; Vorderflügellänge 12 — 13 mm;:
Abdominallänge 4 1,4 — 6 mm; größte Vorderflügelbreite 3^-
bis 4 mm; Prothorakalbreite ca. 2 mm.
Kamerun. Barombi. 7 $. Gesammelt von U.
Conr'adt.
T\^pen im Stettiner Zoologischen Museum.
Ochthopetina didita nov. spec, ;^
(Fig. 22 und 24.)
Diese Species steht der Neoperla camer unensis Enderl.
sehr nahe, unterscheidet sich aber von dieser vor allem
durch die weit auseinandergerückten kleineren Ocellen
(Fig. 24). Das 10. Tergit ist ein wenig stärker konvex und.
in der Mitte eine Spur eingedrückt. Im VorderflügeL sind'
zwischen cu^ und cu., 6 (gegen 3 — 5), im Hintelflügel 5 — 6;
(gegen 3—5) Queradern.
Abstand der beiden Ocellen voiheinander etwa 2%
Oce4kndurchmesser, ihr Abstand vom Aügenrand etwa:
3% Ocellendurchmesser.
Körperlänge 10— 10 1/2 mm; Vorderfltigellänge 121/2.
bis 13 14 mm; Abdominallänge 4 — 41/2 mm; größte Vorder-
flügelbreite 4 mm; Prothorakalbreite 2y^ mm.
Kamerun. Barombi. 2 ?. Gesammelt vori L.
C o n r a d t.
Typen im Stettiner Zoologischen Museum.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
346
Acroneuria Pict. 1841.
Acroneuria (Niponiella) nobilitata nov. spec.
(Fig. 27.)
$. Kopf 1 14 mal so breit wie lang, flach, matt, vorn
glatt. Endglied des Maxillarpalpus dünn, % des vorher-
gehenden Gliedes. Fühler lang und nach der Spitze sehr
dünn werdend; etwa % der Vorderflügellänge; Pubescenz
nur äußerst kurz. Hintere Ocellen groß, der vordere Ocellus
kaum halb so groß; zu gleichseitigem Dreieck angeordnet;
eine Seite davon etwa % vom Ocellusabstand vom Auge.
Augenrand an der hinteren Innenecke schräg abgestutzt.
Thorax ziemhch glatt. Prothorax mit seichten Runzeln,
Mediankiel fein längsgefurcht; Querfurche sehr nahe dem
Vorderrand; Seiten fast gerade, nur wenig nach hinten
konvergierend; vordere Seitenecken sehr scharf, hintere
abgerundet. Thorax und Kopf nur mikroskopisch kurz
pubesciert. Beine und Abdomen dicht und kurz pubesciert.
Die beiden ersten Tarsenglieder sehr kurz, 3. lang und
schlank. Cerci an der Basis ziemlich dick, allmählich nach
dei Spitze zu verdünnt. Die Cerci erreichen nicht die Ab-
dominallänge. 2. — 5. Glied sehr kurz (Fig. 27). Subgenital-
platte (Fig. 27) des $ breit abgerundet, in der Mitte schwach
eingedrückt, etwa die Hälfte der Länge des 9. Sternites
freilassend.
Flügel kräftig, Vorder flügel sehr schlank. Discoidal-
zelle der Hinterflügel und des rechten Vorderflügels mit
I Querader. Zwischen c und sc im Vorderflügel 19 — 20
Queradern, im Hinterflügel mit ca. 14. Pterostigma im
Vorderflügel mit ca. 10 — 11, im Hinterflügel mit ca. 8 — 9
Queradern. Zwischen cu^ und cug (Cubitalzelle CuJ im
Vorderflügel 7 — 8, im Hinterflügel 6 — 8 Queradern. Stiel
der Zelle R5 im Hinterflügel mäßig kurz, fast 14 des hinteren
Gabelastes. Medianzelle im Vorderflügel mit 8 — 10 Quer-
adern, im Hinterflügel ohne Queradern. Zwischen den Enden
Stett. entomol. Zeit. 1909.
347
von fj und cug münden im Vorderflügel 17 — 19, im Hinter-
flügel 14 — 15 Äste in den Außenrand. Queradern in der
Flügelmitte außerhalb der Anastomose in einer Anzahl
von ca. 4 — 10. I. Axillaris im Hinterflügel 4 ästig.
Ockergelb; schwarz sind: die Fühler mit Ausnahme des
I. Gliedes, Labial- und Maxillarpalpus, ein kreisrunder
Fleck, der die 3 Ocellen tangiert, die Cerci mit Ausnahme
des I. Gliedes, das Spitzendrittel der Schenkel, die Schienen
und die Tarsen. Schwarzbraun ist das Antedorsum und
Dorsum des Mesonotum und das Dorsum des Metanotum.
Flügel ockergelb, Hinterflügel blasser, die Flügelspitzen
sind braun, beim Vorderflügel etwa '^ j -, der Flügellänge,
beim Vorderflügel etwa ^/j der Flügellänge. Membran stark
speckig glänzend, Hinterflügel schwach grün bis rot iri-
sierend. Körperpubescenz ockergelb, an den schwarzen
Stellen schwarz.
Körperlänge 28 mm ; Vorderflügellänge 32 mm ; Ab-
dominallänge 13,5 mm; größte Vorderflügelbreite 8,5 mm;
Prothorakalbreite 4,5 mm.
T o n k i n. Manson-Gebirge. 2 — 3000 Fuß hoch.
April-Mai. i $. H. F r u h s t o r f e r.
Perla Geoffr. 1762.
Perla canilimbata nov. spec.
(Fig. 26.)
$. Kopf ca. 11/2 mal so breit wie lang, flach, ziemlich
glatt poliert. Fühler ziemlich dünn, fadenförmig, an der
Basis wenig dicker, Pubescenz sehr kurz. Augen mäßig
groß, hinter ihnen ziemlich breite Schläfen. Ocellen zu
großem gleichseitigen Dreieck angeordnet; Abstand der
hinteren voneinander etwas kürzer als ihr Abstand vom
Augenrand ; vorderer Ocellus etwa halb so groß wie die
hinteren. Flache Beule seitlich der hinteren Ocellen schlank
bohnenförmig. Maxillarpalpus lang und dünn, Endglied
Stett. entomol. Zeit. 1909.
348
etwa y^ des vorletzten (3.) Gliedes. Labialpalpus lang
und dünn, 2. Glied etwa 8 mal so lang wie dick, Endglied
(3. Glied) etwa % desselben.
Prothorax ii/4 mal so breit wie lang, ziemlich matt-
glänzend, mit sehr seichten Runzeln und Furchen; Median-
kiel sehr breit und sehr seicht mit feiner, aber scharfer
Medianfurche; vordere Seitenecken ziemlich scharf, Seiten-
ränder schwach gebogen und etwas nach hinten konver-
gierend ; Querfurche am Vordei^rand etwas nach hinten
konkav gebogen, das abgetrennte schmale Feld in der Mitte
am breitesten, an den Seiten fast verschwindend. Meso-
und Metanotum stark glänzend glatt. Pubescenz von Kopf
und Thora!x fast verscli windend kurz. i. und 2. Tarsen-
glied sehr kurz, beide beim Hinterbein — besonders das 2. —
innen mit zahriartig überstehendem Endhöcker; 3. Tarsen-
glied länger und schlank. Abdomen kurz und dicht
pubesciert. Cercilänge ? (da abgebrochen), vorhanden ist
ein Stück von etwa % Abdominallänge; mäßig dick. Sub-
genitalplatte (?) sehr lang (etwa 3% mm), hinten schmal
abgerundet und nicht eingebuchtet (Figi 26); sie reicht bei
dem größeren $ fast bis zum Hinterrande des lö. Sternites
(stio), beim kleineren $ bis etwas hinter den Hinterrand
des 9. Sternites; sie ist mehr oder weniger stark quer-
gerunzelt. Hinterrand des letzten Tergites gerade.
Flügel kräftig, Adern ziemlich kräftig. Vorderflügel
schrtial und (mit Ausnahme der Basis und Spitze) fast
gleichbreit. Zwischen c und sc im Vorderflügel ca. 12 — 14
Queradern, irn Hinterflügel ca. 6—7. Pterostigma irri,
Vorderflügel mit ca. 4 — 7, im Hinterflügel mit ca.' 5—6
Qüeradern. Stiel der Zelle R5 im Hinterflügek ca. 14 des^-
hinteren Gabelastes. Medianzelle im Vorderflügel mit
ca.' 8-^10 Queradern, im Hinterflügel ohne Queradern.
Zwisthen cu^ und cuo im Vorderflügel 7 — 9, im Hinter-
flügel . 7—9 Queradern, Radiair amüs im Vorder- und
Stett. entomol. Zeit. 1909. '
349
Hintterflügel mit 4- Ästen. Zwischen den Enden von r^ und
.CII2 münden im Vorderflügel n — 12, im Hinterflügel 8 — ^9
Äste in den Außenrand. i. Axillaris im Hinterflügel 4 ästig,
4. Ast mehr oder weniger lang.
Ockergelb; schwarz sind Maxillar- und Labialpalpus,
Fühler braun, breiter Mittelstreifen der Kopfoberseite dunkel-
braun (Grenze mitten durch die bohn-entörmigen Hügel);
Prothorax oben bräunlich. Dorsum und Postdorsum beirn
Mesonotum braun, beim Metanotum blaßbräunlich.' Die
Beine sind ockergelb ; bei dem größeren $ sind dunkelbraun
die Enddrittel der Schenkel und ihr Außenrand, die ge-
samte Schiene (in der Mitte ist allerdings eine Spur ein^r
Aufliellung) und braun die Endhälfte des 3. Tarsengliedes ;
beim kleineren ? sind dunkelbraun nur das Enddrittel des
Schenkels, das Basalvicrtel und das Enddrittel der Schiene
und bräunlich die Endhälfte des 3. Tarsengliedes. Cerci
ockergelb, nach der Spitze zu schwach angebräunt. Flügel
hellbraun, Adern braun, Costalzelle, Costa und ihre Quer-
äderchen bis zum Ende der Subcosta grauweißlich. -
Körperlänge 20,5 — 27 mm; Vorderflügellänge 23,5 bis
27,5 mm; Abdominallänge 9,5-^12 mm; größte Vordef-
flügelbreite 6 — 7,5 mm;. Prothorakalbreite 4 — 5 mm.
T o n k i n. Manson-Gebirge. 2 — 3000 Fuß hoch.
April-Mai. 2 ?. H. F r u h s t o r f e r.
Typen im Stettiner Zoologischen Museuin. - :■ i. .. = ->
Die ostindische Perla infuscata Newm. ist dieser Äri
sehr ähnlich, unterscheidet sich aber leicht durch die am
Hinterrande tief eingebuchtete Subgenitalplatte, die japa-
nische Perla Umhat a Pict. ist viel kleiner (16 mm) und die
Maxillar- und Labialpalpen sind sehr gedrungen, 2. Ghed
des Labialpalpus kaum 4 mal so lang wie dick. • -•--'"
Perla sikkimensis nov. spec. / ^.,"
(Fig. 25.) " ' '"^::
$. Kopf ca. 11/4 mal so breit wie lang, flach, ziemlich
Stett. entomol. Zeit. 1909.
:350
glatt. Fühler ziemlich dünn, Pubescenz sehr kurz, Augen
ziemlich groß, Schläfen schmal. Ocellen zu großem gleich-
seitigen Dreieck angeordnet, vorderer Ocellus wenig kleiner
als die hinteren; Abstand der hinteren voneinander ung-
gefähr so groß wie ihr Abstand von den Augen, Die scharf-
randige flache Beule schräg vor und seitlich der hinteren
Ocellen ist etwas schlankoval, der Rand etwas stärker er-
haben als die Fläche. Maxillarpalpus dick, Endglied (4.)
sehr dünn (etwa i/s des 3. Ghedes), 3. etwa % der Länge
des 2. Gliedes.
Prothorax etwa 114 so lang wie vorn breit, Vorder-
ecken sehr scharf, mit einem Winkel von etwas geringer
als 90"; Seiten gerade, ziemlich stark nach hinten konver-
gierend; Oberseite schwach glänzend, schwach und spärlich
gerunzelt; in der Medianlinie eine ziemlich scharfe Längs-
furche, seitlich und parallel davon jederseits ein flacher
Längswall; die Querfurche parallel zum Vorderrand flach
und wenig deutlich. Meso- und Metanotum stark glänzend.
Pubescenz von Kopf und Thorax fast verschwindend kurz,
von Abdomen und Beinen etwas länger. Die beiden
I. Tarsenglieder kurz, das 3. sehr lang und schlank. Cerci
ziemlich kräftig (Fig. 25), soweit vorhanden fast von Ab-
dominallänge. Hinterrand des 10. Tergites nicht gerade,
sondern in der Mitte mit fast halbkreisförmiger Vorwölbung,
die in Figur 25 von der Unterseite zu sehen ist (Fig. 25 tg^o).
Hinterrand der Subgenitalplatte breit gewölbt und seitlich
der kaum merklich abgestutzten Mitte schwach eingedrückt
(Fig. 25 stg) ; sie erreicht nicht ganz den Hinterrand des
9. Sternites.
Flügel kräftig, Adern ziemlich kräftig, die der Außen-
und Hinterrandzone zart. Vorderflügel ziemlich schmal.
Zwischen c und sc im Vorderflügel ca. 15 — 16, im Hinter-
flügel ca. 8 — 9 Queradern. Pterostigma der Subcosta im
Vorderflügel mit 5 Queradern, im Hinterflügel mit ca. 4 — 6
Stett, entomol. Zeit. 1909.
'351
Queradern. Zwischen cui und cu., im Vorderflügel 7—8,
im Hinterflügel 6—7 Queradern. Stiel der Zelle R5 im
Hinterflügel ca. V5 des hinteren Gabelastes. Medianzelle
im Vorderflügel mit ca. 6—7, im Hinterflügel ohne Quer-
adern. Zwischen den Enden von r^ und cu^ münden im
Vorderflügel 14, im Hinterflügel ii— 12 Äste in den Außen-
rand. I. Axillaris im Hinterflügel mit 3—4 Ästen.
Schmutzig bräunlich gelb; Kopf rostgelb; Fühler,
Augen und ein rundlicher Fleck auf dem Scheitel, der die
Ocellen tangiert, dunkelbraun; Pronotum braun, Vorderrand
gelblich; die beiden Wölbungen des Dorsum des Meso- und
Metanotum braun, 9. und 10. Abdominalsegment und die
Cerci gelblich braun. Spitzendrittel der Schenkel braun.
Schienen und Tarsen hellbraun. Flügel hyalin farblos,
Adern blaßbraun, Radius mit Ausnahme der Äste des
Radialramus ziemlich dunkelbraun, Costa braungelb. Mem-
bran des Vorderflügels mäßig stark, des Hinterflügels leb-
haft rot bis grün irisierend.
Körperlänge 18 mm; Vorderflügellänge 24I/2 mm;
Abdominallänge 6 mm; größte Vorderflügelbreite 61/0 mm;
Prothorakalbreite 31/2 mm.
S i k k i m. i ?. Type im Stettiner Zoloog. Museum.
Figuren-Erklärung,
Fig. 13. Ochthopetina aeripennis Enderl. ?. Unterseite der
Abdominalspitze. Vergr. 6:1.
Buchstabenerklärungen für Fig. 13—27:
st^ = 8. Sternit (Subgenitalplatte des $). stg = 9. Sternit-
8t,o = 10. Sternit. tgg-tg.o = 8-10. Tergit. oc = Ocelle. stb =
Stirnbeule. Die Cerci sind ak abgebrochen gezeichnet.
Fig. 14. Ochthopetina violaris Enderl. ?• Unterseite der
Abdominalspitze. Vergr. 6: i.
Stett. entomol, Zeit. 1909.
m2
Fig. 15. Ochthopeiina caligaia (Burm.). $. Unterseite der
Abdominalspitze. Verg-r. 6:1.'
Fig. 16. ,, laminulata Enderl, $. Unterseite der
.Abdominalspitze. Vergr. 6: i;
Fig. 17. ,, Conradti Enderl. $. Unterseite der
-Abdominalspitze. Vergr. 6: i.
Fig. 18. ,, fulgescens Enderl. $. Unterseite der
^:.; •: : ' Abdominalspitze. Vergr. 6: r.
Fig. 19. ,, , luteola (Burm.). $. Unterseite dej
Abdominalspitze. Vergr. 6: r.
Fig. 20. ■,. sumatrana Ende.rl. (^. Oberseite der
Abdominalspitze. Vergr. 6: i. ^
Fig. 21. ,, camerunensis ^näitr\. $. Unterseite der
Abdominalspitze. Vergr. 6: i, ; :
Fig. 22. ., didita Enderl. 9. Unterseite der
Abdominalspitze. Vergr. 6: i.
-Fig. .23. ,, cameyunensis Enderl. Stellung der
Ocellen u. Stirnbeulen. Vergr. 6: iL
Fig. 24., ,, didita Enderl. Stellung der Ocellen
und Stirnbeulen. Vergr. 6:1.
Fig. 25. Perla sikkimensis Enderl. $. Unterseite der Ab-
dominalspitze. Vergr. 6:1.
Fig. 26. ,, canilimhata Enderl. $. Unterseite der Ab-
dominalspitze. Vergr. 6:1.
Fig. 27. Acroneuria nobilitata Enderl. $. Unterseite der
Abdominalspitze. Vergr. 6:1.
Berichtigung.
Pag. 271. 4. Zeile von oben struppig statt
schuppig. Auf pag. 283 ist die Aderbezeichnung so zu
ändern, daß rg+g der Radialramus, r^-\-^ die Media und m
der Cubitus ist. ... ;
Stett. entomol. Zeit. 1909.
353
Beiträge zur Diptereo=Fauna Pommerns
Von (.«a^tav ^rlii'oeciei*. Stettin.
I.
Die Insektenfauna der Provinz Pommern ist in fast
allen ihren Ordnungen von tüchtigen Entomologen erforscht
worden. Nur die zweiflügeligen Insekten [Diptera] wurden
von den einheimischen Sammlern fast ganz vernachlässigt.
Von älteren einheimischen Dipterologen sind mir nur
T r i e p k e und L i n c k o bekannt. T r i e p k e , Super-
intendent in Garz a. O., sammelte zu Anfang des vorigen
Jahrhunderts neben andern Insekten besonders auch Dipteren,
und seine Sammlung ist jetzt Eigentum, des hiesigen Marien-
stifts-Gymnasiums. Zu der Sammlung gehört auch ein von
Triepke im_ Jahre 1829 angelegtes Artenverzeichnis mit
Vaterlandsangaben. Wenn diese Angaben auch nur ganz
allgemein gehalten sind, so erfahren wir doch, Vv^as Triepke
in P o m m e r n gefunden hat.
L i n c k e , Realscliullehrer in Stettin, sammelte um die
Mitte des vorigen Jahrhunderts. Von seiner Sammlung
sind mir nur einige Kästen mit Muscidcn — in sehr ver-
wahrlostem Zustande — zugänglich gewesen. Leider fehlt
in der Sammlung jegliche Vaterlandsangabe.
In neuester Zeit hat der leider so früh verstorbene
Oberlehrer Dr. K e t e 1 in Mecklenburg und in der Um-
gegend von Stralsund — mit Einschluß der Insel Rügen —
gesammelt und das Resultat seiner Beobachtungen in bezug
auf eine Famihe, die Syrphiden, veröffentlicht. (Ketel, ,,Die
in Norddeutschland bisher beobachteten Schwebfliegen,
Syrphiäae'\ erschienen im III. und IV. Jahresbericht des
Progymnasiums in Pasewalk, Ostern 1903 und 1904.)
• Zu unsern neueren einheimischen Dipterologen gehört
ferner Herr Professor P. Stein in Treptow a. R. Es ist
Stett. eulouiol. Zeil. 1909. ^3
354
mit Sicherheit zu erwarten, daß dieser ausgezeichnete Ento-
mologe zur Erweiterung der Kenntnis unserer heimischen
Dipteren beitragen wird.
Ich selbst habe mich erst seit 1903 mit unseren ein-
heimischen Dipteren beschäftigt. Es veranlaßte mich dazu
der Wunsch, eine recht fühlbare Lücke in den sonst so
umfangreichen und bedeutenden Sammlungen unseres
städtischen Museums nach und nach auszufüllen. Meine
frühere Gleichgültigkeit gegen das ,, Fliegengeschmeiß" ist
.sehr bald einem lebhaften Interesse gewichen, und das ist
nur zu natürlich. Denn kaum eine Insektenordnung bietet
dem Beobachter und Sammler eine solche Fülle von x\n-
regung imd stiller Freude, als gerade die der Zweiflügler,
und ich bedauere heute, daß ich mich nicht schon früher
mit dem Studium dieser Tiere befaßt habe.
Wenngleich die Dipterenfauna Pommerns mit der-
jenigen der Nachbarländer des noiddeutschen Tieflandes
im allgemeinen übereinstimmen wird, so ist es doch sicher,
daß bei der großen Ausdehnung und dem eigenartigen
landschaftlichen Charakter einzelner Teile unserer Provinz
sich nicht nur neue, sondern auch solche bekannte Arten
finden werden, die bisher in Norddeutschland nicht oder
doch nur sehr selten beobachtet wurden.
Um nun einen Überblick über die in Pommern vor-
kommenden Zweiflügler zu gewinnen, möchte ich nach-
folgend ein Verzeichnis der hier bisher tatsächlich
beobachteten Arten geben, wobei auf die An-
gaben über Zeit und Ort des Vorkommens der einzelnen
Arten besondere Sorgfalt verwendet worden ist.
Die aufgeführten Arten sind in der Hauptsache von mir
gesammelt und dem hiesigen städtischen Museum über-
wiesen worden. Die von mir beim Sammeln besonders
bevorzugten Lokalitäten sind:
Stett. entomol. Zeit. 1909.
355
1. Der Julo, die Buchheide und der Garzer Schrey
(Waldfauna) ;
2. das Oderbruch in der Umgebung der Försterei
Bodenberg und die Wiesen bei Finkenwaide und
Lübzin (Sumpf- und Wiesenfauna) ;
3. die Umgebung des Ostseebades Heidebrink auf der
Insel Wollin (Dünenfauna).
Ferner ist das von Herrn E. Schmidt in der Um-
gebung Stettins — Westendsee, Nemitz, Wolfsschlucht bei
Kückenmühle, Oderbruch — gesammelte Material berück-
sichtigt worden.
Ich lasse nun zunächst ein Verzeichnis der Syrphiden
folgen.
Farn. Syrphidae.
Subfam. Syrphinae.
Genus Paragus Latr.
bicolor Fabr. 2 (S<^, 3 $$ von Triepke bei Garz a. O. ge-
fangen.
tibialis Fallen. Am 31. 7. 07 ein Pärchen von E. Schmidt
am Westendsee bei Stettin gefangen (gestreift).
Genus Triglyphus Loew.
primus Loew. Am 11. 6. 08 fing ich ein $ im Garzer Schrey
auf Anthriscus.
Genus Pipizella Rond,
Heringi Zett. Am 31. 5. 08 fing i $ auf dem Julo auf
Blättern. Ketel fing die Art auf Rügen.
virens Fabr. = annulata Macq. August-Mai. Auf Dolden
und Blättern am Julo selten.
Genus Pipiza Fall.
festiva Meig. Im Juni und Juli auf den Blättern der Ge-
sträuche nicht selten : Julo, Buchheide, Heidebrink.
luctuosa Macq. Am 31. 5. 08 fing ich i $ am Julo.
Stett. entomol. Zeit. 1909. 23*
356
lugubris Fabr. = fiinehris Mg. Mai-August. Vereinzelt bei
Finkenwalde gefangen.
noctiluca L. Mai bis September. Auf Dolden und Blättern
in der Buchheide und auf dem Julo nicht selten.
signata Meig. Am ii. 6. 08 i $ auf dem Garzer Schrey auf
Dolden gefangen.
Genus Orthoneura Macq.
elegans Meig. Von Triepke bei Garz a. O. i 3* gefangen.
geniculata Meig. Ich fing i ^^ am Julo.
nobilis Fallen. Im Juni bis August auf Wiesen bei Nemitz
und auf dem Julo ziemlich selten.
Genus Chrysogaster Meig.
chalybeata Meig. Juli bis August. Bei Nemitz und Lauen-
burg i. P.
Macquarti Loew. Im Juni am Julo nicht häufig.
metalHna Fbr. Mai-Juli. Glambecksee, Julo.
solstitialis Fall. = coemetenomm L. Im Juni und Juli be-
sonders auf Dolden überall häufig.
splendida Meig. Am 7. 8. 08. i (^ am Julo gefangen.
viduata L. Mai- Juli. Am Julo und auf den Wiesen bei
Finkenvvalde häufig.
Genus Chilosia Meig.
albipiia Meig. Von dieser seltenen Art fand ich im April
und jMai auf dem Julo an Weidenkätzchen 4 ^^ i $.
albitarsis Meig. = vidnata Fbr. Im Mai häufig auf Ranun-
culus. Julo.
carbonaria Egg. Im Mai bei Bodenberg auf Ranunculus
nicht selten.
chloris Meig. Im April und Mai auf Caltha palustris und
Ranunculus-Arten häufig. Julo, Bodenberg.
grossa Fall. Im April und in der i. Hälfte des Mai an Weiden-
kätzchen und an steilen, sonnigen Abhängen auf der
nackten Erde 3 o 0* und 2 ?$ gefangen. Julo.
Stett. eiitomol, Zeit, 1909.
357
pagana Meig. = pulchripes Loew. Im Mai auf dem Julo
3 (^(^ und 3 ?$ gefangen.
ruralis Meig. =. praecox Zett. Im INIai bei Finkenwalde auf
Caltha palustris.
variabilis Panz. Im Juni auf Dolden. Julo.
vernalis Fall. Im Mai auf dem Julo gefangen.
velutina Loew. Im Mai auf dem Julo gefangen.
inipressa Loew. Juni-August. Auf dem Julo häufig.
oestracea L. = illustrata Harr. In der Sammlung von
Triepke 2 $$, angeblich in Pommern gefangen.
intonsa Loew. Ketel fing im Mai i $ bei Stralsund am
Knieperstrand.
Genus Platychirus St. Farg. Serv.
albimanus Fabr. Mai-Juli. Auf dem Julo an Blüten und
Blättern vereinzelt.
discimanus Loew. Mai- Juli. Auf dem Julo mit der vorigen
Art zusammen gefangen.
clypeatus Meig. Im Juni und Juli bei Bodenberg und
Heidebrink sehr häufig auf Wiesenblumen in der
Nähe von Erlengebüsch gefangen.
fulviventris Macq. Im Juli 1906 4 cdc? 3 ?? bei Heidebrink
mit der vorigen Art zusammen gefangen.
immarginatus Zett. Juh-August. Nach Ketel bei Greifs-
wald gefangen.
manicatus Meig. Im Juni und Juli auf dem Julo und bei
Bodenberg nicht selten.
peltatus Meig. Von Mai bis Juli mit der vorigen Art zu-
sammen gefangen, jedoch seltener.
podagratus Zett. Mai-Juh. Auf dem Julo selten.
scutatus Meig. Im Juli und August auf dem Julo nicht selten.
Genus Pyrophaena Seh in.
granditarsa Forst --= ocymi Fbr. Vom Juni bis Sept. auf
den nassen Oderwiesen, besonders auf blühenden
Stett. entomol. ZeitTToOO.
358
Wasserpflanzen an den Gräben und Kanälen, nicht
selten, zuweilen sehr häufig. Auf den Wiesen bei
Finkenwalde fand ich unter vielen Stücken dieser
Art ein ganz auffällig gezeichnetes $. Der Hinter-
leib ist schwarzbraun; nur am Hinterrande des
2. Segmentes befindet sich ein nicht scharf begrenzter
dreieckiger, gelber Fleck. Auf der Unterseite ist die
Vorderhälfte des 3., 4., und 5. Segmentes pechbraun,
sonst ist der Hinterleib unten gelb.
rosarum Fabr. Im Mai und Juni auf dem Julo und in der
Buchheide, aber selten.
Genus Melanostoma Schin.
mellinum L. April-Oktober. Auf Wiesen und in Wäldern
an feuchten Stellen überall sehr häufig.
Genus Xanthandrus Verr.
comtus Harr. = hyalinatus Fall. Am 21. 7. 05 fand ich
ein $ am Sandsee.
Genus Leueozona Schin.
lucorum L. Im Mai und Juni. Ich fing diese schöne Art
auf dem Julo und in der Buchheide auf Dolden in
mehreren Exemplaren. Das ,^ scheint viel seltener
zu sein als das $.
Genus Ischyrosyrphus Big.
glaucius L. In der Triepkeschen Sammlung befinden sich
2 $$, angeblich aus Pommern.
Genus Didea Macq.
fasciata Macq. Am 27. 7. 05 fand ich i ^ bei Finkenwalde.
intermedia Loew. Mai bis Oktober. Auf Dolden und Kom-
positen. Am 6. 10. 08 fing ich noch 1^ am Glam-
becksee auf Hieracium.
Genus Lasiophthieus Rond.
pyrastri L. Juni-Sept. häufig auf Blüten und Blättern.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
359
seleniticus Meig. Juli-Oktober. Ich beobachtete diese Art
besonders häufig im September und Anfang Oktober.
Genus Syrphus Fabr.
albostriatus Fall. Im Juli 1903 i $ bei Heidebrink gefangen,
var. confusus Egg. Juni-Juli bei Heidebrink und auf
dem Julo.
arcuatus Fall. Von Triepke in Pommern gefangen.
auricollis Meig. August, i (^ auf dem Julo gefangen.
balteatus Deg. Juni-Oktober. Überall auf Blüten sehr
häufig.
bifasciatus Fabr. Im Mai und Juni häufig auf Blättern
und Blüten. Julo, Buchheide.
cinctellus Zett. Nach Ketel in Pommern.
corallae Fabr. Juni-August. Julo, Finkenwalde, Buchheide.
luniger Mg. Im Mai 7 Stück auf dem Julo gefangen.
melanostoma Zett. Von Ketel i Stück bei Stralsund ge-
fangen.
nitidicoUis Meig. Im Mai bei Finkenwalde und Lübzin
(3 Stück) gefangen.
ribesii L. Den ganzen Sommer hindurch überall häufig.
torvus Ost. -Sack. ■= topiarius Zett. Im Juni 5 c^,^, 2 $$
bei Bodenberg gefangen.
trincinctus Fall. Am 19. 8. 07 fing ich i ^ auf dem Julo.
umbellatarum Fabr. Mai bis August. Julo, Buchheide
häufig.
venustus Meig. Im Mai und Juni auf dem Julo und bei
Bodenberg nicht selten. Von der Form hilaris Zett.
fand ich an denselben Orten 3 Stück.
vitripennis Meig. überall bei uns nicht selten.
Genus Sphaerophoria St. Farg. et Serv.
{Mclühreptus Loew.)
menthastri L. Juli 1906 fand ich 4 Exemplare bei Heide-
brink.
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
360
var. philanthus Meig. Juli 1906. 2 Exemplare bei Heidebrink.
melissae Meig. i (^ bei Stettin gefangen.
var. picta Meig. Juli 1906 bei Heidebrink vereinzelt.
var. taeniata Meig. Juli-August bei Heidebrink und Stettin.
scripta L. Mai-August bei Stettin und Heidebrink häufig.
var. dispar Loew. im Juli bei Heidebrink häufig.
var. strigata Staeg. im Juli bei Heidebrink nicht selten.
Genus Xanthogramma Schin.
criti'Ofasciatum Deg. Mai- Juni. Auf den besonnten Blättern
niedriger Pflanzen am Rande des Julo vereinzelt
gefangen.
Genus Baccha Fabr.
elongata Fabr. Juni- August. In einem Garten in Gollnow
von Lüderwaldt gefangen. Triepke fing diese Art
bei Garz a. O.
Genus Pelecocera Meig.
tricincta Meig. Ich fand diese Art im Juli hinter den Dünen
bei Heidebrink in Kiefernschonungen auf Hierarium
sehr häufig.
Genus Ascia Meig.
dispar Meig. Mai- Juli auf den Oderwiesen bei Bodenberg
gefangen. Selten.
floralis Meig. Mai-Juli. Auf Wiesenblumen an Wasser-
gräben bei Finkenwalde und am Julo nicht selten.
quadripunctata Meig. Mit der vorigen zusammen auf Wiesen
gefangen.
podagrica Fabr. Im Mai auf Wiesenblumen bei Finken-
walde gefangen.
Genus Rhingia Scop.
campestris Meig. Juni-Juli. An den Blüten von Geum
rivale auf dem Julo selten.
rostrata L. Mai-August. Auf dem Julo besonders an Geum
Stctt. entomol. Zeit. iü(9
361
jivale. Diese Art fand ich auch im Juni 1904 sehr
häufig an der Dorfstraße in Frauendorf auf Ballota
nigra. Die rötlichgelbe Farbe des Hinterleibes der
beiden Rhingia-Arten bildet eine ausgezeichnete
Schutzfärbung, so daß die Tiere auf Geum rivale
nur schwer entdeckt werden können.
Subfam. Volucellinae.
Genus Volucella Geoffr.
bombylang L. Juni-August. Auf Blüten, besonders Kom-
positen, überall nicht selten. Häufig ist die Abart
pluniata Deg., während die Abart haemorrhoidalis
Zett. selten ist.
pellucens L. Juni-August. Überall sehr häufig.
S u b f a m. E r i s t a 1 i n a e.
Genus Eristalis Latr.
aeneus Scop. April-Sept. An Waldrändern, auf Wiesen,
an Gräben und steilen Ufern überall häufig.
alpinus Panz. Mai-Juli. Auf Dolden nicht selten. Julo und
Buchheide.
arbustorum L. April-Oktober. Auf Blumen überall sehr
häufig.
anthophorinus Fall, von Triepke bei Garz gefangen.
cryptarum Fabr. von Triepke bei Garz gefangen.
horticola Deg. Mai-Oktober. Überall sehrfliäufig.
intricarius L. Mai- August. In der Nähe von Gebüschen
und Wäldern häufig auf Blüten und in der Luft
schwirrend.
nemorum L. Mai-Juli bei Heidebrink häufig gefangen, bei
Stettin seltener, z. B. auf dem Julo.
oestraceus L. = apiformis Fall. Ich fand bisher von dieser
prächtigen Art nur ein $ am 19. 5. 08 auf blühendem
Schwarzdorn (Prunus spinosa). In der Sammlung
von Triepke befinden sich 3 Exemplare aus Pommern.
Stett. eutomol. Zeit. 1909.
362
pertinax Scop. Juni-September. Überall ziemlich häufig,
besonders auf Dolden.
pratorum Mg. Ich fand bisher nur ein 3*.
rupium Fbr. Von dieser im Gebirge häufigen Art fand mein
Bruder im Juli bei Lauenburg i. P. 1 (^.
sepulcralis L. April-September. Vorkommen wie bei E.
aenciis Scop.
tenax L. Mai-Oktober. Überall gemein.
Genus Helophilus Meig.
hybridus Loew. Juni-August. Auf Kompositen nicht selten.
Julo, Bodenberg, Heidebrink.
pendulus L. Mai-Oktober. Auf Blättern und Blüten überall
gemein.
trivittatus Fabr. Juni-August. Auf Blüten, besonders von
Kompositen, nicht selten. Julo, Buchheide, Heide-
brink.
frutetorum Fabr. Juni-Juh. Auf Wiesenblumen und an
blühenden Gesträuchen stellenweise sehr häufig, z. B.
bei Bodenberg,
lunulatus Meig. Mai-Juli. Auf Blüten an Wassergräben.
Bei Bodenberg häufig.
versicolor Fabr. Juni- Juli. Auf Blüten am Julo nicht selten.
lineatus Fabr. Mai- Juli. Auf blühenden Wasserpflanzen
bei Bodenberg ziemlich häufig.
transfugus L. Juni- Juli. Auf blühenden Wasserpflanzen
selten. Bodenberg, Heidebrink.
floreus L. Mai-September. Überall häufig.
nigrotarsatus Schin. Mai-Juli. Selten. Julo, Heidebrink.
Genus Mallota Meig.
fuciformis Fabr. In der Sammlung des Marienstifts- Gym-
nasiums befinden sich 2 Exemplare dieser Art, von
Triepke bei Garz gefangen.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
363
cimbiciformis Fall. ^ cristalloidcs Loe\^■. = Imatisma posti-
cata Macq.
Fallen kannte nur das ^, das nach seiner Angabe
im September in Schonen gefangen wurde. Diese Zeit-
angabe ist wahrscheinlich eine irrtümliche, da die Mallota-
Arten im Frühlinge fliegen.
L o e w beschrieb das $ dieser Art ; es stammte aus
Livland. G i m m e r t h a 1 hat ein ebenfalls in Livland
gefangenes $ in der Sammlung der Frau Pastor Lienig in
Kokenhaus gesehen.
S c h i n e r fing ein Stück am Kahlenberge.
M a c q u a r t beschrieb diese Art als Imatisma posii-
cata nach Exemplaren aus Carolina und Philadelphia.
In Norddeutschland ist das Tier nur von H e n s e 1
in der Mark gefunden worden. Ich fing von dieser zwar
weitverbreiteten, aber sehr seltenen Art im Juni 1908 in
der Buchheide 10 (^^J und 3 $$ auf Dolden, jedoch nicht
an demselben, sondern an verschiedenen Tagen. Es hat
übrigens keins der 10 i^<^ einen Fortsatz in der Mitte der
Hinterschienen; dagegen fand Dr. Williston (New Haven,
Connecticut) unter amerikanischen Exemplaren dieser Art
(^(J mit starkem Fortsatz an den Hinterschienen, während
dieser Fortsatz bei andern (^<^ gänzlich fehlte. (Berl.
Entomol. Zeitschr. 1883, pag. 171.)
Genus Merodon Meig.
equestris Fabr. Am i. 6. 05 fing ich i ^ auf einer Wiese
bei Swinemünde; es ist gleichmäßig gelb behaart.
Am Rande der Wiese blühte Ornithogalum um-
bellatum L. in größerer Anzahl. Ich konnte bei
meinem kurzen Aufenthalt dort nicht feststellen, ob
sich das Insekt in den Zwiebeln dieser Pflanze ent-
wickelt hat.
Am 2. 6. 05 fing ich i $ auf der Finken walder
Höhe an Ranunculus repens L.. Das Rückenschild
Stett. entomol. Zeit. 1909.
3 64
und die beiden ersten Hinterleibssegmente sind
schwarz, die letzten gelb behaart. In der Nähe des
Fangortes befindet sich eine große Gärtnerei, wo-
selbst das Tier sich entwickelt haben mag.
Subfam. Milesiinae.
Genus Tropidia Meig.
scita Harr. = milesiiformis Fall. Vom Älai-Juli auf be-
sonnten Blättern am Julo selten, bei Bodenberg
häufiger.
Genus Myolepta Newm.
luteola Gmel. Ich fand im Juni 1908 6 (^^ und 3 $$ in
der Buchheide an sonnigen Stellen auf Dolden.
Genus Criorrhina Meig.
asilica Fall. Im Mai und Juni auf dem Julo an blühenden
Gesträuchen, z. B. Crataegus und Berberis, nicht
selten gefangen.
Genus BraehjT)alpus Macq.
bimaculatus Macq. ^ angustus Egg. Ich fing von dieser
sehr seltenen Art am Julo auf Crataegus 3, im Garzer
. Schrey i Stück. Mai und Juni.
valgus Panz. Am 14. 5. 06 fing ich ein Stück am Julo auf
blühendem Crataegus. In der Sammlung von Triepke
befindet sich ebenfalls i Stück aus Pommern.
Genus Xylota Mgv
femorata L. i (^ von Triepke bei Gartz a. O. gefangen.
florum Fabr. Mai- Juli auf besonnten Blättern von Bäumen
und Gesträuchen ziemlich selten. Julo, Bodenberg,
Heidebrink.
ignava Panz. Mai, Juni. Ebenfalls auf besonnten Blättern.
Selten. Buchheide, Julo.
lenta Mg. Mai, Juni. Vorkommen wie bei der vorigen Art.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
365
nemoruin Fabr. Mai-August ::iif besonnten Blättern, nicht
häufig. Julo, Bodenberg, Buchheide.
segnis L. Juni- August. Auf besonnten Blättern, häufig'.
Julo, Buchheide.
silvamm L. Juni-x\ugust. Auf besonnten Blättern und
Holzstapeln nicht selten. Julo, Buchheide.
tarda Meig. = confinis Zett. Juni-August. Auf besonnten
Blättern niedriger Pflanzen bei Heidebrink 12 Stück,
auf dem Julo 2 Stück gefangen.
Genus Sjn^itta St. Farg. Serv.
pipiens L. ^lai-Oktober überall gernein.
Genus Eumerus Meig.
annulatus Panz. i Stück in der Sammlung des Marienstifts-
Gynmasiums von Triepke bei Garz a. O. gefangen.
ruficomis Meig. \^)n ihr gilt das von der vorigen Art Gesagte.
sabulosum Fall. Juli- August. An dürren Orten auf Blüten
nicht häufig. Heidebrink.
strigatus Fall. = lunulatus Meig. Im Juli und August auf
den Oderwiesen und am Westendsee nicht häufig.
Genus Ferdinandea Rond.
[Chrysochlamys Walker.)
cuprea Scop. VI — VII. Am Julo selten auf Blüten. Auch
bei Gollnow von Lüderwaldt gefangen.
nigrifrons Egg. Am 24. 5. 06 am Rande des Julo i $ ge-
fangen.
Genus Arctophila Schiner.
mussitans Fbr. Im Juni auf Crataegus und Kompositen
an sonnigen Waldsäumen mehrfach gefangen. Julo,
Buchheide.
Genus Sericomyia Meig.
lappona L. Im Juni 1907 am Julo und in der Buchheide
Stett. entomol. Zeit. 1909.
3(56
auf Blüten und Blättern an sonnigen Stellen mehr-
fach gefangen.
borealis Fall, mit der vorigen zusammen, aber häufiger.
Genus Spilomyia Mg.
saltuum Fabr. Am 4. 8. 05 fand ich i $ auf den Wiesen
bei Finkenwalde auf Heracleum Sphondylium L.
Genus Temnostoma St. Farg. Serv.
apiforme Fabr. Mai- Juni. Diese Art war bisher aus Nord-
deutschland nicht bekannt. Ich fand sie nicht selten
mit den beiden folgenden Arten zusammen auf
blühendem Weißdorn, Doldengewächsen imd be-
sonnten Blättern. Julo, Bodenberg, Buchheide.
bombylans Fabr. Mai und Juni. Viel seltener als die vorige
Art, jedoch an denselben Plätzen.
vespiformis L. Mai und Juni. An denselben Orten, aber
häufiger.
In der Triepkeschcn Sammlung befinden sich
zwei von ihm als vespiformis L. bezeichnete Stücke;
in Wirklichkeit ist nur das eine Stück vespiformis,
während das andere apiformis Fabr. ist.
Genus Calliprobola Rond.
speciosa Rossi. In der Triepkeschcn Samrnlung befinden
sich 2 Exemplare, welche Triepke wahrscheinlich
im Garzer Schrey gefangen hat. Sonst ist diese Art
in Pommern noch nicht beobachtet worden.
Subfam. Chrysotoxinae.
Genus Chrysotoxum Meig.
arcuatum L. von Triepke in Pommern gefangen.
bicinctum L. Juni-August. An sonnigen Waldsäumen auf
Blättern und Dolden nicht selten. Julo, Buchheide.
cautum Harr. = silvarum Mg. Mai-Juni. Ich fing diese
schöne Art ebenfalls nicht selten am Rande des Julo,
Stott. entomol. Zeit. 1909.
367
festivum L. Mai- Juli. An denselben Orten wie die vorige
Art, ziemlich häufig. Julo, Buchheide.
octomaculatum Curt. Mai-Juni. 3 Stück auf dem Julo
gefunden. Von Lüderwaldt auch bei Gollnow ge-
fangen.
vernale Loew. Mai-Juni. Ich fing sie nicht selten mit
festivum zusammen auf dem Julo.
Subfam. Microdontina e.
Genus Microdon Meig.
devius L. 13. 6. 96 zwei Exemplare beim Bahnhof Speck
am Gubenbach von Lüderwaldt gefangen.
Subfam. Ceriinae.
Genus Cerioides Rond.
[Ccria Fbr.)
COnopsoides L. In seinem Dipteren- Verzeichnis zählt Triepke
dieses Tier als in Pommern gefangen auf und zwar
das $. In seiner Sammlung ist es nicht vorhanden.
Ich habe diese seltene Art bisher noch nicht beob-
achtet.
Stett. enlomol. Zeit. liiOQ.
3f)8
Dalader sumatrensis,
eine neue Coreide von Siinuitra.
(Hemiptera — Heteroptera.)
Von KfEinscifid ^clantiel«. Stettin.
Fam. Coreidae.
Subf. Daladerinae.
Genus Dalader Am. et Serv.
Am. et Serv. Hemipt. p. 187 (1843).
Typus: Dalader acuiicosta Am. et Serv.
Dalader sumatrensis n. sp.
I ?.
Diese Art ist in der Färbung den übrigen der Gattung
sehr ähnlich, in der Form und GestaUung des Pronotum
von allen verschieden.
Pronotum sechseckig, im Vorderteile stark eingedrückt
und vor dem stumpf ausgeschnittenen Hinterrande durch
eine Querleiste stumpfwinkelig gebrochen, grob punktiert,
mit vorgezogenen Schultereckcn, welche in scharfe Spitzen
enden, die gerade und nach außen gerichtet sind (bei den
anderen Daladerarten sind die Schulterecken hinten ab-
gerundet und die Spitze ist nach vorn vorgezogen oder
liegt vor der Mitte der Schulterecken) ; die seitlichen
Pronotum-Vorderränder sind stärker gezähnt als die hinteren
und in der Mitte eingedrückt, aber weniger gebuchtet als
bei den übrigen Arten. Der Hinterleib ist in der Mitte
auch nicht so stark verbreitert wie bei D. acuticosta, sondern
schlanker. Fühler 4gliedrig, Glied i lang, Glied 2 etwas
kürzer, Glied 3 so lang wie Glied 4 mit der der Gattung
eigenen Verbreiterung. Die Deckflügel erreichen nicht
das Hinterleibsende, sind aber im Bau, wie die Flügel, von
denen der übrigen Arten nicht verschieden; ebenso verhält
Stett. entomol. Zeit. 1909. . ...,.,
369
es sich mit den Beinen und dem Rostrum. Bräunlich
ockerfarben mit brauner Tüpfelung und Punktierung. Die
Pronotum-Mittelhnie ist gelbhch weiß, und zwei seithche
Seitenstreifen sind schwach schwärzHch. Zweites Fühler-
ghed angeschwärzt, drittes schwarz. Augen braun, Ocellen
gLasheh, röthch. Deckflügel-Membran mit braunen und
schwärzlichen Flecken, die Basis ist schwarz. Flügel
schwärzlich getrübt mit braunen Nerven, zur Basis hin
mit gelblichem Tone, die Wurzel ist rot. Die basalen Rücken-
segmente des Hinterleibes sind rot, die apicalen in der
Mitte braunrot gefärbt, mit seitlichen ockergelben Flecken.
An den Seiten der Bauchsegmentc tritt ockergelbe Färbung
auf. Die Behaarung ist wie bei den übrigen Arten.
Länge 21 mm. Breite des Pronotum g mm. Größte
Breite des Hinterleibes 11 mm.
Sumatra: Soekaranda, Januar 1894 (Dr. H. Dohrn).
T^pe im Stettiner Museum.
yereisis-Aiii>eleseiilieiteii.
Die statuteimiäßigc Generalversammlung fand am 17.
November pr. in den Räumen des Stettiner Museums statt.
Der Vorsitzende gab der Versammlung einen Überblick
über den Vermögensbestand des Vereins und über dessen
Tätigkeit im verflossenen Jahre. Dem Vereinsrendanten
Herrn Rektor G. Schroeder wurde für seine Kassenführung
Entlastung erteilt und der Vorstand einstimmig wieder-
gewählt.
Stett. eutouiol. Zeit. 1909. 24
370
Iiilialts-Vcrzeicliiiis
(Heft IL 1909).
Neues über Rhopaloceren. Von H. Fruhstorfer. S. 209.
— Neue Cercopiden. Von Edmund Schmidt, Stettin. S. 239.
— Neue Evaniiden aus Formosa und Südamerika. Von
Dr. Günther Enderlein, Stettin. S. 245. — Zwei neue
Jassiden aus dem Stettiner Museum. (Hemiptera-Homop-
tera.) Mit i Textfigur. Von Edmund Schmidt, Stettin.
S. 262. — Neue Gattungen und Arten von Copeognathen
aus Transvaal sowie aus der Ohaus'schen Ausbeute aus
Ecuador. Von Dr. Günther Enderlein, Stettin. S. 266. —
Zwei neue Cercopiden-Gattungen. (Hemiptera-Homoptera.)
Mit I Textfigur. Von Edmund Schmidt, Stettin. S. 273. —
Isogenus aemulus, eine neue deutsche Plecoptere. Von
Dr. Günther Enderlein, Stettin. Mit 4 Textfiguren. S. 279
— Aleurodicus conspurcatus, eine neue Aleurodide aus
Süd-Brasilien. Von Dr. Günther Enderlein, Stettin. Mit
I Textfigur. S. 282. — Neue und bekannte Gattungen
und Arten der Subfamilie Cercopinae Stal des indo-
australischen Faunengebietes, ein Beitrag zur Kenntnis
der Cercopiden. (Hemiptera-Homoptera.) Mit i Text-
figur. Von Edmund Schmidt, Stettin. S. 284. — Plecoptero-
logische Studien. II. Von Dr. Günther Enderlein, Stettin.
S. 324. — Beiträge zur Dipteren-Fauna Pommerns. Von
(lustav Schroeder, Stettin. S. 353. — Dalader sumatrensis,
eine neue Coreide von Sumatra. (Hemiptera-Heteroptera.)
Xon Edmund Schmidt, Stettin. S. 367.
Ausgegeben Anfang April 1909.
Stctt. cntoinol. Zeit. 19ü0.
'M\
Inhalt des 70. Jahrganges
der Stettiner entomologischen Zeitung 1909
(alphabetisch geordnet).
Seite
Alphabetisches Register 372
Dr. Günther E n d e r 1 e i n : Cutiterebra Schroe-
deri, eine neue parasitäre Fhege. (Oesteridae
oHm.) 202
Derselbe : Cyaneoderes Dormeyeri, eine neue
Xylocopide ^^3
Derselbe : Neue Evaniiden aus Formosa und
Südamerika ^-^S
Derselbe: Neue Gattungen und Arten von
Copeognathen aus Transvaal sowie aus der
Ohaus'schen Ausbeute aus Ecuador 266
Derselbe : Isogenus aemulus, eine neue deutsche
Plecoptere ^79
Derselbe : Aleurodicus conspurcatus, eine neue
Aleurodide aus Süd-Brasilien 282
Derselbe: Plecopterologische Studien. II. Mit
I Tafel luid i Textfigur 324
Dr. Fr. O h aus : Bericht über eine entomologische
Studienreise in Südamerika 3
E d m u n d S c h m 1 d t : Neue und bekannte
Gattungen und Arten der Subfamüie Cerco-
pinae Stal des indoaustralischen Faunenge-
bietes, ein Beitrag zur Kenntnis der Cerco-
piden. (Hemiptera-Homoptera.) Mit 5 Text-
j- T 146
figurcn. 1 ^
Derselbe: Zwei neue Fulgoriden aus dem Stettmer
Museum '
Derselbe : Neue Cercopiden 239
'24'''
Stett. entomol. Zoit. 1909.
372
Derselbe : Zwei neue Jassiden aus dem Stettiner
Museum. (Hemiptera-Homoptera.) Mit i Text-
figur 262
Derselbe : Zwei neue Cercopiden- Gattungen.
(Hemiptera-Homoptera.) Mit i Textfigur , . 273
Derselbe : Neue und bekannte Gattungen und
Arten der Subfamilie Cercopinae Stäl des indo-
australischen Faunengebietes, ein Beitrag zur
Kenntnis der Cercopiden. (Hemiptera-Homop-
tera.) Mit I Textfigur. U • 284
Derselbe : Dalader sumatrensis, eine neue
Coreide von Sumatra. (Hemiptera-Heterop-
tera.) 367
Gustav Schroeder: Beiträge zur Dipteren-
Fauna Pommerns 353
Chr. Stern berg : Neue Arten aus der Gattung
Tefflus 192
A. j\I. S c h u g u r o w : Beitrag zur Kenntnis der
Orthopteren-Fauna Bessarabiens 140
Vereins-Angelegenheiten 369
Alphabetisches Register»
A c h e t a 143.
campestri 143.
Achetodea 143.
A c r i d i a 143.
turrita 143.
A c r o n e u r i a 346.
nobilitata 346.
Acrotylus 145.
longipes 145.
Aleurodicus 282.
conspurcatus 282.
Anisoptera 142.
fusca 142.
Stett. cntoniol. Zeit. 1909.
Anoplostethus 273.
Jacobii 274.
jucundus 275.
A r c t o p h i 1 a 365.
mussitans 365.
Arcyptera 144.
fusca 144.
microptera 144.
A s c i a 360.
dispar 360.
floralis 360.
podagrica 360.
c[uadripunctata 360.
373
B a c c h a 3G0.
elongata 360.
Blatta 141.
transfuga 141.
Blattodea 141.
Brachygaster 256.
conjungens 257.
Brachypalpus 364.
bimaculatus 364.
valgus 364.
Bulla 143.
subulata 143.
Bythopsyrna 190.
Dohrni 190.
,, var. borneensis 191.
Callimenus 142.
Montandoni 142.
Calliprobola 366.
speciosa 366.
Calliptaraus 145.
italicus 145.
C e r i i n a e 367.
Cerioides 367.
conopsoides 367.
C e t h o s i a 227.
cydippe cenchrites 227.
„ coronilla 228.
,, damasippe 227.
,, praestabilis 228.
mindanensis festiva 229.
myrima melancholica 229.
Chalcidopterella 262.
chalcidipennis 262.
Chelidoptera 142.
intermedia 142.
C h i 1 o s i a 356.
albipila 356.
albitarsis 356.
carbonaria 356.
chloris 356.
grossa 356.
impressa 357.
intonsa 357.
oestracea 357.
pagana 357.
ruralis 357.
variabilis 357.
velusina 357.
vernalis 357.
Chrysochraon 144.
brachypterus 144.
Chrysogaster 356.
chalybeata 356.
Macquarti 356.
metallina 356.
solstitialis 356.
splendida 356.
viduata 356.
Chrysotoxinae 366.
C h r y s o t o X u ra 366.
arcuatum 366.
bicinctum 366.
cantum 366.
festivum 367.
octomaculatum 367.
vernale 367.
Cirrochroa 234.
imperatrix 238.
regina 235.
ducalis 235.
myra 235.
nasica 236.
paulowna 237.
princesa 236.
regina 236.
sophene 235.
semiramis 238.
C o n s i d i a 239.
oblonga 239.
trimaculata 239.
Criorrhina 364.
asilica 364.
Cur tili a 143.
gryllotalpa 143.
C u t i t e r e b r a 202.
Schroederi 202.
Cyaneoderes 204.
Dormeyeri 204.
D a 1 a d e r
sumatrensis 368.
Delias 231.
aruna 231.
,, aruna 233.
bajura 233.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
374
aiuna inferna 232.
irma 232.
,, madala 233.
,, rona 233.
,, seriata 234.
D i d e a 358.
fascialis 358.
intermedia 358.
Ectemnonotiim 294, 301,
323.
acuminatum 299. 314, 324.
basibreviatum 301, 321 324.
bilobatum 300, 316, 324.
bivittatum 296, 303, 323.
,, var. flavifascium 304, 323.
brevirostnim 299, 313, 324.
Buxtoni 298, 311, 324.
var. gracile 313, 324.
cyaneiventris 301, 317, 324.
Distanti 297. 307, 323.
,, var. riibrovittatum 297,
308, 323.
Dohrni 298, 304, 323.
„ var. evanidum 298, 305,
323.
,, var. unitaeniatum 298,
305, 323.
falsarium 296, 309. 323.
ferale 297, 305, 323.
Fruhstorferi 297, 308, 323.
incisum 301. 319, 324.
rugosum 299, 313, 324.
simile 300, 320 324.
tricoloriforme 294, 301, 323.
truncatum 300, 322, 324.
Waterstfadti 298, 310, 324.
Ec tobia 141.
lapponica 141.
E n ch o p h o r a 187.
eminent a 187.
E o s c a r t a 240.
eos 240.
pygmaea 240.
E p h i p p i g e r i d a 141.
ephippiger 141.
Eristalinae 361.
Eris talis 361.
aeneus 361.
alpinus 361.
anthophorinus 361.
arbustorum 361.
cryptarum 361.
fenax 362.
horticola 361.
intricarius 361.
nemorum 361.
oestraceus 361.
pertinax 362.
pratorum 362.
rupium 362.
sepulcralis 362.
E u m e r u s 365.
annulatus 365.
ruficornis 365.
sabulosum 365.
strigatus 365.
E u n i c a 209.
bechina 212.
,, chorienes 212.
medellina 212.
caelina 210.
,, alycia 210.
cinara 215.
,, oreandra 215.
marsolia 215.
norica 211.
,, pompata 211.
pomona 211.
,, pompata 211.
sydonia 209.
,, poppaeana 209.
taurione 215.
,, fasula 215.
volumna 213.
intricata 214.
E u r i p u s 230.
robustus 230.
,, myrinoides 230.
E u t h a li a 223.
teuta 223.
,, salpona 224.
E V a n i a 245.
appendigaster 254.
Bradleyi 248.
Stett. entomol. Zeit. 1909.
375
formosana 250.
hirsuta 253.
var. rufofemo ata 253.
oblonga 246.
Sauteri 250.
E V a n i e 1 1 a 254.
ferraginescens 250.
Hoffmannsi 254.
E V a n i e 1 1 u s 261.
Ferdinande a 265.
cuprea 3J5.
nigrifrons 365.
Flatop.sis 191.
nivea 192.
F I a t o s o m a 189.
diastola 189.
Forf ic nla 141.
auricularia 141.
tomis 141.
F o r f i c u 1 o d e a 141.
G o m p h o c e r u s 144.
antennatus 144.
rufus 144.
Gryllus 143.
domestricus 143.
Gynopygoplax 147, ISG.
costalis 150, 157, 186.
Grelaki 150, 153, 180.
luzonensis 151, 100, 186.
Meyeri 150, 156, 186.
plutonica 151, 162, 186.
proserpina 150, 154, 180.
proserpinella 151, 161, 186.
submaculata 151, 163, 186.
,. var. borneensis 164, 183.
,. var. flava 164, 186.
,, var. sumatrensis 164. 186.
theora 151, 158, 186.
unifasciata 152, 165, 186.
H a r p e z o n e u r a 270.
multifurcata 270.
H e 1 o p h i 1 u .s 362.
floreus 362.
frutetorum 362.
hybridus 302.
lineatus 302.
lunulatus 302.
nigrotarsatus 362.
pendulus 362.
transfugus 362.
trivittatus 362.
versicolor 362.
H e s t i a 229.
divona 230.
Hybosoarta 243.
Pehlkei 243.
rubicunda 243.
H y 1 i c i n i 262.
Hy p tia 261.
ocellaria 261.
I s c h y r o s y r p h u s 358.
glaucus 358.
Isongenes 279.
aemulus 279, 280, 282.
Nanseni 281.
nubeculum 282.
recta 281.
septentrionis 281.
I s o p h i a 143.
modestior 143.
Labia 141.
minor 141.
L a b i d u r a 141.
riparia 141.
L a s i o p h t h i c u s 358.
pyrastri 358.
seleniticus 359.
Leucozona 358.
lucorum 358.
L o c u s t a 144.
migratoria 144.
Locustodea 143.
M a 1 1 o t a 362.
cimbiciformis 303.
fuciformis 302.
Man t i s 141.
religiosa 141.
Mantodea 141.
Melanostoma 358.
mellinum 358.
M e r o d o n 363.
equestris 303.
M i c r o d o n 307.
devius 307.
Stett. cntomol. Zeit. 1909,
376
M i c r o d o n t i n a e 3()7.
M i 1 e s i i n a e 364.
M i o s c a r t a 239.
forcipata 239.
rubens 239.
Monocladellus 266.
Ohausianus '267.
Myolepta 364.
luteola 364.
Notoscarta 241.
eroceonigra 241.
Schoutedeni 241.
Severini 242.
Oecanthus 143.
pellucens 143.
O c h t h o p e t i n a 324.
aeripennis 325.
caligata 329.
camerunensis 343.
Conradti 335.
didita 345. 1
fulgesceiii 337.
laminulata 333.
luteola 339.
minutissima 341.
sumatrana 331.
violaris 327.
Oedaleus 144.
nigrofasciatus 144.
0 e d i p o d a 144.
coerulescens 144.
0 n c o n o t u s 1 42.
Servillei 142.
O r t h o 11 e u r a 356.
elegans 356.
geniculata 356.
nobilis 356.
P a r a g u s 355.
bicolor 355.
tibialis 355.
Parasudra 263.
sumatrana 265.
Pelecocera 360.
tricincta 360.
P e r 1 a 347.
canilimbata 347.
sikkimen.sis 349.
Phaneroptera 143.
falcata 143.
Phasgonura 142.
oaudata 142.
viridissima 142.
Phasgonurodea 141.
P h ü 1 i d o p t e r a 142.
griseoaptera 142.
pustulipes 142.
Pholidoptera 142.
Frivaldskii 142.
P i p i z a 355.
festiva 355.
luctuosa 355.
lugubris 356.
noctiluca 356.
signata 356.
P i p i z e I 1 a 355.
H e r i n g i 355.
virens 355.
Platychirus 357.
albimanus 357.
clypeatus 357.
discimanus 357.
fulviventris 357.
immarginatus 357,
manicatus 357.
peltatus 357.
podagratus 357-
scutatus 357.
Poecilemon 142.
elegans 142.
Polypsocus 269.
nervuloäus 269.
Po r pax 277.
xanthomelas 278.
P t y cl u s 243.
ocelliger 244.
var. fuscus 244.
spumarius 243.
Pyropphaena 357.
granditarsa 357.
rosarum 358.
R h i n g i a 360.
campestris 360.
rostrata 360.
?tctt. cntoniol. Zeit. 190-).
o ( /
ScTiva 191.
cardinalis 191.
S e m a e o m y i a 259.
Catharinensis 260. i -
laevis 260.
minutissima 259.
Serapita 182, 187.
charon 183, 184, 187. :
Zaumseili 184, 185, 187.
S e r i c o m y i a 365.
borealis 366.
lappona 365.
S i m e 1 i r i a 285, 323.
aeneu.s 287, 293, 323.
apicalis 287, 290, 323.
Butleri 280, 288, 323.
cambodjana 286, 289, 323.
coerulescens 287, 291, 323.
juno 286, 289, 323.
viridans 285, 286, 287. 323.
S p h a e r o p h o r i a 359.
melissae 3()0.
,, var. ])icta 360.
,, var. taeniata 360.
menthastri 359.
,, var. philanthus 360.
scripta 360.
,, var. dispar 360.
,, var. strigata 360.
8 ]) h i n g o n o t 11 s 144.
eoerulans 144.
iS p i 1 o ni y i a 366.
saltuum 366.
S t a u r o n o t u s 145.
brevicollis 145.
S t e n o b o t h r u s 1 44.
bicolor 144.
Fischeri 144.
vagans 144.
S t y 1 o p y g a 141.
Orientalis 141.
S u d r a 265.
borneensis 265.
Suracarta 166, 186.
tdrquata 168, 171. 186.
tricoloj- 168, 171, 186.
basinotata 174, 179, 187.
tricolor basiplagiata 174, 180,
187.
borneensis 174, 182, 187.
„ ,, var. nigri-
frons 182,
187.
,, fasciaia 173. 175, 186.
,, ,, var. cvanes-
cens 1 76,
186.
,, „ var. niasensis
176, 186.
„ ,, var. perakana
176, 186.
Niobe 174, 180, 187.
,, riibroplagiata 174, 177,
186.
„ „ var. bipunc-
tata 179,
186.
,, ,, var. quadri-
punctata
177, 186.
,, var. tenasse-
riraensis
178, 186.
„ ,, var. tripnnc-
tata 178,
186.
tricolor 173. 174. 186.
8 y r i 1 1 a 365.
pipiens 365.
S y r ]) h i d a e 355.
S y r ]i li i n a e 355.
S y r p h u s 359.
albostriatus 359.
,, var. confusus 359.
arcuatus 359.
auricollis 359.
balteatus 359.
bifasciatus 359.
cinctellus 359.
corallae 359.
luninger 359.
melanostoma 359.
nitidicoUis 359.
ribesii 359.
Stett. entoniol. Zeit. 1909.
:578
torvus 359.
trincinctus 359.
umbellatarum 359.
venustus 359.
vitripennis 359.
T a e n a r i s 226.
macrops 226.
ternatana 226.
Tefflus 192.
Alluaudi 197.
discedens 192.
gracilis 199.
i'otundicollis 194.
T e m n o s t o m a 366.
apiforme 366.
bombylans 366.
vespiformis 366.
Tettigonia 142.
verrucivora 142.
T ]i o o d z a t a 244.
basifusca 244.
princeps 244.
Tricadellus 273.
T r o c t e .s 272.
transvaalensis 272.
Tropidia 364.
scita 364.
Volucella 361.
bombylans 361.
pellucens 361.
Voluccllinao 361.
X a n t h a n d i' ii s 358.
comptus 358.
X a n't h o g r a m m a 360.
critrofosciatum 360.
Xylota 364.
femorata 364.
florum 364.
ignava 364.
lenta 364.
nemorum 365.
segnis 365.
silvarum 365.
tarda 365.
Zethera 216.
hestioides 222.
incerta 221.
musa 219.
mindoroiia 221.
radenoides 220.
septentrionalis 220.
pimplea 217.
„ arayata 217.
,, crastimima 218.
diloris 218.
,, gadrosia 218.
Stett. entomol. Zeit. 190S).
Stett. entomol. Zeit. 1909.
Tafel I.
\1
4 3